Archive for July 9th, 2016

Heimzug und Brutzeit 2016 in Süd-Niedersachsen

Schwarzspecht - S.Paul
Abb. 1: Junges Schwarzspecht-Männchen auf dem Kerstlingeröder Feld.
Foto: S. Paul

Das Wetter im Berichtszeitraum von März bis Juni hielt wenige Überraschungen bereit. Nur der März fiel, relativ gesehen, aus dem Rahmen: Er war nicht nur sehr trocken, sondern auf weiten Strecken kälter als der Vormonat und der (allerdings sehr milde) Dezember 2015. Der April verlief durchschnittlich. In der letzten Dekade gab es einen Kälteeinbruch. Der Mai war insgesamt passabel. Über Pfingsten sorgten die Eisheiligen in der Monatsmitte für ein kühl-windiges Intermezzo. Der Juni gestaltete sich durchwachsen, mit starken Niederschlägen von bis zu 34 l/m² zum Monatsbeginn, immer wieder Regen und Gewittern sowie einer kleinen, unwetterträchtigen Hitzewelle (bis zu 34°C) in der letzen Dekade. Am 24. ließ ein schweres Gewitter mit Orkanböen im Eichsfeld zahlreiche Bäume umstürzen.

Als zugphänologische Besonderheit ist ein männliches Braunkehlchen hervorzuheben, das, fotografisch belegt, bereits am 3. April im Leinepolder Salzderhelden rastete. Der nächste Artgenosse zeigte sich zehn Tage später am 14. April (typisches Erstbeobachtungsdatum) im Seeanger. Die erste Nachtigall sang am 10. April am Nachtclub „Chateau“ an der Reinhäuser Landstraße. Bei dieser Art mit positivem Bestandstrend scheint sich aus regionaler Sicht in den letzten Jahren eine Verfrühung der Ankunft singender Männchen (was machen die Weibchen?) um ca. acht bis zehn Tage abzuzeichnen.
Waldlaubsänger wurden in diesem Frühjahr deutlich mehr beobachtet als üblich. Auch der Sumpfrohrsänger trat in Zahlen auf, die erheblich über denen der Vorjahre lagen. Andere Südostzieher (u.a. Klappergrasmücke, Neuntöter, Schlagschwirl) haben, obwohl im östlichen Sahel gebietsweise eine enorme Dürre herrschte, ebenfalls ein normales bis gutes Jahr. Näheres dazu weiter unten.
Vor dem Hintergrund des sehr milden Winters erfolgte die Heimzug-Erstbeobachtung des Zilpzalps am 12. März in der Kiesgrube Ballertasche im Wesertal vergleichsweise spät. Prägender Charaktervogel der Saison ist wohl - der Zaunkönig, der an allen Ecken und Enden sein Liedchen schmettert. Die vergangenen milden Winter haben dem agilen Gnom einen regelrechten Boom beschert.

Zaunkönig - M.Siebner
Abb. 2: Gewinner des Jahres: Zaunkönig. Foto: M. Siebner

Höckerschwäne schritten an der Kiesgrube Ballertasche mit zwei Paaren zur Brut. Während ein Paar mit seinen fünf Jungen vermutlich zur Weser abwanderte, verblieb das andere mit zwei Kleinen im Gebiet. In Göttingen konnten sich drei Paare am Kiessee (zunächst acht, später nur noch sieben Pulli), am Levin-Park (sechs Kleine, darunter ein immutabilis) sowie am Rückhaltebecken Grone (fünf Kleine, zwei immutabilis) reproduzieren. An den Northeimer Kiesteichen gab es fünf Junge. Am Böllestau bei Hollenstedt, der sich zum regelmäßigen Brutplatz mausert, war ein Paar ebenfalls mit fünf Sprösslingen erfolgreich. Am Seeanger schlüpften zwei Jungvögel, von denen einer übrig blieb. Am Seeburger See brütete ein dickfelliges Paar direkt neben dem großen Steg an der Badeanstalt. Die Brut verlief zunächst erfolgreich, drei Junge (Dreiergelege) schlüpften. Hätten sie die Selbständigkeit erreicht, wäre das sehr ungewöhnlich gewesen: Eine Brut mit Ausfliegeerfolg hat es an diesem Gewässer seit Jahrzehnten nicht gegeben. Leider wurden die Kleinen nach dem 22. Juni nicht mehr gesehen. Dem Sturm am 24. Juni können sie also, anders als in der Tagespresse kolportiert, nicht zum Opfer gefallen sein.

Höckerschwan - M.Siebner
Abb. 3: Später vom Sturm zerstörtes Höckerschwannest. Foto: M. Siebner

Nach dem 2. März waren die letzten (acht) überwinternden Singschwäne aus dem Leinepolder Salzderhelden abgezogen.
Kanadagänse waren im Leinepolder und am Seeanger bis weit in den Mai mit bis zu sieben Ind. am Start. Vom 19. bis 24. März demonstrierten Weißwangengänse mit bis zu 33 Vögeln in der Leineniederung zwischen Northeim und Einbeck einen kleinen Einflug. Welchen Populationen diese Vögel zuzuordnen sind muss offen bleiben. Seit einigen Jahren mehren sich Nachweise größerer Trupps; die bisherige Höchstzahl datiert vom 22. März 2009, als 93 Ind. an der Geschiebesperre Hollenstedt rasteten (B. Riedel in naturgucker.de). Einzelvögel hielten sich bis ins späte Frühjahr auf, darunter ein handzahmer Solitär am 31. Mai am Kiessee. Der drohenden Proklamation zum Maskottchen lokaler Vogelkundler entzog sich die Gans durch rasches Verschwinden.

Nonnengans - M.Siebner
Abb. 4: Zutrauliche Weißwangengans am Göttinger Kiessee. Foto: M. Siebner

Der Brutbestand der Graugans wird in diesem Jahr niedersachsenweit erfasst. Ganz so einfach, wie man glaubt, ist die Dokumentation von Bruten dieser eigentlich auffälligen Vogelart nicht: Grauganspaare können durchaus versteckt brüten (manchmal auch in Bäumen) und bleiben unentdeckt. Gelege werden nicht selten von Prädatoren geplündert oder aus anderen Gründen aufgegeben. Brutaufgaben sind für diese Saison vom Göttinger Levin-Park, dem Stadtfriedhof und dem Seeburger See (mind. zwei) belegt. In der folgenden Zusammenstellung für das AGO-Untersuchungsgebiet (Landkreis Göttingen und Altkreis Northeim) sind nur Paare mit Schlupferfolg enthalten. Sie verteilen sich auf die Kiesgrube Ballertasche (3), den Göttinger Kiessee (15, Rekordbestand), die Kiesgrube Reinshof (2), den (sanierten und wieder mit Wasser gefüllten) Wendebachstau bei Reinhausen (5), den Seeanger (3), den Seeburger See (2), den Dorfteich in Bodensee (2, wie immer hintereinander brütend), die Renshäuser Bachaue (1), die Rhumeaue bei Katlenburg (3), den Northeimer Freizeitsee (19), die Northeimer Kiesteiche (10), die Geschiebesperre Hollenstedt (10) und den Leinepolder Salzderhelden (6). Angesichts der mittlerweile fast überall und zahlreich in Erscheinung tretenden Vögel sind (mindestens) 81 erfolgreiche Paare (bei einem erheblich höheren Nichtbrüterbestand) vielleicht weniger als allgemein angenommen.
Die männliche Graugans mit roter Halsmanschette I29 (2012 in Tschechien beringt) macht sich offenbar daran, ihren dritten Sommer in der Region zu verbringen: Sie konnte am 19. Juni an der Geschiebesperre abgelesen werden.

Graugans - B.Riedel
Abb. 5: Wieder da: Sommergast I29 an der Geschiebesperre. Foto: B. Riedel

Erfolgreiche Bruten der Nilgans sind bis dato von der Geschiebesperre Hollenstedt (2), dem Seeanger (2), dem Wendebachstau und von der hessisch-niedersächsischen Landesgrenze an der Weser gegenüber Gimte (14 Gössel!) bekannt. Am Göttinger Kiessee schlüpften Mitte Juni zwei Kleine. Die Familie war über Tage nicht mehr auszumachen, tauchte aber nach dem Landesturnfest wieder auf.
Brandgänse erreichten am 17. April am Northeimer Freizeitsee mit 13 Ind. ein lokales Maximum. Ende Juni verteilten sich 19 Ind. auf die Geschiebesperre Hollenstedt, den Seeanger und den Seeburger See.

Sehr bemerkenswert ist eine Rostgans-Familie mit sieben flüggen Jungvögeln am 11. Juni im Leinepolder. Wegen des sehr frühen Datums steht zu vermuten, dass die Brut in der näheren Umgebung stattgefunden hat. Als neuer regionaler Brutvogel kann dieser etablierte Neubürger aber (noch) nicht geführt werden.

Mit bis zu 240 Ind. waren in der letzten Märzdekade Pfeifenten im Leinepolder gut vertreten. Das Heimzug-Maximum der Spießente am 25. März stammt interessanterweise mit 50 Ind. vom Seeburger See. Löffelenten gaben dem Leinepolder den Vorzug und erreichten dort mit 220 Ind. am 1. April ihre saisonale Höchstzahl. Das aus dem Winterbericht bekannte Männchen der Kolbenente hielt es bis zum 20. März an der Northeimer Seenplatte aus.
Am Northeimer Freizeitsee, der auch im Winter von dieser Art mit bis zu 280 Ind. gut besucht war, zeigten am 14. März 125 Tafelenten ihr Heimzug-Maximum.

Am 1., 9. und 19. März geriet am Freizeitsee ein weiblicher Mittelsäger in den Blick, vermutlich immer derselbe Vogel. Gänsesäger beiderlei Geschlechts hielten sich, einzeln oder zu zweit, bis weit in den Juni an der Geschiebesperre Hollenstedt auf. Am 6. Juni zeigte sich ein Männchen am Seeburger See.

Über das Auftreten der Wachtel wird im nächsten Bericht zusammenfassend Auskunft gegeben. Im weiteren Umfeld des Seeburger Sees, in der Rhumeaue bei Bilshausen und bei Hilkerode bereicherten jeweils ein bis zwei von Jägern in die Landschaft geschmissene Fasane die Beobachtungsstrecken.

Fasan - V.Hesse
Abb. 6: Männlicher Jagdpapagei bei Seeburg. Foto: V. Hesse

Wie es den Hauben- und Zwergtauchern erging, wird im nächsten Bericht mitgeteilt. Am 2. April schwammen gleich drei Rothalstaucher auf dem Seeburger See. Einzelvögel gab es am 5., 17. und 24. des Monats auf dem Northeimer Freizeitsee. Schwarzhalstaucher zeigten keine Besonderheiten und traten durchweg in einstelliger Zahl auf.

Ein vom 10. bis 12. Juni im Leinepolder rastender Löffler war farbberingt, aber immer zu weit entfernt, um die Markierung ablesen zu können.
Am 9. April flog eine Rohrdommel über das Schilf in der Kiesgrube Ballertasche bei Hann. Münden. Über das Wohl und Wehe der Göttinger Graureiher wird im nächsten Bericht Auskunft gegeben.
Ein Silberreiher mit schwarzem Schnabel und rötlichen Beinen (so genannter „modesta-Typ“) stand am 23. März mit 14 normalen Artgenossen im Leinepolder. Gleich vier „modesta“-Ind. rasteten, zudem mit Schmuckfedern garniert, am 2. und 3. April an der Geschiebesperre Hollenstedt bzw. im Leinepolder.

Seidenreiher - M.Siebner
Abb. 7: Eleganz im tristen Ambiente: Seidenreiher bei Angerstein Foto: M. Siebner

Ein Seidenreiher fand sich bereits am 10. März an der Geschiebesperre Hollenstedt ein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit derselbe Vogel ließ sich vom 17. bis 19. März an Wassergräben in der ausgeräumten Leineniederung bei Angerstein bewundern. Am 22. des Monats wurde er im Leinepolder wieder entdeckt, wo er für drei Tage blieb. Am 17. und 18. April folgte ihm am Großen Freizeitsee ein Artgenosse. Der Seidenreiher, einst eine große Rarität, kann in unserer Region mittlerweile als nahezu jährlich in Erscheinung tretender Gastvogel verbucht werden. Die Nachweise haben in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen. Wie beim Silberreiher sind die Populationen des kleinen Vetters in der jüngeren Vergangenheit nachgerade explodiert. Seidenreiher haben sich seit den 1970er Jahren wieder an der französischen und englischen Atlantikküste ausgebreitet. Irland, Belgien und die Niederlande wurden ebenfalls kolonisiert. In Deutschland haben Bruten bis jetzt nur ausnahmsweise stattgefunden, zuletzt 2007 auf der Nordseeinsel Memmert, wohl als holländischer Import. Hauptgrund für die rasante Bestandszunahme ist die nachlassende Verfolgung, der bis weit ins 20. Jahrhundert Millionen Reiher zum Opfer fielen – weil sie Fische fressen und modebewusste Damen sich mit ihren Federn zu schmücken glaubten. Milde Winter zum Beginn der Ausbreitungsphase waren ein weiterer positiver Faktor. Wer sich für die Areal- und Bestandsdynamik von Vogelarten interessiert, sollte die aufschlussreiche Arbeit von Engler & Stiels in der „Vogelwarte“ (Bd. 54 (2016): 27-44) lesen, in der monokausale Erklärungsansätze, die mit dem Allzweckargument „Klimawandel“ hantieren, kritisch beurteilt werden.

Vom Weißstorch ist zu vermelden, dass eine Neuansiedlung bei Katlenburg-Lindau abgebrochen wurde.

Von heimziehenden Kornweihen liegen bis zum 2. Mai vier Beobachtungen von fünf Ind. (zwei M., ein W., zwei ohne Angabe) vor. Am 9. Mai ging in der Feldmark Gieboldehausen eine männliche Wiesenweihe auf die Jagd.
Am 10. April machte ein vorjähriger Seeadler den Leinepolder unsicher. Ihm folgte am 4. Mai an den Northeimer Kiesteichen ein vermutlich ebenfalls vorjähriger Artgenosse, während der (immerhin) dritte in diesem Frühjahr, am 6. Mai über Einbeck, deutlich älter war.

Merline gerieten am 9. März in der Feldmark Sattenhausen, am 11. März in der Feldmark Ballenhausen, am 3. April am Heidelbeerbruch im Hochsolling (beiläufige Attacke auf Meisen, dann zügig weiterziehend) sowie am 27. April an der Geschiebesperre Hollenstedt in den Blick. Am 12. Mai besuchte ein weiblicher Rotfußfalke die letztgenannte Lokalität. Ende Juni läuteten bis zu acht Baumfalken über der Drachenwiese im Göttinger Süden die große Luftjagd auf Gerippte Brachkäfer („Junikäfer“) ein.

Baumfalke - M.Siebner
Abb. 8: Baumfalke über der Drachenwiese. Foto: M. Siebner

Für die Wanderfalken in Stadt und Landkreis Göttingen ist 2016 ein gutes Jahr. Die Paare am Neuen Rathaus, am Fernsehturm bei Deppoldshausen sowie im Raum Hann. Münden (3) brachten in der Regel drei Junge zum Ausfliegen. Der Brutplatz im Reinhäuser Wald war erneut besetzt.

Die Hauptmasse der Kraniche war bereits im Februar durchgezogen. In der ersten Märzdekade setzte sich der Zug fort, erreichte aber nur am 1. des Monats eine regionale Tagessumme von wenig mehr als 1000 Ind. Im Leinepolder hielten sich die üblichen, zumeist unreifen Aspiranten in einstelliger Zahl bis weit in den Mai auf (ein Einzelvogel noch am 14. Juni). Am Seeanger verhielten sich zwei vorjährige Ind., die am 18. Mai zum letzten Mal gesehen wurden, recht unauffällig.

Aus dem Leinepolder wurden ab Anfang Mai bis zu fünf rufende Männchen des Wachtelkönigs gemeldet. Ihre wirkliche Zahl dürfte in diesem großen Gebiet mit Betretungsverbot höher liegen. In der Rhumeaue bei Bilshausen knarrten ab Mitte Mai bis zu drei Männchen. Bemerkenswert ist ein kleiner Einflug in Göttingen: Ab dem 20. Juni hatten sich auf dem Kerstlingeröder Feld und dem Sengersfeld im Göttinger Stadtwald insgesamt bis zu vier Rufer niedergelassen. Eine Parallele zu den Einflügen 2002 und 2007 drängt sich auf. Damals jedoch standen die Wiesen im Leinetal nach starken Regenfällen unter Wasser. Die Vögel mussten in höhere Lagen ausweichen. Dieses Szenario existierte 2016 nicht. Deshalb erhebt sich die Frage: Wo kommen sie her? Sind es Hochwasserflüchtlinge aus dem Süden oder wurden sie, wo auch immer, abgemäht und mussten das Weite suchen? Solche Vermutungen könnte man auch bei drei Rufern anstellen, die sich, vorab mitgeteilt, erst Anfang Juli in der Rhumeaue bei Lindau bemerkbar machten.

Vom 12. Mai bis 1. Juni ließ ein Austernfischer in der Leineniederung zwischen Northeim und Einbeck sein durchdringendes „Kliiiep“ ertönen.

Austernfischer - B.Riedel
Abb. 9: Austernfischer am Freizeitsee. Foto: B. Riedel

Rastende Goldregenpfeifer erreichten am 16. März im Leinepolder mit 91 Ind. ihre höchste Tagessumme. Am 24. März zogen beachtliche 173 Ind. in mehreren Trupps über das Kerstlingeröder Feld.
Kiebitze auf der Durchreise waren am 15. März im Leinepolder mit einem Maximum von 2300 Ind. präsent. Am Seeanger hatten drei Paare Schlupferfolg. Drei Jungvögel erreichten die Flugfähigkeit. Aus der Leineniederung zwischen Northeim und Einbeck liegen keine Hinweise auf erfolgreiche Bruten vor.
Für den Flussregenpfeifer scheint sich die Lage immer mehr zu verdüstern. Eine erfolgreiche Brut (ein flügger Jungvogel) ist nur von der Kiesgrube Ballertasche dokumentiert. In der Sandgrube Meensen brütet aktuell ein Paar. An den ehemaligen Tongruben Siekgraben zeigte ein warnender Altvogel eine mögliche Brut an, die aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit scheiterte. Ansonsten: Fehlanzeige. An den bekannten Orten (Geschiebesperre, Northeimer Kiesteiche, Freizeitsee, Seeanger, Kiesgrube Reinshof) balzten jeweils bis zu zwei Paare, ab und an konnten Kopulationen und das Anlegen einer Nistmulde beobachtet werden, aber das war’s auch schon. Der seit 2008 existierende Brutplatz an der Glunz-Brache in Gö.-Grone ist durch zunehmende Bebauung und Umwidmung in einen LKW-Parkplatz unbrauchbar geworden. Vielleicht kommt es noch zu Spätbruten, aber die bisherige Bilanz ist deprimierend. Hauptfaktor beim Bestandsrückgang ist der immer stärker grassierende Freizeitrummel, der wiederum wegen der allgemeinen Vermüllung Kostgänger aller Art anlockt, die auch ein Regenpfeifergelege nicht verschmähen.

Flussregenpfeifer - M.Siebner
Abb. 10: Flussregenpfeifer am Siekgraben. Foto M.Siebner

Ein am 23. Mai nachts über Seeburg rufender Vogel wurde als Mornellregenpfeifer bestimmt.

Am Seeanger gerieten am 7. April bemerkenswerte 16 Regenbrachvögel vor die Linse. An der Geschiebesperre Hollenstedt waren vier Ind. am 15. Mai recht spät dran.
Am 26. März rasteten zwei Uferschnepfen im Leinepolder. Ihnen folgte ebenda am 7. April ein Trupp von sieben Ind. Vom 13. bis 17. April hielt sich im Seeanger ein Einzelvogel auf. Bei einem weiteren Vertreter am 17. April im Leinepolder, der leider nicht fotografiert werden konnte, herrschte Uneinigkeit, ob er der im tiefen Binnenland sehr seltenen Unterart islandica („Isländische Uferschnepfe“) angehört haben könnte.
Von der Waldschnepfe liegen Beobachtungen von knapp 50 Ind. vor (Mehrfachzählungen reviertreuer Männchen inbegriffen). Den Auftakt im Berichtszeitraum machte ein heimziehender Vogel, der am 4. März in einem Hausgarten im Göttinger Ostviertel nach Nahrung stocherte. Hinweise auf revierhaltende Männchen gab es (ab Mai) im Kaufunger Wald (5-6), im Bramwald (1), im Hochsolling (3-4) sowie im Elvershäuser Wald (1).
Von der Zwergschnepfe existieren offiziell nur zwei Beobachtungen. Das liegt daran, dass einige Rastplätze nicht mehr öffentlich gemacht werden, um die Vögel vor Stress durch Beobachter und Fotografen zu bewahren. Bekassinen demonstrierten am 2. April im Leinepolder mit 220 Ind. ein zeit- und gebietstypisches Maximum. Dort balzten auch bis zu zwei Männchen.
Die Rastvorkommen von Waldwasserläufer und Flussuferläufer wiesen keine Besonderheiten auf. Am 17. und 18. April rastete ein Teichwasserläufer im Leinepolder. Die Maxima von Rotschenkel (13 Ind. am 7. April), Grünschenkel (ca. 50 Ind. am 4. Mai) und Bruchwasserläufer (ca. 150 Ind. am 7. Mai) fielen im Leinepolder eher durchschnittlich aus.
Die Höchstzahl von 92 Kampfläufern ebenda wurde am 22. März schon recht früh erreicht.
Am Seeanger hielt sich vom 14. bis 16. Mai ein Steinwälzer auf. Ob ein Artgenosse am letzten Datum an der Geschiebesperre identisch mit diesem Vogel war muss offen bleiben.
Bis zu zwei Zwergstrandläufern am 14. Mai am Seeanger folgte vier Tage später ein Einzelvogel im Leinepolder.
Am Seeanger, dem traditionellen Hotspot für diese kleine Limikole, rasteten (am 9. Mai) bis zu zwölf Temminckstrandläufer.

Temminckstrandläufer - B.Riedel
Abb. 11: Temminckstrandläufer an der Geschiebesperre. Foto: B. Riedel

Recht bemerkenswert für diese auf dem Heimzug nur sehr spärlich auftretende Art sind fünf Sichelstrandläufer am 9. Mai an der Geschiebesperre. Am Seeanger rastete ein Einzelvogel vom 11. bis 15. des Monats. Das Polder-Maximum von elf Alpenstrandläufern am 22. März kann sich für den Heimzug durchaus sehen lassen.

Durchziehende Zwergmöwen traten wie immer erratisch auf. Am 17. April fielen am Northeimer Freizeitsee bis zu 100 vom Himmel, für den Seeburger See liegt das Maximum bei 70 Ind. am 30. des Monats. Die Lachmöwen-Kolonie am Lutteranger verdient diesen Namen leider nicht mehr, denn es wurde nur ein brütender Einzelvogel gesehen. Ob er erfolgreich war ist ungewiss.
Schwarzkopfmöwen ließen sich vergleichsweise zahlreich blicken. Am Seeburger See und Seeanger hielten sich am 2. und 3. April bis zu zwei Altvögel auf, alt waren auch zwei Ind. am 16. April an der Kiesgrube Reinshof, desgleichen drei Vögel einen Tag später am Northeimer Freizeitsee. Vier Ind. (drei ad., ein vorj. Ind.) flogen am 25. April zusammen mit Lachmöwen über das letztgenannte Gebiet. Ein Altvogel trug einen grünen Farbring, mehr war leider nicht zu erkennen. Den (vorläufigen) Schlusspunkt setzte ein Altvogel am 29. Juni an der Geschiebesperre.
Am 1. April überflog eine adulte Mittelmeermöwe die Geschiebesperre. Ein Vogel, der am 13. Juni auf der Göttinger Drachenwiese stand, befand sich im 3. Kalenderjahr. Steppenmöwen rasteten am 9. April am Seeburger See und am 22. Mai am Göttinger Kiessee. Fünf weitere Großmöwen wurden, sehr löblich, besser unbestimmt gelassen…

Den Reigen der Seeschwalben eröffnen mittlerweile übliche Raubseeschwalben, die jeweils zu zweit am 1. Mai am Northeimer Freizeitsee und am 11. Mai am Seeburger See auf sich aufmerksam machten.
Am 2. Mai flog eine Weißbart-Seeschwalbe über dem letztgenannten Gewässer. Einzelne Weißflügel-Seeschwalben leuchteten am 2. Mai im Polder und am 18. Mai am Seeburger See. Trauerseeschwalben erreichten am 6. Mai ebenda mit 150 Ind. (möglicherweise. noch mehr, weil an diesem Tag die Zugdynamik besonders stark ausgeprägt war) ein beeindruckendes Maximum.
Von der Flussseeschwalbe liegen vom 14. April bis 25. Juni bemerkenswerte 13 Beobachtungen von 17 Vögeln vor (jeweils drei Ind. am 13. Mai am Seeburger See und am 8. Juni am Freizeitsee). Ein am 28. Mai über die Kiesgrube Ballertasche bei Hann. Münden ziehender Vogel ist eine besondere Erwähnung wert. Damit verglichen trat die Küstenseeschwalbe deutlich spärlicher auf. Was die Truppgröße anbelangt, war sie mit sieben Vögeln am 26. April am Seeburger See der Schwesterart allerdings überlegen. Am 30. April folgte an ebendiesem Gewässer ein Einzelvogel.

Küstenseeschwalbe - M.Siebner
Abb. 12: Küstenseeschwalbe am Seeburger See. Foto: M. Siebner

In diesem Frühjahr wurden, immerhin, mindestens zehn Turteltauben gesehen. Das langjährige Vorkommen im Bramwald konnte beim Birdrace am 7. Mai mit zwei singenden Männchen bestätigt werden. Auch das altbekannte Revier an der Landesgrenze zu Thüringen bei Vogelsang war wieder belegt.

Schleiereulen konnten als Einzelvögel im Leinepolder und in bzw. bei Bodensee gesehen/gehört werden.
Im Vergleich zum Vorjahr hielten sich Nachweise erfolgreicher Bruten der Waldohreule in denkbar engen Grenzen: Nur am Kiessee ließen sich (zwei) fiepende Jungvögel vernehmen.

Waldohreule - K.Jünemann
Abb. 13: Waldohreule in der Rhumeaue bei Bilshausen. Foto: K. Jünemann

Als veritable Megararität sauste ein männlicher Ziegenmelker in der Nacht des 25. Mai am Steinacker in Gö.-Nikolausberg um die Häuser. Der letzte Regionalnachweis stammt aus dem Frühjahr 2006 vom Seeburger See, der letzte davor vom Herbst 1986 aus dem Leinepolder…

Einen kleinen Lichtblick gibt es bei den Göttinger Mauerseglern. Nachdem im vergangenen Jahr die Brutkästen an der Arnoldi-Schule nach deren Umsetzung verwaist waren, sind sie jetzt wieder von ca. 15 Paaren belegt. Dagegen haben die sensiblen Vögel die Nisthilfen an einer Schule in der Göttinger Weststadt in diesem Jahr gemieden; angeblich, weil man diese farbig angestrichen hat…

Rastende Wiedehopfe hielten sich am 6. April am Göttinger Neuen Botanischen Garten und am 17. April nahe dem Altendorfer Berg bei Einbeck auf.

Der Wendehals war mit ca. 20 Heimzugbeobachtungen recht gut vertreten. Im Randbereich des Polder IV westlich Edesheim war bis in den Mai ein Revier über Wochen besetzt. Am traditionellen Brutplatz auf dem Kerstlingeröder Feld hatte sich mindestens ein Sänger eingefunden. Gleichermaßen erfreulich wie bemerkenswert ist der Nachweis eines Brutpaars mit mindestens zwei flüggen Jungvögeln am 26. Juni am Fassberg im Norden Göttingens. Dort hatten Wendehälse bis vor 30 Jahren ab und an gebrütet. Die aktuellen Brutvögel gaben sich als echte Leisetreter, denn zuvor war in diesem Bereich nur zweimal (am 21. April und am 2. Mai) ein singender Vogel gehört worden.

Wendehals - B.Riedel
Abb. 14: Wendehals im Leinepolder. Foto: B. Riedel

Singende Pirole ließen sich am 25. Mai aus einem Gehölz bei Amelsen und am 29. Mai aus einem alten Buchen-Eichenbestand bei Ahlshausen vernehmen. Beide Fundorte liegen im Landkreis Northeim.

Die jährliche Zählung von Neuntötern auf dem Kerstlingeröder Feld erbrachte am 22. Juni Hinweise auf mindestens 20 Reviere. Diese Zahl liegt im Durchschnitt der letzten, durchweg guten Jahre. Drei Paare hatten Nachwuchs, eines fütterte, recht früh, schon fast flügge Jungvögel. Bei zwei Männchen bestand der Verdacht, dass sie gleich zwei Weibchen in Beschlag genommen hatten (Polygynie). Eine Erfassung an Offenflächen im Kaufunger Wald (Rinderstall, Stromtrasse Sichelnstein etc.) ergab am 28. Juni sieben Reviere, ein flügger Jungvogel eingeschlossen. Etliche langjährig bekannte Reviere waren wieder besetzt (z.B. vier bis fünf in der Rhumeaue bei Lindau). Einen negativen Einfluss der Dürre im östlichen Sahel scheint es bei diesem Südostzieher nicht oder nur marginal gegeben zu haben, sehr erfreulich.
Vom Raubwürger liegen bis zum 3. April 24 Beobachtungen vor, die sich im Wesentlichen auf die bereits im Vorbericht erwähnten reviertreuen Wintergäste auf dem Kerstlingeröder Feld, in der Feldmark Geismar, an der Lengderburg und im Leinepolder (2) beziehen. Darüber hinaus gab es Sichtungen bei Weißenborn, in der Feldmark Barterode, in den Feldmarken westlich Relliehausen und Sattenhausen sowie zwischen Potzwenden und Falkenhagen.

Brutverdächtige Tannenhäher konnten am 6. März und am 7. Mai im Heidelbeerbruch (Hochsolling) ausgemacht werden. Aus regionaler Sicht bemerkenswert ist ein Trupp von ca. 120 heimziehenden Saatkrähen, der am 10. März an der Agrogasanlage bei Krebeck auf die Nahrungssuche ging. Ansonsten traten sie nur in einstelliger Zahl auf, darunter ein verbummelter Altvogel am 21. April im Göttinger Neuen Botanischen Garten.

Der einzige Brutnachweis der Beutelmeise stammt vom Northeimer Freizeitsee.

Beuteameise - F.Hollander
Abb. 15: Beutelmeise am Freizeitsee. Foto: F. Hollander

Vom 15. bis 21. März wurden an drei Tagen insgesamt nur fünf ziehende Heidelerchen wahrgenommen. Offenkundig geraten die Zugrufe einiger Arten immer mehr in Vergessenheit: Die einen hören sie nicht mehr, die anderen kennen sie (noch) nicht…

Der Kälteeinbruch Ende April machte Insektenfressern zu schaffen, unter ihnen besonders den Schwalben, die sich an den Gewässern zusammenballten. Zum Glück wurde es bald wärmer und die Verluste dürften sich in engen Grenzen gehalten haben.
Am Ostufer des Northeimer Freizeitsees besteht eine kleine Uferschwalben-Kolonie von ca. 25 Paaren, die einem hohen Druck durch Freizeitaktivitäten ausgesetzt ist. Sie gelangte deshalb nach Himmelfahrt in das NDR-Fernsehjournal „Hallo Niedersachsen“, wo die Vögel als „Uferseeschwalben“ angekündigt wurden. Im Umfeld der Geschiebesperre existiert möglicherweise eine weitere (recht kleine) Kolonie. In einer Grube bei Wellersen (Landkreis Northeim) wurden am 8. Mai sechs angeflogene Höhlen gezählt, an der Sandgrube Meensen Ende Juni zwölf, von denen fünf beflogen wurden.

Schwalben - M.Göpfert
Abb. 16: Erschöpfte Rauch- und Uferschwalben am Seeburger See. Foto: M. Göpfert

Nennenswerte Anzahlen des Feldschwirls von bis zu fünf singenden Männchen liegen nur von der Rhumeaue bei Bilshausen, vom Northeimer Freizeitsee und aus dem Leinepolder vor.
Recht gut vertreten ist in diesem Jahr der Schlagschwirl: Hinweise auf Revierbesetzungen in Gestalt singender Männchen konnten an der Kiesgrube Ballertasche und in ihrem Umfeld (bis zu drei), in der Rhumeaue bei Bilshausen (bis zu zwei), in der Rhumeaue bei Katlenburg-Lindau (zwei), in der Gillersheimer Bachaue, am Seeburger See und in der Suhleaue dokumentiert werden.
Dagegen beschränkte sich das Vorkommen des Rohrschwirls habitatbedingt auf zwei Gebiete: Am Seeburger See sang ein Männchen vom 26. April bis zum 7. Mai und ein weiterer (?) Vogel am 25. Mai. Im Leinepolder konnten im Mai und Juni durchgehend zwei bis drei Sänger die Schwirldamen (hoffentlich) betören.
Vom Schilfrohrsänger liegen zwischen dem 10. April und 30. Mai Nachweise von sieben singenden Männchen (Kiesgrube Ballertasche, Seeburger See, Seeanger, Freizeitsee) vor. In der Regel waren sie eintägig präsent. Nur einer machte vom 11. bis 13. April an der Geschiebesperre eine Ausnahme.
Für den Zeitraum vom 5. Mai bis 4. Juni existieren Nachweise von sechs singenden Drosselrohrsängern. Ein Vogel, der vom 28. Mai bis 4. Juni die Kiesgrube Ballertasche beschallte, tat dies in genau der gleichen Ecke wie im Vorjahr. Im Eschweger Werrabecken (Nordhessen) hat sich (wieder) ein Bestand von bis zu zehn reviertreuen Männchen etabliert. Vielleicht arbeitet sich der positive Trend ja flussabwärts vor… Am Northeimer Freizeitsee sangen am 7. Mai gleich zwei Männchen. An der Geschiebesperre blieb einer immerhin vier Tage. Etwas ungewöhnlich ist ein Vogel am 5. Mai an den ehemaligen Tongruben Siekgraben, wo er sich mangels Vegetation kaum verstecken konnte.

Drosselrohrsänger - W.Vogeley
Abb. 17: Drosselrohrsänger an der Kiesgrube Ballertasche. Foto: W. Vogeley

Im März und April bestand noch Hoffnung, aber jetzt ist es offiziell: Weder im vergangenen Winter noch im anschließenden Frühjahr ließ sich in der Region ein Seidenschwanz blicken – das ist bereits die zweite schwanzlose Saison seit 2013/14. Vermutlich sind die gefräßigen Vögel durch den Klimawandel so groß und schwer geworden, dass sie es nicht mehr über die Ostsee schaffen…

Vom 25. März bis zum 23. April konnten acht Ringdrosseln ausgemacht werden, mit Ausnahme von drei Ind. am 8. April in der südlichen Göttinger Feldmark alles Einzelvögel.

Vom 20. Mai bis 18. Juni sang sich ein adulter Zwergschnäpper in der Billingshäuser Schlucht bei Gö.-Nikolausberg in die Herzen vieler Beobachter - ein Weibchen der eigenen Art wäre ihm sicher lieber gewesen. Das agile, bisweilen neugierig wirkende Schmuckstück zeigte den achten Regionalnachweis seit 1955 an und war das erste als rotkehlig gemeldete Männchen überhaupt.

Zwergschnäpper - V.Hesse
Abb. 18: Zwergschnäpper in der Billingshäuser Schlucht. Foto: V.Hesse

Vom Trauerschnäpper liegen aus dem Zeitraum vom 25. April bis zum 19. Mai Nachweise von 27 Ind. vor (max. drei Ind. am 27. April am Kiessee). Aus regionaler Sicht ist das eine Höchstzahl der letzten Jahre. Eine Revierbesetzung oder gar Brut konnte gleichwohl nicht dokumentiert werden.

Brutverdächtige Braunkehlchen? Fehlanzeige. Im Leinepolder konnte ein Paar nach dem 20. Mai nicht mehr bestätigt werden.
Dagegen scheint es mit dem Schwarzkehlchen weiter aufwärts zu gehen: Auf dem Kahlschlag im äußersten Süden des Göttinger Stadtgebiets (ehemaliges Pappelwäldchen) brütete ein Paar, das vermutlich von der Feldmark Geismar dorthin umgezogen war, erfolgreich. In der Feldmark südlich vom Gut Wickershausen (Landkreis Northeim) signalisierte ein warnendes Paar am 8. Mai starken Brutverdacht. Möglicherweise kommt die Suhleaue als neuer Brutplatz hinzu. Hier wurden mehrfach Schwarzkehlchen beobachtet. Für ein Paar vom 25. April in der Feldmark östlich Nesselröden liegen leider keine Folgebeobachtungen vor. Die meisten bekannten Brutplätze waren, soweit sie kontrolliert wurden, wieder besetzt. Sogar in der Feldmark Wollbrandshausen - Gieboldehausen, wo alle Blühstreifen verschwunden sind, gelang einem Paar die Fortpflanzung.
Vorbildlich belegt ist der erste Sprosser der Region. Er wurde am 27. Mai am Westufer des Northeimer Freizeitsees von N. Krott und C. Junge entdeckt und konnte am 30. Mai von B. Riedel mit Fotos und Tonaufnahmen bestätigt werden. Nach dem 3. Juni war sein eindrucksvoller Gesang nicht mehr zu hören. Der Anerkennung des seltenen Gasts durch die Avifaunistische Kommission Niedersachsen/Bremen kann man mit einiger Zuversicht entgegen sehen.

Sprosser - B.Riedel
Abb. 19: Sprosser am Northeimer Freizeitsee. Foto: B.Riedel

Auch in diesem Jahr wurden in der Suhleaue brutverdächtige Blaukehlchen gesehen. Von einer Neuansiedlung in diesem wenig begangenen Winkel des Eichsfelds kann wohl ausgegangen werden. Ebenfalls abseits der ausgetretenen Pfade ließ sich am 9. Juni in der Gillersheimer Bachaue ein Vogel ausmachen. Aus diesem Gebiet gab es schon früher Hinweise auf ein Brutvorkommen.

Ein jahreszeitlich interessanter Steinschmätzer am 25. Juni in der Feldmark Ebergötzen war augenscheinlich ohne Partner (geschweige denn mit Nachwuchs gesegnet).

Der Brachpieper machte sich dreimal bemerkbar: am 30. April über dem Gelände des Güterverkehrszentrums III („Göttingens Kalahari“), am 7. Mai während des Birdrace gleich zu dritt in der Feldmark Jühnde sowie am selben Tag über Gö.-Nikolausberg ziehend.
Die traditionelle Erfassung von Baumpiepern auf dem Kerstlingeröder Feld ergab am 22. Juni 18 revieranzeigende Vögel. Das ist ein durchschnittlicher Wert, wobei anzumerken ist, dass der (auf den Neuntöter zugeschnittene) Zähltermin für diese Art eigentlich zu spät liegt. An Offenflächen im Kaufunger Wald (u.a. an der Stromtrasse Sichelnstein) sangen am 28. Juni sechs Männchen, in der Rhumeaue bei Bilshausen, an der Sandgrube Meensen und im NSG Hühnerfeld im Kaufunger Wald jeweils drei. Das sind die Maximalzahlen für einen früheren Charaktervogel der Waldränder und Offenflächen, dessen Lebensraum auf kleine Inseln geschrumpft ist.
Einen Brutnachweis des Wiesenpiepers gibt es in dieser Saison nur aus der Feldmark Volkerode bei Rosdorf, wo am 27. Mai ein warnender und futtertragender Vogel gesehen wurde (Nachtrag vom 25. Juli - HD). In der Feldmark Wollbrandshausen - Gieboldehausen konnte im Mai nur noch ein singendes Männchen notiert werden. Und die nächste Flurbereinigung rückt näher… Am 19. Juni sang in der Leineniederung bei Bovenden ein Männchen, doppelt so viele waren es am 4. Juni in den Randbereichen des Leinepolders. Der Aufenthalt eines, vorweg mitgeteilten, singenden Männchens Anfang Juli an den ehemaligen Tongruben Siekgraben dürfte von kurzer Dauer sein, weil die Bagger schon bereitstehen.

Wiesenpieper - M.Siebner
Abb. 20: Wiesenpieper an den ehemaligen Tongruben Siebgraben. Foto: M. Siebner

Prächtige Rotkehlpieper gaben sich am 6. Mai an der Geschiebesperre und am 14. und 15. Mai im Seeanger die Ehre.
Heimziehende Bergpieper traten in diesem Frühjahr in guter Zahl auf. Aus dem Zeitraum vom 25. März bis zum 18. April liegen 20 Beobachtungen von ca. 40 Ind. vor. Am Seeanger waren bis zu sechs Ind. im Brutkleid über mehrere Tage anwesend. Das Maximum von neun Ind. stammt vom 28. März aus dem Leinepolder.

Am 24. März zogen mindestens 1179 Buchfinken über das Kerstlingeröder Feld. Am 28. März zeigten 400 über das Göttinger Ostviertel ziehende, eher beiläufig gezählte Vögel, dass man an diesem Tag auf dem Plateau des Göttinger Walds vielleicht besser aufgehoben gewesen wäre… Am 2. April suchten mindestens 400 Ind. am Ortsrand von Diemarden unterhalb des Diemardener Bergs nach Nahrung.
An der Leine im Süden Göttingens trötete am 2. und 18. März, als Letzter aus einem bemerkenswerten Einflug, noch ein ortstreuer „Trompetergimpel“ vor sich hin.

In der Feldmark Hollenstedt nordwestlich vom Gut Wickershausen konnte am 8. Mai eine (vermutlich heimziehende) Grauammer ausgemacht worden. Die letzte Beobachtung zuvor stammt aus dem Oktober 2012 und betraf einen über Ebergötzen ziehenden Vogel.

Ein männlicher Tahaweber bringt seit dem 29. Mai Farbe in den Seeanger, ist aber trotz seiner auffälligen Erscheinung manchmal nicht aufzufinden. Tahaweber sind eigentlich in Afrika südlich der Sahara beheimatet. Entflogene Käfigvögel haben jedoch in Feuchtgebieten auf der iberischen Halbinsel eine stabile Brutpopulation etabliert. Ob der (unberingte) Vogel von dort stammt, ist aber sehr unwahrscheinlich. Um seinen beeindruckenden Balzflug - mit aufgeplustertem Rückengefieder wie eine Hummel über dem Brutrevier brummend umherfliegend - zu genießen, müsste man ihm ganz schnell ein Weibchen besorgen, oder besser gleich drei…

Tahaweber - M.Siebner
Abb. 21: Männlicher Tahaweber am Seeanger. Foto: M. Siebner

Mit diesem skurrilen Unikum schließt der Bericht. Er basiert auf ca. 27.000 Datensätzen, die nahezu ausschließlich unserer Datenbank ornitho.de entstammen. Der Verfasser bedankt sich bei den (hauptsächlichen) BeobachterInnen:

P.H. Barthel, B. Bartsch, R. Bayoh, K. Beelte, S. Beisler, S. Böhner, G. Börner, M. Borchardt, S. Brockmeyer, G. Brunken, J. Bryant, J. Bunk, A. Dahlmann, L. Demand, V. Dierschke, K. Dornieden, M. Drüner, H. Edelhoff, M. Feldhoff, M. Fichtler, K. Gimpel, A. Goedecke, M. Göpfert, A. Görlich, S. Goihl, E. Gottschalk, S. Grassmann, C. Grauf, D. Gruber, C. Grüneberg, T. Hammer, W. Haase, H. Hartung, J. Hegeler, E. Heiseke, O. Henning,D. Herbst, V. Hesse, S. Hillmer, U. Hinz, S. Hohnwald, S. Holler, R. Hruska, S. Jaehne, M. Jenssen, K. Jünemann, U. Jürgens, R. Käthner, C. Kaltofen, A. Kannengießer, J. Katzenberger, R. Kellner, D. Kemper, H.-A. Kerl, P. Kerwien, P. Keuschen, J. Kirchner, F. Kleemann, H. Kobialka, G. Köpke, M. Kuschereitz, T. Langer, T. Lepp, I. Lilienthal, V. Lipka, W. Lübcke, R. Maares, G. Mackay, T. Matthies, T. Meineke, K. Menge, P. Mergel, H. Meyer, S. Minta, M. Mooij, T. Orthmann, M. Otten, S. Paul, C. Paulus, G. Pfützenreuter, B. Preuschhof, S. Racky, D. Radde, I. Rapp, U. Rees, P. Reus, B. Riedel, C. Roos, G. Rotzoll, H. Rumpeltin, H. Schmidt, P. Schmidt, D. Schomberg, D. Schopnie, R. Schumann, L. Sebesse, M. Seifert, M. Siebner, D. Singer, L. Söffker, W. Sondermann, R. Spellauge, M. Sprötge, K. Stey, A. Stumpner, A. Sührig, A. Torkler, N. Trottmann, D. Trzeciok, F. Vogeley, W. Vogeley, C. Wegst, M. Weinhold, C. Weinrich, J. Wermes, D. Wucherpfennig, M. Zimmermann und viele andere.

Hans H. Dörrie

July 9th, 2016


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