Grauspechtkartierung im Göttinger Land -
ein erster Zwischenbericht

Grauspecht - JWeiss
Abb. 1: Grauspecht-Mann an der zukünftigen Bruthöhle. Foto: J. Weiss

2018 überlegten sich Hans H. Dörrie und Unterzeichner, unter den Vogelbeobachtern im Arbeitskreis Göttinger Ornithologen für artbezogene Beobachtungsprojekte zu werben, um systematische Daten zum Bestand und zur Ökologie besonders interessanter Vogelarten zu gewinnen, die im heimischen Raum charakteristisch sind. Es sollten auch mal Waldarten dabei sein, da in der Regel die Wälder gegenüber den Offenland-Lebensräumen von den Ornithologen gerne vernachlässigt werden. Wir wollten auch dem durch ornitho.de geförderten Trend zum Rückgang systematischer, artenbezogener Beobachtung entgegenwirken. Der Vorstoß fiel auf Resonanz. Neben Waldlaubsänger und Gelbspötter wurde der Grauspecht ausgewählt (more…)

February 20th, 2020

Der Waldlaubsänger - ein Vogel schwirrt (ab)

Waldlaubsänger - MSiebner
Abb. 1: Waldlaubsänger. Foto: M. Siebner

Waldvögel werden in der regionalen Avifaunistik eher stiefmütterlich behandelt. Dies betrifft auch den Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix, Abk. WLS), der ein Vogel des Waldesinneren ist und am besten durch seinen schwirrenden Gesang, der an eine fallende Münze erinnert, entdeckt werden kann. Über Verbreitung, Häufigkeit und Lebensraumansprüche ist immer noch wenig bekannt. Da traf es sich gut, dass schweizer Ornithologen diesem Vogel ihre Aufmerksamkeit gewidmet haben und interessante Ergebnisse erarbeiten konnten. Dies wiederum nahmen Vogelkundler des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen (AGO) zum Anlass, ähnlichen Fragestellungen nachzugehen.
Wenn die Waldlaubsänger aus ihren Überwinterungsgebieten im äquatorialen Regenwaldgürtel und den anschließenden Feuchtsavannen im April bis Mai bei uns eintreffen, kann man den Gesang nicht nur in den Brutgebieten vernehmen. Singende Männchen sind dann z.B. am Göttinger Kiessee oder ausnahmsweise sogar aus dem Schilf im Polder Salzderhelden (2005) zu hören. Aber auch in den Wäldern werden Gesangsreviere häufig nur für kurze Zeit bezogen (more…)

January 4th, 2020

Späte Brutzeit und Wegzug 2019:
Bunte Gänse und invasive Eichelhäher

Zwergkanadagans - ABischoff
Abb. 1: Zwergkanadagans “Candy” - Dauergast am Göttinger Kiessee.
Foto: A. Bischoff

Das Wetter im Berichtszeitraum Juli-November kann für Göttingen als weitgehend ausgeglichen bezeichnet werden. Der Sommer war sonnenstundenreich, Juli und August etwas wärmer als gewöhnlich (mit neuem Temperaturhöchstwert von 37,4°C am 25.7.). Niederschläge waren nicht ganz so rar wie im extrem trockenen Vorjahr. Sie reichten aber nicht aus, das Defizit von 2018 auszugleichen. Als Folge litten auch zahlreiche Buchen und andere Laubbäume unter Trockenstress - ein Phänomen, das in diesem Ausmaß seit 50 Jahren nicht beobachtet wurde. Im September und Oktober fiel dann ordentlich Niederschlag, bei weitgehend “normalen” Temperaturen. Zehn Frostnächte, überwiegend im November, lagen wiederum im langjährigen Mittel. Bedeutende Phasen von Starkregen- oder Sturmereignissen blieben aus, sodass sich der Vogelwelt passable nachbrutzeitliche sowie Wegzugsbedingungen geboten haben dürften. In unseren Breiten überwinternde Arten sind dank milder Bedingungen ohne längere Frostperioden bislang eher unterrepräsentiert - der Winter lässt mal wieder auf sich warten.

Erste Singschwäne konnten am 31. Oktober beobachtet werden. Ein Familienverband aus zwei Elterntieren und fünf Jungvögeln steuerte abends die Geschiebesperre Hollenstedt (GSH) an, den regional bedeutendsten Schlafplatz für durchziehende und überwinternde Gänse und Schwäne. Eine wiederholt im November hier beobachtete Familie wies nur (noch?) vier Junge auf.
Für kurzweilige Begeisterung sorgte die Entdeckung einer adulten (bzw. mindestens vorjährigen) Rothalsgans (more…)

December 14th, 2019

Die Turteltaube in Süd-Niedersachsen:
wer kennt noch den Vogel des Jahres 2020?

Turteltaube - M.Siebner
Abb.1: Turteltaube an einem mittlerweile verwaisten Brutplatz bei Ellershausen.
Foto: M. Siebner

Auf einer Stromleitung in der Feldmark zwischen Jühnde und Bördel oberhalb des Leinetals versammeln sich im Spätsommer 18 Turteltauben. Bald werden sie sich in ihre Winterquartiere südlich der Sahara aufmachen. Ja und? Die Beobachtung gewinnt durch das Jahr an Bedeutung, in dem sie stattgefunden hat: 1998. Seit damals ist ein vergleichbar großer Trupp in unserer Region nie mehr gesehen worden. Die Feldmark Jühnde – Bördel ist inzwischen gründlich ruiniert, das Grünland geschrumpft, die Brachen weg, die Feldwege asphaltiert. Turteltauben wurden dort seit Jahren nicht mehr gesehen, ein Brutvorkommen des Raubwürgers ist ebenfalls lange erloschen. Auf der Fläche stehen jetzt vier riesige unfertige Windräder, deren Weiterbau nach einem Gerichtsbeschluss im Frühjahr 2018 wegen einer fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfung vorerst gestoppt wurde. Die in der Umgebung brütenden Rot- und Schwarzmilane und ein traditionelles Baumfalkenpaar werden es danken – fragt sich nur, wie lange noch (more…)

October 20th, 2019

Gelbspötter in Göttingen: der lange Abschied

Singender Gelbspötter - MSiebner
Abb. 1: Singender Gelbspötter. Foto: M. Siebner

In der Rangfolge der Gesangsvirtuosen unter unseren heimischen Brutvögeln liegt der Gelbspötter (Hippolais icterina) in einer Spitzengruppe mit Nachtigall, Sumpfrohrsänger, Blaukehlchen und Feldlerche weit vorn. Macht sich der unscheinbare Vogel in einer Baumkrone akustisch bemerkbar, ist der Zuhörer schwer beeindruckt. Es quietscht und leiert in einem fort, unterbrochen von Imitationen anderer Arten. J. Matusiak hat das in einer Tonaufnahme im polnischen Biebrza-Nationalpark festgehalten.
Für unsere Göttinger Altvorderen (sofern sie ein Ohr für Vogelstimmen hatten) war der Gelbspötter eine vertraute Erscheinung (more…)

August 4th, 2019

Heimzug und Brutzeit 2019 –
Vögel auf der Wetter-Achterbahn

Nachtreiher - MSiebner
Abb. 1: Nachtreiher am Göttinger Kiessee Foto: M. Siebner

Der März 2019 war geprägt von einer rasanten Abfolge stürmischer Tiefdruckgebiete. Mit „Eberhard“, „Franz“, „Gebhard“ und „Heinz“ trugen sie altbackene Vornamen, nach denen Enkeltrickser und falsche Polizisten die Telefonlisten für ihre Schockanrufe filtern. „Igor“ setzte am 15. einen neuen Akzent. Sollte eine Familie dieses Sturmtief beim Berliner Institut für Meteorologie gesponsert und nach dem russischen Opa benannt haben, war dies nicht ganz so folgenreich wie beim legendären Orkan „Kyrill“ im Januar 2007. „Eberhard“ hinterließ in den Wäldern die tiefsten Spuren, war aber in seinem Wirken nicht annähernd vergleichbar mit dem Orkan „Friederike“ im Januar des Vorjahrs. Der Monat endete mit einer warmen Südwestströmung. Ab Anfang April wurde es bis in die zweite Dekade deutlich kälter, mit Tageshöchsttemperaturen im niedrigen einstelligen Bereich und tageweise leichtem Schneefall. Dies führte zu einem bemerkenswerten Zugstau von Insektenfressern (vor allem Schwalben), der sich nur zögernd auflöste. Über Ostern herrschte sommerliches Wetter mit Temperaturen über 25°C. Weil der Monat zudem niederschlagsarm war, wurden in der Tagespresse recht bald plakative Mutmaßungen über einen zweiten Dürresommer in die Welt posaunt. Die erste Maihälfte war mit 5°C unter dem langjährigen Durchschnitt so kalt wie nie, mit verbreiteten Nachtfrösten und Schneeflocken bis in die Niederungen. Nur an einem Tag wurde die 15°C-Marke erreicht. Für Insektenfresser, die von einem Zugstau in den anderen gerieten, war diese Zeit eine schwere Prüfung. In der zweiten Maihälfte wurde es wieder wärmer und, vor allem, feuchter. Am 20. fielen in Göttingen mehr als 50 l/m². Der Juni war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und verabschiedete sich mit einer beeindruckenden Hitzewelle aus der Sahara (maximal 34°C am 26. und 30.). Allerdings sorgten auch in diesem Monat wiederholte Schauer und kräftige Gewitter für den nötigen Niederschlag. In Uslar fielen am 19. mehr als 60 l/m². Gleichwohl sank der Wasserstand im Seeanger bei Seeburg, einem unserer artenreichsten Naturschutzgebiete, Ende Juni dramatisch. Wesentlicher Grund dafür ist wohl das neue Gebietsmanagement des Landkreises Göttingen, das den Interessen der Weideviehhalter einseitig Vorrang gegenüber den Naturschutzzielen einräumt
Durch das wetterbedingte Auf und Ab gestaltete sich der Heimzug eher stotternd. Viele Weitstreckenzieher (more…)

July 7th, 2019

Birdrace 2019 in GÖ: Ein Schauspiel der vielfältigen Fortbewegungsmittel

Birdrace Titel
Abb. 1: Unterwegs bei nassem und kaltem Wetter. Foto: A. Bischoff

Nach dem plötzlichen, unerwarteten Höhepunkt der Vielfalt mit neun Teams im Jahr 2018, waren die mehr- bis langjährig angestammten Teams und Teilnehmenden 2019 wieder mehr unter sich. Unerwartet vielfältig waren aber diesmal die Fortbewegungsmittel: Neben dem bewährten motorisierten Vierrad und dem muskelkraft-betriebenen Zweirad trat diesmal auch die elektrisierte Variante des Letztgenannten in Erscheinung. Mit unterschiedlichen technischen Gegebenheiten traten letztlich vier Teams - darunter ein soweit nicht näher bekanntes Team namens MILANOVIC – zu diesem alljährlich freudig-verrückten Ereignis am ersten Samstag im Mai im Landkreis Göttingen an, während der Nachbar-Landkreis Northeim diesmal nicht besucht wurde.
Regen, Graupel, Schnee und die zugehörige Kälte mit nur einigen kurzen sonnigen Phasen sorgten den ganzen Tag über für gemischte Gefühle bei den Teilnehmenden. Lange Unterhosen, Regenhosen und Handschuhe – wahlweise auch ein zweites, trockenes Paar – gehörten diesmal zur Standardausrüstung (more…)

May 21st, 2019

Die schönste Schwalbe zu Besuch -
nicht zum ersten Mal

Rötelschwalbe - VHesse
Abb. 1: Rötelschwalbe am Göttinger Kiessee. Foto: V. Hesse

Anfang April. Genauer gesagt der 3. April 2019. Ich bin auf der Suche nach meinem ersten Fitis der Saison. Auf meiner Fahrt durch die Feldmark Bovenden im Leinetal nördlich von Göttingen konnte ich bereits ein Pärchen Eisvögel am Graben entdecken, aber eigentlich hatte ich mir ein paar mehr Arten erhofft. Schafstelze, Fitis, Klappergrasmücke, Mehlschwalbe. All das hatte sich die letzten Tage bereits den anderen Vogelbeobachtern Göttingens gezeigt, nur heute vor mir wollten sie sich alle nicht offenbaren. Etwas resigniert erreichte ich die Kiesgrube bei Angerstein. Schon aus der Ferne fielen mir einige Schwalben auf, nicht viele, aber möglicherweise war ja nun doch noch die erste Mehlschwalbe darunter. Sie schienen meine bisher eher erfolglose Fahrt wieder gut machen zu wollen. In geringer Höhe jagten die Vögel über der Wasserfläche und der angrenzenden Feldmark und ließen sich dabei schön beobachten. Schnell waren einige Uferschwalben und auch die ersehnte Mehlschwalbe unter den etwa 50 anwesenden Tieren gefunden und bei mir machte sich Freude und etwas Erleichterung breit, den Weg nicht umsonst gefahren zu sein. Plötzlich weckt eine der Schwalben erneut meine Aufmerksamkeit (more…)

May 3rd, 2019

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