Göttinger Kiessee:
Vogelschutz und Wassersport im Clinch

Kiessee - H.H.Dörrie
Abb. 1: Blick vom Südufer. Foto: H. Dörrie

Am 17. Oktober 2014 meldete das „Göttinger Tageblatt“: „Zwei Drachenboote für den Göttinger Kiessee“. Von der lokalen Sparkasse finanziert und mit jeweils 20 Paddlern, einem Trommler und einem Steuermann bestückt, sollen sie 2015 an den Start gehen. Ein Vogelkundler sah darin einen Verstoß gegen die Kiesseeverordnung von 1974 und drohte mit Klage. (more…)

February 14th, 2015

Die Nilgans: Neubürger mit sprödem Charme

Nilgans - M.Siebner
Abb. 1: Nilgansstudie. Foto: M.Siebner

„Tröröööh, trött, trött, trött!“. Wer oder was bringt um Himmelswillen solche Töne hervor? Benjamin Blümchen auf Speed? Eine Zweitakterkolonne, die im November 1989 die Göttinger Innenstadt mit Abgasen vernebelt? Weit gefehlt, so klingen Nilgänse bei ihrer ganz normalen Kommunikation. Bei der Balz geht es dagegen fast menschlich zu: Während das Weibchen lustvoll „Äääh“ stöhnt, schnarcht der Gatte. Den weitreichenden Kontaktruf „Onk, Onk“ äußern beide Geschlechter. Ob sich die südafrikanischen Fußballfans bei der Kreation ihrer legendär berüchtigten Vuvuzelas von den Fanfarenstößen ihrer geflügelten Landsleute haben inspirieren lassen, darf stark vermutet werden. (more…)

December 16th, 2014

Späte Brutzeit und Wegzug 2014
in Süd-Niedersachsen:
gemächlich dem Winter entgegen

Bartmeise - M.Siebner
Abb. 1: Bartmeise am Göttinger Kiessee. Foto: M.Siebner

Das Wetter im Berichtszeitraum gestaltete sich, wie sollte es anders sein, wechselhaft. Der Juli war warm und mit elf Gewittertagen noch feuchter als üblich, der August ungewöhnlich kühl, der September sonnig und trocken, der Oktober anfangs golden, später nass, aber immer noch der drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1927. Der November verlief mild, windstill und, nun ja, nicht gerade kurzweilig. Gleichwohl gibt es wieder eine Menge zu vermelden, und komplett salzlos war die vogelkundliche Tagessuppe auch diesmal nicht. (more…)

November 30th, 2014

Der Habicht - Vogel des Jahres 2015 –
in Süd-Niedersachsen: alles andere als
ein Kuscheltier

Habicht - V.Dierschke
Abb. 1: Adulter Habicht. Foto: J. Dierschke

Mit dem Habicht (Accipiter gentilis) hat der NABU eine gute Wahl getroffen. Nach dem Kormoran, Vogel des Jahres 2010, steht erneut eine Vogelart im Blickfeld der Öffentlichkeit, der Naturnutzer immer noch mit blankem Hass begegnen. Im Unterschied zu Kormoran, Rabenkrähe und Elster, für die vom Gesetzgeber unter enormem Lobbydruck großzügige Abschussregelungen festgeschrieben wurden, findet das Töten von Habichten und anderen Greifvogelarten zumeist im Verborgenen statt (more…)

October 24th, 2014

März bis Juni 2014 in Süd-Niedersachsen: Vogelfestival mit kleinen Schönheitsfehlern

Jagdfasan - M.Siebner
Abb. 1: Nur eine von vielen Raritäten: Fasan. Foto: M. Siebner

Ein stärkerer Kontrast ist wohl kaum denkbar: Während vor einem Jahr im „Märzwinter“ Schnee und Frost für einen beispiellosen Stau heimziehender Vögel sorgten und sich der „November-Mai“ mit ungewöhnlich heftigen Niederschlägen und tagelangen Höchsttemperaturen im einstelligen Celsiusbereich als einziges Desaster erwies, waren März und April im Folgejahr bemerkenswert warm und trocken. Der Mai hingegen fiel wieder eher feucht aus, war aber deutlich wärmer als sein Vorgänger. Der Juni gestaltete sich wechselhaft, aber insgesamt durchaus passabel. Die Brutaktivitäten der Vögel wurden nur von einem Schlechtwettereinbruch mit Dauerregen um den 29. Mai (Himmelfahrt) und, besonders in Göttingen, am 10. und 11. Juni von heftigen Gewitterstürmen mit Orkanböen und Starkregen (32 Liter/m²) beeinträchtigt. In den zahlreich entwurzelten Bäumen dürften etliche Bruten ein klägliches Ende gefunden haben. Zuvor konnten jedoch Höhlen- und Frühbrüter einen guten bis sehr guten Bruterfolg erzielen. Im Kiessee-Leinegebiet und anderswo zeigten vergleichsweise hohe Zahlen von jungen Staren und Wacholderdrosseln eine Erholung von den Verlusten des Vorjahrs an. (more…)

July 4th, 2014

Das Birdrace 2014 in Süd-Niedersachsen

Alpenstrandläufer
Abb.1: Alpenstrandläufer während des Birdrace an der
Kiesgrube Reinshof. Foto: M. Siebner

Am 3. Mai gingen unter passablen Wetterbedingungen - maximal 12°C, Sonne und Wolken im Wechsel sowie ein manchmal auffrischender Wind der Stärken 2 bis 3 - zwei Teams an den Start: die „Göttinger Sozialbrachvögel“ (Mathias Siebner, Hans H. Dörrie, Christoph Grüneberg, Karl Jünemann und Moritz Otten) und die „Göttinger Siebenschläfer“ (Béla Bartsch, Maarten Mooij und Verena Rösch). Beide Formationen waren mit Auto und Fahrrad unterwegs. (more…)

May 5th, 2014

Birdrace 2014: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt“

Tetzelstein. Quelle: Wikipedia.org
Abb.: Denkmal im Elm bei Braunschweig, das an den berüchtigten Ablassprediger Johann Tetzel erinnert. Er soll hier im frühen 16. Jahrhundert von einem Adligen gewaltsam um das Geld seiner Schäfchen erleichtert worden sein.
Wegelagerer unter sich… Bildquelle: Wikipedia.

Bisher war das Birdrace (Näheres unter www.dda-web.de) eine feine Sache. Man mühte sich am ersten Samstag im Mai in seinem Landkreis redlich ab, so viele Vogelarten wie möglich auf die Liste zu bekommen. Durch das Einwerben von Sponsoren konnten fachbezogene Projekte wie die Datenbank www.ornitho.de oder der Atlas deutscher Brutvogelarten finanziell unterstützt werden. Je nach Gusto, körperlicher Fitness oder geologischer Beschaffenheit der Region bewegten sich die Teams mit dem Fahrrad oder Auto bzw. mit einer Kombination beider Verkehrsmittel durch die Landschaft. Verbindliche Vorgaben hinsichtlich der Fortbewegungsart gab es nicht. Reine Fahrradteams wurden lobend hervorgehoben, ihre Ergebnisse aber nicht mit Bonuspunkten bedacht. Dies war dem locker-sportiven und weithin sinnfreien Charakter der Veranstaltung durchaus angemessen.
2014 ist es anders. Jetzt soll das Birdrace „klimaneutral“ verlaufen. (more…)

April 15th, 2014

Naturschützer fordern: Auwald statt Steppe!

Geschiebesperre Hollenstedt - M.Siebner
Abb. 1: Lebensfeindliche Wüstenei an der Geschiebesperre

Auwälder sind in Europa und anderswo Lebensräume mit der höchsten biologischen Diversität. Ihr Wert als Speicher von klimaschädlichen Kohlenwasserstoff-verbindungen ist unschätzbar. Durch Eindeichungen und Flussbegradigungen, Staustufen und ihre Umwandlung in Agrarland und Gewerbegebiete sind sie leider dramatisch geschrumpft.
Im Leinetal zwischen Göttingen und Einbeck prägten Auwälder über Jahrtausende das Landschaftsbild. Dann kam der Mensch und hackte sie ab. Nur an wenigen unzugänglichen Stellen konnte sich die ursprüngliche Vegetation behaupten. Eine davon ist die Geschiebesperre Hollenstedt bei Northeim. Doch wenn man diesen Geheimtipp heute aufsucht, macht sich Entsetzen breit: (more…)

April 1st, 2014

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