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	<title>Arbeitskreis Göttinger Ornithologen (AGO)</title>
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	<description>Internetauftritt des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen (AGO)</description>
	<pubDate>Wed, 16 May 2012 18:35:56 +0000</pubDate>
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		<title>Das Birdrace 2012 in Süd-Niedersachsen</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 19:40:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
	<category>Archiv</category>
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		<description><![CDATA[Am ersten Samstag im Mai gingen in diesem Jahr drei süd-niedersächsische Formationen an den Start. Im Landkreis Göttingen wetteiferten das seit 2005 bestehende Traditionsteam der „Göttinger Sozialbrachvögel“ (Hans H. Dörrie, Christoph Grüneberg, Karl Jünemann und Mathias Siebner) und die jung-dynamischen „Gaensewiesel“ (Laura Demant, Sven Stadtmann, Felix Steinmeyer, Kim Stey sowie das volatile Birdrace-Urgestein Volker Hesse [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am ersten Samstag im Mai gingen in diesem Jahr drei süd-niedersächsische Formationen an den Start. Im Landkreis Göttingen wetteiferten das seit 2005 bestehende Traditionsteam der „Göttinger Sozialbrachvögel“ (Hans H. Dörrie, Christoph Grüneberg, Karl Jünemann und Mathias Siebner) und die jung-dynamischen „Gaensewiesel“ (Laura Demant, Sven Stadtmann, Felix Steinmeyer, Kim Stey sowie das volatile Birdrace-Urgestein Volker Hesse als Joker) miteinander.</p>
<p>Die seit 2010 bestehenden „Leinehänflinge“ (Steffen Böhner, Mischa Drüner, Lisa Hülsmann, Silvio Paul und Martin Schuck) waren in den benachbarten Landkreis Northeim ausgewichen, dessen artenreiche, keineswegs auf die Leineniederung zwischen Northeim und Einbeck beschränkte Vogelwelt es ebenfalls verdient hat, im Rahmen eines Rennens gewürdigt und dokumentiert zu werden.<br />
Die Ergebnisse können im Detail auf der Homepage des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) <a href="http://www.dda-web.de">www.dda-web.de</a> eingesehen werden.</p>
<p><a id="more-390"></a>Das Birdrace lief unter ausgesprochen unwirtlichen Bedingungen ab, die allen Beteiligten einiges abverlangten. Nur 2005 war das Wetter vergleichbar schlecht. Als die drei Teams gegen 4.00 Uhr in ihren ausgewählten Waldgebieten (Bramwald, Reinhäuser Wald und Solling) starteten, ließ der Regen nicht lange auf sich warten bzw. war es im Solling schon kräftig am Schütten. Bis zum Abend sollte sich daran nichts ändern. Mit Temperaturen von maximal 11°C in den frühen Morgenstunden – danach wurde es immer kühler – war es zudem, nun ja, recht frisch. Auf die gute Stimmung aller Teams hatten diese Widrigkeiten keinen Einfluss, wohl aber auf die erzielten Artenzahlen bzw. das Artenspektrum.  </p>
<p>Bei den formverbesserten „Sozialbrachvögeln“ verlief der Tag ersprießlicher als im Vorjahr. Weil man von den „Leinehänflingen“ den Startpunkt Bramwald abgekupfert hatte, kamen mit Waldschnepfe, Waldkauz, Fichtenkreuzschnabel und Erlenzeisig gleich vier begehrte Waldbewohner auf die Liste. Die regional sehr selten gewordene Turteltaube konnte an der großen Windwurffläche bei Ellershausen als exklusive Art verbucht werden. Bei den Singvögeln schloss das Team gut ab; von den erwartbaren Arten fehlten nur Waldlaubsänger, Trauerschnäpper und (peinlich, peinlich) der Kolkrabe. Weiden- und Haubenmeise, Waldbaumläufer und Kernbeißer stellten diesmal kein Problem dar. Schmerzliche Lücken taten sich jedoch bei den Greifvögeln auf. Unter dem bleigrau verregneten Himmel waren nur Rotmilan, Wanderfalke, Turmfalke und Mäusebussard auszumachen.<br />
Exklusiver Starvogel des Teams war ein rufender Fasan bei Ellershausen. Seitdem die Jäger ein Einsehen haben und den schnee- und kälteempfindlichen „Jagdpapagei“ nicht mehr zum Schießvergnügen aussetzen, ist er eine echte Rarität. Dass im nachvollziehbaren Eigeninteresse nicht ermittelt wurde, woher genau die Rufe kamen, versteht sich wohl von selbst…<br />
Gesellschaftlicher Top-Event war wiederum der traditionelle Besuch des Cafés „Yesterday“ in der Göttinger Weststadt, das seinen nostalgischen Namen nicht dem vergilbten Retrocharme seiner Einrichtung verdankt, sondern den mehr oder minder leckeren Backwaren vom Vortag.<br />
Mit 113 Arten konnte ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt und der strahlende Titel eines Göttinger Kreismeisters errungen werden.</p>
<p align="center"><img id="image391" alt="SozialbrachvÃ¶gel" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/05/Sozialbrachvögel_20120505_.jpg" /><br />
<em>Abb. 1: Die „Göttinger Sozialbrachvögel“ bei der Siesta.</em></p>
<p>Die „Gaensewiesel“ begannen im Reinhäuser Wald, wo sie zuvor einen Brutplatz des Sperlingskauzes ausfindig gemacht hatten. Die Bonsai-Eule ließ nicht lange auf sich warten und schleppte eine dicke Maus an, halb so groß wie sie selbst. Ein Abstecher zu den ehemaligen Tongruben Siekgraben im Westen Göttingens gestaltete sich lohnend, denn mit einem späten Waldwasserläufer und einem Brachpieper (Birdrace-Erstnachweis) kamen nach dem Sperlingskauz zwei weitere exklusive Arten auf die Liste. Nur von diesem Team gesehen wurde auch der am Göttinger Flüthewehr residierende Eisvogel, wohl der einzige weit und breit. Wie bei den „Sozialbrachvögeln“ fehlte, neben dem Mittelspecht, der Kleinspecht. Obwohl sich beide Teams in der Nähe eines Brutplatzes aufgebaut hatten, gelangte dessen Bewohner nicht ins Blickfeld. Und ewig warten konnte man ja nicht… Zum Ausgleich genossen die Konkurrenten dann am Seeburger See einträchtig den Anblick von zwei Weißbart-Seeschwalben.<br />
Weil die „Gaensewiesel“ bei den Meisen und Finkenvögeln schwächelten, kamen schlussendlich 104 Arten zusammen, die Platz 2 in der Göttinger Rangliste anzeigten.</p>
<p align="center"><img id="image385" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/05/Gaensewiesel.JPEG" alt="Gaensewiesel.JPEG" /><br />
<em>Abb. 2: Die „Gaensewiesel“ an der Sandgrube Meensen.</em></p>
<p>Mit 116 Arten konnten die „Leinehänflinge“ ihren dritten Sieg in Folge einfahren und sich als (vorerst!) unangefochtenes regionales Spitzenteam etablieren. Mit 308,20 € kam auch ein sehr gutes Spendenergebnis zugunsten der bundesweiten Datenbank ornitho.de zustande. Das systematische, wie üblich akkurat vorbereitete Anfahren attraktiver Bereiche des Sollings trug schnell Früchte. Waldschnepfen waren kein Problem, der Waldlaubsänger konnte exklusiv notiert werden. Auch der Mittelspecht ließ sich, bei besonders stark strömendem Regen, in einem Eichenwald bei Lauenberg als Bonusart auf die Liste setzen.<br />
Bei den Eulen hakte es etwas: Die Sperlingskäuze waren offenbar zu sehr mit der Futtersuche beschäftigt um sich akustisch bemerkbar zu machen und ein Rauhfußkauz, dessen Balzgesang zuvor verlässlich zu vernehmen gewesen war, schien von einer rufenden Waldohreule dermaßen eingeschüchtert zu sein, dass er stumm und unsichtbar im Waldesdunkel verharrte.<br />
An den Northeimer Kiesteichen und der Geschiebesperre Hollenstedt (mit limikolenfeindlich hohem Wasserstand) gelangten mit einem Sterntaucher und einem Fischadler gleich zwei unerwartete Bonusarten auf die Tagesliste.<br />
Am Rand des Leinepolders Salzderhelden mit striktem Betretungsverbot ist das akustische Wahrnehmen von Rallen wegen des Verkehrslärms und der großen Entfernung ohnehin niemals einfach. Wind und schallschluckender Dauerregen taten am Renntag ein Übriges, so dass von dieser Familie nur die trivialen Arten Teichhuhn und Blässhuhn auf die Liste gelangten. Immerhin ließ sich im Leinepolder ein Rohrschwirl vernehmen.<br />
Eine peinliche Lücke stellte bis zum Abend der fehlende Nachweis von Straßentauben dar. Von dem Notfallplan, sie in der Tristesse des Northeimer Bahnhofs mit einer Taschenlampe anzufunzeln und abzuhaken, wurde angesichts schwindender Kondition Abstand genommen – hinzu kam, dass dies womöglich, an einem Bundesliga-Heimspieltag, in der grenzwertigen Gesellschaft betrunkener Fans von Hannover 96 erfolgt wäre…</p>
<p align="center"><img id="image387" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/05/IMG_1175.JPG" alt="IMG_1175.JPG" /><br />
<em>Abb. 3: Die „Leinehänflinge“.</em></p>
<p>Fazit: Alle waren wieder mit Begeisterung bei der Sache. Und für das kommende Jahr kann man wohl ohne jede Hybris prognostizieren: So schlecht wie 2012 wird das Wetter nicht sein! <em>Hans-Heinrich Dörrie</em></p>
<p align="center"><img id="image393" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/05/WBSS_20120506_0397.jpg" alt="WBSS" /><br />
<em>Abb. 4: Weißbart-Seeschwalbe am Seeburger See  Foto: M. Siebner</em></p>
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		<title>Der Vogelwinter Dezember 2011 bis Februar 2012 in Süd-Niedersachsen – ein Kontrastprogramm in zwei Akten</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Mar 2012 12:09:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
	<category>Archiv</category>
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		<description><![CDATA[Das Jahr 2011 ging mit einem ungewöhnlich milden Dezember zu Ende. Diesem folgte ein weithin ebenso milder Januar 2012. Zum Ende des Monats setzte jedoch eine ca. dreiwöchige Periode klirrenden Dauerfrosts ein, die in Windeseile alle Stillgewässer zum Zufrieren brachte, die großen und tiefen Kiesgruben eingeschlossen. Die Februartemperaturen lagen 3 bis 5°C unter dem langjährigen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jahr 2011 ging mit einem ungewöhnlich milden Dezember zu Ende. Diesem folgte ein weithin ebenso milder Januar 2012. Zum Ende des Monats setzte jedoch eine ca. dreiwöchige Periode klirrenden Dauerfrosts ein, die in Windeseile alle Stillgewässer zum Zufrieren brachte, die großen und tiefen Kiesgruben eingeschlossen. Die Februartemperaturen lagen 3 bis 5°C unter dem langjährigen Mittel. Damit war dieser Monat der kälteste seiner Art seit 26 Jahren. Von der Vereisung waren auch große Wasserflächen im Leinepolder Salzderhelden betroffen, die nach einem Anstau Anfang Januar entstanden waren und auch wegen ihres reichen Angebots an ertrunkenen Kleinsäugern eine Attraktion für viele Vögel darstellten.</p>
<p><a id="more-384"></a>Nennenswerter Zuzug überwinternder <strong>Höckerschwäne</strong> erfolgte erst nach dem Kälteeinbruch Ende Januar. Gleichwohl lag ihre Zahl in der Leineniederung zwischen Northeim und Einbeck nur bei knapp 50 Ind. Der Winterbestand des <strong>Singschwans</strong> umfasste in diesem Gebiet maximal 15 Ind. (11 ad., 4 vorj. Ind.). Auch die nordischen Vettern trafen mehrheitlich erst nach dem jähen Ende der milden Witterung ein. Vom 7. bis 10. Januar hielten sich zwei ad. <strong>Zwergschwäne</strong> auf den angestauten Flächen des Leinepolders Salzderhelden auf. Anzahl, Rasthabitat und kurze Verweildauer sind für diesen regional ungewöhnlichen Gast ganz typisch.</p>
<p>Bis zu sechs <strong>Kanada-</strong> und <strong>Weißwangengänse</strong> fanden sich im Leinepolder Salzderhelden ein. Regional sehr bemerkenswert ist eine <strong>Schneegans</strong> der hellen Morphe, die am 15. Januar mit Saatgänsen über die Geschiebesperre Hollenstedt nach Norden zog.<br />
<strong>Tundrasaatgänse</strong> erreichten mit ca. 2000 Ind. im Leinepolder Salzderhelden und in den angrenzenden Feldmarken im Februar ihr Maximum. Unter ihnen verbargen sich Ende Januar ein bis zwei ad. <strong>Kurzschnabelgänse</strong> zumeist erfolgreich. Maximal 1220 <strong>Blässgänse</strong> wurden am 17. Februar im Leinepolder Salzderhelden gezählt.</p>
<p>Der bemerkenswerten Rasttradition überwinternder <strong>Pfeifenten</strong>, die sich seit einigen Jahren in unserer Region herausgebildet hat, taten die harschen Bedingungen ab Ende Januar kaum Abbruch, denn es hielten sich wiederum bis zu 130 Ind. in der Leineniederung zwischen Northeim und Einbeck auf.<br />
Wie anderswo mehren sich auch in Süd-Niedersachsen Beobachtungen der <strong>Kolbenente</strong>. Winterbeobachtungen wie die eines Erpels am 11. Dezember an den Northeimer Kiesteichen sind aber immer noch ungewöhnlich.<br />
Bis zu vier weibchenfarbige <strong>Samtenten</strong> schwammen vom 27. Dezember bis 7. Januar auf dem Northeimer Großen Freizeitsee, bis zum 15. Januar war dort noch ein Einzelvogel präsent. Diesem folgte am 25. Februar ein Paar an der Geschiebesperre Hollenstedt.<br />
Mitte Februar konzentrierten sich dort bis zu 68 <strong>Schellenten</strong>, die eine regional bemerkenswert hohe Zahl anzeigten. Dies trifft auch auf bis zu 26 <strong>Zwergsäger</strong> zu. Maximal knapp 100 <strong>Gänsesäger</strong> unterstreichen die Bedeutung der Geschiebesperre als eisfreier Wasservogel-Lebensraum in Kältewintern.</p>
<p align="center"><img alt="Schellente_Siebner.jpg" id="image381" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/03/Schellente_Siebner.jpg" /><br />
<em>Abb. 1: Männliche Schellente am Göttinger Flüthewehr. Foto: M. Siebner.</em></p>
<p>Der Bestand des <strong>Rebhuhns</strong> im Landkreis Göttingen wurde, anders als im Vorjahr, vom Winter offenkundig kaum in Mitleidenschaft gezogen. Die alljährliche Spätwinterzählung im Rahmen des Rebhuhnschutzprojekts der Uni Göttingen (<a href="http://www.ornithologie-goettingen.de/www.rebhuhnschutzprojekt.de">www.rebhuhnschutzprojekt.de</a>) ergab ähnliche Zahlen wie 2010. Grund für das ermutigende Resultat war mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schneearmut, die zu einem erheblich geringeren Prädationsdruck geführt haben dürfte. Bis zu 45 Ind. wurden allein in den Feldmarken Gö.-Geismar und Diemarden gezählt – kein Wunder, denn die Agrarlandschaft dort bildet fast schon eine Insel der Seligen in der trostlosen Einöde agrarindustrieller Produktionsflächen. Gleichwohl gehen auch in dieser vermeintlichen Idylle Brachen und Blühstreifen verloren, und in den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob der Wiesenpieper an seinem letzten Göttinger Stützpunkt festhält.</p>
<p align="center"><img alt="diagramm_rebhuhn.jpg" id="image376" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/03/diagramm_rebhuhn.jpg" /><br />
<em>Abb. 2: Bestandszahlen der Rebhühner im Kartiergebiet von 90 km² Größe. Das Kartiergebiet deckt ca. 50 % des Rebhuhnbestandes im Landkreis ab. Grafik: E. Gottschalk.</em></p>
<p>Mit bis zu drei <strong>Ohrentauchern</strong> am 14. Januar war der Große Freizeitsee ein Dorado für diesen traditionell spärlichen Rastvogel. Der bereits im Vorbericht genannte <strong>Prachttaucher</strong> vom Seeburger See war bis zum 2. Dezember präsent. Ein ad. <strong>Sterntaucher</strong> verweilte an den Northeimer Kiesteichen am 14. Januar nur kurz.</p>
<p align="center"><img alt="Ohrentaucher_Paul.jpg" id="image379" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/03/Ohrentaucher_Paul.jpg" /><br />
<em>Abb. 3: Ohrentaucher auf dem Großen Freizeitsee. Foto: S. Paul. </em></p>
<p>Am 30. Januar stand eine <strong>Rohrdommel</strong> an der Geschiebesperre Hollenstedt.<br />
Kälteflucht aus dem Osten in Kombination mit einem guten Nahrungsangebot an den Überschwemmungsflächen des Leinepolders dürften die Ursachen für regional beispiellose Zahlen des <strong>Silberreihers</strong> gewesen sein. Maximal 146 (!) Ind. wurden am 30. Januar an der Geschiebesperre Hollenstedt gezählt, wo sie einen Schlafplatz bezogen. Auch in der ersten Februardekade betrugen die Maximalzahlen durchweg über 100 Ind. Am Seeburger See hielten sich bis zum Kälteeinbruch, immerhin, bis zu 24 Ind. auf. Zum Vergleich: Die täglichen gebietsbezogenen Maximalzahlen des <strong>Graureihers</strong> lagen überall unter 10 Ind.<br />
Mit der von vielen vogelkundlichen Fachverbänden und regionalen Arbeitsgemeinschaften, darunter auch dem Arbeitskreis Göttinger Ornithologen, gespeisten Datenbank <a href="http://www.ornitho.de">www.ornitho.de</a>, der die meisten in diesem Bericht verarbeiteten Beobachtungen entnommen sind, liegt endlich eine gute Grundlage vor, um (auch) dem immer noch wenig verstandenen Zug- und Ausweichverhalten der Weißen Riesen nachzugehen. Im Rahmen eines kurzen Sammelberichts ist dies nicht möglich.</p>
<p>Das Vorkommen winterlicher <strong>Kornweihen</strong> konzentrierte sich auf den Leinepolder Salzderhelden, wo ein bis zwei Ind. (1 vorj. Ind., 1 W.) unregelmäßig präsent waren. Zu den fünf <strong>Rauhfußbussard</strong>-Nachweisen bis Ende November kommen noch vier hinzu: Vom 14. Dezember aus der Feldmark Geismar-Süd (vorj.) sowie gleich drei vom 5. Februar (Feldmark Wollbrandshausen, Feldmark Sattenhausen (vorj.) und Leineniederung bei Bovenden).<br />
Nach dem Kälteeinbruch und mit diesem wohl in ursächlichem Zusammenhang stehend gab es zwischen dem 2. und 18. Februar gleich vier regional ungewöhnliche Winterbeobachtungen des <strong>Merlins</strong>, die bis auf eine bei Landolfshausen aus der Leineniederung bei Einbeck stammten (zwei ad. M., ein wf. Ind.) und möglicherweise insgesamt nur drei Vögel betrafen.</p>
<p>Ende Januar machte sich mit maximal 1240 Ind. am 30. des Monats im Leinepolder Salzderhelden die Winterflucht von <strong>Kranichen</strong> bemerkbar. Einen Tag später zogen noch ca. 1000 Ind. über die Region. Ende Februar ging es wieder nach Hause. Am 27. rasteten im Leinepolder Salzderhelden mit mindestens 1250 Kranichen fast genau so viele wie vier Wochen zuvor auf der Kälteflucht.</p>
<p>Spät dran waren vier <strong>Goldregenpfeifer</strong>, die am 20. Dezember über die Suhleaue bei Seulingen flogen. Winterliche <strong>Zwergschnepfen</strong> wurden am 22. Februar in der Feldmark Landolfshausen und am 27. Februar an der Geschiebesperre Hollenstedt dingfest gemacht. Dort gelang einem harten <strong>Waldwasserläufer</strong> die Überwinterung.</p>
<p>Eine hochwinterliche ad. <strong>Zwergmöwe</strong> fiel am 8. Januar am Seeburger See aus dem zeitlichen Rahmen.<br />
Nach dem Anstau im Polder I kam es im Januar zu einem außergewöhnlichen Einflug von <strong>Sturmmöwen</strong>. Die Vögel bezogen am Northeimer Freizeitsee einen Schlafplatz, wo sie sich gut zählen ließen. Mit maximal 284 Ind. wurde am 14. Januar eine Rekordzahl ermittelt, die nördlich der Mittelgebirgsschwelle nicht der Rede wert wäre, aus regionaler Sicht jedoch beispiellos ist. Am Seeburger See signalisierten 44 Ind. am 29. Januar eine lokal bemerkenswerte Zahl.   Dagegen ließen sich Großmöwen interessanterweise nur vereinzelt blicken. Den kleinen Reigen eröffnete am 11. Dezember eine <strong>Silbermöwe</strong> im 4. KJ am Seeburger See, der am 19. Februar zwei ad. Ind. im Leinepolder Salzderhelden und am 27. Februar zwei Ind. (davon eins im 2. KJ) an den Northeimer Kiesteichen folgten. Noch spärlicher waren Steppenmöwen, die am 8. Januar im Leinepolder Salzderhelden zu dritt (2 ad., 1 vorj. Ind.) und am 10. Januar als Einzelvogel im 3. KJ ebendort in Erscheinung traten.</p>
<p align="center"><img alt="SilbermÃ¶we_Siebner.jpg" id="image383" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/03/Silberm%C3%B6we_Siebner.jpg" /><br />
<em>Abb. 4: Silbermöwe am Seeburger See. Foto: M. Siebner.</em></p>
<p>Außergewöhnlich ist ein kompakter, fotografisch belegter Trupp von 133 <strong>Hohltauben</strong>, der am 29. Dezember über den Seeburger See nach Südwesten zog. Winterbeobachtungen dieser Vogelart nehmen zwar allmählich zu, sind aber immer noch ungewöhnlich und betrafen bis dato Einzelvögel oder kleine Trupps von maximal vier bis fünf Ind.</p>
<p>Im Januar ließ sich im Leinepolder Salzderhelden mehrfach eine <strong>Sumpfohreule</strong>, vermutlich immer dieselbe, blicken. Zusammen mit drei Ind. aus dem Oktober 2011 (vgl. den Wegzugbericht 2011 auf dieser Homepage) zeigte sie an, dass der - nach einem sehr guten Lemming- und Wühlmausjahr in Fennoskandien - bundesweit registrierte Einflug auch bei uns seinen Niederschlag fand.</p>
<p>In Göttingen und im Eichsfeld gelang jeweils mindestens zwei <strong>Eisvögeln</strong> die Überwinterung. Die Verluste während der dreiwöchigen Periode grimmigen Frosts waren vermutlich nicht so hoch wie in den vergangenen Wintern. Diese dauerten erheblich länger und fielen deshalb für die Vögel härter aus. Gleichwohl ist es höchste Zeit für ein paar milde Winter in Folge, nach denen sie ihre ursprüngliche Populationsgröße wieder aufbauen können.<br />
Auch die Daten zum <strong>Grünspecht</strong> lassen keine gravierenden Winterverluste vermuten. Dies trifft vorausgeschickt auch auf die empfindlichen Arten <strong>Zaunkönig</strong> und <strong>Rotkehlchen</strong> zu, die, ganz anders als nach dem schneereichen Vorjahreswinter, nach der dreiwöchigen Kältephase in den Tieflagen der Region in passablen Zahlen vertreten waren.</p>
<p>Zu den bereits im Vorbericht genannten ca. 15 Herbstbeobachtungen des <strong>Raubwürgers</strong> kommen für Dezember bis Ende Februar 31 Nachweise hinzu. Da es sich in etlichen Fällen um ortsfest überwinternde Ind. handelte, kann von einem (hohen) Winterbestand von ca. 20 Ind. ausgegangen werden, der gut in das Bild des bundesweit starken Einflugs passt.</p>
<p align="center"><img alt="raubwuerger_schuck.jpg" id="image380" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/03/raubwuerger_schuck.jpg" /><br />
<em>Abb. 5: Raubwürger in den Landkreisen Göttingen und Northeim im Winter 2011/2012. Grafik: M. Schuck.</em></p>
<p><strong>Saatkrähen</strong> treten in Süd-Niedersachsen als Wintergäste seit langem nur noch in geringer Zahl auf. Daran änderte auch der ungewöhnlich kalte Februar nichts. Für den Berichtszeitraum liegen ganze fünf Beobachtungen vor. Den Löwenanteil der insgesamt 93 Ind. stellten 35 bzw. 54 Ind. an der Deponie Blankenhagen bei Moringen am 7. bzw. 27. Februar, ansonsten gab es nur ein bis zwei versprengte Federhosenträger.<br />
Einen gleichermaßen imposanten wie ungewöhnlichen Anblick boten zwei balzende <strong>Kolkraben</strong> am 24. Januar im Göttinger Levin-Park. Ob eine neue Stadtvogelart ihre Ansiedlung vorbereitet bleibt abzuwarten. Möglicherweise war es nur ein Kurzaufenthalt, der auch von anderen Parkanlagen wie dem Stadtfriedhof bekannt ist.</p>
<p align="center"><img alt="Kolkrabe_Siebner.jpg" id="image378" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/03/Kolkrabe_Siebner.jpg" /><br />
<em>Abb. 6: Kolkrabe im Levin-Park. Foto: M. Siebner.</em></p>
<p>Trotz milder Witterung und Schneearmut geriet in den Monaten Dezember und Januar nur eine <strong>Feldlerche</strong> ins Blickfeld, und zwar am 18. Dezember an den Northeimer Kiesteichen. In nennenswerter Zahl und planmäßig tauchten die Vögel erst in der letzten Februardekade auf.</p>
<p>Vom <strong>Zilpzalp</strong> liegen fünf Winternachweise vor, darunter (nur) eine Dezember-Beobachtung aus Ebergötzen. Dies erstaunt, weil der Dezember ungewöhnlich mild war und „eigentlich“ mehr Vögel zum Ausharren hätte veranlassen können. Die anderen vier, vermutlich Kälteflüchter aus anderen Regionen, traten vom 15. Januar bis zum 29. Februar in der Leineniederung und am Göttinger Kiessee in Erscheinung.</p>
<p>Göttingens einziger <strong>Seidenschwanz</strong> ließ sich vom 29. bis 31. Dezember am Kiessee gebührend abfeiern und ablichten. Der einsame Invasor zeigte das schwächste Auftreten seit langem an, das noch unter den ungewöhnlich niedrigen Zahlen des Winters 2009/2010 mit nur 40 bis 45 Ind. lag.</p>
<p align="center"><img alt="seidenschwanz_siebner.jpg" id="image382" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/03/seidenschwanz_siebner.jpg" /><br />
<em>Abb. 7 : Lonesome Traveller: Seidenschwanz am Göttinger Kiessee. Foto: M. Siebner.</em></p>
<p><strong>Wacholderdrosseln</strong> hielten sich in der Region, der anfangs milden Witterung entsprechend, in überdurchschnittlich hoher Zahl auf. Im Leinepolder Salzderhelden wurden am 11. Januar maximal 1200 Ind. gezählt. Für Göttinger Innenstädter ziemlich spektakulär waren ca. 500 Ind. in mehreren Trupps, die nach dem Kälteeinbruch am 2. Februar auf der Suche nach Beeren die Bäume der Fußgängerzone belebten. Am nächsten Tag waren Beeren und Vögel verschwunden… Angesichts der klirrenden Kälte war eine <strong>Singdrossel</strong> am 13. Februar im Göttinger Alten Botanischen Garten recht früh zur Stelle. Nach dem 30. Januar traten <strong>Rotdrosseln</strong>, von denen sich zuvor bis zu 40 Ind. vor allem im Ostviertel aufgehalten hatten, in Göttingen nur noch als Einzelvögel auf.</p>
<p>Auch beim <strong>Hausrotschwanz</strong> hätte man in den milden und schneelosen Monaten Dezember und Januar mit mehr Beobachtungen als üblich rechnen können. Gleichwohl liegen für die beiden Monate nur fünf Beobachtungen von (vermutlich) drei ad. Männchen in Bovenden, Ebergötzen und Gö.-Nikolausberg vor. Immerhin gelang dem Nikolausberger Vogel die durchgehende Überwinterung, was für unsere Region immer noch eine Ausnahme ist. Am 1. und 2. Februar kam noch je ein ad. M. (auf Kälteflucht?) an den Northeimer Kiesteichen und im Neuen Botanischen Garten hinzu. Wie beim Zilpzalp könnte das geringe Auftreten zum milden Winterbeginn damit zusammenhängen, dass die vorangegangenen Kältewinter die Zahl überwinterungswilliger Ind. dezimiert hatten. Diese Vögel konnten ihre optimistische Disposition genetisch nicht weitergeben. So funktionieren Evolution und Anpassung, auch in Zeiten steigender Jahresdurchschnittstemperaturen…</p>
<p>Geringe Winterzahlen sind auch von der <strong>Heckenbraunelle</strong> zu vermelden, von der im Dezember/Januar nur vier Ind. ins Blickfeld gerieten, darunter zwei Ind. am 8. Januar im Göttinger Ostviertel, bei denen es sich offenkundig nur um kurzzeitig rastende Vögel handelte.</p>
<p>Der stark negative Trend überwinternder <strong>Bergpieper</strong> setzt sich fort. Trotz eifriger Beobachtertätigkeit in den Hauptüberwinterungsgebieten Leinepolder Salzderhelden, Geschiebesperre Hollenstedt und Seeanger wurde dort keine Tagessumme von mehr als drei Ind. notiert. Die abendliche Kontrolle des traditionellen Schlafplatzes am Denkershäuser Teich am 8. Januar erbrachte ein Nullergebnis.<br />
In Göttingen gelang (mindestens) einer <strong>Gebirgsstelze</strong> die Überwinterung.<br />
Ähnlich wie die oben genannten Überwinterungskandidaten Zilpzalp, Hausrotschwanz und Heckenbraunelle traten <strong>Bachstelzen</strong> im milden Dezember/Januar nur in geringer Zahl, in der Regel mit ein bis zwei Ind. in Erscheinung. Den extrem kalten Februar hat in Göttingen wohl ein Ind. überstanden.</p>
<p align="center"><img alt="gebirgsstelze_siebner.jpg" id="image377" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/03/gebirgsstelze_siebner.jpg" /><br />
<em>Abb. 8: Ohne Schwanz und (hoffentlich) nur mit einem blauen Auge durch den Winter gekommen: Gebirgsstelze in Göttingen. Foto: M. Siebner.</em></p>
<p>Zwei langjährig durchgeführte Mittwinterzählungen des <strong>Buchfinks</strong> am Göttinger Stadtwall (2,5 km) erbrachten 2012, trotz anfänglich milder Temperaturen in Verbindung mit einem üppigen Bucheckernangebot, weniger als 30 Ind.<br />
Vom nordischen <strong>„Trompetergimpel“</strong> liegen zwei Wahrnehmungen vor: Am 15. Januar an den Northeimer Kiesteichen nur akustisch und am 28. Januar am Seeburger See ein Ind. mit Blickkontakt.</p>
<p>Die niedrigen Zahlen traditionell spärlicher Überwinterer werden durch eine <strong>Rohrammer</strong> am 7. Januar im Leinepolder Salzderhelden komplettiert. <em>Hans-Heinrich Dörrie</em></p>
<p>Diese Zusammenstellung erfolgte nach Daten von: P.H. Barthel, S. Böhner, G. Brunken, J. Bryant, J. Dierschke, H. Dörrie, K. Dornfeldt, K. Dornieden, M. Drüner, M. Fichtler, J. Fleischfresser, M. Geb, M. Göpfert, E. Gottschalk, M. Grimm, D. Gruber, C. Grüneberg, V. Hesse, S. Hillmer, U. Hinz, S. Hohnwald, K. Jünemann, G. Köhler, A. Kreusel, V. Lipka, T. Matthies, T. Meineke, S. Paul, D. Radde, A. Schröter, M. Schuck, M. Siebner, F. Steinmeyer, K. Stey, A. Stumpner &#038; F. Weiss.
</p>
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		<title>Neue Vogelarten für Süd-Niedersachsen</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 07:10:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
	<category>Archiv</category>
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		<description><![CDATA[Mit dem Ende der Deutschen Seltenheitenkommission (DSK) und der Übergabe ihrer Arbeit an die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) unter dem Schirm des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) ist eine Ära zu Ende gegangen. Im letzten Jahr erschien nun der letzte Seltenheitenbericht der DSK (DSK 2010), der die anerkannten Nachweise seltener Vogelarten des Jahres 2009 und Nachträge [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Ende der Deutschen Seltenheitenkommission (DSK) und der Übergabe ihrer Arbeit an die <a href="http://www.dda-web.de/index.php?cat=monitoring&#038;subcat=dak&#038;subsubcat=aktuell">Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK)</a> unter dem Schirm des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) ist eine Ära zu Ende gegangen. Im letzten Jahr erschien nun der letzte Seltenheitenbericht der DSK (DSK 2010), der die anerkannten Nachweise seltener Vogelarten des Jahres 2009 und Nachträge der Jahre 2001 bis 2008 enthält. Dies soll zum Anlass genommen werden, eine Ergänzung der regionalen Artenliste vorzunehmen, die auch anerkannte Nachweise der Jahre 2001 bis 2005 (DSK 2008) und 2006 bis 2008 (DSK 2009) enthält. <a id="more-375"></a> Nachzutragen sind:</p>
<p><strong>Gänsegeier</strong> (<em>Gyps fulvus</em>): 30.06.2006 1 Ind., 12.07.2006 2 Ind., über Hollenstedt kreisend (Frau Rannenberg, Dieter Rehahn in DSK 2009).</p>
<p>Diese Beobachtungen wurden nicht in den avifaunistischen Jahresbericht 2006 des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen aufgenommen. Sie fehlt auch in der Auflistung von Krüger &#038; Krüger (2007).</p>
<p><strong>Steinadler</strong> (<em>Aquila chrysaetos</em>): 23.10.2003 1 Ind. im 1. KJ bei Hevensen ziehend (C. Bock, A. Degen, A. Schönheim in DSK 2008).</p>
<p>Diese Beobachtung findet sich nicht im betreffenden Jahresbericht 2003 des AGO, wohl aber anekdotisch in der Begrüßungsrede zum 10-jährigen Bestehen des AGO (vgl. http://www.ornithologie-goettingen.de/?m=200906).</p>
<p><strong>Schwalbenmöwe</strong> (<em>Xema sabini</em>): 09.09.2008 1 diesjähriges Ind. am Seeburger See (T. Meineke in DSK 2009). Diesem Vogel folgte erstaunlicherweise im Folgejahr, am 17.08.2009, ein zweiter, diesmal ein Altvogel (T. Meineke, K. Menge in DSK 2010).</p>
<p><strong>Aztekenmöwe</strong> (<em>Larus atricilla</em>): 18.05. 2007 1 ad. Ind. am Seeburger See (T. Meineke, K. Menge in DSK 2009).</p>
<p>Mit zwei Nachweisen eines im Binnenland sehr seltenen Gastes aus der arktischen Tundra und einer mitteleuropäischen Ausnahmeerscheinung nordamerikanischer Provenienz konnte das trübe Auge des Eichsfelds erneut seinen legendären Ruf als Hort von Überraschungen zementieren, diesmal die Möwen betreffend.</p>
<p><strong>Rosenstar</strong> (<em>Sturnus roseus</em>): 05.06.2001 1 ad. Ind. im Leinepolder Salzderhelden (P.H. Barthel in DSK 2010).</p>
<p>Vier Erstnachweise aus den letzten beiden Jahren harren noch der Anerkennung:</p>
<p>Der erste betrifft einen am 03.05.2010 nur kurzzeitig über dem Leinepolder jagenden <strong>Alpensegler</strong>.<br />
Der zweite einen umtriebigen <strong>Sichler</strong> mit Farbringmarkierung (V02) aus dem Ebro-Delta, der sich vom 10.04.-11.04.2011 im Seeanger aufhielt und dann seinen Weg über die Große Grabenniederung in Brandenburg in litauische Gefilde fortsetzte. Bald kehrte er Nordosteuropa wieder den Rücken und bewegte sich zielstrebig auf einem entgegengesetzten Kurs. Letztmalig wurde er im September in den Niederlanden abgelesen.<br />
Ein <strong>Weißschwanzkiebitz</strong> besuchte vom 13.-22.06.2011 für einige Tage die Geschiebesperre. Mit Sicherheit derselbe Vogel geriet wenig später für zwei Wochen im Juli an einer Kiesgrube bei Köthen in Sachsen-Anhalt ins Blickfeld. Möglicherweise ebenfalls derselbe war im September des Vorjahres an der französischen Kanalküste zu sehen (Barthel 2011). Sein individuelles Merkmal, ein fehlender Fuß, sorgte für Diskussionen über die Herkunft des Vogels. Allemal mobil und durch seinen Makel nicht eingeschränkt war er ja offensichtlich&#8230;<br />
Den dritten Erstnachweis des Jahres stellte ein am 31.10.2011 an der Südseite des Göttinger Kiessees rastendes <strong>Pallasschwarzkehlchen</strong> im 1. KJ dar.<br />
Zumindest bei Sichler, Weißschwanzkiebitz und Pallasschwarzkehlchen stehen die Chancen auf eine Anerkennung durch die DAK nicht schlecht, da diese fotografisch eindeutig belegt sind.<br />
Der Vollständigkeit halber seien auch noch die zweiten regionalen Nachweise von Grasläufer (2009, DSK 2010) und Eistaucher (2010, Anerkennung durch AKN muss noch erfolgen) angemerkt. Weiterhin avanciert die Spornammer nach dem Einflug im September/Oktober 2010 (drei Nachweise) und einem Nachweis im Frühjahr 2011 von der Ausnahmeerscheinung zum seltenen Gastvogel -  für Kategoriefetischisten sicher eine hochinteressante Sache&#8230;<br />
Die aktualisierte Artenliste kann nun <a href="http://www.ornithologie-goettingen.de/material/artenliste.pdf">hier</a> heruntergeladen werden. Zur Freude des Einen oder Anderen folgt diese nun Barthel &#038; Helbig (2005). Dementsprechend verlängert sich die Zahl der nachgewiesenen Vogelarten nicht nur um die ergänzten Erstnachweise, sondern auch um bisher unberücksichtigte Splits (z.B Schafstelzen-Taxa etc.) auf 322 Arten. <em>Christoph Grüneberg</em></p>
<p align="center"><img id="image374" alt="Sperbereule3.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2012/01/Sperbereule3.jpg" /><br />
<em>&#8230; und auf sie müssen wir wohl noch lange warten. Foto: V. Hesse.</em></p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<ul>
<li>Deutsche Seltenheitenkommission (2008): Seltene Vogelarten in Deutschland von 2001 – 2005. Limicola 22, S. 249-339.</li>
<li>Deutsche Seltenheitenkommission (2009): Seltene Vogelarten in Deutschland von 2006 – 2008. Limicola 23, S. 257-334.</li>
<li>Deutsche Seltenheitenkommission (2010): Seltene Vogelarten in Deutschland 2009 (mit Nachträgen 2001 – 2008). Limicola 24, S. 233-286.</li>
<li>Barthel, P.H. &#038; A.J. Helbig (2005): Artenliste der Vögel Deutschlands. Limicola 19, S. 89-111.</li>
<li>Barthel, P.H. (2011): Bemerkenswerte Vogelfotos. Limicola 25 , S. 166-168.</li>
<li>Krüger, T. &#038; J.-A. Krüger (2007): Einflug von Gänsegeiern <em>Gyps fulvus</em> in Deutschland 2006: Vorkommen, mögliche Ursachen und naturschutzfachliche Konsequenzen. Limicola 21, S. 185-217.</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Es herrscht Ruhe im Land – Wegzug und späte Bruten 2011 in Süd-Niedersachsen</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 08:08:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
	<category>Archiv</category>
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		<description><![CDATA[Nach einem vergleichsweise kühlen und regenreichen Sommer zeigte sich der Herbst, insbesondere der November, von einer außergewöhnlich trockenen (und an vielen Tagen nebligen) Seite. Die Wegzugaktivitäten der meisten Vögel verliefen von Juli bis November ziemlich ereignisarm bzw. wurden von vielen Beobachter/innen so wahrgenommen. Schmale Kost kann jedoch sehr gesund sein, vor allem für Übersättigte mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einem vergleichsweise kühlen und regenreichen Sommer zeigte sich der Herbst, insbesondere der November, von einer außergewöhnlich trockenen (und an vielen Tagen nebligen) Seite. Die Wegzugaktivitäten der meisten Vögel verliefen von Juli bis November ziemlich ereignisarm bzw. wurden von vielen Beobachter/innen so wahrgenommen. Schmale Kost kann jedoch sehr gesund sein, vor allem für Übersättigte mit Entschlackungsbedarf. Wer die folgende Auflistung hinter sich gebracht hat, wird vielleicht, allen Mäkeleien zum Trotz, zu dem Schluss gelangen, dass auch dieser seltsame Herbst etliche Besonderheiten bereitgehalten hat, die einer Mitteilung wert sind.</p>
<p><a id="more-373"></a>Ab dem Spätherbst traten an der Geschiebesperre Hollenstedt und im Göttinger Süden einzelne <strong>Weißwangengänse</strong> mit langer Verweildauer in Erscheinung, im ersten Gebiet in Gesellschaft einer unvermeidlichen <strong>Rostgans</strong>. Gleich fünf Weißwangengänse zogen am 13.11. zusammen mit 57 <strong>Tundrasaatgänsen</strong> über Sattenhausen. <strong>Blässgänse</strong>, die normalerweise nördlich der Mittelgebirgsschwelle ihre Überwinterungsgebiete ansteuern, eröffneten die Saison spektakulär: Am 14.10. zogen 2150 Ind. über den Raum Landolfshausen nach Südwesten und zeigten einen neuen Regionalrekord an. Vermutlich dieselben Vögel wurden wenig später über Nordhessen registriert und sorgten auch dort für Aufsehen.<br />
25 <strong>Brandgänse</strong>, darunter nur ein Jungvogel, bedeckten am 4.7. den Seeanger. Auch diese Zahl ist ein neuer Regionalrekord.<br />
Am 27.11. rastete auf dem Seeburger See eine weibchenfarbene <strong>Mandarinente</strong>. In Göttingen konnte nur eine Brut der <strong>Reiherente</strong> registriert werden, und zwar am Levin-Park. Die zwei geschlüpften Jungen erlangten, immerhin, die Selbständigkeit. Eine diesjährige <strong>Schellente</strong> war am 17.7. auf dem Seeburger See für die Jahreszeit sehr ungewöhnlich.</p>
<p>Am Göttinger Kiessee kam es zu einer späten <strong>Haubentaucher</strong>-Brut (Schlupf um den 1.8.), die mit zwei selbständig gewordenen Jungvögeln erfolgreich verlief. Gleichwohl fiel das Ergebnis mit vier Jungen aus drei Bruten wiederum recht mager aus. Vom 23. bis 30.11. gab ein diesjähriger <strong>Prachttaucher</strong> dem Seeburger See die Ehre.</p>
<p align="center"><img id="image368" alt="Prachttaucherkuehn.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/12/Prachttaucherkuehn.jpg" /><br />
<em>Abb. 1: Prachttaucher auf dem Seeburger See. Foto: W. Kühn.</em></p>
<p>Am 13.7. hielt sich am Seeburger See ein rufendes <strong>Zwergdommel</strong>-M. auf, das von fern auch fotografiert werden konnte. Wie gewohnt trafen ab Mitte Juli wieder die ersten <strong>Silberreiher</strong> ein. Allein in der Leineniederung Northeim - Einbeck konnten an manchen Tagen um die 35 bis 40 Ind. gezählt werden. Ein am 14.10. über Landolfshausen ziehender Trupp von 19 Ind. ist immer noch bemerkenswert.</p>
<p>Unter den knapp 30 <strong>Kornweihen</strong>, die für den Berichtszeitraum bis Ende November gemeldet wurden, befand sich Anfang Oktober im Leinepolder Salzderhelden ein diesjähriger Vogel, der für Diskussionen sorgte. Wegen seiner ungezeichnet beige-rostfarbenen Unterseite in Verbindung mit einem ausgeprägten, von weitem zeichnungslos wirkenden Kragen mutete er fast wie eine Steppenweihe an. Handschwingenformel und Fotos belegen jedoch eindeutig, dass es sich um eine Kornweihe gehandelt hat. Dergestalt „bunte“ Jungvögel kommen bei dieser Art hin und wieder vor und sind auch in der Literatur beschrieben. Man muss es nur lesen… Am 5.8. flog ein <strong>Wiesenweihen</strong>-M. im 2. Kalenderjahr über die Feldmark Diemarden. Ihm folgte am 28.9. ein Jungvogel über Landolfshausen. Der Wegzug des <strong>Rotmilans</strong> konnte an zwei Tagen recht spektakulär wahrgenommen werden. Am 14.10. zog eine Rekordzahl von 152 Ind. über den Raum Landolfshausen, 87 Ind. waren es am 12.11. über Gö.-Nikolausberg.</p>
<p>Der seit 1987 beispiellose Einflug des <strong>Rauhfußbussards</strong> nach Mitteleuropa, der aktuell noch anhält und selbst den des Winters 2010/2011 weit in den Schatten stellt, hat sich auch in unserer Region bemerkbar gemacht. Bis Ende November lagen fünf Nachweise vor, und zwar vom 20.10. im Leinepolder Salzderhelden (ad. W.), vom 21.10. aus der Feldmark Himmigerode (K1), vom 12.11. aus der Feldmark Wollbrandshausen (K1), vom 13.11. nahe der Entsorgungsanlage Dransfeld und vom 23.11. nahe der K 37 westl. Gö.-Esebeck.  <strong>Seeadler</strong> wurden dreimal beobachtet und mutieren, ihrer allgemeinen Bestandszunahme entsprechend, allmählich zur Normalität: Am 19.9. kreiste ein subadultes Ind. über dem Leinepolder Salzderhelden und am 28.9. zog ein Ind. im 2. Kalenderjahr nahe Landolfshausen nach Westen. Einen Tag später wurde ein immaturer Vogel an der Deponie Blankenhagen gesehen (und fotografiert), bei dem es sich um den des Vortags gehandelt haben könnte. Am 27.8. zeigte sich ein junger <strong>Rotfußfalke</strong> in der Feldmark oberhalb der Suhleaue östl. Seulingen gegenüber seinen Bewunderern sehr kooperativ.</p>
<p align="center"><img id="image369" alt="rotfuss_paul.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/12/rotfuss_paul.jpg" /><br />
<em>Abb. 2: Rotfußfalke bei Seulingen. Foto: S. Paul.</em></p>
<p>Vergleichsweise hohe Zahlen wegziehender <strong>Kraniche</strong> konnten am 14.10. über dem Raum Landolfshausen (3100 Ind.), am 3.11. über dem Leinepolder Salzderhelden (1200 Ind.) und am 5.11. über der gesamten Region (ca. 4500 Ind.) ermittelt werden.<br />
130 <strong>Blässhühner</strong>, die am 18.9. am Seeburger See gezählt wurden, stellen für dieses Gebiet eine lokale Höchstzahl der letzten ca. 20 Jahre dar. Bald darauf war ein Großteil der Vögel wieder verschwunden, was dieses jähe „Massenaufkommen“ nur noch merk- und denkwürdiger macht.</p>
<p>An der Geschiebesperre Hollenstedt fand, nach mehreren gescheiterten Versuchen, eine späte Brut des <strong>Flussregenpfeifers</strong> statt. Drei Jungvögel wurden flügge und hielten sich - für die Art recht ungewöhnlich, aber in diesem Fall mit dem späten Brutbeginn schlüssig zu erklären - bis Ende September am Brutplatz auf.<br />
Am 19.8. untermauerten drei adulte <strong>Mornellregenpfeifer</strong> am Diemardener Berg dessen Status eines traditionellen Rastgebiets, zudem mit einer Rekordzahl, die sich jedoch im Vergleich zur Soester Börde recht mickrig ausnimmt. In der Nacht des 28.7. machte ein rufender <strong>Regenbrachvogel</strong> über Gö.-Nikolausberg auf sich aufmerksam.</p>
<p align="center"><img id="image371" alt="waldschnepfe_mederake.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/12/waldschnepfe_mederake.jpg" /><br />
<em>Abb. 3: Waldschnepfe in Gö.-Geismar. Foto: R. Mederake.</em></p>
<p>Havarierte <strong>Waldschnepfen</strong> treten als Opfer der „technischen Umweltverschmutzung“ in Göttingen mittlerweile alljährlich in Erscheinung. Dies belegt ein Vogel, der am 5.11., wohl nach einem Scheibenanflug, den ganzen Tag auf einer Terrasse in Gö.-Geismar verbrachte. Es dürfte ihn kaum getröstet haben, dass er das erste regionale Foto eines lebenden Vertreters seiner Art ermöglichte…<br />
Am 5.11. konnten an den ehemaligen Tongruben Siekgraben, wo wieder einige interessante Vernässungsstellen entstanden sind, vier <strong>Zwergschnepfen</strong> dingfest machen.<br />
Fast auf den Tag genau wie vor einem Jahr kreiselte am Seeanger vom 18. bis (mindestens) 22. September ein <strong>Odinshühnchen</strong>.</p>
<p>Eine junge, (noch) recht fit wirkende <strong>Dreizehenmöwe</strong> machte am Seeburger See vom 23. bis 30.11. Station. Damit ist für unsere Region ein weiteres Mal belegt, dass diese Hochseemöwe im tiefen Binnenland auch bei ruhigem Wetter erscheinen kann und nicht nur nach Sturmereignissen verdriftet wird.</p>
<p align="center"><img id="image366" alt="dreizehen_boehner.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/12/dreizehen_boehner.jpg" /><br />
<em>Abb. 4: Dreizehenmöwe am Seeburger See. Foto: S. Böhner.</em></p>
<p>Unter 110 <strong>Lachmöwen</strong>, die sich am 27.11. am Seeburger See zählen ließen, befanden sich zwei Vögel, die in Polen (weißer Ring mit schwarzem Code T5PO) bzw. der Slowakei (Metallring mit dem Code H1780) beringt worden waren.<br />
Ebenda ließen sich von Anfang August bis Mitte September bis zu drei junge <strong>Schwarzkopfmöwen</strong> (am 13.7. auch ein Altvogel) beobachten. Einer der Jungvögel war beringt (roter Plastikring mit weißem Code) und stammte aus Polen. 31 <strong>Sturmmöwen</strong> vom 25.11. sind für dieses Gebiet in einer traditionell möwenarmen Region eine recht hohe, aber keineswegs außergewöhnliche Zahl. Die auf den Namen „Michaela“ getaufte <strong>Mittelmeermöwe</strong> verbrachte, nunmehr im 4. Kalenderjahr, ab Anfang Juli am Seeburger See ihren dritten Sommer und Herbst in Folge. Am 7.7. bekam sie Besuch von fünf Artgenossen (drei ad., zwei K1-Ind.). Am 5.11. zog eine <strong>Steppenmöwe</strong> im 2. Kalenderjahr über Ebergötzen.<br />
Eine adulte <strong>Weißbart-Seeschwalbe</strong> flog am 13.7. über dem Seeburger See umher.</p>
<p>Aus regionaler Sicht sind 99 <strong>Hohltauben</strong>, die am 16.8. im Seeanger gezählt wurden, eine imposante Zahl, die gut zu der Bestandszunahme im Europäischen Vogelschutzgebiet „Unteres Eichsfeld“ passt. Einer anderen Taubenart geht es erheblich schlechter: Angesichts des regionalen Bestandsrückgangs sind (mindestens) 13 <strong>Türkentauben</strong> am 28.10. in Bernshausen erwähnenswert.</p>
<p>Ähnlich wie der Rauhfußbussard scheint auch der regional seltene Gastvogel <strong>Sumpfohreule</strong> vom guten Lemming- und Wühlmausjahr in Nord- und Nordosteuropa profitiert zu haben. Drei Nachweise, die vom 12.10. aus dem Leinepolder Salzderhelden, vom 13.10. aus der Feldmark Sattenhausen und vom 30.10. vom Seeburger See vorliegen, unterstreichen diese Annahme.</p>
<p align="center"><img id="image370" alt="sumpfohreule_hesse.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/12/sumpfohreule_hesse.jpg" /><br />
<em>Abb. 5: Sumpfohreule am Seeburger See. Foto: V. Hesse.</em></p>
<p>Am 9.9. gelangte ein <strong>Mauersegler</strong> in die Pflegestation an der Weender Landstr. Es handelte sich um einen (vermutlichen) Jungvogel aus einer späten Brut in der Göttinger Nordstadt. Am 28.9. wurde nahe Landolfshausen ein spät ziehendes Ind. gesehen. <strong>Eisvögel</strong> ließen sich ab dem Sommer in vielen Gebieten blicken. Die Frage „Was der Winter übrig ließ“ kann wohl erst in ein paar Wochen beantwortet werden.<br />
Am 22.10. stattete ein <strong>Wiedehopf</strong> dem Eichsfelddorf Mingerode einen Besuch ab, sah sich dort in aller Ruhe um, ließ sich zwischenzeitlich auf einem Carport nieder und machte sich wieder davon.<br />
Auf dem Wegzug rastende <strong>Wendehälse</strong> wurden im August (16., 23. und 27.) notiert, alle am Diemardener Berg. Im November ließ sich am Gebäude der Fa. Mahr am Göttinger Brauweg tagelang ein <strong>Buntspecht</strong> beobachten, der mit anhaltendem Enthusiasmus mehrere Höhlen in die Wärmedämmung zimmerte.</p>
<p align="center"><img id="image372" alt="buntspecht_siebner.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/12/buntspecht_siebner.jpg" /><br />
<em>Abb. 6: So wird das nichts mit der Energiewende! Buntspecht in Aktion. Foto: M. Siebner.</em></p>
<p>Für den Berichtszeitraum liegen bereits ca. 15 Beobachtungen des <strong>Raubwürgers</strong> vor. Zum Ende des Winters könnte sich erweisen, dass 2011 ein bis dato beispielloser Einflug stattgefunden hat, der sich ebenfalls mit dem guten Mäusejahr in Fennoskandien erklären lässt.<br />
Am 21.9. flog ein <strong>Tannenhäher</strong> über Fuhrbach. Am 12.11. geriet am Hammberg bei Rosdorf eine - in unserer Region mittlerweile selten gewordene - <strong>Nebelkrähe</strong> ins Blickfeld. Regional bemerkenswert sind größere Trupps von <strong>Kolkraben</strong>, die am 26.10. (53 Ind.) den Lutteranger und am 3.11. (36 Ind.) Gö.-Nikolausberg überflogen.<br />
500 <strong>Uferschwalben</strong>, die am 8.8. über dem Seeburger See Insekten jagten, sind aus regionaler Sicht eine bemerkenswert hohe Zahl.<br />
Am frühen Morgen des 7.11. flog ein extrem später <strong>Fitis</strong> durch ein geöffnetes Fenster in eine Wohnung in Sattenhausen. Dort konnte er ausgiebig studiert werden. Zudem erfolgte sogleich eine Meldung an die Avifaunistische Kommission Niedersachsen (AKN), die sich ebenso schnell mit der Artbestimmung einverstanden erklärte.<br />
Am 11.11. strebten bei Sattenhausen sechs jecke <strong>Seidenschwänze</strong>, bisher die einzigen, nach einem kurzen Zwischenstop den Thüringer Karnevalshochburgen zu.</p>
<p>Südlich des Göttinger Kiessees hat die Stadt das Naherholungsgebiet erweitert, mit einem zweiten Zulauf sediment- und nährstoffreichen Leinewassers, angepflanzten Bäumen (natürlich „standortstypisch“) und einer merkwürdigen Aufschüttung, die wohl als eine Art Aussichtsplattform dienen soll. Weil die aufwendige, z.T. aus Naturschutzmitteln finanzierte Aktion auf eine Vision unseres charismatischen Oberbürgermeisters W. Meyer zurückgehen soll, wurde das Gebiet von einem vogelkundlich engagierten Possenreißer sogleich auf den Namen „Meyerwarft“ getauft. Immerhin blieben Teile einer Rapsbrache mit reicher Ruderalvegetation bis zum Spätherbst von den Umgestaltungsmaßnahmen verschont. Dort entdeckte der Verfasser dieser Zeilen am 31.10. Süd-Niedersachsens erstes <strong>Pallasschwarzkehlchen</strong> (früher „Sibirisches Schwarzkehlchen“ genannt, obschon dieses Taxon auch in Nordosteuropa brütet). Der schnell herbeigeeilte M. Schuck konnte von dem seltenen Gast noch ein Belegfoto machen, bevor dieser wieder verschwand. Die Beobachtung wurde wenig später bei der Deutschen Avifaunistischen Kommission (DAK) dokumentiert, der ein abschließendes Urteil zur Validität des Nachweises zukommt.</p>
<p align="center"><img id="image367" alt="pallassk_schuck.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/12/pallassk_schuck.jpg" /><br />
<em>Abb. 7: Pallasschwarzkehlchen am Göttinger Kiessee. Foto: M. Schuck.</em></p>
<p>Interessanterweise hielt sich in dem Gebiet zeitgleich auch ein <strong>Schwarzkehlchen</strong> auf. Diese Art ist, trotz enormer bundesweiter Bestandszunahme, im Göttinger Stadtgebiet immer noch ein seltener Gast.<br />
Zwischen dem 17. und 27.8. traten 13 <strong>Brachpieper</strong> am Diemardener Berg und am nahen Wüsten Berg in Erscheinung, darunter allein sechs Ind. am 18.8. Zwei rastende <strong>Rotkehlpieper</strong> wurden am 21.9. in der Rhumeaue bei Rhumspringe wahrgenommen.<br />
Für den Berichtszeitraum liegen vier Beobachtungen nordischer <strong>„Trompetergimpel“</strong> vor, darunter auch Vögel im Göttinger Siedlungsbereich bzw. am Stadtrand. Am 20.11. zog (mindestens) ein rufender <strong>Berghänfling</strong> über Ebergötzen.<br />
Der einzige <strong>Ortolan</strong> der Wegzugsaison, ein ziehendes Ind., ließ sich am 18.8. am Diemardener Berg bestimmen. <em>Hans-Heinrich Dörrie</em></p>
<p>Dieser Bericht basiert auf Daten von: P.H. Barthel, G. Brunken, S. Böhner, J. Bryant, H. Dörrie, M. Drüner, M. Fichtler, M. Göpfert, C. Grüneberg, V. Hesse, S. Hillmer, U. Hinz, S. Hohnwald, K. Jünemann, H.-A. Kerl, G. Köhler, W. Kühn, V. Lipka, T. Matthies, T. Meineke, R. Mederake, K. Menge, F. Mühlberger, M. Otten, S. Paul, D. Radde, U. Rees, A. Schröter, M. Schuck, M. Siebner, F. Steinmeyer, K. Stey, A. Stumpner und H.-J. Thorns.
</p>
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		<item>
		<title>Die Dohle (Coloeus monedula) - Vogel des Jahres 2012 - in Süd-Niedersachsen: Fakten und Fragen zu einem sympathischen Heimlichtuer und Krakeeler</title>
		<link>http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=363</link>
		<comments>http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=363#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 Nov 2011 08:29:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
	<category>Archiv</category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=363</guid>
		<description><![CDATA[
Mit unserem kleinsten Rabenvogel hat der NABU erneut eine gute Wahl getroffen, die auch aus regionaler Sicht zu begrüßen ist. Zum einen repräsentiert die Dohle eine Vogelfamilie, die bei der Normalbevölkerung wegen ihrer vermeintlichen „Schädlichkeit“ einen schlechten Ruf genießt. Von den Massakern, die unter ihren Verwandten Rabenkrähe und Elster von schießwütigen Troglodyten alljährlich ganz legal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center"><img id="image365" alt="Dohle11.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/11/Dohle11.jpg" /></p>
<p>Mit unserem kleinsten Rabenvogel hat der NABU erneut eine gute Wahl getroffen, die auch aus regionaler Sicht zu begrüßen ist. Zum einen repräsentiert die Dohle eine Vogelfamilie, die bei der Normalbevölkerung wegen ihrer vermeintlichen „Schädlichkeit“ einen schlechten Ruf genießt. Von den Massakern, die unter ihren Verwandten Rabenkrähe und Elster von schießwütigen Troglodyten alljährlich ganz legal verübt werden, ist sie bislang gesetzlich ausgenommen. Damit das so bleibt, sollte die Wahl zum Anlass genommen werden, die Sympathiewerbung für diesen hochintelligenten Vogel mit einem komplexen und faszinierenden Sozialverhalten zu verstärken. Zum anderen wirft die Entwicklung des regionalen Brutbestands Fragen auf, die bislang nur im Ansatz beantwortet werden können.<a id="more-363"></a></p>
<p>Dohlen treten in unserer Region als Gebäude- und waldbewohnende Baumhöhlenbrüter auf. Ihr Brutbestand liegt im Landkreis Göttingen - aus dem Landkreis Northeim liegen keine aktuellen Angaben vor - vermutlich unter 100 Paaren. Im Folgenden werden zunächst die Gebäude- und dann die Baumhöhlenbrüter einer genaueren Betrachtung unterzogen.</p>
<p><strong>Gebäudebrüter</strong></p>
<p>In Göttingen war die Dohle wahrscheinlich über Jahrhunderte ein nicht seltener Brutvogel an den Türmen von St. Johannis und St. Jacobi. Dies legen die Angaben bei Blumenbach (1779), Merrem (1789) und Spangenberg (1822) nahe. 1897 war sie noch häufig (Eichler 1949-1950). Im 20. Jahrhundert ging es langsam, aber stetig bergab. 1920 brüteten 20 Paare an St. Jacobi, was damals schon als ungewöhnlich hohe Anzahl galt (Quantz 1922). Die Eiersammlung Domeier enthält Gelege von St. Johannis aus den Jahren bis 1936 (Zang, Heckenroth &#038; Südbeck 2009). Für das Jahrzehnt 1940-1950 gibt es offenbar keine Beobachtungsdaten. In den 1950er Jahren brüteten ca. vier bis sechs Paare (Köpke o.J.). Ab den 1960er Jahren traten Dohlen nur noch unregelmäßig und vereinzelt als Brutvögel in Erscheinung, z.B. mit einem Paar am damaligen Post-Fernmeldeamt unterhalb des Hagenbergs 1964-66 (Hampel 1965, Heitkamp 1981). Ob ca. sechs bis acht verpaarte Vögel, die Anfang der 1970er Jahre mit Nistmaterial die Jacobi-Kirche inspizierten (A. Festetics, mdl.), dort auch gebrütet haben, kann nicht mehr rekonstruiert werden. Der vorerst letzte Hinweis auf eine erfolgreiche (Einzel-)Brut liegt aus dem Jahr 1987 aus Nikolausberg vor (Dörrie 2000).<br />
In den mehr als 20 Jahren, die seitdem vergangen sind, haben sich in unserer Stadt in großen Zeitabständen, ungefähr alle drei bis vier Jahre, verpaarte Dohlen blicken lassen, die sich für ihre ehemaligen Brutplätze an den beiden Hauptkirchen zu interessieren schienen bzw. sich (manchmal auch mit Nistmaterial) an einem der zahlreichen Turmfalken-Nistkästen, z.B. an der St. Paulus-Kirche oder an der Bonifatius-Schule, zu schaffen machten. Das inständige Hoffen auf eine Brutansiedlung nach Jahrzehnten der Abwesenheit währte jedoch leider niemals lange…</p>
<p>Die größte Kolonie gebäudebrütender Vögel in Süd-Niedersachsen ist seit spätestens 1985 von der Burg Adelebsen bekannt (Dörrie 2000). 2004 wurden 30 bis 35 Paare geschätzt (Dörrie 2005). Der aktuelle Bestand liegt bei ca. 12 Paaren und ist stabil (A. Festetics, mdl.). Ob eine Abnahme gegenüber 2004 vorliegt, ist sehr fraglich, weil die Brutpaarzahl einer Dohlenkolonie wegen des manchmal hohen Nichtbrüteranteils nicht mit einer Schätzung allein ermittelt werden kann. Zum Ende der Brutzeit halten sich in Adelebsen alljährlich um die 80 Vögel (Brutpaare, Nichtbrüter und flügge Jungvögel) auf. Möglicherweise war die Kolonie bereits lange vor 1985 besetzt (oder zwischenzeitlich verwaist?), denn aus dem Juni 1947 liegt eine Brutzeitbeobachtung von ca. 40 Individuen vor (Gött. Orn. Mitt. 7/1947).</p>
<p>Auch an der Ruine Bramburg bei Glashütte im Wesertal existiert(e) seit ~ 1953 eine Felsbrüter-Kolonie. 1955 bestand sie aus ca. 15 Paaren (Schelper 1966). 1969 wurde ein Bestand von 20 Paaren angenommen (Fokken o.J.). 2003 lag er bei weniger als zehn Paaren (Dörrie 2004) und 2005 wurden nur noch zwei Paare gezählt (Dörrie 2006). Ob das Vorkommen aktuell noch besteht ist ungewiss.</p>
<p>Aus Duderstadt verschwand die Dohle 1921 nach der Renovierung der Kirchtürme (Bruns 1949). In den Jahren 2004 und 2005 sowie 2007 hielten sich an den beiden Kirchen ein bis zwei brutwillige Paare an Nistkästen auf, zumindest 2007 bestand starker Brutverdacht an der Unterkirche (Dörrie 2005, 2006, 2008).</p>
<p align="center"><img id="image364" alt="Dohle3.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/11/Dohle3.jpg" /><br />
<em>Abb. 1: Gruß aus Seeburg: Dohle am Kirchturm. Dieses und das vorangegangene Foto: M. Siebner.</em></p>
<p>2007 wurde an der Rüdershäuser Kirche ein Paar mit Nistmaterial wahrgenommen. In den Jahren danach erfolgte eine bis dato dauerhafte Ansiedlung von aktuell drei bis vier Paaren. Darüber hinaus mehren sich seit zwei Jahren Nachrichten über Ansiedlungen von jeweils ein bis zwei Paaren an den Kirchtürmen von Seeburg, Seulingen und Obernfeld. In Germershausen ist eine kleine Kolonie entstanden. Ob die Vögel an der dortigen Kirche oder in den alten Bäumen des Klosterparks brüten, ist noch unklar. Auch der genaue Brutplatz von Dohlen, die sich möglicherweise in Gieboldehausen angesiedelt haben, harrt noch der Entdeckung (Dörrie &#038; Paul 2010a, 2010b, 2011). Die unauffällig verlaufende Besiedlung einiger Eichsfeldgemeinden durch einen neuen Brutvogel ist sicher eines der interessantesten vogelkundlichen Phänomene der letzten Jahre.</p>
<p><strong>Baumhöhlenbrüter</strong></p>
<p>So (vergleichsweise) einfach eine Bestandsangabe für die Gebäudebrüter ist, so schwierig gestaltet sie sich für die Baumhöhlenbrüter. An Gebäudebrutplätzen geben sich Dohlen recht auffällig, zelebrieren rasante Flugspiele und kommunizieren lauthals miteinander. Im Wald verhalten sie sich völlig anders, nämlich äußerst heimlich. Dies macht sie in diesem Lebensraum zu einer der am schwersten erfassbaren Vogelarten überhaupt. Nur mit großem Glück kann man eines Vogels gewahr werden, der stumm von seiner Höhle durchs dichte Geäst abstreicht. Hauptgrund für die ungewöhnliche Diskretion könnte die Angst vor gefiederten Prädatoren wie dem Habicht sein. Auch den Todfeind Baummarder oder den Neuräuber Waschbär akustisch auf sich aufmerksam zu machen, könnte fatale Folgen haben. Die regionalen Angaben zu Baumhöhlenbrütern sind deshalb ausgesprochen lückenhaft, beruhen zumeist auf Zufallsbeobachtungen oder sind Nebenprodukte der Erfassung anderer Vogelarten (z.B. Rotmilan und Mittelspecht). Zudem scheinen viele Vorkommen nur von kurzer Dauer zu sein. All dies macht eine Aussage zum Gesamtbrutbestand der Baumhöhlen- und Gebäudebrüter nicht einfach. Die in der Einleitung genannten „weniger als 100 Paare“ sind eher als provisorische Schätzung zu verstehen.</p>
<p>Brutverdächtige „Walddohlen“ wurden in den letzten Jahren im Mündener Stadtwald, im Brackenberger Holz, nahe der Grefenburg bei Barterode, im Plessforst bei Eddigehausen und im Osten des Göttinger Stadtwalds wahrgenommen. 2011 gelangen aktuelle Beobachtungen stark brutverdächtiger Dohlen an den Weißwasserköpfen bei Ebergötzen, am Bettenroder Berg, am Klafterberg bei Beienrode sowie im Nesselrödener Wald (Avifaun. Jahresberichte 1999-2007, Dörrie &#038; Paul 2011, G. Brunken).</p>
<p align="center"><img id="image359" alt="Buchenaltholz.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/11/Buchenaltholz.jpg" /><br />
<em>Abb.2: Buchen-Altholzinsel im Kaufunger Wald: Brutplatz von Schwarzspecht, Rauhfußkauz, Hohltaube und Dohle. Foto: S. Böhner.</em></p>
<p>Am besten sind wir über die Brutpopulation in den Buchenaltholzbeständen der Hochlagen des Kaufunger Walds (niedersächsischer Teil, 30 km²) informiert. Im Rahmen eines Höhlenbrüter-Monitoringprogramms beringen die Gebrüder Hochrath (Uschlag) seit 1980 auch junge Dohlen. Jahrzehntelang war der Bestand mit bis zu zehn Paaren weithin stabil (vgl. die Graphik bei Zang, Heckenroth &#038; Südbeck 2009). Wie anderswo auch zogen die Eltern ihre Jungen als „Nachmieter“ von Schwarzspechthöhlen auf. Neuerdings ist der Brutbestand jedoch stark rückläufig: Im letzten Jahr konnte nur eine Brut beringt werden, 2011 keine. Die Gründe sind mit Sicherheit nicht im Mangel an Nistmöglichkeiten zu suchen, denn Schwarzspechthöhlen sind immer noch reichlich vorhanden. Auch ein (möglicherweise) verstärkter Druck von Beutegreifern scheint nicht für das Verschwinden verantwortlich zu sein. Der lokale Brutbestand der Hohltaube, die ebenfalls in Schwarzspechthöhlen und nicht selten in enger Nachbarschaft zu Dohlen brütet, ist nämlich stabil (F. Hochrath, mdl.). Von einem gestiegenen Prädationsdruck wären die Tauben bestimmt gleichermaßen betroffen. Im EU-Vogelschutzgebiet V 19 „Unteres Eichsfeld“ hat der Hohltauben-Brutbestand sogar signifikant zugenommen und liegt mittlerweile deutlich im dreistelligen Bereich, was ebenfalls gegen eine höhere Prädationsrate spricht (Dörrie &#038; Paul 2011). Woran aber könnte es sonst liegen, dass Walddohlen ihre Brutplätze aufgeben? Ist der Rückgang im Kaufunger Wald nur ein lokales Phänomen, während anderswo, wie z.B. im „V 19“, der Bestand - parallel zu dem der Hohltaube - zunimmt? Welche Rolle spielen dabei die von den Forstämtern viel gepriesenen „Altholzinseln“ und „Habitatbäume“ mit Schwarzspechthöhlen?</p>
<p><strong>Ökologische Faktoren, die für eine Brutansiedlung bzw. deren Aufgabe von Bedeutung sind</strong></p>
<p>Obwohl es romantisch veranlagten Naturfreunden anders erscheinen mag: Weder das feudale Ambiente der Burg Adelebsen noch die weihevolle Aura der Sakralbauten im Mezzogiorno Niedersachsens allein haben für die Nistplatzwahl unseres Porträtvogels den Ausschlag gegeben. Ihre Bedeutung konnten sie nur erlangen, wenn etwas Zweites hinzukommt. Ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass die Gebäudebrüter sich mit Vorliebe in der Nachbarschaft von Grünland und/oder Flussauen niedergelassen haben (Weser- und Schwülmeaue im Westen, Rhume- und Suhleaue sowie der Seeanger im Osten). Das Vorhandensein von extensiv genutztem Grünland mit niedriger Vegetationshöhe und Offenstellen, wo Würmer, Insekten und größere Arthropoden zur Jungenaufzucht erbeutet werden können, ist für den ursprünglichen Steppen- und heutigen Agrarvogel ein unverzichtbares Habitatrequisit.<br />
Der Flächenanteil von Dauergrünland im Landkreis Göttingen liegt derzeit nur noch bei knapp fünf Prozent, mit weiter abnehmender Tendenz. Viehweiden mit mehr oder minder glücklichen Kühen sind ein seltener Anblick geworden. Hinzu kommt, dass Brachen kaum noch vorhanden sind, weil sie mittlerweile für den Anbau nachwachsender Rohstoffe unter den Pflug genommen wurden.<br />
Der Niedergang der Dohle in Göttingen fiel zeitlich mit der schrittweisen Entwässerung der Leineaue und der „Regulierung“ des Flusses zusammen, die 1876 begonnen wurde und Mitte der 1930er Jahre weitgehend abgeschlossen war (Saathoff 1940). Umwandlung von Grünland in Ackerland, Aufgabe der Weidewirtschaft und Ausdehnung des Siedlungsbereichs traten als negative Faktoren hinzu. Selbst wenn die Kirchen noch geeignete Brutplätze bereithielten - die Flüge zum Erreichen der Nahrungshabitate wurden für die Vögel immer länger. Das Überschreiten einer Distanz von zwei bis drei Kilometern zwischen Brut- und Nahrungsplatz macht jede Brut zum kräftezehrenden Wagnis. Energetischer Aufwand und (schlechter) Bruterfolg stehen schnell in keinem Verhältnis mehr (Glutz v. Blotzheim 1993).<br />
Heute dominieren in der Leineaue große und intensiv bewirtschaftete Getreide-, Raps- und, dank der „Energiewende“, zunehmend auch Maisschläge. Grünland existiert nur noch in Gestalt des Wassergewinnungsgeländes Stegemühle und auf ein paar winzigen Parzellen in der Feldmark Geismar. Eine Wiederansiedlung von Dohlen in der Stadt ist vor diesem tristen Hintergrund - leider - unwahrscheinlicher denn je.</p>
<p align="center"><img id="image361" alt="Dohle2.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/11/Dohle2.jpg" /><br />
<em>Abb. 3: Dieser Vogel zeigt alles, was eine Dohle ausmacht: Aufmerksamkeit, Schläue und ein wacher Blick aus hellen Augen mit einem sympathischen Stich ins Dreiste. Foto: M. Siebner.</em></p>
<p>Für die Baumhöhlenbrüter bietet sich ein ähnliches Szenario. Die Brutvögel im Kaufunger Wald nutz(t)en mit Vorliebe zwei Nahrungshabitate: die Offenflächen an der ehemaligen Deponie Rinderstall und das Grünland am Ortsrand von Hedemünden. Eine ökologische Bestandsaufnahme am Rinderstall könnte ergeben, dass, wie anderswo auch im Wald, der allgemeine Nährstoffeintrag - sei es wegen Kalkungen durch die Forstwirtschaft oder durch das Abregnen verfrachteter Stickstoffverbindungen aus dem Automobilverkehr bzw. der industriellen Landwirtschaft - zu einer allgemeinen Verdichtung der bodennahen Vegetation geführt und das Erbeuten von Arthropoden entscheidend erschwert hat (vgl. Paul 2010). Für den Ortsrand von Hedemünden ist die Diagnose klar: Hier fallen die Nahrungsflächen in rasantem Tempo der Ausweitung von Gewerbegebieten zum Opfer. Das Beispiel der Dohlen im Kaufunger Wald zeigt, dass die schönsten „Altholzinseln“ wenig nutzen, wenn die Nahrungshabitate außerhalb des Waldes, auf die dieser Agrarvogel nun mal angewiesen ist, zerstört oder durch Eutrophierung und Sukzession entwertet werden.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>So erfreulich die Neuansiedlungen in einigen Eichsfelddörfern sind: Sie könnten keine reale Bestandszunahme indizieren, sondern (hypothetisch) auf der Umsiedlung erfolgloser „Walddohlen“ beruhen. Konkrete Anhaltspunkte dafür gibt es aber nicht. Viele Dohlen aus dem Kaufunger Wald sind beringt, doch liegt bis heute nur ein Wiederfund abseits der Brutplätze aus Kassel vor (F. Hochrath, mdl.). Oder kommen die Neubürger aus dem Thüringer Eichsfeld, wo die Populationsentwicklung ähnlich uneinheitlich verläuft wie bei uns (Dörrie &#038; Paul 2010b)? So lange keine aussagekräftigen Daten zur Herkunft der Vögel vorliegen, bringen Spekulationen wenig bis nichts.<br />
Wie auch immer: Ob die Eichsfelddohlen eine Zukunft haben und eine stabile Population aufbauen können, bleibt abzuwarten. Haupthindernis für eine weitere Ausbreitung ist weniger eine vermeintliche „Wohnungsnot“, sondern Grünlandschwund und, noch einmal, die galoppierende Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft. In der Feldmark Gieboldehausen und um den Seeburger See werden demnächst in großem Stil Flurbereinigungen durchgeführt, mit desaströsen Folgen für die meisten Agrarbrutvögel.<br />
Gleichwohl müssen dort, wo Dohlen brüten, Vorkehrungen getroffen werden, die einen dauerhaft freien Zugang zu Kirchtürmen oder Lücken im Mauerwerk gewährleisten. Dies erspart zudem - dem NABU wird es nicht schmecken - das Anbringen weiterer künstlicher Nisthilfen, von denen es zumindest in Göttingen (und auch an etlichen Eichsfeldkirchen) bereits genug gibt.<br />
In diesem Zusammenhang ist ein aufwendiges Wiederansiedlungsprojekt an der Burg Plesse bei Eddigehausen erwähnenswert, das Anfang der 1930er Jahre mit ausgesetzten Vögeln und zahlreichen Nisthilfen in Gestalt zweistöckiger Kästen, die in die Luken und Scharten eingebaut wurden, in Angriff genommen wurde (Waldschmidt 1992). Zwar kam es in den Folgejahren zu mindestens zwei Bruten, doch war das Vorkommen bald wieder erloschen. Erstaunlich ist allemal, dass in einer Zeit, als alle Rabenvögel - und nicht nur diese! - noch stärker dämonisiert und verfolgt wurden als heute, ein derartiges Projekt stattfinden konnte. Vielleicht waren die Initiatoren, die von der Vogelwarte Helgoland unterstützt wurden, gar keine ambitionierten Artenschützer im heutigen Sinne, sondern einfach nur der Meinung, dass zu einer alten Burg auch Dohlen gehören…</p>
<p><strong>Dohlen beobachten: wann und wo?</strong></p>
<p>Am ergiebigsten für die Dohlenbeobachtung ist mit Abstand die Burg Adelebsen. Hier kann man ab dem Frühjahr das vielfältige Treiben einer vergleichsweise kopfstarken Kolonie studieren. Flugspiele und Balzaktivitäten der lebenslangen oder im vorangegangenen Herbst frisch verlobten Brutpaare, Festigung der Rangordnung, wilder Streit um die besten Brutplätze - all dies wird mit den unterschiedlichsten Lautäußerungen spektakulär in Szene gesetzt. Weit weniger pittoresk ist die Deponie für organische Abfälle westlich von Dransfeld, wo sich Dohlen (aus Adelebsen?) in erklecklicher Zahl besonders ab dem Frühsommer einfinden. Man kann sie aber auch regelmäßig im Seeanger sowie an den oben erwähnten Eichsfeldkirchen sehen. Dort sind es aber nicht so viele…</p>
<p align="center"><img id="image362" alt="seeangerherting2.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/11/seeangerherting2.jpg" /><br />
<em>Abb. 4: Grüne Oase im landwirtschaftlichen Industriegebiet: der Seeanger. Foto: J. Herting.</em></p>
<p>In Göttingen ist die beste Zeit der Spätherbst und Winter, wenn sich Zuzügler aus dem Norden und Osten unter die ca. 2000 Rabenkrähen und wenigen Saatkrähen mischen und gemeinsame Schlafplätze in der Nordstadt (z.B. in der Nähe des Klinikums) oder in den Bäumen an der Berliner Straße gegenüber dem Bahnhof beziehen. Tagsüber gehen sie mit ihren Verwandten auf abgeernteten Feldern oder an den Deponien Königsbühl oder Deiderode auf Nahrungssuche. Zumindest die letztgenannte Deponie ist jedoch für die Vögel wegen Abdichtungen und der Vorbehandlung des Hausmülls kaum noch nutzbar. Der Winterbestand in Göttingen lag in den vergangenen Jahren bei ca. 300 Individuen.</p>
<p>Abschließend ein kleiner Tipp für die Zocker unter uns: Man kann sich mit Gleichgesinnten in der Umgebung der Schlafplätze oder auch am Kiessee postieren, wo sich Rabenvögel zur Nachtruhe versammeln. Die Luft ist dann voller Dohlenrufe, in der Regel ein helles „Kjäck, kjäck“, das man sofort unter den anderen Corvidenrufen heraushört. Wer nun wettet, es seien 50 oder mehr Dohlen präsent, wird schnell eines Besseren belehrt bzw. verliert seinen Einsatz, denn bei einer Beunruhigung oder beim Abflug können nicht selten nur ganze zehn (oder noch weniger) Dohlen als Urheber des Heidenlärms ausgemacht werden. Wie man sieht, ist die Neigung, geringe Körpergröße durch geräuschvolles Posieren auszugleichen mitnichten ein Alleinstellungsmerkmal von Peter Maffay… <em>Hans-Heinrich Dörrie </em></p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<ul>
<li>Blumenbach, J.F. (1779): Handbuch der Naturgeschichte. Göttingen.</li>
<li>Bruns, H. (1949): Die Vogelwelt Südniedersachsens (mit Beilage: Quantitative Bestandsaufnahmen). Orn. Abh. 3.</li>
<li>Dörrie, H.-H. (2000): Anmerkungen zur Vogelwelt des Leinetals in Süd-Niedersachsen und einiger angrenzender Gebiete 1980-1998. Kommentierte Artenliste. Erweiterte und überarbeitete Fassung. Göttingen.</li>
<li>Dörrie, H.-H. (2004): Avifaunistischer Jahresbericht 2003 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 9: 4-75.</li>
<li>Dörrie, H.-H. (2005): Avifaunistischer Jahresbericht 2004 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 10: 4-76.</li>
<li>Dörrie, H.-H. (2006): Avifaunistischer Jahresbericht 2005 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 11: 4-67.</li>
<li>Dörrie, H.-H. (2008): Avifaunistischer Jahresbericht 2007 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 13: 4-55.</li>
<li>Dörrie, H.-H. &#038; S. Paul (2010a): Heimzug und Brutzeit 2010 – Wer besteht den Härtetest? <a href="http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=250">http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=250</a></li>
<li>Dörrie, H.-H. &#038; S. Paul (2010b): Brutzeit II und Wegzug 2010 – vogelkundliche Neuigkeiten aus Niedersachsens Boomregion mit Herz! <a href="http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=286">http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=286</a></li>
<li>Dörrie, H.-H. &#038; S. Paul (2011): Heimzug und Brutzeit 2011 – vogelkundliche Neuigkeiten aus einem denkwürdigen Frühjahr. <a href="http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=351">http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=351</a></li>
<li>Eichler, W.-D. (1949-50): Avifauna Gottingensia I-III. Mitt. Mus. Naturk. Vorgesch. Magdeburg 2: 37-51, 101-111, 153-167.</li>
<li>Fokken, A. (o.J.): Die Vogelwelt des Bramwaldes, der Oberweser und des Stadtgebiets Münden. Selbstverlag.</li>
<li>Glutz von Blotzheim, U.N. (1993): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 13, Passeriformes. Teil 3, Corvidae – Sturnidae. Wiesbaden.</li>
<li>Hampel, F. (1965): Artenliste vom Seeburger See 1955-64 (unter knapper Berücksichtigung des Raumes um Göttingen). Unveröff. Typoskript, hektogr. Göttingen.</li>
<li>Heitkamp, U. (1981): Die Vogelpopulationen einer Saumbiozönose am Stadtrand von Göttingen in den Jahren 1963 bis 1968. Göttingen, Selbstverlag.</li>
<li>Köpke, G. (o.J.): Die Göttinger Vogelwelt 1949-1956 nach eigenen Beobachtungen. Unveröff. Manuskript.</li>
<li>Merrem, B. (1789): Verzeichniß der rothbluetigen Thiere in den Gegenden um Goettingen und Duisburg, wahrgenommen. Schr. Ges. naturforsch. Freunde Berlin 9: 189-196.</li>
<li>Paul, S. (2010): Welchen Nutzen hat der Sturm? <a href="http://www.ornithologie-goettingen.de/material/paul_welchennutzen.pdf">http://www.ornithologie-goettingen.de/material/paul_welchennutzen.pdf</a></li>
<li>Quantz, B. (1922): Über die Ab- und Zunahme einiger Vogelarten bei Göttingen. Orn. Mschr. 47: 12-14.</li>
<li>Saathoff, A. (1940): Geschichte der Stadt Göttingen seit der Gründung der Universität (Geschichte der Stadt Göttingen, Bd. 2). Göttingen.</li>
<li>Schelper, W. (1966): Die Vogelwelt des Kreises Münden. Selbstverlag.</li>
<li>Spangenberg, E. (1822): Versuch einer Fauna Goettingensis, als Materialien zu einer Fauna hannoverana. N. Vaterl. Archiv 1: 276-302.</li>
<li>Waldschmidt, M. (1992): Vor 50 Jahren: Dohlen im Südekum. NABU Info 1/92.</li>
<li>Zang, H., Heckenroth, H. &#038; P. Südbeck (2009): Die Vögel Niedersachsens, Rabenvögel bis Ammern. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. B, H. 2.11. Hannover</li>
</ul>
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		<title>Endlich am Start: ornitho.de!</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 18:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
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Am 30. Oktober 2011 ist der Dachverband deutscher Avifaunisten (DDA) nach zweijähriger Entwicklungszeit mit einem ehrgeizigen Projekt online gegangen - mit der Internetplattform ornitho.de. Dahinter verbirgt sich eine Online-Datenbank zur Eingabe und Recherche vogelkundlicher Daten. Wir sprachen über dieses Projekt mit dem Koordinator beim DDA, Johannes Wahl.
AGO: Ursprünglich war der ornitho-Start ja für das Frühjahr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center"><img id="image356" alt="screenshot.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/09/screenshot.jpg" /></div>
<p>Am 30. Oktober 2011 ist der Dachverband deutscher Avifaunisten (DDA) nach zweijähriger Entwicklungszeit mit einem ehrgeizigen Projekt online gegangen - mit der Internetplattform <a href="http://www.ornitho.de">ornitho.de.</a> Dahinter verbirgt sich eine Online-Datenbank zur Eingabe und Recherche vogelkundlicher Daten. Wir sprachen über dieses Projekt mit dem Koordinator beim DDA, Johannes Wahl.<a id="more-355"></a></p>
<p><strong>AGO: Ursprünglich war der ornitho-Start ja für das Frühjahr angekündigt. Warum klappt es mit dem Start erst jetzt?</strong></p>
<p><strong>JW: </strong> Als wir im Frühjahr 2010 die Entscheidung bekanntgaben, waren wir sehr optimistisch, dass wir 2011 würden starten können, ornitho.ch lief ja bereits hervorragend. Doch peu à peu wurde uns klar, wie komplex und durchdacht dieses System ist und dass es beileibe nicht damit getan war, ch durch de auszutauschen. Das System musste von Grund auf neu aufgebaut werden, angefangen bei den administrativen Einheiten und der Bereitstellung und Aufbereitung der Topographischen Karten, über die naturräumlichen Einheiten, die Artenliste, die Häufigkeitseinstufungen der Arten, die Aufarbeitung der artspezifischen Brutzeiten, den Schutz sensibler Beobachtungen, die Meldepflicht auf nationaler und Länderebene, die Zuständigkeitsbereiche der Avifaunistischen Kommissionen, bis hin zu den Regeln von ornitho.de, die die Rechte und Pflichten von Träger, Partnern und Meldern regeln und den Richtlinien zur Datennutzung. Hinzu kommen Anleitungen, FAQs, die Anpassung der Texte an Deutschland, inhaltliche Anpassungen des Systems an die politischen wie organisatorischen Verhältnisse hierzulande sowie inzwischen unzählige Vorträge in den letzten eineinhalb Jahren von der lokalen bis zur bundesweiten Ebene &#8230;<br />
Ich denke, man bekommt einen Eindruck davon, wie viel Arbeit in ornitho.de steckt und dass das nicht im Handumdrehen zu leisten war. Oder wie brachte es ein niederländischer Kollege kürzlich bei einem Workshop über Online-Portale in Europa trocken auf den Punkt „It’s fairly easy to start a bad system, but it takes a huge effort to develop a really good one!“. Ein unausgereiftes System ist schnell gestartet, aber eines, das von dem AGO, über die NOV bis hin zu DO-G (hoffentlich) auf eine breite Akzeptanz stößt, erfordert weit mehr. Ich bin zuversichtlich, dass die Nutzer das bald zu schätzen wissen und uns die Verzögerung um ein gutes halbes Jahr verzeihen.</p>
<p><strong>AGO: Eine Internet-Datenbank für vogelkundliche Beobachtungen - ganz neu ist die Idee ja nicht. Was unterscheidet <em>ornitho.de</em> von anderen Angeboten mit ähnlicher Ausrichtung? </strong></p>
<p><strong>JW: </strong> Aus meiner Sicht gibt es vier wesentliche Unterschiede: Zum einen hat ornitho.de die Unterstützung aller avifaunistischer Landesfachverbände und vieler regionaler Arbeitsgruppen, ebenso wie des Bundesamtes für Naturschutz und der Vogelschutzwarten. <em>ornitho.de</em> ist jedoch ungeachtet der Unterstützung der Naturschutzfachbehörden ein Projekt der Verbände, das u.a. durch die Spendeneinnahmen aus dem Birdrace finanziert wurde (herzlichen Dank an dieser Stelle an die emsigen Göttinger Teams!). Zum zweiten werden die Daten mit dem Ziel, sie für wissenschaftliche und naturschutzfachliche Auswertungen zu nutzen sowie zur Ergänzung des bundesweiten Vogelmonitorings gesammelt. Das heißt, die Daten werden auch regelmäßig ausgewertet. Der dritte markante Unterschied ist, dass wir die Vergabe von Ortsbezeichnungen und die fachliche Kontrolle der eingehenden Daten nicht der „Community“ überlassen, sondern nach und nach ein Experten-Netzwerk aufbauen, dass diese Aufgaben übernimmt.<br />
Darüber hinaus ist ornitho.de nicht ein weiteres, einzelnes Portal zur Eingabe von Vogelbeobachtungen, sondern Teil der „ornitho-Familie“: Mittlerweile gibt es ornitho-Systeme in Italien, der Schweiz, Katalonien, Frankreich sowie Luxemburg, das unter die Fittiche von <em>ornitho.de</em> geschlüpft ist. Weite Teile des deutsch-sprachigen Raums haben damit Systeme mit identischen Datenstrukturen. Diese internationale Einbindung, die reizvolle Perspektiven für die Zukunft bietet, das fachliche wie technisch ausgereifte Portal sowie die Möglichkeit, von den reichen Erfahrungen insbesondere in der Schweiz zu profitieren und das Portal gemeinsam weiter zu entwickeln, waren ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten von <em>ornitho.de</em>.</p>
<p><strong>AGO: Im Vorfeld war zu hören, dass besonderes Gewicht auf die Einbindung lokaler und regionaler avifaunistischer Strukturen gelegt wurde. Was kann man sich darunter vorstellen? </strong></p>
<p><strong>JW: </strong> Ein Portal wie <em>ornitho.de</em> kann nur dann richtig funktionieren und einen aktuellen Überblick über das avifaunistische Geschehen hierzulande geben, wenn es die Unterstützung vor allem der regionalen Arbeitsgemeinschaften und Fachgruppen hat. Im letzten Jahr waren wir deshalb in (fast) allen Bundesländern unterwegs, um über das Projekt zu informieren. Wir haben noch viele Reisen vor uns, aber ich denke, wir haben schon viel erreicht und sind überall, wo wir waren, offene Türen eingerannt.<br />
Besonders wichtig ist die Einbindung regionaler Arbeitsgemeinschaften für das bereits erwähnte Experten-Netzwerk. Als Kenner der regionalen Avifauna wissen sie am besten über Häufigkeit, Auftreten und Verbreitung der Vögel in ihrem „Hoheitsgebiet“ Bescheid, Ihnen sind die meisten aktiven Beobachter in der Region bekannt, so dass sie deren Kenntnisse und dadurch zweifelhafte Beobachtungen leichter einschätzen können. Ebenso kennen sie die gängigen (und in der Vergangenheit verwendeten) Ortsbezeichnungen ihrer Region am besten und sind somit die idealen Partner, wenn es darum geht, die Ortsbezeichnungen in <em>ornitho.de</em> festzulegen. Diese werden übrigens ausschließlich von regionalen Experten festgelegt, wodurch (endlich) eine Vereinheitlichung der Ortsbezeichnungen erreicht wird. Als Verfasser des Jahresberichts für Göttingen wisst ihr sicherlich zu schätzen, nicht erst die Schreibweisen vereinheitlichen zu müssen, bevor ihr mit dem Auswerten und Schreiben beginnt. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ihr für das Arbeitsgebiet des AGO diese Aufgaben übernehmt!</p>
<p><strong>AGO: Wir haben in der Vergangenheit festgestellt, dass vergleichbare Angebote zwar - technisch gesehen - funktionierten, sich aber schnell Unmengen von Daten anhäuften, die im Grunde kaum jemanden interessieren und die niemand aufarbeitet. Wie kann man verhindern, dass aus <em>ornitho.de</em> ein „Datengrab“ wird? </strong></p>
<p><strong>JW: </strong> Auch in <em>ornitho.de</em> dürfen und sollen alle Daten gemeldet werden, denn auch Zufallsdaten von „Allerweltsarten“ können eine wichtige Grundlage beispielsweise für Modellierungen von Verbreitung und Häufigkeit darstellen. Wir nehmen die Melder dabei aber etwas an der Hand, so dass die Daten auch tatsächlich einen Mehrwert bringen. Zum Beispiel kann man in <em>ornitho.de</em> Beobachtungen in sog. „Tageslisten“ melden. Dabei werden alle Arten, die man bei einer Exkursion beobachtet hat, notiert, gerade die häufigen nur mit „anwesend“. Auf diese Weise erhalten wir Präsenz-/Absenz-Informationen, die sehr wertvoll für vielerlei Auswertungen sind. Darüber hinaus haben wir alle in Deutschland auftretenden Arten in Kategorien eingeteilt. Diese Liste geben wir den Beobachtern an die Hand, so dass sie wissen, von welchen Arten wir möglichst alle Beobachtungen benötigen und welche von geringerer Bedeutung sind.<br />
Dass <em>ornitho.de</em> kein Datengrab wird, dafür werden nicht nur wir als DDA durch bundesweite Auswertungen sorgen, sondern hoffentlich auch die vielen Fachverbände beitragen, denen wie auch dem AGO die eingehenden Daten in ihrem „Hoheitsgebiet“ für Auswertungen zur Verfügung stehen.</p>
<p align="center"><img alt="auswertung.jpg" id="image357" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/10/auswertung.jpg" /></p>
<blockquote><p><em>Wen interessiert das gesammelte Datenmaterial eigentlich? Der DDA sorgt durch die Einbindung vogelkundlicher Verbände und Fachgruppen dafür, dass Daten nicht nur gesammelt, sondern auch fachkundig ausgewertet und aufgearbeitet werden. Zukünftig ist darüber hinaus eine Integration bereits etablierter Monitoring-Programme vorgesehen. Nutzerinnen und Nutzer von ornitho können also davon ausgehen, mit der Eingabe ihrer Daten ein Puzzlestück zur Erforschung der Vogelwelt beizutragen.</em></p></blockquote>
<p><strong>AGO: Angenommen, <em>ornitho.de</em> entwickelt sich schnell zum Erfolgsprojekt - gibt es schon Pläne und Ideen, wie es dann mit der Plattform weitergehen könnte? </strong></p>
<p><strong>JW: </strong> Mit dem Start von <em>ornitho.de</em> können Gelegenheitsbeobachtungen gemeldet werden, also all jene Beobachtungen, die außerhalb der systematischen Erfassungsprogramme bei Exkursionen in interessante Gebiete ebenso wie auf Spaziergängen, auf dem Weg zur Arbeit, vom Balkon oder im Garten gelingen. Mittelfristiges Ziel ist es, auch für die systematischen Erfassungsprogramme des Vogelmonitorings wie z.B. die Wasservogelzählung oder das Monitoring häufiger Brutvögel Eingabemöglichkeiten zu schaffen. Die Melder sollen sich nur noch ein Passwort merken müssen und alle ihre Beobachtungsdaten an einem Ort verwalten können. Es wird somit hoffentlich in den kommenden Jahren ein Portal entstehen, in dem ein Großteil der avifaunistischen Daten zusammenfließt. Damit können diese auch schneller für wissenschaftliche Auswertungen und den Naturschutz zur Verfügung gestellt werden. Obgleich die Vorbereitungen bereits laufen, das ist Zukunftsmusik. Wir freuen uns nun erst einmal, dass <em>ornitho.de</em> gestartet ist und hoffen auf eine ähnliche Begeisterung wie in unseren Nachbarländern.</p>
<p><strong>AGO: Vielen Dank, Johannes - und viel Erfolg! </strong>
</p>
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		<title>Dieser Specht macht’s keinem recht!</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 14:03:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
	<category>Archiv</category>
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		<description><![CDATA[Der Vogel, von dem im Folgenden die Rede ist, fällt in zweifacher Hinsicht aus dem Rahmen dieser Homepage. Zum einen wurde er im Kreis Lüchow-Dannenberg gesehen, also nicht in Südniedersachsen. Zum anderen wirft er Fragen auf, die von überregionalem Interesse sein könnten. Weil der Mittelspecht (Dendrocopos medius), um den es hier auch geht, der Wappenvogel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Vogel, von dem im Folgenden die Rede ist, fällt in zweifacher Hinsicht aus dem Rahmen dieser Homepage. Zum einen wurde er im Kreis Lüchow-Dannenberg gesehen, also nicht in Südniedersachsen. Zum anderen wirft er Fragen auf, die von überregionalem Interesse sein könnten. Weil der Mittelspecht (Dendrocopos medius), um den es hier auch geht, der Wappenvogel des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen ist und die Entdeckerin in Einbeck wohnt, wird die Beobachtung auf unserer Homepage vorgestellt und diskutiert.</p>
<p><a id="more-354"></a>Am 6.8.2011 konnte T. Matthies gegen 12.00 Uhr am Rand des Elbholzes südöstl. Elbholz, Gemeinde Gartow (Kreis Lüchow-Dannenberg, 53°03’19“ N, 11°28’40“ O) für zwei Minuten einen Specht beobachten, der sich - mehr stochernd als hackend - am Ast einer Eiche zu schaffen machte. Er schien ungefähr so groß wie ein Mittelspecht zu sein. Rufe oder Instrumentallaute waren nicht zu hören. Glücklicherweise gelang es ihr in der kurzen Zeit, einige Fotos zu machen. Diese schickte sie an H. Dörrie, der sich nach kurzem Blick mit ihrer vorläufigen Bestimmung des Vogels als Mittelspecht einverstanden erklärte. Eine genauere Inspektion des Bildmaterials ließ jedoch bei beiden recht schnell einige Fragen aufkommen…</p>
<p align="center"><a title="RÃ¤tselspecht 1.jpg" class="imagelink" href="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/08/R%C3%A4tselspecht%201.jpg"><img alt="RÃ¤tselspecht 1.jpg" id="image352" style="width: 350px; height: 233px" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/08/R%C3%A4tselspecht%201.jpg" /></a><br />
<em>Abb. 1</em></p>
<p>Das Foto zeigt einen Specht aus der schwarz-weiß-roten Familie Dendrocopos. Roter Scheitel, ein - wegen des Fehlens eines ausgeprägten Bartstreifs - „offenes“ Gesicht, gestrichelte Flanken und rosa Unterschwanzdecken deuten auf einen Mittelspecht. Aber ist das wirklich ein Mittelspecht? Erscheint der Schnabel nicht zu lang für diese Art? Und was ist mit der schwarzen Einfassung des Scheitels, die typisch für einen jungen Buntspecht (D. major) ist? Sieht der Vogel vom „Jizz“ her nicht eher wie ein junger Buntspecht aus?</p>
<p align="center"><a title="RÃ¤tselspecht 2.jpg" class="imagelink" href="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/08/R%C3%A4tselspecht%202.jpg"><img alt="RÃ¤tselspecht 2.jpg" id="image353" style="width: 350px; height: 233px" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/08/R%C3%A4tselspecht%202.jpg" /></a><br />
<em>Abb. 2</em></p>
<p>Das zweite Foto belegt, dass der vergleichsweise lange Schnabel kein Artefakt ist. Auch hier ist die schwarze Rahmung des Scheitels wieder deutlich zu sehen. Was jetzt aber sichtbar hinzutritt, ist die irritierende Oberseite, die wegen ihrer auffällig breiten und weißen Querstreifen an einen Weißrückenspecht (D. leucotos) denken lässt. Aber ein (männlicher) Weißrückenspecht ist dieser Vogel auch nicht. Ihm fehlt nämlich als artdiagnostisches Merkmal die reinweiße Rückenpartie. Auch Gesichtszeichnung und schwarze Umrandung des Scheitels sprechen gegen ihn. Welcher Spezies ist dieser Specht aber dann zuzuordnen? Zur Beantwortung dieser kniffligen Frage wurden die Fotos einigen versierten Vogelkennern und Spechtexperten zugeschickt.</p>
<p>Die anschließende Diskussion, an der sich - engagiert, mit jeweils guten Argumenten und hilfreichen Literaturhinweisen - P.H. Barthel, F. Bindrich, G. Brunken, J. Dierschke, H. Dörrie, M. Gottschling, C. Grüneberg, A. Schröter, M. Schuck, K. Turner und H. Winkler beteiligten, erbrachte ein Resultat, das alles andere als eindeutig ausfiel. Die Diagnosen reichten von einem ganz normalen jungen Mittelspecht über einen aberranten Vertreter dieser Art bis zum jungen Buntspecht, der lediglich die innerartliche Variationsbreite anzeigt. Andere wiederum brachten, um die heterogenen Kennzeichen und Anomalien des Vogels irgendwie unter einen Hut zu bringen, die in solch vertrackten Situationen immer hilfreichen Hybriden aus verschiedenen Paarungsvarianten ins Spiel. Angesichts einiger Merkmale des Vogels und auch des Beobachtungsorts am Rand eines norddeutschen Auwalds bot sich zunächst ein möglicher Hybrid Mittel- x Buntspecht an.<br />
D. major und D. medius stehen sich jedoch phylogenetisch eher fern. Bekanntlich neigen vor allem Arten zur Vermischung, die nah verwandt sind. Zudem hält der Mittelspecht in der rauhen Lebenswirklichkeit, die nicht selten von interspezifischen, zumeist vom Buntspecht ausgehenden Aggressionen geprägt ist, in der Regel einen gehörigen Abstand zu seinem rabiaten Vetter. In den maßgeblichen Spechtmonographien (Short 1982, Winkler et al. 1995, Gorman 2004) fehlt denn auch jeder Bezug auf eine ausnahmsweise Liaison beider Arten mit Reproduktionserfolg. Der einzige den Diskutanten bekannte Hinweis darauf findet sich in einer alten Ausgabe der „Gefiederten Welt“ aus dem Jahr 1884. Dort wird von einem im März 1880 zur Präparation eingelieferten Specht berichtet, dessen Kopfform und -zeichnung die eines männlichen Buntspechts war, während seine gestrichelte Unterseite und rosa Unterschwanzdecken („Afterfedern“) Merkmale eines Mittelspechts anzeigten (Pohlmann 1884). Ob dieser historische Vogel als (womöglich einziger!) zweifelsfreier Beleg für eine Hybridisierung unter Beteiligung von D. medius gelten kann, ist wegen der lückenhaften Beschreibung und der Unauffindbarkeit des Präparats mehr als fraglich.<br />
Zudem wäre eine Mischbrut von Mittel- und Buntspecht in einem Gebiet, in dem beide Arten gleichermaßen häufig sind - das Elbholz weist mit mehr als 20 Mittelspecht-Revieren eine hohe kleinflächige Siedlungsdichte auf - äußerst unwahrscheinlich. Warum sich fremd verpaaren, wenn es genügend potentielle Sexualpartner der eigenen Art gibt? Hinweise auf extreme Mittelspecht-Verluste in den vergangenen Kältewintern, die möglicherweise eine Fremdverpaarung der wenigen Überlebenden hätten begünstigen können, liegen aus dem Gebiet nicht vor (H.-J. Kelm per E-Mail). All diese Faktoren sprechen mit erheblichem Gewicht gegen die Annahme eines Hybriden Mittel- x Buntspecht.</p>
<p>Dagegen existieren mehrere Nachweise erfolgreicher Mischbruten zwischen Weißrücken- und Buntspecht, insbesondere aus Regionen, in denen der Weißrückenspecht selten ist (vgl. Gorman 2004). Das Foto eines solchen Hybriden aus Finnland (Laine 1993, netterweise von A. Schröter ins Deutsche übersetzt!) lässt durchaus Assoziationen an den niedersächsischen Rätselspecht aufkommen. Aber auch bei dieser Spechtwerdung eines Fehltritts fällt sofort ein weißes Rückenfeld ins Auge, das unserem Porträtvogel augenscheinlich abgeht. Zudem ist der Weißrückenspecht in Niedersachsen nicht nur „selten“, sondern nachgerade eine Mega-Rarität. Der letzte rezente Nachweis eines (fotografierten) Vogels datiert aus dem Februar 1983 von den Riddagshäuser Teichen bei Braunschweig. Aus der Zeit davor existiert nur ein in den 1840er Jahren im Solling geschossener Vogel (Zang &#038; Heckenroth 1986). In den angrenzenden östlichen Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sieht es nicht viel anders aus (Bauer et al. 2005). Dass sich ein aus Ostpolen oder Fennoskandien zugewanderter Weißrückenspecht in Nordost-Niedersachsen mit einem Buntspecht verpaart und Nachkommen gezeugt hat, ist zwar nicht gänzlich unmöglich, erscheint vor diesem Hintergrund aber ebenso extrem unwahrscheinlich wie ein Hybrid beider Arten, den es, von wo auch immer, irgendwie nach Lüchow-Dannenberg verschlagen hat. Aus alledem ergibt sich, dass auch ein Hybrid Weißrücken- x Buntspecht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann.</p>
<p>Wenn man mit der Hybrid-Hypothese offenkundig Schiffbruch erleidet, folgt daraus, dass dieser Specht einer der bei uns vorkommenden Dendrocopos-Arten, konkret dem Mittel- oder Buntspecht zugeordnet werden kann. In der Diskussion hatte ein junger Mittelspecht, ob nun aberrant oder nicht, letztendlich den Schnabel leicht vorn… Solange jedoch keine höherwertigen Fotos bzw. Dokumentationen vorliegen, die Artefakte weithin ausschließen, bringt weiteres Spekulieren wenig bis nichts.<br />
Glücklicherweise sind mitteleuropäische Spechte, bis auf den weitziehenden Wendehals (Jynx torquilla), in der Regel reviertreue Standvögel. Daher könnte unser Rätselvogel sich noch für geraume Zeit im Gebiet aufhalten, ab dem Spätwinter nach Kräften balzen oder sonst wie auf sich aufmerksam machen. Vielleicht gerät er ja in den kommenden Monaten wieder ins Blickfeld und verrät ein für alle Mal seine Artzugehörigkeit.</p>
<p>Wenn gefiederte Raritäten wie Sumpfläufer, Seggenrohrsänger und Co. das Salz in der oftmals faden Tagessuppe der Feldornithologie darstellen, sind die - im Schnitt erheblich selteneren - wirklichen „Rätselvögel“ die extrascharfen Chilischoten. Dabei fasziniert in besonderem Maß, dass es diesmal nicht um eine „seltsame Limikole“ oder eine „komische Möwe“ mit dem vermeintlichen Potential eines mitteleuropäischen Erstnachweises geht, sondern um einen waldbewohnenden Vertreter der charismatischen Spechtfamilie, die bislang kaum besondere Bestimmungsprobleme aufgeworfen hat. <em>Tanja Matthies und Hans H. Dörrie</em></p>
<p>P.S. Wer sich unter den Leserinnen und Lesern zu dem Vogel äußern möchte, kann dies gern mit einer Mail an <a href="mailto:%20info@ornithologie-goettingen.de"> info@ornithologie-goettingen.de</a> tun. Für weitere sachkundige Hinweise sind wir durchaus dankbar.</p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<ul>
<li>Bauer, H.-G., E. Bezzel &#038; W. Fiedler (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes - Nichtsperlingsvögel.</li>
<li>Gorman, G. (2004): Woodpeckers of Europe: A Study of the Europaean Picidae.</li>
<li>Laine, T. (1993): A hybrid between the Great Spotted Woodpecker and the White-backed Woodpecker (in Finnish). Linnut 2/28: 19-20.</li>
<li>Pohlmann, E. (1884): Briefliche Mittheilungen. Gefiederte Welt 13: 104-105.</li>
<li>Short, L. ( 1982): Woodpeckers of the World.</li>
<li>Winkler, H., D.A. Christie &#038; D. Nurney (1995): Woodpeckers. A Guide to the Woodpeckers, Piculets and Wrynecks of the World.</li>
<li>Zang, H. &#038; H. Heckenroth (1986): Die Vögel Niedersachsens. Band 2.7: Tauben- bis Spechtvögel.</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Heimzug und Brutzeit 2011 – vogelkundliche Neuigkeiten aus einem denkwürdigen Frühjahr</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Jul 2011 18:58:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
	<category>Archiv</category>
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		<description><![CDATA[Der Mai 2010 ist als einer der kältesten seit Menschengedenken in die Annalen eingegangen. Auch dem Mai 2011 wird dies gelingen, allerdings unter umgekehrtem Vorzeichen: Er war einer der wärmsten und trockensten. Führten vor einem Jahr Nässe, Kälte und Insektenarmut zum Scheitern vieler Kleinvogelbruten, sah es im Frühjahr 2011 ganz anders aus. Für unsere Insektenfresser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mai 2010 ist als einer der kältesten seit Menschengedenken in die Annalen eingegangen. Auch dem Mai 2011 wird dies gelingen, allerdings unter umgekehrtem Vorzeichen: Er war einer der wärmsten und trockensten. Führten vor einem Jahr Nässe, Kälte und Insektenarmut zum Scheitern vieler Kleinvogelbruten, sah es im Frühjahr 2011 ganz anders aus. Für unsere Insektenfresser und ihren Nachwuchs war diesmal Überfluss angesagt. Für Feuchtgebietsarten und am Boden nach Würmern stochernde Vögel geriet die Trockenheit jedoch zum Nachteil. Auch der flächendeckende Kollaps von Mäusepopulationen, der mit dem Wetter nur bedingt zu tun hatte, forderte bei einigen Arten seinen Tribut. Aber der Reihe nach.</p>
<p><a id="more-351"></a>Im Göttinger Stadtgebiet schritten drei Brutpaare des <strong>Höckerschwans</strong> zur Brut. Das Paar vom Rückhaltebecken Grone verlor vier von anfänglich acht Jungen, drei der überlebenden Küken waren von Geburt an reinweiß (sog. immutabilis-Variation). Am Kiessee schlüpften zwei Jungvögel um den 15.6., also ungewöhnlich spät. Am Pfingstanger fiel der Reproduktionserfolg mit zwei Jungen ebenfalls gering aus. Das M. dieses Paars tobte sich am 6.6. an der rechten Seite eines blau glänzenden VW Golf mit zahllosen Schnabelhieben als „Spiegelfechter“ aus. Das Resultat erinnerte an eine avantgardistische Prägegrafik oder, je nach Gusto, an ein Diagramm der begnadeten Kurzpass-Kombinationen des FC Barcelona. Der geplagte Autobesitzer hegte vermutlich andere Assoziationen…<br />
Mit neun Jungen (alle immutabilis) war das Brutpaar an der alten Rosdorfer Tongrube wiederum sehr erfolgreich.<br />
Ein Brutpaar (mit vier Jungen) ist vom Wendebachstau bei Reinhausen zu vermelden. An diesem ideal erscheinenden Gewässer fanden zuvor erstaunlicherweise nur zwei Höckerschwan-Bruten statt, und dies vor knapp 35 Jahren (!): 1977 (gescheitert) und 1978 (erfolgreich mit sechs Jungen). Am Seeanger scheiterte eine Brut.<br />
Eine <strong>Kanadagans</strong> hielt sich vom 20. bis 22.3. in den Feldmarken Reinshof und Klein Schneen auf. Möglicherweise derselbe Vogel ließ sich bis Anfang Mai an den Northeimer Kiesteichen und der Geschiebesperre Hollenstedt blicken.<br />
Baumbrütende <strong>Graugänse</strong> kommen ab und an auch in unserer Region vor (z.B. im Pappelwäldchen am Seeanger). Am 10.4. wurde in der Rhumeaue bei Bilshausen ein in ca. 10 Meter Höhe in einer Pappel brütender Vogel entdeckt. Wenige Tage später war das Gelege jedoch geplündert. Auch am Göttinger Kiessee ist es auf der „Vogelschutzinsel“ vermutlich zu einer Baumbrut gekommen. Dort waren, trotz verzögerter Brut der gegen Graugänse mit Nachwuchs besonders aggressiven Höckerschwäne, nur zwei Paare mit drei bzw. einem Jungvogel erfolgreich. Weitere Bruten sind aus dem Göttinger Stadtgebiet nicht bekannt.<br />
Ein Hybrid <strong>Kanada-</strong> x <strong>Graugans</strong> schmückte Mitte April für zwei Tage den Levin-Park und zog dann, weil seine Gesellschaft nicht erwünscht war, an die Geschiebesperre Hollenstedt um.</p>
<p align="center"><img alt="branta_hybrid_siebner1.jpg" id="image335" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/branta_hybrid_siebner1.jpg" /><br />
<em>Abb. 1: Kanada- x Grauganshybrid sucht vergeblich Familienanschluss im Levin-Park. Foto: M. Siebner. </em></p>
<p>Als, mit nur einem Paar, immer noch sehr seltener Göttinger Brutvogel präsentierte sich wiederum die <strong>Nilgans</strong>. Am Levin-Park erlangten fünf von sechs Jungvögeln die Flugfähigkeit. Ein Jungvogel hatte sich am Flügel verletzt. Sein Verbleib ist unklar. Anfang Mai hatte sich ein Paar in einem Treuenhagener Hausgarten niedergelassen und schritt in einem Krähennest (Fichte) zur Brut, das im Vorjahr von der Waldohreule genutzt worden war. Der Erfolg blieb jedoch aus, denn die Altvögel wurden in der Folgezeit ohne Nachwuchs gesehen.<br />
Im Seeanger konnten sich zwei Paare mit jeweils sechs Jungen reproduzieren. An der nahen Retlake hatte zuvor ebenfalls eine Baumbrut stattgefunden. Hier war ein Rotmilan der Leidtragende, dessen Nest die wehrhafte Gans kurzerhand übernahm und den stolzen Greifvogel des Feldes verwies.<br />
15 <strong>Brandgänse</strong> am 11.4. am Seeburger See sind eine für den Landkreis Göttingen und dieses Gewässer ungewöhnlich hohe Zahl. Dies betrifft auch sieben Ind. am 23.6. im Seeanger.<br />
Das seit Anfang Oktober 2010 am Levin-Park residierende <strong>Mandarinenten</strong>-Weibchen „Mandy“ hatte sich, um nicht als Objekt des lustvollen Abhakens herhalten zu müssen, rechtzeitig vor dem Birdrace am 7.5. verabschiedet.<br />
Am Seeanger wurden bis weit in den Juni balzende <strong>Schnatterenten</strong> beobachtet, einmal auch ein aufmerksam Wache haltendes M. Dies könnte nach den „Adebar“-Kriterien durchaus als Brutverdacht (von ein bis zwei Paaren) gewertet werden. Ein wasserdichter Brutnachweis in Gestalt von Junge führenden W. steht aber für dieses Gebiet immer noch aus. Dies betrifft auch ähnlich gelagerte Beobachtungen von <strong>Krick-</strong>, <strong>Knäk-</strong> und <strong>Löffelente</strong> (balzende Paare, Balzflüge, patrouillierende M.). Löffelenten erreichten am 3.4. am Seeburger See mit 55 Ind. ihr Maximum, 40 Ind. waren es dort am 11.4.</p>
<p align="center"><img alt="knaekente_siebner1.jpg" id="image340" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/knaekente_siebner1.jpg" /><br />
<em>Abb. 2: Ungewöhnlich: Knäkerpel im Levin-Park. Foto: M. Siebner. </em></p>
<p>Die an den Northeimer Kiesteichen überwinternde <strong>Samtente</strong> entpuppte sich während ihrer Mauser als M. und hielt es bis (mindestens) zum 18.4. dort aus.<br />
Ein weibchenfarbener <strong>Zwergsäger</strong> lieferte am 18.3. im Rückhaltebecken Gö.-Grone einen unerwarteten lokalen Erstnachweis.<br />
Wer denkt, der ungewöhnlich starke Durchzug von <strong>Gänsesägern</strong> im Spätwinter 2011 mit bis zu 175 Ind., die am 18.2. allein am Seeburger See gezählt wurden (vgl. den <a href="http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=308">Winterbericht 2010/2011</a> auf dieser Homepage) sei nicht mehr zu toppen, musste sich am 12.3. von 204 (!) Ind. ebendort eines Besseren belehren lassen. Recht spät dran war ein vorj. M., das sich vom 10. bis 11.5. am Flüthewehr südl. vom Göttinger Kiessee aufhielt.</p>
<p>In den traditionellen Verbreitungsschwerpunkten der <strong>Wachtel</strong> wurden deutlich mehr Vögel gehört als in den Vorjahren. In der Feldmark Sattenhausen ließen sich bis zu 15 M. vernehmen (2.6.), in der Feldmark Geismar-Süd bis zu 11 (11.6.). Am 22.6. wetteiferten auf 40 Hektar in der Feldmark südl. Kerstlingerode sechs M. um Weibchen in unbekannter Zahl. Aus vielen Gebieten, für die der Begriff „Agrarsteppe“ ein Euphemismus ist, wurden ein bis zwei Ind. gemeldet. Bevor unter den Lesern ein Streit entbrennt, ob 2011 ein ausgeprägtes Einflugjahr ist oder nicht, wenden wir uns anderen Arten zu…<br />
<strong>Rebhühner</strong> wurden in geringer Zahl (weniger als fünf Ind.) vor allem aus dem Süden Göttingens und vom Diemardener Berg gemeldet. Dort gab es die geringsten Winterverluste. Nachweise verpaarter Ind. liegen zudem aus der Rhumeaue bei Bilshausen und vom Leinepolder Salzderhelden vor. Recht ungewöhnlich ist ein Vogel, der am 28.3. an einem Waldweg (!) im Schmiedeberg bei Landolfshausen gesehen wurde.</p>
<p>Wenn sie es darauf anlegen, können sich <strong>Zwergtaucher</strong> über Wochen menschlichen Blicken entziehen. Daher muss vorerst offen bleiben, ob sich am Seeanger ein Paar reproduzieren konnte. Einzelvögel wurden dort bis weit in die Brutzeit gesehen.</p>
<p align="center"><img alt="zwergtaucher_hesse1.jpg" id="image346" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/zwergtaucher_hesse1.jpg" /><br />
<em>Abb. 3: Gut getarnt. Zwergtaucher im Schlichtkleid am Göttinger Kiessee. Foto: V. Hesse. </em></p>
<p>Der Göttinger Brutpopulation des <strong>Haubentauchers</strong> am Kiessee geht es nach wie vor schlecht. Zum einen fanden sich nur drei Paare zum Brüten ein, zum anderen zeigt deren Erfolg mit bis dato nur zwei Jungvögeln aus zwei erfolgreichen Bruten eine wiederum sehr geringe Reproduktionsrate an.<br />
Vom <strong>Schwarzhalstaucher</strong> liegen acht Beobachtungen von insgesamt 27 Ind. vor. Am 23.4. erreichten sie mit zehn Ind. am Seeburger See das Maximum.<br />
Gleich vier <strong>Rothalstaucher</strong> vom Seeburger See am 30.4. sind angesichts des sehr spärlichen Auftretens in den letzten Jahren recht bemerkenswert.</p>
<p>Die <strong>Kormoran</strong>-Kolonie an den Northeimer Kiesteichen ist auch 2011 verwaist. Hier hat der Waschbär offenbar ganze Arbeit geleistet, denn es wurden nicht einmal balzende oder gar nestbauende Vögel gesehen.</p>
<p>Das Staunen über Süd-Niedersachsens ersten <strong>Sichler</strong>, der sich am 10.4. am Seeanger einfand, kann auf dieser Homepage mit einem <a href="http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=326">Extrabeitrag </a> von K. Dornieden und B. Bierwisch anschaulich nachvollzogen werden.<br />
Am 20.6. hielt sich an der Geschiebesperre Hollenstedt ein <strong>Löffler</strong> auf. Mit seinen Farbringen und einer kleinen gelben Fahne erinnerte er wahlweise an einen bunt geschmückten Weihnachtsbaum oder eine Signalboje. Gleichwohl sind derart auffällige Applikationen sehr sinnvoll, weil sie von engagierten Beobachtern mit dem Spektiv abgelesen bzw. mit einer Digicam dokumentiert werden können. Der Vogel stammte aus einer Kolonie auf der niederländischen Nordseeinsel Vlieland, wo er seine Markierungen am 10.7.2010 als Nestling erhalten hatte. Danach wurde er nur einmal abgelesen, und zwar am 30.8.2010 auf ebenjener Insel, nur fünf Kilometer vom Beringungsort entfernt. Dies scheint erstaunlich für einen derart ins Auge fallenden Großvogel, der auf seinem Weg ins afrikanische Winterquartier mehrere Länder mit zahlreichen Beobachtern passieren musste. An seiner süd-niedersächsischen Raststätte wurde er ab und an von einem Weißstorch und einer Stockentenmutti gemobbt.<br />
Mittlerweile hat sich der Löffler in unserer Region zum alljährlich an der Geschiebesperre Hollenstedt und/oder im Seeanger in Erscheinung tretenden Heimzug-Gastvogel gemausert. Dieses Phänomen basiert mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der starken Zunahme seiner holländischen, norddeutschen und dänischen Brutpopulationen.</p>
<p align="center"><a title="loeffler_boehner1.JPG" class="imagelink" href="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/loeffler_boehner1.JPG"><img width="350" height="279" alt="loeffler_boehner1.JPG" id="image349" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/loeffler_boehner1.JPG" /></a><br />
<em>Abb. 4: Löffler und Weißstorch. Sie jagten und sie hassten ihn. Anklicken zum Vergrößern. Foto: S. Böhner. </em></p>
<p>Am Abend des 6.4. flog eine rufende <strong>Rohrdommel</strong> über dem Leinepolder Salzderhelden (I) umher.<br />
<strong>Silberreiher</strong> hielten sich in kleinen Gruppen von bis zu vier Ind. bis weit in den Mai in der Region auf. Das war jedoch auch in den vergangenen Jahren der Fall und bietet daher keinen Anlass zum Optimismus hinsichtlich einer Brutansiedlung. Im Juni fehlten die weißen Riesen denn auch.<br />
Die kleinen <strong>Graureiher</strong>-Kolonien am Hessenberg bei Bilshausen und an den Thiershäuser Teichen waren wieder mit jeweils bis zu fünf Paaren besetzt.<br />
Die Göttinger Kolonie im städtischen Levin-Park ist auf acht Paare angewachsen. Damit dürfte ein Großteil der zuvor am Hagenberg brütenden Vögel jetzt an diesem Parkgewässer nisten - in einem einzigen Baum! Von den mehr als 20 Jungvögeln, die einen guten Bruterfolg indizieren, hecheln aktuell noch ca. zehn dem Flüggewerden entgegen. In der Weststadt haben die Vögel mittlerweile einen regelrechten Fanclub, zu dem auch tätowierte Flaneure mit Kampfhunden gehören, die sich im Gespräch durchaus aufgeschlossen für Fragen der Stadtvogelkunde zeigen…</p>
<p align="center"><img alt="graureiher_siebner1.jpg" id="image337" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/graureiher_siebner1.jpg" /><br />
<em>Abb. 5: Wir sind jung, wir sind gierig! Graureiher im Levin-Park. Foto: M. Siebner. </em></p>
<p>Am 22.5. gelang es im Seeanger einem adulten <strong>Purpurreiher</strong>, sich vor etlichen, aber zum Glück nicht allen, Beobachter/innen in einer schwer einsehbaren Ecke des Gebiets zu verbergen.<br />
Ein <strong>Seidenreiher</strong> konnte am 12.5. an der Geschiebesperre Hollenstedt von B. Riedel auf naturgucker.de fotografisch dokumentiert werden. Auch diese Art, deren europäischer Brutbestand enorm zugenommen hat und die sich rasant nach Norden ausbreitet (Nordfrankreich, Südengland und Holland) ist inzwischen in unserer Region ein alljährlicher Gast.</p>
<p>Der Heimzug des <strong>Schwarzstorchs</strong> machte sich mit allein drei Beobachtungen in der ersten Märzdekade bereits recht früh bemerkbar. Insgesamt liegen bis dato knapp 20 Beobachtungen vor, darunter auch von zwei über Göttinger Kleingartenkolonien kreisenden und dann nach Süden abziehenden Vögeln. Ob die vergleichsweise zahlreichen Sichtungen ein gutes Jahr für diese Art indizieren, sei dahingestellt. Es gibt Anzeichen, dass im Landkreis Göttingen über die bekannten Paare im Reinhäuser Wald, Bramwald und Kaufunger Wald hinaus noch weitere Brutplätze existieren.</p>
<p align="center"><img alt="schwarzstorch_lipka1.jpg" id="image343" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/schwarzstorch_lipka1.jpg" /><br />
<em>Abb. 6: Schwarzstorch über dem Diemardener Berg. Foto: V. Lipka. </em></p>
<p>Ein am 15.5. an der Geschiebesperre Hollenstedt von W. Kassebeer fotografierter Schwarzstorch trug einen Ring der Vogelwarte Hiddensee (CA 012137). Die Markierung hatte er am 16.6.2009 als einer von drei Nestlingen bei Geisa im Thüringer Wartburgkreis erhalten.<br />
Schlimm dran war ein Vogel aus dem Suhletal bei Seulingen vom 27.5. Er hatte sich den Unterschenkel gebrochen, konnte aber noch sehr gut fliegen. Gleichwohl dürften seine Überlebenschancen nicht sehr groß sein.<br />
Für die regionale <strong>Weißstorch</strong>-Population, die mit einem neuen Brutpaar in Immensen am Leinepolder Salzderhelden auf nunmehr sechs Paare angestiegen ist, verläuft die Brutzeit nicht gerade ersprießlich. Trockenheit und Mäusemangel haben zu einem überdurchschnittlich hohen Jungvogelverlust geführt. In Seeburg verhungerten drei von vier Jungvögeln, am Seeanger zwei von vier. Über den Nachwuchs des Gieboldehäuser Paars liegen widersprüchliche Angaben vor. Gleichwohl kann ein regelrechtes Katastrophenjahr für Weißstörche noch schlimmer verlaufen.</p>
<p>Während der Heimzug des <strong>Fischadlers</strong> sich zwischen dem 27.3. und 22.4. mit zwölf Beobachtungen eher schwach bemerkbar machte, liegen vergleichsweise viele Daten zum <strong>Wespenbussard</strong> vor. Die, in der Regel über Jahrzehnte in Beschlag genommenen, Reviere an den Thiershäuser Teichen, nahe den Schweckhäuser Wiesen, am Sandberg bei Ebergötzen, an der Lengderburg und im Reinhäuser Wald sind wieder besetzt. Ob balzende Vögel, die Mitte Juni mehrfach über dem Kerstlingeröder Feld wahrgenommen wurden, dem Brutpaar an der Lengderburg zuzurechnen sind oder ein neues Vorkommen anzeigen, muss vorerst offen bleiben.<br />
Ein am 25.4. nahe dem Kreitholz bei Etzenborn ziehender <strong>Zwergadler</strong> der hellen Morphe (Beobachter: G. Brunken) wäre nach Anerkennung durch die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) der zweite regionale Nachweis. Der erste datiert vom 18.9.1998 am Diemardener Berg.<br />
Männliche <strong>Wiesenweihen</strong> wurden am 19.4. am Seeanger und am 19.5. bei Sattenhausen gesehen.<br />
In der Rhumeaue zwischen Lindau und Bilshausen sowie südöstl. von Gieboldehausen hat sich je ein <strong>Rohrweihen</strong>-Paar niedergelassen. Neben einem Paar im Leinepolder Salzderhelden sind dies die einzigen der Region.<br />
<strong>Habicht</strong> und <strong>Sperber</strong> gerieten in diesem Frühjahr ungewohnt spärlich ins Blickfeld. Beim Sperber könnte man noch mutmaßen, dass er wegen der ungewöhnlichen Kleinvogelarmut im letzten Winter entsprechende Verluste erlitten hat. Für den robusten Habicht mit seinem weiten Nahrungsspektrum ist dies jedoch kaum anzunehmen. Aus dem östlichen Landkreis Göttingen liegen nur zwei Hinweise auf Bruten vor. Im Nordteil des Landkreises Northeim wurde ein W. auf dem Nest gesehen. Vermutlich macht sich auch in unserer Region die intensivierte illegale Verfolgung durch Jäger und/oder Taubenzüchter und Ziervogelhalter bemerkbar. Diese hat z.B. in Nordrhein-Westfalen und Bayern ein Ausmaß erreicht, das an die Zeit vor der Unterschutzstellung aller Greifvögel in den 1970er Jahren erinnert. Wer angesichts der dramatisch zunehmenden, teilweise himmelschreienden Fälle von Vergiftung, Abschuss und Fallenfang streng geschützter Vögel mit den beliebten - natürlich ganz, ganz wenigen - „schwarzen Schafen“ in einem Meer strahlendweißer Unschuldslämmer argumentiert, sei daran erinnert, dass bisher alle gerichtsnotorischen Fälle von Vogelschützern und Avifaunisten aufgedeckt und zur Anzeige gebracht wurden. Auf die Selbstreinigungskraft dieser vernagelten Nutzergruppen zu hoffen ist so aussichtsreich wie die Behandlung einer schweren Psychose mit homöopathischen Globuli.</p>
<p align="center"><img alt="habicht_siebner1.jpg" id="image338" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/habicht_siebner1.jpg" /><br />
<em>Abb. 7: Besser weiträumig umfliegen? Junger Habicht über dem „Jägerparadies“ in der südl. Göttinger Feldmark. Foto: M. Siebner. </em></p>
<p>Der Brutbestand des <strong>Rotmilans</strong> im extra für diese Art eingerichteten EU-Vogelschutzgebiet V 19, „Unteres Eichsfeld“ beträgt in diesem Jahr um die 20 Paare. Die Zunahme gegenüber dem Vorjahr (17 Paare) dürfte jedoch virtueller Natur sein, weil in diesem Jahr erheblich mehr Zeit in die Erfassung investiert werden konnte. Während im Vorjahr die Brutpaare einen insgesamt guten Bruterfolg erzielen konnten, sieht es aktuell eher gemischt aus. Etliche Bruten wurden aufgegeben, z.B. in Seeburg, am Seeanger, an der Retlake (die bereits erwähnte Nilgans-Okkupation) und in Obernfeld. An der Nesselrödener Warte lag ein toter Altvogel auf drei Eiern. Andererseits gibt es Bruten mit drei Jungvögeln, so etwa bei Weißenborn und Mackenrode. Eine genauere Auswertung steht zwar noch aus, ein ausgeprägtes Katastrophenjahr scheint aber nicht vorzuliegen.<br />
In der Samtgemeinde Gieboldehausen wurden 13 Revierpaare ermittelt, von denen neun zur Brut schritten. Von diesen hatten fünf Bruterfolg und konnten bis dato sechs flügge Jungvögel hervorbringen.<br />
Geeignete Nahrungshabitate dieses Wappenvogels unserer Kulturlandschaft schwinden infolge der Intensivierung der Landwirtschaft (Anbau nachwachsender Rohstoffe für die Agroenergie, Dominanz von schnell- und hochwüchsigem Wintergetreide, Raps und Mais, wohin man blickt) in Windeseile dahin. Zur Kompensation werden jetzt - mit mehr als 800 €/ha hochdotiert - Luzernestreifen angelegt, deren Gesamtfläche im Landkreis Göttingen allerdings nur 250 Hektar umfasst. Zudem liegen etliche dieser Flächen, z.B. im Hacketal zwischen Waake und Ebergötzen, in Gebieten, wo es keine Rotmilane gibt bzw. an schattigen Waldrändern, die von ihnen bei der Nahrungssuche eher gemieden werden…<br />
Rotmilane, die auf der Suche nach verwertbaren Abfällen oder einem unvorsichtigen Huhn über dem ländlichen Siedlungsbereich kreisen, sind ein vertrauter Anblick. Auch am Westrand des Göttinger Stadtgebiets tauchen sie nicht selten auf. Ein Rotmilan jedoch, der Ende Juni dem waldnahen und vegetationsreichen Ostviertel mehrere Besuche abstattete und sich dabei aus sehr geringer Entfernung beobachten ließ, ist für Anwohner und Vogelkundler ein neues Phänomen.<br />
Aus dem Ostteil des Landkreises Göttingen liegen Angaben zu sieben Revierpaaren des <strong>Schwarzmilans</strong> vor. Das Vorkommen konzentriert sich wie gewohnt auf die weitere Umgebung des Seeburger Sees und die Rhumeaue, wo insgesamt fünf Revierpaare notiert wurden.<br />
Der Bestand des <strong>Mäusebussards</strong> im „V 19“ ist auf ca. 30-40 Prozent des Niveaus von 2003 gesunken. Die Waldrandbrüter sind noch stärker zurückgegangen - kein Wunder, denn als „Waldränder“ kann man die strukturarmen, wie mit einem Lineal gezogenen Grenzlinien zu intensiv bewirtschafteten Agrarflächen kaum noch bezeichnen.<br />
Als Sensation wurde in einem Artikel des „Göttinger Tageblatts“ vom 29.3. der Totfund eines im Frühjahr 2010 in Südwestfinnland beringten Mäusebussards in Bilshausen abgefeiert. Wann und wie genau der skelettiert gefundene Vogel sein Leben lassen musste, bleibt unklar. Wie auch immer: Die „schier unglaubliche Reise“, die ihm attestiert wurde, ist alles andere als besonders bemerkenswert. Finnische und nordrussische Mäusebussarde sind in der Regel Zugvögel, die von Mitteleuropa bis Ostafrika überwintern und dabei locker Flugleistungen von bis zu 9000 Kilometern und mehr pro Jahr bewältigen. Daran gemessen sind die 1577 Kilometer zwischen dem Beringungsort und Bilshausen ein Klacks.<br />
Am 2.5. zog ein männlicher <strong>Rotfußfalke</strong> im 2. Kalenderjahr an Groß Lengden vorbei. <strong>Baumfalken</strong> auf der Libellenjagd können derzeit am besten am Seeanger beobachtet werden. Im weiteren Umfeld (Langenberg bei Landolfshausen, Schweckhäuser Berge und evtl. bei Krebeck) sind zwei oder drei Brutplätze besetzt.<br />
Die Göttinger <strong>Wanderfalken</strong> an der Johanniskirche brachten drei Jungvögel zum Ausfliegen.</p>
<p align="center"><img alt="wanderfalke_siebner1.jpg" id="image345" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/wanderfalke_siebner1.jpg" /><br />
<em>Abb. 8: Einer von drei. Junger Wanderfalke an der Johannis-Kirche. Foto: M. Siebner. </em></p>
<p>Die regionale Brutpopulation des <strong>Turmfalken</strong> ist vom vergangenen, ungewöhnlich schneereichen Kältewinter weniger in Mitleidenschaft gezogen worden als befürchtet. Das ist wohl damit zu erklären, dass die meisten Jungvögel ihr heimatliches Areal frühzeitig geräumt haben und in wärmeren Gefilden überleben konnten. Nun besetzen sie die freigewordenen Reviere ihrer ums Leben gekommenen Eltern.</p>
<p>Wie in den Vorjahren weilten im Leinepolder Salzderhelden im April bis zu 30 zumeist immature <strong>Kraniche</strong>. Einige von ihnen hielten es bis Ende Mai dort aus. Ebenfalls bis weit in den Mai präsentierte sich im Seeanger ein vorjähriger Vogel im nahezu unverfälschten „Küken-Look“.<br />
Die <strong>Wasserralle</strong> kommt in diesem Jahr am Seeburger See mit sehr wenigen, vermutlich nur maximal drei Paaren vor. Neben Winterverlusten könnte sich möglicherweise auch die verstärkte Prädation durch Waschbären und Marderhunde bemerkbar machen, die auf ihren Streifzügen durch den Schilfgürtel ein eiweißreiches Gelege nicht verschmähen. Am Seeanger sind zwei Reviere besetzt.<br />
Im Leinepolder Salzderhelden (I) rufen bis zu sieben <strong>Wachtelkönige</strong>. Ein Wiesenknarrer ließ sich am 5.5. aus einem verkrauteten Rapsacker südl. des Göttinger Kiessees vernehmen. Ein Artgenosse im Seeanger war nach wenigen Tagen wieder verschwunden.</p>
<p>Ein Paar <strong>Stelzenläufer</strong> beehrte am 10.5. den Seeanger und lieferte den nach dem 29.3.2007 zweiten Lokalnachweis und den dritten Nachweis für die Region (Erstnachweis im Jahr 2000 im Leinepolder Salzderhelden).<br />
Die extreme Trockenheit hat auch die kleine <strong>Kiebitz</strong>-Lokalpopulation im und um den Seeanger in Mitleidenschaft gezogen. Trockenes Grünland ist wegen seiner gut erreichbaren Kleinsäuger für Prädatoren aller Art attraktiver als feuchtes. Bruten auf Maisfeldern wurden ebenfalls rasch aufgegeben, weil die Gelege aufgrund der geringen Vegetationsentwicklung lange ohne Schutz blieben. Von den fünf bis sechs Paaren konnte keines Erfolg, vermutlich nicht einmal Schlupferfolg, vorweisen.<br />
Vom 13. bis 22.6. hielt sich an der Geschiebesperre Hollenstedt Süd-Niedersachsens erster (und Deutschlands 12.) <strong>Weißschwanzkiebitz</strong> (Erstbeobachter: B. Riedel) auf. Leider fehlten seinem rechten Fuß sämtliche Zehen und das untere Drittel des Tarsus. Wo und wie er sich diese Verstümmelung zugezogen haben könnte, wird Gegenstand von Mutmaßungen bleiben. Sein Gefieder - es handelte sich bei dem Vogel mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein M. - war jedoch tadellos und die meisten Beobachter hatten nicht den Eindruck, dass er aufgrund seiner Behinderung unfähig war, größere Strecken zurückzulegen und sich auf der Rast zwischendurch ausreichend zu ernähren. Letztlich wird die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) sachkundig darüber befinden, in welche Kategorie der deutschen Artenliste der seltene Gast gestellt wird. In jedem Fall war es ein wunderschöner, ungemein graziler Vogel, der von zahlreichen Beobachtern aus nah und fern gebührend bewundert wurde.</p>
<p align="center"><a title="weissschwanzkiebitz_kuhn1.JPG" class="imagelink" href="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/weissschwanzkiebitz_kuhn1.JPG"><img width="350" height="233" alt="weissschwanzkiebitz_kuhn1.JPG" id="image347" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/weissschwanzkiebitz_kuhn1.JPG" /></a><br />
<em>Abb. 9: Weißschwanzkiebitz an der Geschiebesperre Hollenstedt. Anklicken zum Vergrößern. Foto: W. Kühn. </em></p>
<p><strong>Flussregenpfeifer</strong> traten in diesem Frühjahr ab dem 21.3. in gewohnten Zahlen in Erscheinung. Allerdings konnte bis dato kein einziges Paar einen Erfolg in Gestalt flugfähiger Jungvögel vorweisen. Dieser triste Befund betrifft drei bis vier Paare an der Geschiebesperre Hollenstedt, zwei Paare auf der Glunz-Brache in Göttingen und ein bis zwei Paare an der Kiesgrube Reinshof und an den ehemaligen Tongruben Siekgraben. Auf den Kiesbänken des neu gestalteten Leineabschnitts gegenüber der Göttinger Lokhalle balzten von April bis Mitte Mai täglich bis zu zwei Paare - allerdings nur so lange, bis die ersten Spaziergänger und Hundebesitzer kamen… So vielversprechend dieses Gebiet derzeit (noch) aussieht, so ungeeignet ist es wegen seiner Störungsanfälligkeit zur Brutansiedlung von Vögeln aller Art. Am Seeanger mit seinem ungewöhnlich hohen Wasserstand, dem auch die Trockenheit nichts anhaben konnte, ließen sich die Vögel gar nicht erst blicken.<br />
Im Zeitraum zwischen dem 10.4. und 3.5. gelangten vier <strong>Regenbrachvögel</strong> zur Beobachtung und zwar am Seeanger (2 Ind. zusammen) und an der Kiesgrube Reinshof (zweimal Einzelvögel).</p>
<p align="center"><img alt="regenbrachvogel_boehner1.JPG" id="image342" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/regenbrachvogel_boehner1.JPG" /><br />
<em>Abb. 10: Regenbrachvogel an der Kiesgrube Reinshof. Foto: S. Böhner. </em></p>
<p>Trotz der extremen Trockenheit hielten <strong>Waldschnepfen</strong> der „Langen Bahn“ im Bramwald die Treue und balzten dort im April/Mai mit bis zu fünf M. Aus der Großcurthstr. in Gö.-Treuenhagen gelangte am 14.3. ein benommener Vogel in die Pflegestation des NABU. Dort stellte sich heraus, dass er nach einem Scheibenanflug nur ein leichtes Schädel-Hirntrauma erlitten hatte und bald wieder fit war. Mittlerweile werden lebende Waldschnepfen, wenn überhaupt, in Göttingen zumeist als benommen am Boden sitzende Anflugopfer wahrgenommen; kaum eine Vogelart scheint - gemessen an ihrem ohnehin spärlichen Auftreten - von der „technischen Umweltverschmutzung“ stärker betroffen zu sein. Erheblich besser waren Einzelvögel dran, die an typischen Heimzugdaten am 18.3. in Bovenden, am 21.3. am Eschenberg bei Gelliehausen und am 25.3. im Hainholz bei Falkenhagen gesehen wurden.<br />
Am Seeanger balzte wiederum ein <strong>Bekassinen</strong>-Paar. Ab Mai wurden die Vögel jedoch nicht mehr gesehen, so dass anzunehmen ist, dass auch sie vor der Trockenheit kapitulieren mussten. Maximal 38 Ind. nutzten das Gebiet am 29.3. als Trittstein auf dem Heimzug. Diese Zahl wurde von 197 Ind. (!) am 28.3. im Leinepolder Salzderhelden (I) weit übertroffen.<br />
Leicht verfrüht war ein <strong>Temminckstrandläufer</strong> an der Geschiebesperre Hollenstedt am 22.4. Dies trifft auch auf einen <strong>Sichelstrandläufer</strong> am 21.4. im Seeanger zu.</p>
<p>Maximal 30 <strong>Zwergmöwen</strong> ließen sich am 19.4. am Seeburger See blicken. Während sich die <strong>Lachmöwen</strong>-Kolonie am Lutteranger nach einigen verpufften Präliminarien von maximal 30 Paaren wieder einmal als verwaist erwies, schritten am Seeburger See mindestens fünf Paare auf Seggenbülten und Teichrosen erfolgreich zur Brut. Eine fast adulte <strong>Schwarzkopfmöwe</strong> hielt sich am 16.5. dort auf.</p>
<p align="center"><img alt="lachmoewe_wasmund1.JPG" id="image341" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/lachmoewe_wasmund1.JPG" /><br />
<em>Abb. 11: Lachmöwe mit drei Jungvögeln am Seeburger See. Foto: N. Wasmund. </em></p>
<p>Zwei <strong>Mittelmeermöwen</strong> im 2. Kalenderjahr erfreuten am 7.5. am Seeburger See alle Birdraceteilnehmer/innen gleichermaßen. Gleich sieben <strong>Heringsmöwen</strong> zogen am 24.3. über Seeburg nach Norden. Ein Einzelvogel im 4. Kalenderjahr legte am 10.4. am Seeburger See eine kurze Rast ein.<br />
Zwei für unsere Region im Frühjahr fast schon obligatorische <strong>Raubseeschwalben</strong> flogen am 17.4. über dem Northeimer Freizeitsee umher. Am Seeanger konnten am 21.5. drei <strong>Weißbart-Seeschwalben</strong> fotografisch belegt werden. <strong>Weißflügel-Seeschwalben</strong> traten am 7.5. und 9.5. am Seeburger See als Einzelvögel in Erscheinung. <strong>Trauerseeschwalben</strong> erreichten an ebendiesem Gewässer am 7.5. mit 46 Ind. ihr Maximum.</p>
<p>Der Bestand der <strong>Türkentaube</strong> in Stadt und Landkreis Göttingen ist auf einem denkbar niedrigen Niveau angelangt. Aus der Stadt liegt nur eine Handvoll Beobachtungen aus Geismar und der Weststadt vor, die zwei bis maximal drei Paare betreffen. Im Landkreis konnte sie, zumeist mit Einzelpaaren, nur noch in Seulingen, Bischhausen, Diemarden, Seeburg (2) und Bernshausen (2) notiert werden.<br />
Ebenso schlecht ist es um die <strong>Turteltaube</strong> bestellt. Aus dem 130 km² großen „V 19“-Schutzgebiet liegt nur eine Brutzeitfeststellung aus dem Seulinger Wald vor. Im Bramwald ließen sich rufende M. an der „Langen Bahn“ und an einer Freifläche bei Ellershausen vernehmen. Der Gesamtbestand im Landkreis Göttingen dürfte mittlerweile 10 Paare nicht überschreiten. Damit befindet sich diese Art aus regionaler Sicht in der Kategorie 1 der Roten Liste und ist „vom Erlöschen bedroht“. Die Gründe für den dramatischen Rückgang sind vielschichtig. Verdichtung und Verdunkelung des Baumbestands infolge der „naturnahen“ Nutzung der Wälder sind dieser Lichtwaldart abträglich. Da sie gern in Jungfichtenbeständen am Rand von Lichtungen brütet, dürfte deren brachiale „Durchforstung“ mit Harvestern zur Brutzeit - auch das ist ordnungsgemäße Forstwirtschaft! - zur Zerstörung auch der letzten Bruten führen. Hinzu kommt die übermäßige „Bejagung“, die in einigen Mittelmeerländern und in Frankreich auch auf dem Heimzug ganz legal in Szene gesetzt werden darf und alljährlich Millionen brutbereiter Vögel das Leben kostet.</p>
<p>Am 13.5. wurde ein <strong>Kuckucksweibchen</strong> dabei beobachtet, wie es am Stockhäuser Bruch an einem Schuppen einer Bachstelze ein Ei ins Nest schmuggeln wollte. Dafür bleibt dem Parasiten nur wenig Zeit, in der Regel weniger als 15 Sekunden (!), denn die meisten Wirtsvögel sind im Laufe der Koevolution mit ihren dreisten Kostgängern recht wachsam geworden…<br />
Im „V 19“ konzentriert sich das Vorkommen mittlerweile, wie anderswo auch, auf Feuchtgebiete, Gewässer und Fließgewässerauen. Mit 12 Revieren scheint es stabil zu sein. Dies trifft auch auf das Göttinger Stadtgebiet mit vier bis fünf Revieren zu.</p>
<p>Der totale Zusammenbruch der Mäusepopulationen im Wald hat bei den Eulen ein ziemliches Desaster verursacht. Im Kaufunger Wald gab es keine einzige <strong>Rauhfußkauz</strong>-Brut. Auch der <strong>Sperlingskauz</strong> konnte sich augenscheinlich nirgendwo reproduzieren. Ob das Verschwinden (?) des <strong>Uhus</strong> von seinem angestammten Brutplatz im Reinhäuser Wald mit diesem Phänomen zusammenhängt, kann nur vermutet werden. Auch junge <strong>Waldkäuze</strong> und <strong>Waldohreulen</strong> - von der letztgenannten Art liegt immerhin ein Brutnachweis aus Fredelsloh am Rand des AGO-Bearbeitungsgebiets vor - wurden nicht gemeldet. Obschon Uhu und Waldkauz Wirbeltiere aller Art erbeuten können - vom Igel über die Fledermaus bis zur Forelle -, stellen Mäuse (auch beim Uhu) die häufigsten Beutetiere. Auch der Sperlingskauz als kompensatorischer Kleinvogeljäger scheint von einer Brut Abstand zu nehmen, wenn Mäuse nahezu komplett fehlen. Bei der <strong>Schleiereule</strong> kamen sicher noch die extremen Verluste durch die letzten Kältewinter hinzu. Bei ausreichendem Nahrungsangebot können die Auswirkungen solcher „Störjahre“ aber schnell wieder ausgeglichen werden.</p>
<p>Die Göttinger <strong>Mauersegler</strong> ließen sich in diesem Frühjahr Zeit und trafen erst um den 8.5. in der Stadt ein, ca. eine Woche später als üblich. Blickt man derzeit in den Himmel über Göttingen, wird man den Eindruck nicht los, dass ihr Bestand in den letzten Jahren deutlich geschrumpft ist. Die wahren Wolken, die auswärtige Vogelkundler immer beeindruckt haben, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Als Erklärung bieten sich vor allem energetische Sanierungsmaßnahmen an, die zum Verlust zahlreicher Brutplätze geführt haben. Neben der überfälligen Entwicklung eines Schutzkonzepts für Gebäudebrüter durch die Stadtverwaltung ist eine Bestandserfassung des Göttinger Charaktervogels dringend geboten.</p>
<p>Das traditionelle <strong>Eisvogel</strong>-Paar an der Hahle bei Mingerode ist aktuell mit der zweiten Brut beschäftigt. Am südlichen Göttinger Stadtrand war ein langjähriger Brutplatz zumindest von einem M. besetzt.</p>
<p>Bereits am 13.3., d.h. für unsere Region singulär früh, traf auf dem Kerstlingeröder Feld der erste <strong>Wendehals</strong> ein. Der Vogel rief bis in den April, dann herrschte Stille. Bis dato gibt es, zum ersten Mal seit Jahren, keine Hinweise auf eine Brut in seinem letzten Refugium. Man kann nur hoffen, dass es im kommenden Jahr wieder besser aussieht, ansonsten wäre mit dieser Spechtart ein weiterer regionaler Brutvogel verschwunden.<br />
Leicht verspätete Migranten wurden am 10.5. in der Rhumeaue bei Lütgenrode und am 14.5. in Gö.-Nikolausberg vernommen. Am 4.6. rief ein Ind. am Altendorfer Berg bei Einbeck, verließ jedoch kurz darauf das Gebiet, so dass auch hier von einem verspäteten Durchzügler oder umherstreifenden Vogel auszugehen war. Auch ein stummer Vogel am 27.6. in der Göttinger Kleingartenkolonie „Edelweiß“ ist allenfalls in die letztgenannte Kategorie einzuordnen. Die anderen acht Beobachtungen (u.a. vom Göttinger Kiessee und aus Bovenden) fielen in die typische Hauptdurchzugsperiode vom 15. bis 25.4.<br />
Auch der <strong>Grauspecht</strong> machte sich auf dem Kerstlingeröder Feld und im Göttinger Stadtwald ausgesprochen rar. Aus dem „V 19“ liegen, bei unvollständiger Erfassung, Hinweise auf neun Reviere vor. Die weitere Entwicklung sollte aufmerksam verfolgt werden, nicht zuletzt weil nach herkömmlicher Meinung der Grauspecht von Winterverlusten des <strong>Grünspechts</strong> profitieren soll. Diese haben sich jedoch wider Erwarten in Grenzen gehalten (vgl. die Anmerkungen im Winterbericht).<br />
Vom <strong>Schwarzspecht</strong>, dem wegen seiner ungenutzten Höhlen eine Schlüsselrolle für die Bestandsdynamik vieler anderer Höhlenbrüter zukommt, wurden im „V 19“ auf 130 km² 20 Reviere ermittelt. Es könnten aber noch deutlich mehr sein, weil die Erfassung einige Lücken aufwies.<br />
Der Brutbestand des <strong>Mittelspechts</strong> hat, trotz intensivierter Nutzung der Alteichenbestände, im „V 19“ zugenommen. Die Populationsgröße kann jetzt auf ca. 100 Reviere taxiert werden.<br />
Dagegen scheint der Brutbestand des <strong>Kleinspechts</strong>, vielleicht als Resultat der letzten Kältewinter, zusammengebrochen sein. Aus dem „V 19“ liegen Hinweise auf ganze drei Reviere vor. Am südl. Göttinger Stadtrand trat ein Paar im April balzend in Erscheinung, ansonsten herrschte im weiteren Stadtgebiet Fehlanzeige.</p>
<p align="center"><img alt="kleinspecht_siebner1.jpg" id="image339" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/kleinspecht_siebner1.jpg" /><br />
<em>Abb. 12: Männlicher Kleinspecht am südl. Göttinger Stadtrand. Foto: M. Siebner. </em></p>
<p>Immerhin drei regional seltene <strong>Pirole</strong> wurden gesehen/gehört, und zwar am 23.5. im Großen Leinebusch, einem früheren Brutplatz, am 2.6. im Seeanger und am 13.6. in der Rhumeaue bei Bilshausen.</p>
<p>Transsaharazieher unter den Sperlingsvögeln, die ihre Überwinterungs- und Brutgebiete über den östlichen Mittelmeerraum ansteuern, hatten in diesem Jahr enorme Probleme. Zum einen zwangen sehr unregelmäßig verteilte Regenfälle in Ostafrika - vermutlich als Folge des Wetterphänomens „La Niña“ - sie zu großflächigen und kräftezehrenden Ausweichbewegungen, zum anderen kam ihnen im Mai ein Tiefdruckgebiet über der Ägäis in die Quere. Entsprechend spät, nämlich am 22.5.und damit ca. zwei Wochen später als gewohnt, wurde der erste <strong>Neuntöter</strong> der Region im Leinepolder Salzderhelden gesehen. Die alljährliche Zählung auf dem Kerstlingeröder Feld, ihrem Göttinger Verbreitungsschwerpunkt, erbrachte am 15.6. ganze sieben M. und zwei W. So wenige waren es in den vergangenen elf Jahren noch nie! Ob dieser Rückgang auch überregional repräsentativ ist, sei dahingestellt. Die zahlreichen, z.T. in sich widersprüchlichen Verlautbarungen in diversen Internetforen bieten sich kaum für einen Vergleich an.</p>
<p align="center"><a title="neuntoeter_siebner1.JPG" class="imagelink" href="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/neuntoeter_siebner1.JPG"><img width="350" height="224" alt="neuntoeter_siebner1.JPG" id="image348" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/neuntoeter_siebner1.JPG" /></a><br />
<em>Abb. 13: Neuntöter (revieranz. M.) auf dem Kerstlingeröder Feld 2000-2011. Anklicken zum Vergrößern. </em></p>
<p>Ein bis zwei <strong>Raubwürger</strong> hielten es bis in die letzte Märzdekade auf dem Kerstlingeröder Feld aus. Interessant ist die Beobachtung von zwei (verpaarten?) Ind. am 27.3. zwischen Löwenhagen und Ellershausen. Hier ist es in der Vergangenheit zu mehreren Bruten auf einer nahen Windwurffläche/Kahlschlag gekommen.</p>
<p>Eines der regional erstaunlichsten Phänomene (vgl. den <a href="http://www.ornithologie-goettingen.de/?p=286">Bericht zur Brutzeit 2010</a> auf dieser Homepage) ist die unauffällig verlaufende Bestandszunahme und Ausbreitung der <strong>Dohle</strong> im Ostteil des Landkreises Göttingen. An den Kirchen einiger Eichsfeldgemeinden haben sich (Einzel-)Paare angesiedelt. Auch in einigen Waldgebieten wurden jetzt kleine Vorkommen von ein bis zwei Paaren entdeck t, und zwar am Bettenroder Berg, am Klafterberg bei Beienrode, im Nesselrödener Wald und an den Weißwasserköpfen bei Ebergötzen. Im Klosterpark von Germershausen ist sogar eine kleine Kolonie entstanden. Die Zunahme korreliert mit einem ähnlichen Zuwachs der <strong>Hohltaube</strong>, deren Bestand im „V 19“ mittlerweile deutlich im dreistelligen Bereich liegt. Dies erklärt auch die kopfstarken Trupps von manchmal mehr als 50 Ind., die sich seit einiger Zeit z.B. im Seeanger einfinden. Der Schwarzspecht macht’s möglich! Welchen Einfluss die von der Forstwirtschaft viel gepriesene Unterschutzstellung einzelner „Habitatbäume“ hat wäre eine Untersuchung wert.</p>
<p><strong>Beutelmeisen</strong> machten sich auch in diesem Frühjahr abseits ihres Verbreitungsschwerpunkts an den Northeimer Kiesteichen kaum bemerkbar. Von der Kiesgrube Reinshof, vom Lutteranger und vom Seeburger See liegen aus dem Zeitraum März bis Juni ganze sechs Beobachtungen vor. An den Northeimer Kiesteichen gerieten ein oder zwei beringte Vögel mit Nistmaterial ins Visier. Der oder die Ringe konnten leider nicht abgelesen werden. Vielleicht haben die Vögel sich schon längst wieder aus dem Staub gemacht und brüten jetzt in Tschechien, Luxemburg oder Südschweden - Beutelmeisen sind da sehr flexibel…</p>
<p align="center"><a title="beutelmeise_siebner1.jpg" class="imagelink" href="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/beutelmeise_siebner1.jpg"><img width="350" height="233" alt="beutelmeise_siebner1.jpg" id="image350" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/beutelmeise_siebner1.jpg" /></a><br />
<em>Abb. 14: Beringte Beutelmeise an den Northeimer Kiesteichen. Wer sieht mehr? Anklicken zum Vergrößern. Foto: M. Siebner. </em></p>
<p>Aus dem Göttinger Stadtgebiet gibt es weitere Indizien für einen Bestandsrückgang der <strong>Weidenmeise</strong>. In diesem Jahr liegt nur ein Brutnachweis vom Nonnenstieg vor. Über die Gründe kann man derzeit nur spekulieren. Am Pfingstanger und am Kiessee sind Brutbäume gefällt worden, was sogleich zum Verschwinden der Art führte. Alte Weichhölzer werden vom Fachdienst Stadtgrün schnell als „Gefahrenbäume“ eingestuft und beseitigt. Hinzu kommt, dass die Weidenmeise unter den Höhlenbrütern besonders konkurrenzschwach ist.</p>
<p>In dem Gebäudekomplex Burgstr. 37/Ecke Ritterplan in Göttingen ist vor zwei bis drei Jahren ein kleines Eldorado für Gebäudebrüter entstanden. Die Häuser sind mit einer Styroporschicht ziemlich schlampig isoliert, dahinter befindet sich ein engmaschiges Gitter. Styropor und Gitter weisen im Traufbereich einige Lücken auf, an und hinter denen <strong>Mehlschwalben</strong>, <strong>Mauersegler</strong> und <strong>Haussperlinge</strong> nisten. Manche Mehlschwalbennester kann man hinter dem Styropor nur erahnen. Das Brüten hinter (!) einer Fassade ist bei dieser Art sehr ungewöhnlich. Immerhin hat sich der Brutbestand in der Innenstadt dadurch von vormals zwei bis drei Paaren (am Männerwohnheim am Wall und am Grotefendgebäude an der Berliner Str.) auf ca. 15 erhöht. Leider stehen auch hier Sanierungen ins Haus, so dass dieser eigenartige Brutplatz schnell der Vergangenheit angehören könnte.<br />
Anders als die Südostzieher fanden sich die westziehenden Schwalben mit dem 22.3. (Uferschwalbe), dem 19.3. (Rauchschwalbe) und dem 4.4. (Mehlschwalbe) zu gewohnten Erstbeobachtungsdaten ein.</p>
<p>Die wenigen Daten zum <strong>Waldlaubsänger</strong> sind heterogen. Im Göttinger Stadtwald ist er wiederum mit ein bis zwei Revieren geradezu selten. Auf einer Probefläche (1 km²) im Husumer Tal bestanden hingegen sechs Reviere, die im Vergleich zu den Vorjahren (2007: 0, 2008: 3, 2009: 3, 2010: 5) einen Höchstwert anzeigen. Im „V 19“ wiederum fehlte die Art weithin. Dort gab es auf 130 km² Hinweise auf ganze sieben Reviere.<br />
Mit zehn Revieren (5,5 Rev./10 ha) wurde eine 18 ha große Windwurffläche im Bramwald bei Ellershausen vom <strong>Fitis</strong> in einer art- und biotoptypischen Dichte besiedelt.<br />
Am 5.6. wurde in einem für den Artenschutz sensiblen Bereich des Reinhäuser Waldes ein singender <strong>Grünlaubsänger</strong> festgestellt (Beobachter: A. Torkler). Eine Tonaufnahme wurde angefertigt, die Beobachtung wird der Avifaunistischen Kommission Niedersachsen (AKN) gemeldet. Die bisherigen regionalen Nachweise datieren aus den Jahren 1963 (zweimal im Göttinger Stadtgebiet) und 1987 (Domäne Eddigehausen).<br />
Für den guten Rutsch einiger Westzieher spricht auch ein <strong>Feldschwirl</strong>, der bereits am 6.4. in der Suhleaue seinen betörenden Gesang erschallen ließ. Gleichwohl indizieren frühe Erstankunftsdaten vorwitziger Pioniere nicht automatisch ein gutes Jahr für die betreffende Art und sollten deshalb nicht überbewertet werden. In der Feldmark Geismar-Süd war der Bestand am 11.6. mit gerademal vier singenden M. auf ca. 300 ha auf einem historischen Tiefstand, zu dem auch die Habitatdegradation beigetragen haben dürfte.<br />
Deutlich verspätet scheint dagegen der südostziehende <strong>Schlagschwirl</strong> eingetroffen zu sein, der jedoch in unserer Region ein traditionell spärlicher Revierbesetzer ist. Am 2.6. ließ sich ein M. in der Rhumeaue bei Bilshausen vernehmen und seit dem 13.6. orgelt einer an der Bölle gegenüber der Geschiebesperre Hollenstedt unverdrossen vor sich hin.<br />
Der kleine Regionalbestand des <strong>Rohrschwirls</strong> hat sich gut etabliert. Am Seeburger See und (erstmals) am Seeanger besteht je ein Revier, im Leinepolder Salzderhelden sind es zwei.<br />
Am 12.5. geriet am Seeburger See der erste <strong>Sumpfrohrsänger</strong>, auch er ein Südostzieher, zu einem um ca. sieben Tage verspäteten Heimzugdatum ins Blickfeld. Danach trafen Einzelvögel nur sehr zögerlich ein. Erst um die Monatswende Mai/Juni wurden nennenswerte Zahlen erreicht (z.B. 15 Ind. am 29.5. im „Jägerparadies“ in der Feldmark Geismar-Süd oder 10 Ind. am 6.6. im Rückhaltebecken Gö.-Grone). Nach dem Abklingen des Heimzugs war das Rückhaltebecken Grone von acht M. besetzt, die einen leicht unterdurchschnittlichen Bestand anzeigen. In der Feldmark Geismar-Süd sangen am 11.6. während einer Nachtexkursion auf ca. 300 ha ganze sechs M. Das ist der tiefste Stand seit Jahren, der aber auch, wie beim Feldschwirl, mit Habitatverschlechterungen zusammenhängen könnte. Die vegetationsreichen Entwässerungsgräben von einst mit vorjährigen Rohrglanzgrasstengeln und Brennesseln werden durch übermäßige Pflege immer strukturärmer. Die vorherrschende Trockenheit tat sicher ein Übriges.</p>
<p align="center"><img alt="sumpfrohrsaenger_siebner1.jpg" id="image344" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/sumpfrohrsaenger_siebner1.jpg" /><br />
<em>Abb. 15: Sumpfrohrsänger in der südl. Göttinger Feldmark. Foto: M. Siebner. </em></p>
<p>Der Brutbestand des <strong>Teichrohrsängers</strong> am Göttinger Kiessee liegt mit ca. 10 Revieren im Schnitt der vergangenen Jahre. Leider konnte der augenscheinlich starke Rückgang der ehedem mit bis zu 130 Paaren kopfstarken Population am Seeburger See noch immer nicht mit aussagekräftigen Daten erhärtet werden.<br />
Einzelne <strong>Drosselrohrsänger</strong> machten sich am 23.4. an der Kiesgrube Reinshof und vom 28.4. bis 2.5. am Seeburger See bemerkbar.</p>
<p>Die westziehenden Grasmückenarten hatten offenkundig keine Probleme auf dem Zug - im Gegenteil: Der Frühling 2011 brachte den stärksten Durchzug der <strong>Dorngrasmücke</strong> seit mindestens 25 Jahren. Die quirligen und nach Kräften singenden Vögel waren in der offenen Landschaft buchstäblich überall. Selbst in vergleichsweise kleinen Gebieten wie dem Diemardener Berg, dem Rückhaltebecken Gö.-Grone, der Bauschuttdeponie Gö.-Geismar oder auf einer 18 ha großen Offenfläche im Bramwald waren bis zu 30 singende M. anzutreffen. Auf der letztgenannten Fläche bestanden später 14 Reviere, die eine hohe Siedlungsdichte von 7,8 Rev./10 ha anzeigen.</p>
<p>Einige Rätsel gab diesmal die <strong>Wasseramsel</strong> auf. Die Brutplätze an der Stegemühle und unter der Eisenbahnbrücke an der Leine waren verwaist. Der traditionelle Brutplatz an der Grone am Hagenweg wurde erst Anfang Mai in Beschlag genommen. Dagegen kam es am Gronespring in Gö.-Grone erstmals zu einer Brutansiedlung. An der Garte nahe dem Werderhof wurden am 13.5. zwei Jungvögel gesehen. Ob das Hochwasser nach dem Tauwetter im Januar einige von ihnen vertrieben hat, kann höchstens gemutmaßt werden. Bisher konnten Hochwasserereignisse dieser robusten Art wenig anhaben, die zudem auch kaum für besonders hohe Winterverluste bekannt ist.<br />
Zur <strong>Ringdrossel</strong> liegen aus dem Zeitraum zwischen dem 30.3. und 11.4. fünf Beobachtungen von 13 Ind. vor, darunter jeweils zwei M. und drei W. am 6.4. in der Feldflur bei Niedeck und am 11.4. auf dem Kerstlingeröder Feld.<br />
Die kleine Population des <strong>Trauerschnäppers</strong> im und am Wildgehege am Hainholzhof im Göttinger Stadtwald könnte bald erlöschen. In diesem Jahr ist sie auf ein einziges M. geschrumpft. Ob es sich reproduzieren konnte, wird die Nistkastenkontrolle im Herbst ergeben.<br />
Dagegen zeugt das ebenfalls kleine Vorkommen des <strong>Schwarzkehlchens</strong> in der Rhumeaue bei Bilshausen mit zwei Revieren von Stabilität, weil es nie größer war. Heimzugbeobachtungen von je zwei M. und W. dieser Vogelart, die noch vor 10 Jahren in unserer Region als Seltenheit bestaunt wurde, liegen vom 19.3. und 21.3. vom Diemardener Berg sowie vom 26.3. von der Geschiebesperre Hollenstedt und vom 28.3. aus der südl. Göttinger Feldmark vor.<br />
Ähnlich wie die Dorngrasmücke trat die <strong>Nachtigall</strong> auf dem Heimzug ungewöhnlich häufig auf, besonders in der Leineniederung. In Göttingen waren aber nicht wesentlich mehr Reviere besetzt als in den Vorjahren. Dagegen ist sie z.B. an den Northeimer Kiesteichen in weiterer Zunahme begriffen. Am Rückhaltebecken Gö.-Grone hielt ein M. ein Revier, das mit hartem Stakkato und ohne das typische „Anschwellen“ auf sich aufmerksam machte. Leider handelte es sich nicht um Süd-Niedersachsens ersten Sprosser, sondern um eine abweichend singende Nachtigall, die auch aussah wie eine solche. Derart irritierende Vögel sind in unserer Region gar nicht mal selten.<br />
Der Brutbestand des <strong>Blaukehlchens</strong> ist weiterhin in der Wachstumsphase. Im Leinepolder Salzderhelden sind aktuell 16 Reviere besetzt, im Seeanger mindestens vier. Am Seeburger See im Bereich des „Graf Isang“ bestehen allein zwei Reviere, rund um den See dürften es noch ein paar mehr sein.<br />
Für Göttinger Verhältnisse sehr früh machte sich bereits am 3.4. der erste <strong>Gartenrotschwanz</strong> bemerkbar. Für den „Vogel des Jahres 2011“ ist es ein gutes Jahr. Davon profitiert auch die laufende Untersuchung des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen in Kleingartenkolonien, die mittlerweile den Hauptlebensraum des Gartenrotschwanzes darstellen. Ein isoliertes Brutvorkommen in den Schweckhäuser Wiesen ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert.</p>
<p align="center"><img alt="gartenrotschwanz_siebner1.jpg" id="image336" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/gartenrotschwanz_siebner1.jpg" /><br />
<em>Abb. 16: Göttinger Kleingartenrotschwanz. Foto: M. Siebner. </em></p>
<p>Der <strong>Baumpieper</strong> hat in Göttingen seinen Verbreitungsschwerpunkt auf dem Kerstlingeröder Feld. Die diesjährige Zählung erbrachte am 15.6. 17 revieranzeigende M. und mindestens fünf erfolgreiche Bruten. Dies ist sicher ein Rückgang gegenüber den außergewöhnlichen 22 M. im Vorjahr, aber immer noch mehr als die 11 Reviere, die 2008 und 2009 dort gezählt wurden. Verglichen mit dem Kerstlingeröder Feld (1,2 km²) ist die Besiedlung im „V 19“ sehr dünn, denn für dieses 130 km² große Gebiet kann der Bestand auf (nur noch) 30 Reviere beziffert werden, mit Vorkommen von bis zu sechs Paaren südl. Groß Lengden, bei Weißenborn und um Etzenborn. Eine 18 ha große Offenfläche im Bramwald bei Ellershausen wurde von immerhin fünf M. in Beschlag genommen.<br />
Noch schlechter ist es um den <strong>Wiesenpieper</strong> bestellt. Die kleine Lokalpopulation in der Feldmark Geismar-Süd, die einzige im Göttinger Stadtgebiet, ist auf ein bis zwei Reviere geschrumpft. Dramatisch ist auch der Rückgang im „V 19“. Hier wurden nur noch vier (!) Reviere gefunden, das Erlöschen scheint nicht mehr fern zu sein. Dieser unscheinbare Singvogel ist nur wenigen bekannt. Anders als die majestätisch wirkenden Großvögel Weißstorch, Kranich und Seeadler hat er keine Lobby. Pech gehabt…<br />
Dagegen bewegt sich die <strong>Schafstelze</strong> weiterhin auf der Gewinnerseite. Damit könnte es jedoch bald vorbei sein, wenn im Rahmen der Erzeugung von Agroenergie Getreidefelder bereits im Mai, also zur Hauptbrutzeit, in den Schredder wandern. Im „V 19“ beträgt der aktuelle Bestand um die 150 Paare, im Leinetal zwischen Göttingen und Einbeck dürften es ebenso viele sein. Das „geklumpte“, fast schon kolonieartige Auftreten konnte besonders eindrucksvoll in der Feldmark südl. Kerstlingerode dokumentiert werden. Hier fanden auf nur ca. 40 ha 12 erfolgreiche Bruten statt.</p>
<p>Am 13.4. wurde am Göttinger Kiessee eine <strong>Bachstelze</strong> mit dunklen Flanken und dunkelgrauem Bürzel fotografiert. Nach Diskussion in avigoe und Befragung auswärtiger Experten kam man überein den Vogel besser unbestimmt zu lassen und ihn nicht der nordwesteuropäischen Trauerbachstelze zuzuordnen.</p>
<p align="center"><img alt="bachstelze_vhesse.jpg" id="image333" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/bachstelze_vhesse.jpg" /><br />
<em>Abb. 17: Unbestimmbare Bachstelze am Göttinger Kiessee. Foto: V. Hesse. </em></p>
<p>Starvogel für das Birdrace-Team der „Göttinger Sozialbrachvögel“ war am 7.5. zweifellos ein leicht verspäteter <strong>Bergfink</strong> an der Kiesgrube Reinshof.<br />
Die schon öfter erwähnte Freifläche bei Ellershausen war von immerhin drei Paaren des <strong>Bluthänflings</strong> bevölkert. Zu seinem Vorkommen in Kleingartenkolonien liegen interessante Daten vor, die mit den Ergebnissen der Gartenrotschwanz-Untersuchung kundgetan werden.</p>
<p>Eine auf dem Heimzug rastende männliche <strong>Spornammer</strong> konnte am 12.3. nahe Seulingen aus geringer Entfernung betrachtet werden. Am 1.5. rasteten bei Groß Lengden zwei <strong>Ortolane</strong>.</p>
<p>Mit diesen beiden Vertretern einer hochcharismatischen Singvogelart schließt der recht ausführlich geratene Bericht, der sein Zustandekommen den folgenden Beobachter/innen verdankt:</p>
<p>P.H. Barthel, B. Bierwisch, S. Böhner, G. Brunken, A. Clages, M. Corsmann, H. Dörrie, K. Dornfeldt, K. Dornieden, M. Drüner, M. Fichtler, J. Fleischfresser, M. Göpfert, E. Gottschalk, C. Grüneberg, V. Hesse, U. Hinz, S. Hohnwald, L. Hülsmann, K. Jünemann, H.-A. Kerl, G. Köhler, G. Köpke, U. Kormann, W. Kühn, V. Lipka, T. Matthies, C. Oppermann, H. und J. Ostwald, L. Pape, S. Paul, D. Radde, H. Riechers, V. Rösch, J. Rothe, R. Rotzoll, A. Schröter, M. Siebner, A. Stumpner, H.-J. Thorns, N. Wasmund, H. Weitemeier und D. Wucherpfennig.</p>
<p><em>Hans-Heinrich Dörrie und Silvio Paul </em>
</p>
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		<item>
		<title>Süd-Niedersachens erster Sichler (Plegadis falcinellus)</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jun 2011 11:17:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
	<category>Archiv</category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich sollte der Gang in den Seeanger (20 km östlich von Göttingen) am 10. April 2011 lediglich als Antidepressivum gegen ein paar Tage Vogelkartierung in öden brandenburgischen Kiefernforsten und zwischen planenbedeckten Spargelfeldern dienen. Allein schon das Wetter lockte hinaus in eine offene Landschaft, wo die Sonne nicht von unzähligen Kiefernstämmen in Reih und Glied verdunkelt wird. Als wir, Klaus Dornieden und Benedikt Bierwisch, uns am Nachmittag auf den Weg machten, wussten wir noch nichts von Grünschenkel, Kampfläufer und Regenbrachvogel, die Hannes Dörrie am Mittag über unsere regionale Newsgroup avigoe gemeldet hatte.</p>
<p align="center"><a title="sichlerbusch.jpg" class="imagelink" href="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/sichlerbusch.jpg"><img height="281" width="350" alt="sichlerbusch.jpg" id="image330" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/sichlerbusch.jpg" /></a><br />
<em>Abb. 1: Der Sicher mit der Farbmarkierung V02 - hier noch im Bingenheimer Ried in Hessen, das er zielstrebig Richtung Süd-Niedersachsen verließ. Foto: Ralf Busch.</em></p>
<p><a id="more-326"></a>Bei herrlicher Beleuchtung freuten wir uns an Rot- und Schwarzmilan, an einer Rostgans sowie Schnatter-, Knäk-, Löffel-, Krick- und Reiherenten. Benedikt brachte die Sprache auf einen Sichler mit spanischem Ring in Süddeutschland, der im Club 300 seit Tagen gemeldet wurde und sinnierte, ob sich der weite Weg dorthin lohnen würde. Der Weg erschien besonders weit, weil im Hinterkopf nicht das Bingenheimer Ried in der hessischen Wetterau präsent war, wo der Vogel seit dem 31. März täglich gesichtet wurde, sondern Bingen am Rhein. Während dieser Grübeleien waren wir schon auf dem Rückweg zum Auto. Ein letzter Blick zurück offenbarte eine gerade landende „Krähe“ mit einem Stock im Schnabel. Aber was machte die auf einem Haufen vertrockneter Zweige im Wasser? Der Blick durchs Fernglas offenbarte, dass der Stock im Schnabel der Schnabel war! Mein erstaunter und gleichzeitig begeisterter Ausruf: „Da steht ein Braunsichler!“ dokumentierte zum einen meinen nicht ganz aktuellen Kenntnisstand der Nomenklatur und führte zum anderen bei Benedikt zu einem sehr ungläubigen Gesichtsausdruck. In diesem Moment war mir gar nicht bewusst, dass wir uns gerade über diesen Vogel unterhalten hatten, denn ich neige nicht dazu, lange Autofahrten zu unternehmen, um einen Vogel zu ticken und hatte deshalb wohl nur halb zugehört.<br />
Im Bestreben, möglichst andere Beobachter zu informieren, wurde das Telefonbuch des Handys gesichtet und erbrachte nur eine spärliche Ausbeute. Das war schon ärgerlich, aber noch dummer war, dass der Blick auf das Display den Blick auf den Sichler vergessen ließ. Um 18:20 Uhr wurde er erstmals gesehen, und nachdem klar war, dass gerade mal zwei Ornithologen im Telefonbuch verzeichnet waren, war er auch schon verschwunden. Nach einem bangen Augenblick schwebte der Vogel aber wieder an den vorherigen Platz auf dem Reisighaufen ein. Was für eine Erleichterung! Aber auch dieser Aufenthalt dauerte nicht lange. Um 18:32 Uhr flog der Sichler in Richtung Seeburger See davon. Dort erschienen uns die Rastmöglichkeiten doch sehr begrenzt. Die Frage war also: „Würde er einfach weiterfliegen?“</p>
<p>Zwischenzeitlich hatten wir lediglich Thomas Meineke aus dem benachbarten Ebergötzen sowie die Mobilbox von Hannes Dörrie erreicht und die Nachricht hinterlassen. Thomas Meineke hatte gleich zugesagt, an den Ort des Geschehens zu kommen. Umso gespannter waren wir, ob der Sichler ein zweites Mal zurückkehren würde. Mit Erleichterung nahmen wir sein erneutes Auftauchen eine Viertelstunde später zur Kenntnis. Als Landeplatz wählte er diesmal aber die dichte, flach überstaute Vegetation, in der er erst einmal verschwand. Geraume Zeit später kam er wieder zum Vorschein, um im Flachwasser nach Nahrung zu suchen. Diesmal tat er es unter den Augen einer kleinen Schar Vogelbeobachter, die nach und nach wuchs. Denn Hannes hatte die Meldung der Beobachtung über avigoe veranlasst, und offensichtlich verfolgen viele Interessierte das vogelkundliche Geschehen online. So waren es am Ende wohl um die 15 Beobachter, die den ersten süd-niedersächsischen Sichler im stimmungsvollen Abendlicht bewundern konnten. Bald stellte sich heraus, dass auch dieser Vogel farbberingt war. Als erstem gelang es Thomas Meineke, die Markierung abzulesen: V02. Damit war klar, dass es sich um denselben Vogel handelte, der vom 31. März bis zum 10. April im Bingenheimer Ried täglich beobachtet worden war.<br />
Über avigoe kamen am nächsten Tag noch zwei Meldungen. Gegen 9:30 Uhr war der Vogel Richtung Wollbrandshausen abgeflogen, wurde aber zwischen 13:45 und 15:40 Uhr wieder im Seeanger gesehen. In den nächsten Tagen blieb der Vogel verschwunden. Am 17. April gab es schließlich die Meldung eines Sichlers im Club 300 für die Pareyer Wiesen südlich des Gülper Sees in Brandenburg. Unter der Ortsbezeichnung Große Grabenniederung wurde der gleiche Vogel am prinzipiell gleichen Ort am 20. April erneut gemeldet, jetzt mit dem Hinweis, dass es sich um V02 handele.</p>
<p align="center"><img alt="Sichlerkuehn.jpg" id="image323" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/Sichlerkuehn.jpg" /><br />
<em>Abb.2: &#8230; im Flug Richtung Wollbrandshausen. Die Farbmarkierung sticht deutlich hervor. Foto: W. Kühn. </em></p>
<p>Dieser Vogel war am 19. Juni 2010 als noch nicht flugfähiger Jungvogel im Ebro-Delta im Nordosten Spaniens beringt worden, wie Julia Piccardo Valdemarin vom Naturpark Ebro-Delta in einer mail vom 24. Mai an Benedikt mitteilte. Wenige Tage zuvor, am 19. und 21. Mai, war V02 an den Fischteichen von Kintai in Litauen nahe der Ostseeküste gesehen worden. Seitdem wissen wir nichts mehr darüber, wo der erstaunliche, anscheinend zielgerichtet nach Nordosten vollführte Zug dieses Vogels über ganz Europa geendet haben mag.</p>
<p>Wie ist die Beobachtung im Seeanger einzuordnen?</p>
<p>Die Herkunft des Vogels liefert eine schlüssige Erklärung. Er stammt unzweifelhaft aus Spanien, wo seine Brutpopulation, wie auch die in Frankreich, Italien und Ungarn stark angewachsen ist (Bauer et al. 2005). Burfield &#038; van Bommel (2004) geben den spanischen Brutbestand mit 393 - 423 Paaren an, eine Zahl, die in der jüngsten Vergangenheit wohl noch übertroffen wurde (H. Dörrie, mdl.). Wie manche Reiherarten neigt auch der Sichler zu ausgeprägten Dispersions- und Dismigrationsbewegungen in alle Himmelsrichtungen. Hinzu kommt, dass Brutansiedlungen dieser Ibisart stark vom wechselnden Wasserstand in Feuchtgebieten abhängen, so dass viele Vorkommen nicht von Dauer sind. Im Handbuch der Vögel Mitteleuropas heißt es denn auch treffend: „Der Sichler ist ein Zigeunervogel, der nicht nur außerhalb der Brutzeit unregelmäßige Wanderungen ausführt, sondern auch als Brutvogel sehr unbeständig ist, &#8230;“ (Bauer &#038; Glutz von Blotzheim 1966: 445). Das Handbook of the Birds of the World“ bringt es noch deutlicher auf den Punkt: „notoriously nomadic“ (del Hoyo et al. 1992: 502). Wir hatten es also am Seeanger mit einem echten „Nomaden der Lüfte“ zu tun. Welche Tagesleistungen er vollbringen konnte, lässt sich schon daran ablesen, dass er am 10.4. die 160 km Luftlinie zwischen dem Bingenheimer Ried und dem Seeanger vermutlich in wenigen Stunden (nonstop?) bewältigt hatte, denn er wurde in Hessen noch am Vormittag gesehen.<br />
Vor diesem Hintergrund scheint es erstaunlich, dass Süd-Niedersachsen zuvor noch nie von einem Sichler besucht worden ist. Zwar listet Fokken (o.J.) einen Mitte Juni 1986 nördlich der Weserfähre Hemeln-Veckerhagen überfliegend gesichteten Vogel auf. Diese Beobachtung wurde jedoch nirgendwo dokumentiert und erscheint daher wenig glaubwürdig. Zudem fällt das Datum mit dem Zwischenzug des Großen Brachvogels zusammen, der ebenfalls einen Sichelschnabel hat und etwa genau so groß ist.<br />
An eine Verwechslung mit dem Brachvogel denkt man auch sofort bei der Meldung von 22 Sichlern vom 10. Oktober 1990 aus dem ostfriesischen Nordwerdum (Knake 1991). Aber hier weist die Schriftleitung in einer Anmerkung darauf hin, dass beweiskräftige Fotos vorliegen sollen. Am nächsten Tag waren immerhin noch 17 Ind. im Gebiet. Auch diese erstaunliche Ansammlung wurde nicht beim damaligen Bundesdeutschen Seltenheitenausschuss dokumentiert. Dagegen sind anfänglich sieben und später noch drei Ind., die sich vom 4. bis 21.10.1991 an den nicht weit vom Eichsfeld liegenden Aulebener Fischteichen bei Nordhausen (Thüringen) aufhielten, von der Deutschen Seltenheitenkommission anerkannt (DSK 1994). Sie bestätigen auch, dass Sichler manchmal in kleinen Gruppen einfliegen können. Vier Jahre zuvor war ein Ind. an den Mansfelder Seen in Sachsen-Anhalt gesehen worden (Balschun 1988). All diese Beobachtungen belegen das erratische Auftreten dieser aus dem Süden oder Südosten stammenden Migranten. Ein zwingendes „Muster“ lässt sich aus ihnen kaum ableiten. Das kann jedoch bei dieser unsteten Art gar nicht anders sein. Allenfalls nach Dürreperioden oder vielleicht auch Überschwemmungen in Gebieten mit großen Brutpopulationen ließen sich Einflüge vorab prognostizieren.</p>
<p align="center"><img alt="Avigoe_20110410_014.jpg" id="image325" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/06/Avigoe_20110410_014.jpg" /><br />
<em>Abb. 3: Sieben glorreiche Bewunderer des Vogels. Foto: M. Siebner.</em></p>
<p>Bei der Beobachtung vor Ort wurde auch über das vermehrte Auftreten von Sichlern in den uns benachbarten Niederlanden diskutiert. Bezzel (1994) erwähnt, dass in Holland mehr und regelmäßiger Sichler gesehen werden als in Bayern. Aber brütet er dort auch? In der Neuauflage des Kosmos Vogelführers (Svensson et al. 2011) ist an der deutschen Nordseeküste ein kleines Brutgebiet eingezeichnet. Na ja, da ist der Farbklecks wohl beim Druck etwas verrutscht. Also ziehen wir die Daten von BirdLife International zu Rate (Burfield &#038; van Bommel 2004). Doch da finden wir den Sichler nicht als Brutvogel der Niederlande. Vielleicht bringt ein Blick in jüngere Bücher Aufklärung. Laut Moning et al. (2010) ist der Sichler die einzige in Europa (Südosteuropa) noch heimische Sichlerart. Aber Spanien dem Südosten zuzuschlagen, geht zu weit. Fünfstück et al. (2010) beschreiben das Vorkommen in der Paläarktis als lückig in Südeuropa bis Vorder- und Zentralasien. Wieder kein Hinweis auf ein holländisches Brutvorkommen.<br />
Die Niederländer sollten es eigentlich am besten wissen. Daher ein Blick ins Internet. Auf http://waarneming.nl sind bis zum 17. Juni 2011 1529 Beobachtungen von 1657 Individuen verzeichnet. Wahrscheinlich sind die meisten Vögel mehr als dutzendfach in die Statistik eingegangen, weil sie von verschiedenen Beobachtern gemeldet wurden. Allerdings hat bisher niemand ein Paar Sichler gemeldet. So bleiben wir vorerst ratlos mit einem kleinen orangefarbenen Klecks im Kosmos Vogelführer zurück, der den Sichler als angeblichen Brutvogel an der Nordseeküste ausweist. Und sind gleichzeitig dankbar, dass der Vogel vom Seeanger beringt war, so dass sich alle Spekulationen über seine Herkunft (eventuell auch aus menschlicher Gefangenschaft) erübrigten.</p>
<p><em>Klaus Dornieden und Benedikt Bierwisch</em></p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<ul>
<li>Balschun, D. (1988): Beobachtung eines Sichlers im Gebiet der Mansfelder Seen. – Apus 7: 35-36.</li>
<li>Bauer, K.M. &#038; U.N. Glutz von Blotzheim (1966): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 1: Gaviiformes – Phoenicopteriformes. Frankfurt/M.</li>
<li>Bauer, H.-G., E. Bezzel &#038; W. Fiedler (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel. Wiebelsheim.</li>
<li>Bezzel, E. (1994): Werden &#8220;südliche&#8221; Gastvögel und Brutgäste nördlich der Alpen häufiger? Versuch eines säkularen Überblicks am Beispiel Bayerns. - Vogelwelt 115: 209-226.</li>
<li>Burfield, I. &#038; F. van Bommel (2004): Birds in Europe: Population estimates, trends and conservation status. BirdLife International.</li>
<li>del Hoyo, J., A. Elliott &#038; J. Sargatal (eds.) (1992): Handbook of the Birds of the World. Vol. 1: Ostrich to Ducks. Barcelona.</li>
<li>Deutsche Seltenheitenkommission (DSK) (1994): Seltene Vogelarten in Deutschland 1991 und 1992. Limicola 8: 153-209.</li>
<li>Fokken, A. (o.J.): Die Vogelwelt des Bramwaldes, der Oberweser und des Stadtgebietes von Münden. Münden.</li>
<li>Fünfstück, H.-J., A. Ebert &#038; I. Weiß (2010): Taschenlexikon der Vögel Deutschlands. Wiebelsheim.</li>
<li>Knake, M. (1991): Braunsichler in Ostfriesland. – Vogelkdl. Ber. Niedersachs. 23: 104.</li>
<li>Moning. C., T. Griesohn-Pflieger &#038; M. Horn (2010): Grundkurs Vogelbestimmung. Wiebelsheim.</li>
<li>Svensson, L., K. Mullarney &#038; D. Zetterström (2011): Der Kosmos Vogelführer: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Stuttgart.</li>
</ul>
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		<title>(Hoffentlich nicht nur) in eigener Sache: Gegen das dreiste Absaugen von Beobachtungsdaten durch naturgucker.de!</title>
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		<pubDate>Fri, 20 May 2011 18:15:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>silviopaul</dc:creator>
		
	<category>Archiv</category>
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Wir schlucken lieber Goldfische als die Daten anderer! 
Die Northeimer Firma naturgucker.de, die sich selbst als „bundesweiter Marktführer bei naturkundlichen Beobachtungen“ bewirbt, hat ihre Geschäftsidee mit einer neuen Serviceleistung aufpoliert. Unter der Rubrik &#8220;Seltenheiten&#8221; und der Herkunftsbezeichnung „Zitat Internet“ findet man neuerdings mehr oder minder interessante Beobachtungen aus landesweiten bzw. regionalen Newsgroups und Mailinglisten sowie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center"><img id="image321" alt="Avigoe_20110509_001.jpg" src="http://www.ornithologie-goettingen.de/wp-content/uploads/2011/05/Avigoe_20110509_001.jpg" /><br />
<em>Wir schlucken lieber Goldfische als die Daten anderer! </em></p>
<p>Die Northeimer Firma naturgucker.de, die sich selbst als „bundesweiter Marktführer bei naturkundlichen Beobachtungen“ bewirbt, hat ihre Geschäftsidee mit einer neuen Serviceleistung aufpoliert. Unter der Rubrik &#8220;Seltenheiten&#8221; und der Herkunftsbezeichnung „Zitat Internet“ findet man neuerdings mehr oder minder interessante Beobachtungen aus landesweiten bzw. regionalen Newsgroups und Mailinglisten sowie aus dem bundesweit agierenden, kostenpflichtigen Club 300. Hinzu kommen Meldungen, von denen nur die Betreiber der Firma meinen, sie seien besonders bemerkenswert, wie z.B. zwei Zwergmöwen vom 15.5. am Seeburger See, die bar jeder Fachkenntnis als „saisonale Besonderheit“ präsentiert werden. <a id="more-322"></a><br />
Vor dem trostlosen Hintergrund, dass bis vor kurzem das gefiederte Raritätenspektrum dieser Datenbank, neben einer Vielzahl fragwürdiger bis grotesker Wahrnehmungen (z.B. balzende Steppenadler, gleich truppweise auftretende Rötelfalken, in einem Waldgebiet rastende Eistaucher etc.) nicht unerheblich von überwinternden Seidenreihern und den immer gleichen ausgebüxten Münchner Rothalsgänsen geprägt war, mag die Neuerung noch verständlich erscheinen. So desolat konnte es in der Tat nicht weitergehen. Zeit also, für ein bisschen Abwechslung zu sorgen…<br />
Bevor wir uns aber weiter in den Beweggründen der Firma naturgucker verlieren, sei die Frage erlaubt: Ist es, nur weil das eigene Angebot zu wünschen übrig lässt, in Ordnung, fremde Daten abzuziehen, ohne die Beobachter vorher um Erlaubnis zu bitten?! Unsere regionale, nicht frei zugängliche Newsgroup <a href="http://www.avigoe.de">www.avigoe.de</a> wurde in den vergangenen Tagen gleich dreimal abgeschöpft. Dabei wird in den Nutzungsbedingungen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass exklusiv in avigoe mitgeteilte Daten nicht ohne vorherige Zustimmung des Beobachters/der Beobachterin verwendet werden dürfen. Dafür hatten und haben wir gute Gründe, unter denen das Selbstbestimmungsrecht der Beobachterinnen und Beobachter, ihre Daten betreffend, an erster Stelle steht – eigentlich eine Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander.<br />
Trotz einer deutlichen Abmahnung durch den Moderator von avigoe, die sofort nach dem ersten Fall erfolgte, halten der/die Betreiber von naturgucker.de an ihrer unseriösen Geschäftspraxis fest. Nachdem sie zuvor wegen permanenter, an Aufdringlichkeit kaum zu überbietender Werbung für ihr Unternehmen von avigoe ausgeschlossen worden waren, haben sie sich, so ist zumindest stark anzunehmen, unter falschem Namen wieder bei avigoe angemeldet. Nicht etwa um Beobachtungen beizusteuern, sondern einzig zu dem Zweck, Daten anderer für ihr Unternehmen abzuschöpfen. Diese Vorgehensweise ist so skandalös wie ethisch verwerflich.<br />
Das monströse Ansinnen, ohne jede Legitimation und Einverständnis der Betroffenen, alle nur erdenklichen Beobachtungsdaten zu verwursten (und, wie am Beispiel der Zwergmöwen gezeigt, mit sinnfreien Kommentaren zu versehen), ist mittlerweile auch bei etlichen Nutzer/innen von naturgucker auf Kritik gestoßen. Bei avigoe und im Arbeitskreis Göttinger Ornithologen gab und gibt es, mit Ausnahme der Betreiber der Firma, keinerlei Konflikte mit gleichzeitigen Nutzer/innen von naturgucker.de, denen es selbstverständlich freigestellt ist, ihre eigenen Beobachtungen zu veröffentlichen wo immer sie wollen. Dieses klarzustellen ist uns wichtig, um jeder Gegendarstellung oder Fehlinterpretation, die irgendwelche regionalen Rivalitäten oder zwischenmenschliche Differenzen hypothetisch ins Spiel zu bringen meint, von vornherein den Boden zu entziehen.<br />
Wir erhoffen uns mit dieser Stellungnahme, dass sich auch, wenn nicht bereits erfolgt, die Moderatoren und Nutzer anderer Newsgroups und Mailinglisten (z.B. Orni BB, HGON-Birdnet, oagshnet etc.), deren Daten ohne Genehmigung von naturgucker.de vereinnahmt wurden, dieses unseriösen Geschäftsgebarens annehmen und entsprechend tätig werden. Hier ist klare Kante angesagt!</p>
<p>Silvio Paul (Moderator <a href="http://www.avigoe.de">www.avigoe.de</a>) und Hans-Heinrich Dörrie (Arbeitskreis Göttinger Ornithologen).
</p>
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