Birdrace 2019 in GÖ: Ein Schauspiel der vielfältigen Fortbewegungsmittel

May 21st, 2019

Birdrace Titel
Abb. 1: Unterwegs bei nassem und kaltem Wetter. Foto: A. Bischoff

Nach dem plötzlichen, unerwarteten Höhepunkt der Vielfalt mit neun Teams im Jahr 2018, waren die mehr- bis langjährig angestammten Teams und Teilnehmenden 2019 wieder mehr unter sich. Unerwartet vielfältig waren aber diesmal die Fortbewegungsmittel: Neben dem bewährten motorisierten Vierrad und dem muskelkraft-betriebenen Zweirad trat diesmal auch die elektrisierte Variante des Letztgenannten in Erscheinung. Mit unterschiedlichen technischen Gegebenheiten traten letztlich vier Teams - darunter ein soweit nicht näher bekanntes Team namens MILANOVIC – zu diesem alljährlich freudig-verrückten Ereignis am ersten Samstag im Mai im Landkreis Göttingen an, während der Nachbar-Landkreis Northeim diesmal nicht besucht wurde.
Regen, Graupel, Schnee und die zugehörige Kälte mit nur einigen kurzen sonnigen Phasen sorgten den ganzen Tag über für gemischte Gefühle bei den Teilnehmenden. Lange Unterhosen, Regenhosen und Handschuhe – wahlweise auch ein zweites, trockenes Paar – gehörten diesmal zur Standardausrüstung des gut vorbereiteten Birdracers. Vor allem am Nachmittag bescherte dann die mehr oder weniger aufgerissene Wolkendecke jedoch beeindruckende Wolkenformationen, großartige Farbkontraste und einen tollen Fernblick in die frisch gewaschene Landschaft. So sorgte das Wettergeschehen für vergleichsweise gute Birdrace-Bedingungen, das typische Mittagsloch mit geringer Vogelaktivität bei sommerlichen Temperaturen unter blauem Himmel blieb aus. Am Ende des Tages hatten die drei Birdrace-Teams aus dem Arbeitskreis Göttinger Ornithologen insgesamt 133 Vogelarten aufgespürt – nur eine weniger als 2016, als sich die drei (zumindest namentlich) selben Teams im Landkreis Göttingen dem harten Wettbewerb stellten. Gemeinsam mit den anonym gebliebenen Birdern von MILANOVIC waren es sogar spitzenmäßige 135 Arten – Sumpfrohrsänger und Weidenmeise waren nur diesem Team vergönnt. Nur 2018 entdeckten die neun Teams ebenfalls 135 Arten - wie natürlich auch beim seit 2013 unangetasteten Rekordbirdrace, wo ein Team alleine eine Liste von 135 Arten zustande brachte…
Es folgen exklusive Einblicke in die individuellen Birdrace-Erlebnisse der Teams, die vielleicht so manchen ermuntern mögen, am 2. Mai 2020 wieder in langer Tradition oder auch zum ersten Mal anzutreten…

Hier die Berichte von drei Birdrace-Teams aus dem Landkreis Göttingen:

Früher Kaltstart - späte Warmdusche (von B. Bartsch)
Wenngleich inzwischen in komplett neuer Besetzung, auf zwei elektrisierten statt vier motorisierten Rädern und mit neuer Strategie, so war selbstverständlich auch dieses Jahr wieder das Traditionsteam der “Göttinger Sozialbrachvögel” mit von der Partie. Dankenswerterweise erklärten sich die Brachvogelveteranen bereit, den Namen übernehmen zu dürfen, denn die unkreativen Alternativen wären “Trockenstörche”, “E-Bike-Atzen” oder “Claudia´s Fanclub” gewesen…
Zu dritt begab sich das Dreiergespann, bestehend aus B. Bartsch, A. Bischoff und M. Georg, am Freitagabend in den Reinhäuserwald, um dort die Nacht im Zelt zu verbringen. Ein stimmungsvoller, klarer Abendhimmel ließ auf einen guten Start hoffen. Als nach drei Stunden Schlaf um 02:10 Uhr Mercurys “Don´t stop me now” für die drei den Tag einläutete war sofort klar, dass dem nicht so werden würde. Regen und Kälte, zeitweise Schneeregen - bis 5 Uhr waren nur Begegnungen mit Säugetieren zu verbuchen. Ein Waldkauz machte dann endlich den Anfang; es blieb aber leider die einzige Eulenart im Wald. Bei den Singvögeln verlief es ebenfalls frustrierend. Wenige Vögel sangen und der Regen übertönte die meisten Geräusche, aber mit Haubenmeise und Fichtenkreuzschnabel ließen sich immerhin gute Birdrace-Arten mitnehmen. Die Stimmung war ähnlich nasskalt wie die Kleidung, als die drei mit viel Verspätung am Morgen den Wald verließen und sich in Richtung Göttingen aufmachten. Ein am Wendebachstausee singender Pirol ließ die Hoffnungen auf ein einigermaßen vorzeigbares Endergebnis dann schnell wieder ansteigen. Und nun lief es tatsächlich ziemlich gut: Einem Feldschwirl an der Garte folgten Schwarzkehlchen, Wanderfalke und Wiesenweihe am Diemardener Berg, alles in der Region durchaus seltene oder schwierige Arten! Die Kiesgrube Reinshof überraschte das Team daraufhin mit vier Löffelenten und dem Dynamo-Avigoe-Duo. Gemeinsam erfreute man sich an einem durchziehenden Wespenbussard - Anfang Mai alles andere als selbstverständlich. Im Stadtgebiet erfuhr dann die Stimmung zumindest eines Teammitglieds einen Dämpfer durch die Abwesenheit von Claudia, einer seit Monaten in der Südstadt anwesenden und sehr sympathisch-trägen Warzenente. Wenngleich das offizielle Birdrace-Regelwerk das Abhaken “sämtlicher frei fliegender Vogelarten, die sich außerhalb von Haltungen oder ähnlichen Anlagen aufhalten” vorsieht und daher das Zählen dieser Art grundsätzlich ermöglicht [Hierbei ließe sich wiederum streiten, da Claudia bislang nie mehr als wenige Meter fliegend beobachtet wurde - und zwar um schneller an vorgeworfenes Brot zu gelangen!], so hätten zumindest die Sozialbrachvögel sie sicher nicht in die Liste aufgenommen und sich lediglich ihrer Schönheit erfreut!
Es folgte eine Stippvisite am Kiessee, der mit Drosselrohrsänger und Gelbspötter wie so oft unerwartete Überraschungen parat hielt. Neben diesen sollte auch die Ringdrossel, die wenig später an der ehemaligen Tongrube Siekgraben vorbeiflog, den anderen Teams verwehrt bleiben. Andersrum waren die Sozialbrachvögel das einzige Team, welches einen rastenden Trauerschnäpper am Levinpark nicht wahrzunehmen vermochte. Die Wasseramsel klappte hier dagegen recht schnell und einen Waldlaubsänger gab es noch als Beifang.
Um den Eulenflop im Reinhäuserwald etwas wiedergutzumachen entschied man sich, nun einen Umweg über Geismar zu machen, wo drei kleine Waldohreulen ein weiteres Kreuzchen ermöglichten. Das Kerstlingeröder Feld konnte anschließend zumindest mit Baumpieper, Schwanzmeise, Grau- und Kleinspecht aufwarten. Ein geplanter längerer Aufenthalt war hier aus Zeitgründen leider nicht mehr umsetzbar, weshalb dem Team letztlich drei Spechtarten fehlten.

Sozialbrachvögel
Abb. 2: Zwei “Göttinger Sozialbrachvögel” am Seeburger See. Foto: A. Bischoff

Ohne große Umwege ging es dann zügig Richtung Seeanger, dessen Limikolen- und Singvogelgemeinschaft an diesem Tage eher von qualitativer als von quantitativer Natur war. Allemal nennenswert sind hier eine Uferschnepfe, ein heimlicher Temminckstrandläufer, eine späte Spießente sowie acht in den Lutteranger fliegende Silberreiher. Baumfalke, Rohrschwirl, Schwarzhalstaucher und Kormoran machten schließlich die letzten Kreuze am Seeburger See aus, der kaum Wasservögel aber dafür etliche Schwalben vorzuweisen hatte.
Insgesamt hielten viele der Brutvögel bei dem kalten Wetter den Schnabel und Tagzug fand quasi nicht statt bzw. war durch den warmen April bereits weitgehend abgeschlossen gewesen. Die Singvogelpalette wies letztlich zwar nur wenige Lücken auf (Erlenzeisig, Weidenmeise, Wiesenpieper), dafür fehlten am Ende einige der selteneren Brutvögel wie Waldschnepfe und Uhu. Mit 121 Arten fiel das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück, darf aber angesichts der Wetterverhältnisse als sehr zufriedenstellend eingestuft werden.
Nach einem letzten erfolglosen Versuch, die ein oder andere nachtaktive Vogelart nachzuweisen, erreichte das Team erst gegen 23 Uhr todmüde und mit erschöpften Akkus wieder Göttingen. Insgesamt wurde der miese Start aber durch einige exklusive Arten ausgeglichen, die in gewohnter Weise zum gewissen, verdienten Abstand zu den anderen Teams führten. Doch schlafen tut auch die muskelkraft-basierte Konkurrenz nicht…

Wenig Schweiß - viele Störche (von D. Singer)
Wohl nicht zuletzt dank des speziellen Wetters, erreichten die Schweißstörche mit vergleichsweise wenig Schweiß, dafür vielen Störchen das bisherige Rekordergebnis eines (rein muskelkraft-betriebenen) Fahrradteams im Landkreis Göttingen. Mit M. Röder, J. Joosten, S. Racky und D. Singer wagte eine Mischung aus Birdrace-Frischlingen und -Althasen den regenreichen Start um 4 Uhr am Alten botanischen Garten in Göttingen. Ruffreudig waren die Waldkäuze dort nicht, doch dank der städtischen Lichtverschmutzung war der Himmel hell genug, um ausreichenden Kontrast zur Silhouette eines sitzenden Kauzes zu bieten. Erfreulicherweise wagte ein Waldohreulen-Jungvogel wenig später in Geismar einen zaghaften Bettelruf, sodass der regenreiche Start durchaus als planmäßig gelungen bezeichnet werden konnte. Nach einem schnellen Fahrradaustausch aufgrund eines unliebsamen Geräuschs pfeifender Luft, ging es dann zunächst an den Kiessee und Umgebung, um dort die ersten Sing- und Wasservögel einzusammeln – leider ohne Drosselrohrsänger dafür mit dankenswerterweise deutlich gedrosselter Techno-Musik von der inzwischen wohl traditionellen Birdrace-Techno-Party in einem Kleingarten an der SW-Ecke des Sees.

Schweissstörche
Abb. 4: Pause bei den “Schweißstörchen”

Beim Birdrace eher außerplanmäßige Erscheinungen wie Eisvogel und Feldschwirl waren am Flüthewehr kooperativ. Erfreulich waren auch zwei Braunkehlchen bei Rosdorf, während der erste Eichelhäher des Tages leider nur von einem Teammitglied gesehen entschwand. Zum Glück blieb es nicht der einzige. Die Tongrube und ihre Reste am Siekgraben hielten nur einen Flussregenpfeifer parat, eingeplante Arten wie der Bluthänfling ließen noch zwei weitere Streckenkilometer auf sich warten. Fast schon zu erwarten war der Flop beim Besuch eines wohl nicht fertiggestellten oder vom Weibchen abgelehnten Sperbernestes in Grone-Süd. Nur mäßig erfolgreich war auch der Besuch des Stadtfriedhofs, der zunächst schmerzliche Lücken bei den Meisenarten zurückließ - jedoch unerwartet zwei rastende Baumpieper hervorbrachte. Im letzten Moment vor der Weiterfahrt gelangte in der Weststadt nahe des Levinparks die Wasseramsel in den Fokus des Fernglases, worauf Birkenzeisig und Wanderfalke kurze Zeit später an der Leine folgten. Planmäßig waren auch die Türkentauben zur Stelle. Einen großen Zeitbonus verschaffte dem Team ein Trauerschnäpper im Cheltenhampark, der einen Abstecher zum Westerberg überflüssig machte, wo zuvor seit einigen Tagen ein singender Reviervogel festgestellt worden war. Dankenswerterweise zeigte sich die Haubenmeise vor der Haustür eines Teammitglieds am Klausberg sehr zuverlässig, sodass sich der kleine Umweg lohnte. Im Stadtwald vervollständigte sich anschließend die Waldartenliste. Freundlicherweise rief ein Grauspecht aus Richtung Herberhausen und im Wildgehege stocherte zusätzlich ein zweites Individuum in einem liegenden Stamm herum.
Das Kerstlingeröder Feld hatte anschließend trotz längerer Verweildauer bei einem wohl verdienten Picknick und erstem größeren Stopp leider keinen Wendehals, dafür einen Schwarzspecht zu bieten. Zunächst unspektakulär erschien der folgende Versuch am nadelholzreichen Waldrand bei den „Schweckhäuser Wiesen“ Fichtenkreuzschnäbel oder Erlenzeisige aufzutreiben – doch ein ungleiches Paar aus kreisendem Habicht und Schwarzstorch verwandelte den Kurzabstecher zum wahren Highlight des Tages. Angekommen in Seeburg verblieb ausreichend Zeit um Seeanger und Seeburger See mit zunehmender Müdigkeit ausführlich und langsam zu erkunden. Die Ausbeute am Seeanger war gut - das Wuseln der tausenden Schwalben über dem Seeburger See machte das Auffinden der Schwarzhalstaucher jedoch bis zuletzt schwierig. Ein mehrfach gesichteter Baumfalke wurde fast schon langweilig, während eine männliche Rohrweihe über dem Schilf eine willkommene weitere Art war. Ein kräftiger Graupelschauer am Nachmittag zwang das Team zum erneuten Einsatz der Regenhosen und ein paar durchziehende Bienenfresser zur Reduktion der Flughöhe, sodass sie am Seeanger dem erfahrenen Gehör der Schweißstörche nicht entgingen – das zweite große Highlight des Tages, welches auch zu einer Exklusiv-Art des Teams führte.
Beendet wurde das Birdrace dann in gemütlicher Runde gegen 21:30 Uhr mit für die Teamhistorie spitzenmäßigen 116 Arten. Nächstes Jahr wird es weitergehen und Ziel bleibt es natürlich, die Artenzahl, wie in den vergangenen Jahren, beständig zu erhöhen – Strategie, Route und Erfahrungsschatz wurden dafür dieses Jahr weiter optimiert. Daher bleibt es wohl spannend, verehrte elektrisierte Sozialbrachvögel!

Nervige Meisenlücken - erfreuliche Exklusivarten (von M. Drüner)
Ebenfalls in mehrjähriger Tradition trat die Mannschaft von Dynamo AviGoe um 4 Uhr vom Kehr zum Rennen auf. Standardmäßig ging es für M. Mooji und M. Drüner früh am Kerstlingeröder Feld los, der Start war dieses Jahr jedoch ähnlich zäh wie bei den Sozialbrachvögeln…
Auf dem Kerstlingeröder Feld war erst gegen 5 Uhr der allererste Vogel zu vernehmen, eine Feldlerche. Fast musste man sie bewundern, dass sie dem Schietwetter singfliegend trotzte. Wenig Gesang, Waldkauz stumm über die Wiese fliegend. Keine Greife, kein Wintergoldhähnchen, aber wenigstens der Wendehals ließ vier fünf Mal eine einzelne Strophe durch den Regen vernehmen. Eine Stunde Schneeregen. Immerhin fünf Spechtarten und zwei Waldlaubsänger.

Teamfoto_Avigoe
Abb. 3: Vor Nässe triefendes Teamfoto von “Dynamo Avigoe”
(zum Vergrößern bitte anklicken)

Auf dem Weg zum Siekgraben ein Abstecher zum Sandweg, wo wir den erhofften Birkenzeisig nicht hörten, dafür aber die Moschusente / Warzenente stehen sahen. Am Siekgraben Braunkehlchen, Steinschmätzer und ein Baumfalke, aber keine Limikolen. An der alten Tonkuhle Rosdorf sah es trostlos aus, aber der Eisvogel saß dort auf einem Baumstamm im Wasser und bereitete einen Futterfisch zum Transport vor. Danke!
Kiesgrube Reinshof: erster Kuckuck (es sollten insgesamt sechs werden). Auch Löffelente, Brandgans, Birkenzeisig und Grauschnäpper. Erster Kontakt mit den Sozialbrachvögeln. Gemeinsam genießen wir den niedrig überfliegenden Wespenbussard. Man konnte regelrecht den Gesichtsausdruck sehen. So ein bisschen wie „Was macht ihr denn hier? Dürft ihr das?“ Dann noch schnell fünf kleine Gebirgsstelzen im Nistkasten beäugt (Süüüüß!-Faktor) während die Altvögel aufgeregt riefen und dann weiter zum Kiessee. Auch hier einige Arten nicht zuverlässig. Der von anderen geclaimte Drosselrohrsänger wurde von uns als Teichrohrsänger eingeschätzt und der Gelbspötter, der genau dort gehört wurde wo wir geparkt hatten, muss ausschließlich gesungen haben, wenn wir gerade außer Hörweite waren. So kann’s gehen. Die Türkentaube bekamen wir an traditionellen Plätzen im Heimatviertel zu hören und nahmen dort noch den Gimpel mit. Auch der Girlitz sang in seinem seit Jahren besetzten Revier am Gailgraben. Der Stadtfriedhof schließlich enttäuschte. Zumindest uns, denn die Sozialbrachvögel wiesen uns noch den Weg zum Haubenmeisenrevier, sie sang aber nicht für uns und zeigte sich auch sonst nicht. Pflicht war dann der Levinpark, wegen der Wasseramsel, neben der Gebirgsstelze die einzige Art, von der wir wussten wo wir sie abholen konnten. Das dauerte auch keine drei Sekunden. Fast wären wir gleich wieder abgefahren, aber glücklicherweise stippvisitierten wir doch noch und siehe da: ein Trauerschnäpper verjagte einen Grauschnäpper von der Warte und zeigte sich in seiner ganzen schwarzweißbraunen Pracht so frisch wie man nur nach einem Regen sein kann.
Danach ein Abstecher in den Westkreis. In Eberhausen fanden wir keine Weidenmeise, hatten aber einen schönen Spaziergang und eine endlich (schwach?) einsetzende Thermik bescherte eine Reihe von Milanen beider Couleurs und Mäusebussarden. Die Dohlen schauten wir uns in Adelebsen an der Burg an und der Steinbruch in Emmenhausen brachte uns zwar nicht den Uhu, aber immerhin den einzigen Bluthänfling des Tages.
Mit dem Auto jetzt noch mal durch die Stadt zu gurken, nur um eventuell auch vom Wanderfalken im Stich gelassen zu werden, erschien uns nicht attraktiv und wir fuhren gleich weiter die B 27 Richtung Seeburg. Ein erster Scan über den Seeburger See zeigte drei Großmöwen, von denen wir eine adulte als Steppenmöwe ansprechen konnten, die anderen (beide immature Vögel) blieben weit entfernt und auf dem Wasser (flimmernde Luft!), so dass wir uns die „schenken“ mussten. Schließlich fuhren wir in die Rhumeaue nach Wollershausen. Dort ein ausgiebig rufender Schwarzmilan, balzende Rotmilane, eine Rohrweihe und Schwanzmeisen. Wir waren es zufrieden. Überhaupt: Wenn wir nachmittags ins Auto stiegen, fing es an zu regnen, sobald wir wo ankamen und aussteigen wollten, hörte es wieder auf. Nett. Die Bilshauser Rhumeaue brachte uns einen Feldschwirl und ein Schwarzkehlchen. Die Feldmark Wollbrandshausen zeigte sich fast ereignislos. Immerhin ließen sich Trupps von Goldammern sehen, die man nach Ortolanen absuchen konnte, allerdings ohne Erfolg.
Der Seeanger brachte zwar erwartungsgemäß einen Schwung Entenvögel, aber leider nur wenig Limikolen. Wo zwei Wochen vorher noch zehn Watvogelarten zu sehen waren, fanden wir heute nur fünf. Allerdings ließen uns trotz dutzendfacher Scans der geeigneten Bereiche Bekassine und Temminck im Regen stehen, die sich den anderen Mannschaften rätselhafterweise gezeigt haben. Offensichtlich geht es immer noch einen Tuck besser oder Glück ist im Spiel. Auch der Schilfrohrsänger blieb für uns stumm und das Blaukehlchen zeigte sich nur einmal kurz und nur einem von uns. Auf dem Weg zum See eine schöne Überraschung: der Wanderfalke machte sich die Mühe uns noch einen Besuch abzustatten. Der einzige Kormoran flog niedrig über den Seeburger See. Aber auch dort außer zwei Schwarzhalstauchern nicht mehr viel zu holen. Den Abschluss machten wir in Geismar mit drei bettelnden jungen Waldohreulen.
Ergebnis: mit 111 Arten zwar nur dritte von drei Mannschaften, aber erstens nur zu zweit (weniger Augen und geht einer pinkeln, geht gar nix mehr, siehe Blaukehlchen), zweitens behindert durch das Verkehrsmittel Auto (etwas hermetisch und die Fahrstrecken teilweise uninteressant; die interessante sind für Autos größtenteils gesperrt oder ungeeignet) und drittens für das Wetter gar nicht sooo schlecht! Zapfenstreich 22:30. Völlig fertig. Man ist nicht mehr dreißig. Ein großartiger Tag draußen – wohl für alle Teams, die diesen erlebnisreichen Spaß-Wettkampf wieder einmal auf sich genommen haben!

Alle Ergebnisse vom Birdrace können wie immer auf der Internetseite des DDA nachgelesen werden.

D. Singer

Waldohreule - MSiebner
Abb. 5: Die Art Waldohreule bekamen die drei Teams in Geismar
auf den Zettel. Foto: M. Siebner

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