Archive for May, 2007

Weiß der Geier!

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Alle Ausschnitte aus dem Göttinger Tageblatt vom 10. Mai 2007. Zum Vergrößern anklicken.

Noch beeindruckender als der Anblick des Riesenvogels ist die geballte Ignoranz der herbeigeeilten Experten. Von einem auf einheimische Beute geeichten Jäger oder einer bodenständigen Bauernfamilie kann man kaum erwarten, dass sie den exotischen Dachbesucher auf Artniveau bestimmen. Anders verhält es sich mit dem Betreiber des Harzer Falkenhofs und dem medienbewussten Rüdershausener Vogelpfleger, der sich bislang vor allem mit einem gescheiterten Steinkauz-Wiederansiedlungsprojekt hervorgetan hat. Sie hätten nach kurzem Studium der Fachliteratur herausbekommen können, dass es sich weder um einen Gänse- noch Himalayageier, sondern zweifelsfrei um einen Sperbergeier handelt. Diese Greifvogelart brütet in Afrika südlich der Sahara. Einzelvögel tauchen seit ein paar Jahren in südspanischen Gänsegeier-Kolonien auf bzw. werden auf dem Zug über die Straße von Gibraltar beobachtet. Möglicherweise folgen sie, aus welchen Gründen auch immer, überwinternden spanischen Gänsegeiern in ihr Brutgebiet. Alle artdiagnostischen Merkmale sind auf den Fotos gut zu erkennen. Die Spannweite des Geiers beträgt, anders als im GT-Artikel behauptet, ungefähr das Doppelte der eher für einen Rotmilan typischen 1,50 Meter.
Der Elbinger Sperbergeier ist aber keineswegs aus Afrika zugewandert, sondern zeigt mit Ring und Lederriemen unverkennbare Hinweise auf ein Entweichen aus Gefangenschaft. Welchem Halter er entkommen ist, muss vorerst offen bleiben. Insoweit ist der GT-Artikel zutreffend.

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(1) Die hellen breiten Federspitzen, die dem imposanten Großvogel insgesamt ein “gesperbertes” Aussehen verleihen, sind eindeutiges Merkmal von Gyps rueppellii. (2) Sogenannte Geschühe aus Leder finden in Falknereien und Adlerwarten Verwendung. Sperbergeier werden in Mitteleuropa verhältnismäßig häufig in Gefangenschaft gehalten - manchen gelingt hin und wieder die Flucht….

Man kann ja verstehen, dass die Tagespresse auf solche events abfährt und diese entsprechend aufbläst. Die Elbinger Dorfgemeinschaft, Amtspersonen und „Experten“ mag es freuen: Sie werden, ungeachtet des dürftigen Informationsgehalts ihrer Aussagen, namentlich zitiert und teilweise mit Fotos gewürdigt. Vermissen tut man eigentlich nur noch den Landrat und einen Vertreter der Firma Otto Bock.
Auch bei einigen Kennern der regionalen Vogelwelt hat das Ereignis tiefe Spuren hinterlassen. Die Herren Holzapfel und Böning von der Polizei Gieboldehausen haben „in ihrer Dienstzeit so etwas noch nie erlebt“. Wir auch nicht. hd

Zum Weiterlesen:

1 comment May 10th, 2007

Das Birdrace 2007 aus Göttinger Sicht

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Vor der Silhouette Göttingens: kurze Rast am Diemardener Berg mit Wiesenpieper, Bluthänfling und Elster als neuen Tagesarten.

Das coole Team der „Göttinger Sozialbrachvögel“ (Hans-Heinrich Dörrie, Christoph Grüneberg, Mathias Siebner und Nikola Vagt) trat auch beim diesjährigen Birdrace am ersten Samstag im Mai wieder an.Die Rahmenbedingungen des Wettkampfs wiesen im Vergleich zu den Vorjahren einige Veränderungen auf. Unsere regionalen Mittbewerber (Fabian Bindrich, Jan Goedelt und Volker Hesse), die 2005 als „Schnelle Brüter“ und 2006 als „Feuchtkehlchen“ an den Start gegangen waren, nahmen leider nicht mehr teil. Sie hatten uns in beiden Jahren empfindliche Niederlagen zugefügt. Bevor sie jedoch in Gefahr gerieten, sich wie so manche ambitionierte Truppe in der Geschichte zu Tode zu siegen, konnten zwei ihrer Kombattanten berufsbedingt nach Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen wechseln. Neu im Jahr 2007 war auch die Konzentration auf die Stadt Göttingen und den Landkreis östlich der Leine sowie der späte Beginn des Rennens um 6.30 Uhr, was ein vergleichsweise entspanntes Vogelzählen garantierte. Zudem wurden wir in den ersten Stunden von einem Fernsehteam des NDR begleitet, der am Abend brandaktuell in der Sendung „Hallo Niedersachsen“ einen launigen Bericht in die Wohnzimmer ausstrahlte.

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Allerseits gute Laune: Die „Sozialbrachvögel“ und das NDR-Team.

Mit 111 Arten erzielten wir ein für das tiefe Binnenland immer noch passables Ergebnis. Das „schöne Wetter“ seit Anfang April erwies sich vor allem beim Auffinden einiger früh brütender Standvögel als negativer Faktor. Meisen, Baumläufer, aber auch etliche Finkenarten zeigten, je länger das Rennen dauerte, nur geringe Neigung, durch Lautäußerungen auf sich aufmerksam zu machen. Das Fehlen von Haubenmeise und Kernbeißer in der Tagesliste (komplett nachzulesen auf der Homepage des DDA) ist deshalb kaum verwunderlich. Der Himmel war allenfalls leicht bedeckt und hielt keine Überraschungen in Gestalt ziehender Vögel, ob groß oder klein, bereit. Das Limikolen-Spektrum fiel ebenfalls recht mager aus, weder Grün- noch Rotschenkel gaben sich am Seeanger die Ehre. Auffallend spärlich traten auch die Entenarten in Erscheinung, Schnatter- und Knäkente gerieten ungewöhnlicherweise nicht ins Blickfeld. Mit Schilf-, Teich- und Drosselrohrsänger, Rohr- und Feldschwirl nebst einem singenden Blaukehlchen waren dagegen die gefiederten Röhrichtbewohner nahezu optimal vertreten.

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Auch ohne den Wendehals recht zufrieden: unser Team auf dem Kerstlingeröder Feld. (Alle Fotos: Mathias Siebner)

Was vom Rennen in nachhaltiger Erinnerung bleibt, ist auf jeden Fall die äußerst verlässliche Präsenz des zählbaren Mandarinerpels „Cheech“ (Überlebender des Duos „Cheech & Chong“) am Kiessee, der allmählich zum langlebigen Maskottchen der Göttinger Avifaunisten heranreift, und der mürrische Gesichtsausdruck einer jungen Waldohreule im Turmfalken-Nistkasten auf dem Kerstlingeröder Feld. 2008 kann kommen!

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1 comment May 7th, 2007


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