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Gelbspötter in Göttingen: der lange Abschied

Singender Gelbspötter - MSiebner
Abb. 1: Singender Gelbspötter. Foto: M. Siebner

In der Rangfolge der Gesangsvirtuosen unter unseren heimischen Brutvögeln liegt der Gelbspötter (Hippolais icterina) in einer Spitzengruppe mit Nachtigall, Sumpfrohrsänger, Blaukehlchen und Feldlerche weit vorn. Macht sich der unscheinbare Vogel in einer Baumkrone akustisch bemerkbar, ist der Zuhörer schwer beeindruckt. Es quietscht und leiert in einem fort, unterbrochen von Imitationen anderer Arten. J. Matusiak hat das in einer Tonaufnahme im polnischen Biebrza-Nationalpark festgehalten.
Für unsere Göttinger Altvorderen (sofern sie ein Ohr für Vogelstimmen hatten) war der Gelbspötter eine vertraute Erscheinung. Eichler (1949-50) beschreibt ihn für die 1930er Jahre als verbreiteten Brutvogel, der sich vor allem in Gärten bemerkbar machte. Daher wurde er zu dieser Zeit auch „Gartenlaubvogel“ genannt. Die erste Kartierung des 3,6 km² großen Kerngebiets der Stadt 1948 (Bruns 1949) erbrachte 17 singende Männchen (geschätzt 20 bis 30). Bei der Folgekartierung 1965 (Hampel & Heitkamp 1968) waren es nur noch sieben. Eine Bestandsaufnahme außerhalb des Kerngebiets 1966 (Heitkamp & Hinsch 1969) führt 19 Revierbesetzer auf, die sich auf Parkanlagen (6), Wohngebiete im Norden und Westen der Stadt (5), Kleingärten (4), den Stadtfriedhof (2), das Kiessee-Leinegebiet (1) und Industriegelände (1) verteilten. Die (vorerst) letzte Untersuchung des Kerngebiets in den Jahren 2005/2006 (Dörrie 2006) ergab das komplette Fehlen des Gelbspötters als Brutvogel, die wenigen Nachweise betrafen auf dem Heimzug singende Männchen.
Mit den Jahren konzentrierte sich das Vorkommen auf den äußeren Grüngürtel in der Leineaue und einige Bereiche in der Weststadt. 2002 fand eine Kartierung singender Männchen statt, bei der 15 bis 16 Reviere notiert werden konnten, darunter allein insgesamt zehn am Kiessee und an der Leine zwischen der Otto-Frey-Brücke und dem Tierheim „Auf der Hufe“. Abseits von Leineaue und Weststadt gelangen keine Nachweise (Dörrie 2003).

Gelbspötter2002
Abb. 2: Lage der Gelbspötter-Reviere 2002. Grafik: D. Singer
(zum Vergrößern bitte anklicken)

Ende Mai und Anfang Juni 2019 wurden die damaligen Reviere von den Verfassern zweimal mit dem Fahrrad abgefahren. Das Resultat fiel sehr ernüchternd, aber nicht gänzlich unerwartet aus: Sie erwiesen sich allesamt als verwaist. Südlich vom Kiessee sang in einer gebüschreichen Kleingartenanlage mit alten Pappeln vom 20. bis 24. Mai ein Männchen. Hier konnte 2018 noch eine Revierbesetzung dokumentiert werden. Den einzigen Brutverdacht nach den Vorgaben des Methodenhandbuchs (Südbeck et al. 2005) gab es 2019 in einer Pappelreihe an der Rase bei Rosdorf, also knapp außerhalb des Göttinger Stadtgebiets. Die zunehmende Seltenheit in urban geprägten Habitaten lässt sich auch (mit Einschränkung) mit den Daten in ornitho.de belegen: In den letzten fünf Jahren konnten Revierbesetzungen nur noch in der Südwestecke des Kiessees (2015, zuvor langjährig besetzt), am Rand der Weststadt (2015 und 2016), an der Leine östlich des Kiessees (2015 und 2016), am Freibad Brauweg (2015, zuvor langjährig besetzt) und am Leine-Grünzug nördlich der Otto-Frey-Brücke (2014) ermittelt werden.

Gelbspötter-Kleingarten-Kiessee
Abb. 3: Temporärer Gesangsplatz in Kleingärten südlich vom Kiessee. Foto: D. Singer

Gründe für den Rückgang – Fragen und Hypothesen

2002 stach die enge Bindung der Sänger an (Hybrid-)Pappeln förmlich ins Auge. Kurz darauf setzte die systematische „Entpappelung“ des Grüngürtels und anderer Bereiche ein. Die prächtigen Bäume wurden vom Fachdienst Stadtgrün regelrecht stigmatisiert und als „standortsfremde Gefahrenbäume“ prophylaktisch der flächendeckenden Beseitigung anheim gegeben. Nach Interventionen von Baum- und Naturschützern konnten einige Bäume von den Fällaktionen ausgenommen werden, davon die meisten im Kiessee-Leinegebiet. In der entpappelten Leineaue ging der Bestand schnell auf ganze ein bis zwei Sänger zurück (Dörrie 2009).
Bei der Kartierung 2002 fiel in 80 Prozent der Reviere eine Vergesellschaftung des Gelbspötters mit brütenden Wacholderdrosseln auf. Unter dem Schutzschirm der wehrhaften Vögel, die gefiederte Prädatoren mit Sturzflügen und Kotattacken in die Flucht schlagen, hatten sich auch Stieglitz und Birkenzeisig angesiedelt.
Die Bevorzugung von Pappeln erklärt sich aus einer Habitatpräferenz des Gelbspötters, der eine typische Lichtwaldart ist: Nach Krüger et al. (2014) besiedelt er am liebsten mehrschichtige Laubholzbestände, die sich aus Bäumen mit lichtem Kronenschluss (Singwarte) und einer dichten Strauchschicht (Brutplatz) zusammensetzen. Dichte und dunkle Baumbestände werden gemieden. Warum der Gelbspötter heute am Leine-Grünzug fehlt, lässt sich mit diesem aktuellen Foto dokumentieren:

Gelbspötter-Leine
Abb. 4: Leine-Grünzug zwischen Otto-Frey-Brücke und Godehardstraße. Foto: D. Singer

Neben den Pappeln wurden nahezu alle Gebüsche entfernt. Dies geschah auch, um Räubern und Sittlichkeitsverbrechern die Deckung zu nehmen. Städtische Grünanlagen gelten mittlerweile als so genannte „Angsträume“, die dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis der Bewohnerinnen und Bewohner folgend entschärft werden. Hinzu tritt die zunehmende Erschließung des Grünzugs durch Hotelneubauten, Parkplätze u.ä.
Offenkundig belegt(e) die Konzentration auf Pappeln, dass in Göttingen Lebensraumverluste anderswo durch die vor ca. 65 Jahren gepflanzten, schnellwüchsigen Bäume mit ihren ausladenden, aber lichtdurchlässigen Kronen gleichsam kompensiert werden konnten: Viele Hausgärten und ehemalige Nutzgärten, die früher besiedelt wurden, sind, wie auch der Stadtfriedhof, inzwischen von Koniferen geprägt, die Gelbspötter grundsätzlich meiden. Der langjährige, heute verwaiste Brutplatz am Freibad Brauweg zeichnet sich mittlerweile durch einen dunklen Baumbestand mit dichtem Kronenschluss aus. Auf dem Bartholomäus-Friedhof an der Weender Landstraße, der in früheren Jahren ab und an von singenden Männchen bevölkert war, wurden viele Bäume und Gebüsche beseitigt. Am Stadtwall, bis in die 1990er Jahre ein Verbreitungsschwerpunkt, hat man gleichfalls gründlich aufgeräumt. Gleichwohl: Am Kiessee beispielsweise existieren an der Ost- und Westseite - obwohl stellenweise durch Gehölzaufwuchs und -verdichtung schon ziemlich verdunkelt - durchaus noch geeignete Habitate, die mehreren Brutpaaren Platz bieten könnten. Am Levin-Park und am Pfingstanger (beide schon länger als fünf Jahre verwaist) scheinen sich die Habitatstrukturen nicht gravierend verschlechtert zu haben. Auch der Leine-Grünzug weist nördlich der Hagenweg-Brücke noch besiedelbare Strukturen auf. Das heißt: Obwohl der Schwund geeigneter Habitate nicht zu übersehen ist, kann Lebensraumverlust kaum die alleinige Ursache für das Verschwinden sein.

Gelbspötter - Kiessee
Abb. 5: Geeignete Habitatstrukturen (verwaistes Revier) am Kiessee. Foto: D. Singer

Könnte, sehr hypothetisch, ein Bestandsrückgang der Wacholderdrossel den Niedergang des Gelbspötters zumindest beeinflusst haben? Das ist eher unwahrscheinlich, weil brütende Wacholderdrosseln allenfalls einen positiven Verstärker für das Ansiedlungsverhalten des Gelbspötters darstellen (Dörrie 2003). Zudem waren Wacholderdrosseln in den letzten Jahren, auch 2019, in Göttingen gut vertreten, mit bemerkenswert vielen Stieglitzen (aber immer weniger Birkenzeisigen) im Gefolge. Hinzu kommt, dass die Wacholderdrossel ein Göttinger Neusiedler ist, dessen erste Vorstöße 75 Jahre zurückliegen (Dörrie 2010). Zu dieser Zeit war der Gelbspötter noch wesentlich häufiger als heute - ohne die Unterstützung der Drosseln. Ob es sich bei der in Göttingen dokumentierten „Anti-Prädations-WG“ mehrerer Singvogelarten um ein lokales oder anderswo übersehenes Phänomen handelt, ist offen (vgl. Zang et al. 2005). Auch die (lokale?) Bindung an Pappeln ist ein Phänomen, das nicht verallgemeinert werden sollte
Vielleicht lässt sich der Rückgang besser erklären, wenn man einen Blick auf die Verbreitung unseres Porträtvogels wirft: In Niedersachsen ist ein deutliches Nord-Süd- bzw. Nordwest-Südostgefälle zu erkennen (Krüger et al. 2014). Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Nordosten bzw. in der küstennahen Geest unseres Bundeslands. Hier nutzt der Gelbspötter ein weites Habitatspektrum, das von Auwäldern, Feldgehölzen, Bauerngärten bis zu Neuanpflanzungen an Verkehrswegen reicht (Glutz v. Blotzheim & Bauer 1991). Auf den ostfriesischen Inseln brütet er sogar in Holunderbüschen. Der Gelbspötter ist also - anders als man aus Göttinger Sicht mutmaßen könnte - kein ausgeprägter Habitatspezialist. In waldreichen Gegenden, vor allem wenn sie höher als 200 m ü.NN liegen, fällt die Besiedlung erheblich dünner und lückenhafter aus. Dies trifft auch auf das Weser- und Leinebergland zu, wo im Wesentlichen nur die gewässernahen Niederungen besiedelt werden. Im Harz gibt es keine Gelbspötter (Krüger et al. 2014). Kleine und randständige Vogelpopulationen, die, wie in Göttingen, in schwindenden bzw. stark fragmentierten Habitaten ihr Leben fristen, sind von Rückgängen oder natürlichen Bestandsschwankungen stärker betroffen als kopfstarke Quellpopulationen. Hinzu tritt: Als Transsaharazieher mit einer durchschnittlichen Generationslänge von 3,3 Jahren, der sehr spät in die Brutgebiete zurückkehrt und sich daher (in der Regel) nur mit einer Jahresbrut fortpflanzt (Bauer et al. 2005), kann der Gelbspötter von Brutverlusten besonders betroffen sein. Ein paar kühle Regentage oder ein Starkregenereignis reichen, um den Gesamtbruterfolg von Teilpopulationen gegen Null tendieren zu lassen (Glutz v. Blotzheim & Bauer 1991). Wenn dies öfter geschieht und die Verluste nicht durch Zuzug ausgeglichen werden können, ist das Schicksal der Population besiegelt. Erkenntnisse dazu gibt es für Göttingen aber nicht. Auch über einen möglicherweise gestiegenen Prädationsdruck kann man nur mutmaßen. Dies macht eine schlüssige Erklärung des Verschwindens nicht einfacher.
Nach den Ergebnissen des Monitorings häufiger Brutvogelarten (MhB) ist der bundesweite Brutbestand des Gelbspötters von 1989 bis 2010 jährlich um 1,9 Prozent zurückgegangen (Gedeon et al. 2014). Ob das, wie oft vermutet wird, mit ökologischen Verschlechterungen in den afrikanischen Rast- und Ruhegebieten zusammenhängt, bleibt eine Hypothese. Ebenso könnten Eutrophierungsprozesse (Nährstoffeinträge), die zur Verdichtung und Verdunkelung der Vegetation und damit auch zum Insektenschwund beitragen, einen wichtigen Faktor beim Bestandrückgang dieser insektenfressenden Lichtwaldart darstellen. Dafür gibt es in Göttingen durchaus Belege (s.o.). Auch die Populationen anderer Lichtwaldarten wie z.B. Baumpieper, Fitis, Gartenrotschwanz oder Wendehals sind in den vergangenen Jahrzehnten aus den gleichen Gründen stark geschrumpft und gleichsam „verinselt“.
Außerhalb von Göttingen ist über den Gelbspötter relativ wenig bekannt. Am Seeburger See und an der Northeimer Seenplatte sind Reviere seit Jahrzehnten besetzt, desgleichen in der Leineaue zwischen Göttingen und Northeim. Die höchste Siedlungsdichte ist aus den Jahren 2000 und 2001 von einer 400 Meter langen Erlenanpflanzung an der Leine nordwestlich von Bovenden bekannt, wo bis zu sechs Männchen in den nur acht bis zehn Meter hohen Bäumchen sangen - im starken Kontrast zu den Göttinger „Pappelspöttern“. Von der Leine in der Feldmark Bovenden - Nörten-Hardenberg liegen aktuell Hinweise auf bis zu sieben Reviere vor (keines davon in Pappeln), die immer noch eine vergleichsweise dichte Besiedlung anzeigen. Aus dem ländlichen Siedlungsbereich gibt es verstreute Einzelmeldungen. Allerdings ist über die Vogelwelt in diesem Lebensraum kaum etwas bekannt. Die wenigen Zufallsbeobachtungen sind für Verbreitung und Bestand von geringer Aussagekraft.

Fazit

Der Abschied von einem faszinierenden Sangeskünstler nach Jahrzehnten des Niedergangs beruht vermutlich auf mehreren Faktoren, unter denen Habitatverlust bzw. –verschlechterungen, erhöhte Nährstoffeinträge und die Auswirkungen populationsökologischer Prozesse hervorzuheben sind. Obwohl in Zukunft die eine oder andere Revierbesetzung im Bereich des Möglichen liegt, scheint eine Trendwende nicht in Sicht zu sein. Der in Göttingen auf Hochtouren laufende Bau- und Erschließungswahn lässt für das Stadtgrün eher Schlimmeres befürchten…

Hans H. Dörrie und David Singer


Literatur

Bauer, H.-G., Bezzel, E. & W. Fiedler (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Passeres - Sperlingsvögel. Aula-Verlag, Wiebelsheim.

Bruns, H. (1949): Die Vogelwelt Südniedersachsens (mit Beilage: Quantitative Bestandsaufnahmen). Orn. Abh. 3.

Dörrie, H. (2002): Avifaunistischer Jahresbericht 2001 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 7: 4-103. S. 79.

Dörrie, H. (2003): Avifaunistischer Jahresbericht 2002 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 8: 4-106. S. 80-82.

Dörrie, H. (2006): Brutvögel im Göttinger Kerngebiet 1948 - 1965 - 2005/2006.

Dörrie, H. (2009): Göttingens gefiederte Mitbürger. Streifzüge durch die Vogelwelt einer kleinen Großstadt. Göttinger Tageblatt Buchverlag. Göttingen.

Dörrie, H. (2010): Anmerkungen zur Vogelwelt des Leinetals in Süd-Niedersachsen und einiger angrenzender Gebiete 1980-1998. Kommentierte Artenliste. 3., korrigierte Fassung im pdf-Format. Erhältlich beim Verfasser unter info@ornithologie-goettingen.de oder bei der Newsgroup avigoe.de

Eichler, W.-D. (1949-50): Avifauna Gottingensia I-III. Mitt. Mus. Naturk. Vorgesch. Magdeburg 2: 37-51, 101-111, 153-167.

Gedeon, K. et al. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Stiftung Vogelmonitoring und Dachverband Deutscher Avifaunisten. Hohenstein-Ernstthal und Münster.

Glutz von Blotzheim, U.N. & K.M. Bauer (1991): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Bd. 12/I. Aula-Verlag. Wiesbaden.

Hampel, F. & U. Heitkamp (1968): Quantitative Bestandsaufnahme der Brutvögel Göttingens 1965 und ein Vergleich mit früheren Jahren. Vogelwelt, Beih. 2: 27-38

Heitkamp, U. & K. Hinsch (1969): Die Siedlungsdichte der Brutvögel in den Außenbezirken der Stadt Göttingen 1966. Vogelwelt 90: 161-177.

Krüger, T., J. Ludwig, S. Pfützke & H. Zang (2014): Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005-2008. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachsen, H. 47. Hannover

Südbeck, P., Andretzke, H., Fischer, S., Gedeon, K., Schröder, K., Schikore, T. & C. Sudfeldt (Hrsg.) (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Eigenverlag, Radolfzell.

Zang, H., H. Heckenroth & P. Südbeck (2005): Die Vögel Niedersachsens, Drosseln, Grasmücken, Fliegenschnäpper. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. B, H. 2.9. Hannover.

Gelbspötter - MSiebner
Abb. 6: Gelbspötter. Foto: M. Siebner

August 4th, 2019

Heimzug und Brutzeit 2019 –
Vögel auf der Wetter-Achterbahn

Nachtreiher - MSiebner
Abb. 1: Nachtreiher am Göttinger Kiessee Foto: M. Siebner

Der März 2019 war geprägt von einer rasanten Abfolge stürmischer Tiefdruckgebiete. Mit „Eberhard“, „Franz“, „Gebhard“ und „Heinz“ trugen sie altbackene Vornamen, nach denen Enkeltrickser und falsche Polizisten die Telefonlisten für ihre Schockanrufe filtern. „Igor“ setzte am 15. einen neuen Akzent. Sollte eine Familie dieses Sturmtief beim Berliner Institut für Meteorologie gesponsert und nach dem russischen Opa benannt haben, war dies nicht ganz so folgenreich wie beim legendären Orkan „Kyrill“ im Januar 2007. „Eberhard“ hinterließ in den Wäldern die tiefsten Spuren, war aber in seinem Wirken nicht annähernd vergleichbar mit dem Orkan „Friederike“ im Januar des Vorjahrs. Der Monat endete mit einer warmen Südwestströmung. Ab Anfang April wurde es bis in die zweite Dekade deutlich kälter, mit Tageshöchsttemperaturen im niedrigen einstelligen Bereich und tageweise leichtem Schneefall. Dies führte zu einem bemerkenswerten Zugstau von Insektenfressern (vor allem Schwalben), der sich nur zögernd auflöste. Über Ostern herrschte sommerliches Wetter mit Temperaturen über 25°C. Weil der Monat zudem niederschlagsarm war, wurden in der Tagespresse recht bald plakative Mutmaßungen über einen zweiten Dürresommer in die Welt posaunt. Die erste Maihälfte war mit 5°C unter dem langjährigen Durchschnitt so kalt wie nie, mit verbreiteten Nachtfrösten und Schneeflocken bis in die Niederungen. Nur an einem Tag wurde die 15°C-Marke erreicht. Für Insektenfresser, die von einem Zugstau in den anderen gerieten, war diese Zeit eine schwere Prüfung. In der zweiten Maihälfte wurde es wieder wärmer und, vor allem, feuchter. Am 20. fielen in Göttingen mehr als 50 l/m². Der Juni war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und verabschiedete sich mit einer beeindruckenden Hitzewelle aus der Sahara (maximal 34°C am 26. und 30.). Allerdings sorgten auch in diesem Monat wiederholte Schauer und kräftige Gewitter für den nötigen Niederschlag. In Uslar fielen am 19. mehr als 60 l/m². Gleichwohl sank der Wasserstand im Seeanger bei Seeburg, einem unserer artenreichsten Naturschutzgebiete, Ende Juni dramatisch. Wesentlicher Grund dafür ist wohl das neue Gebietsmanagement des Landkreises Göttingen, das den Interessen der Weideviehhalter einseitig Vorrang gegenüber den Naturschutzzielen einräumt
Durch das wetterbedingte Auf und Ab gestaltete sich der Heimzug eher stotternd. Viele Weitstreckenzieher, darunter Mauersegler und Mehlschwalbe, besetzten ihre Reviere verspätet. Zwar ließ sich bereits am 7. April am Northeimer Freizeitsee die erste Nachtigall vernehmen, ihre Artgenossen trafen jedoch erst ab der Monatsmitte verstärkt ein. Der erste Kuckuck machte sich am 20. April - einem in der Vergangenheit typischen Erstbeobachtungsdatum - in der Kiesgrube Ballertasche bei Hann. Münden bemerkbar. Beim Fitis hingegen (Erstbeobachtung am 31. März ebenda) waren keine auffälligen Besonderheiten auszumachen. Komplett aus dem Rahmen fiel eine Dorngrasmücke, die am 5. April in der Feldmark Gö.-Geismar in einer Hecke turnte - die früheste seit Beginn der vogelkundlichen Aufzeichnungen. Ein Vogel vom 12. April 2015 ebenda nimmt jetzt deklassiert den zweiten Platz ein.

Dorngrasmücke - MGeorg
Abb. 2: Sehr frühe Dorngrasmücke in der Feldmark Geismar. Foto: M. Georg

Äußerst früh war ein Paar des Neuntöters erfolgreich, das bereits am 11. Juni in der Feldmark Güntersen vier ausgeflogene Jungvögel fütterte. Die Artgenossen trafen eher zögerlich an den Brutplätzen ein.

Für brütende Höckerschwäne gestaltete sich die Saison gemischt. Im Landkreis Northeim sah es düster aus: Bruten im Leinepolder, am Böllestau bei Hollenstedt und an den Northeimer Kiesteichen scheiterten. An den Kiesteichen wurde am 3. Mai ein toter Altvogel entdeckt, die Eier waren auf der Brutinsel verstreut.
In Stadt und Landkreis Göttingen gab es erfolgreiche Bruten im Levin-Park (acht pulli, davon drei weiße immutabilis), im Rückhaltebecken Gö.-Grone (vier, ein immutabilis), an der Werra beim Letzten Heller (zwei) sowie in der Kiesgrube Ballertasche (vier). Bruten bzw. Brutversuche am Wendebachstau bei Reinhausen, im Seeanger und am Tanzwerder in Münden scheiterten.
Das wanderlustige Brutpaar vom Levin-Park sorgte wieder einmal für Aufregung. Bereits im vergangenen Jahr musste es samt Nachwuchs vom Musa-Gelände am Hagenweg wieder zurückexpediert werden. In diesem Jahr siedelte es um den 10. Mai an die Leine zwischen der Otto-Frey-Brücke und dem Hagenweg um. Am 30. Mai watschelte die Familie - die Jungen waren jetzt knapp fünf Wochen alt - über die Europaallee auf dem Holtenser Berg, also weitab jedes Gewässers. Eine Polizeistreife samt medialer Begleitung durch das „Göttinger Tageblatt“ eskortierte die Vögel in Richtung Grone/Leine. Am 4. Juni tauchten sie - unter Verlust eines Jungvogels, der einsam auf der Leine paddelte und von der Tierrettung nicht eingefangen werden konnte - wieder am Levin-Park auf. Nach dem 14. Juni waren sie dort nicht mehr auszumachen. Am 24. hielten sich die Altvögel (mittlerweile beide metallberingt, Zahlenfolgen 141 464 und 141 466) wieder am Brutplatz auf. Die Jungen blieben bis zum Ende des Berichtszeitraums verschollen.

Höckerschwan - MSiebner
Abb. 3: Versprengter Jungschwan auf der Leine. Foto: M. Siebner

Der seit 2004 besetzte Brutplatz auf der Insel im Göttinger Kiessee (Wiederansiedlung nach einer langen Pause seit 1991) war, obwohl das Brutpaar präsent war, in diesem Jahr verwaist. Grund dafür könnte das geringe Aufkommen von Wasserpflanzen sein, das eventuell mit Besatzmaßnahmen der Sportangler zusammenhängt (Stichwort Graskarpfen). Bereits in den Vorjahren hielt sich das Paar mit Nachwuchs regelmäßig an der nahen Leine auf, wo es offenkundig mehr zu beißen gibt.
Die letzten (drei) Singschwäne der Saison gerieten am 3. März im Leinepolder Salzderhelden in den Blick.

Kanadagänse waren im gesamten Berichtszeitraum auszumachen. Mit elf Ind. erreichten sie am 31. März im Leinepolder ihr Maximum. An der Kiesgrube Ballertasche im Wesertal, wo die Art immer noch eine seltene Erscheinung ist, weilten im April vier Ind. mehr als eine Woche, fünf Ind. am 5. Mai.. Unter den Vögeln im Leinetal waren auch wieder ein bis zwei Ind. der kleinen Unterart parvipes, die verbreitet in Gefangenschaft gehalten wird.
Die Weißwangengans fehlte in diesem Frühjahr, zum ersten Mal seit Jahren…
Am 5. März hielten sich noch 1800 Tundrasaatgänse im Leinepolder auf, ein Nachzügler besuchte am 14. und 15. April die Geschiebesperre Hollenstedt.
Auch das Maximum heimziehender Blässgänse wurde mit bis zu 2500 Ind. in der ersten Märzdekade im Leinepolder erreicht. Ein vorjähriger Vogel war im Mai über Wochen bis zum 19. des Monats im Polder und an der Geschiebesperre präsent.
Für brütende Graugänse verlief die Saison uneinheitlich. Im Leinepolder brachten zehn Paare 38 Junge zum Schlüpfen, an der Geschiebesperre Hollenstedt mindestens sieben Paare ca. 35 Kleine. An den Northeimer Kiesteichen führte ein Paar drei Jungvögel, der Erfolg eines weiteren muss offen bleiben. Am Northeimer Freizeitsee gab es keine Erholung vom Bestandseinbruch, hier war nur ein Paar mit zwei Jungen erfolgreich.
Am Gronespring im Göttinger Westen nahe der A 7 saß ein Vogel auf dem Nest, Resultat ungewiss. Im Levin-Park konnten sich, vom Höckerschwan-Männchen weithin unbehelligt, gleich drei Paare mit insgesamt elf Kleinen reproduzieren, die alle das flugfähige Alter erreichten. Eine Brut im Leinepark scheiterte. Der Brutbestand am Kiessee lag deutlich niedriger als in den vergangenen Jahren: Acht Paare brachten 20 Jungvögel zum Ausfliegen. Einige Küken wurden, trotz heftiger Gegenwehr der Eltern, von Rabenkrähen erbeutet.

Graugans - MSiebner
Abb. 4: Nach Kämpfen mit Rabenkrähen lädiert: Graugans am Kiessee. Foto: M. Siebner

Am kleinen Dorfteich in Bodensee führte ein Paar einen Jungvogel, am Seeburger See drei Paare deren zehn. Am Wendebachstau bei Reinhausen hatten sieben Paare mit 27 Jungen einen passablen Bruterfolg. Auf dem Klinikgelände Tiefenbrunn waren drei Paare mit sechs Gösseln erfolgreich, allerdings gab es hier Verluste, möglicherweise während der diversen Kälteperioden zur Aufzuchtzeit. An der Sandgrube Meensen brachte ein Paar fünf von sechs Jungen hoch.
Die Kiesgrube Ballertasche beherbergte einen Rekordbestand von neun Paaren, die an die 35 Jungvögel führten.
Fazit: 54 Paare brachten 199 Junggänse hoch, durchschnittlich 3,6 pro Paar. Das sind mehr Paare als 2018 (ca. 45), aber weit weniger als 2016 (81 Paare). Schwankungen im Brutbestand sind bei Wasservögeln die Regel. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass die Graugans alles andere als ein sehr häufiger Brutvogel ist, der sich explosionsartig ausbreitet und vermehrt.

Von der Nilgans liegen bis dato Hinweise auf zehn erfolgreiche Bruten vor, und zwar aus dem Leinepolder (vier Kleine), im weiteren Umfeld des Stauwerks bei Salzderhelden (zwei Bruten mit sieben bzw. zehn Kleinen), aus der Schwülmeniederung bei Lödingsen (Paar mit vier recht großen Jungvögeln, genauer Brutort unbekannt), von der Kiesgrube Angerstein (ein Jungvogel), aus Groß Schneen (acht), vom Dorfteich in Bodensee (sieben), aus dem Seeanger (sieben oder acht), von den kleinen Teichen an der Trudelshäuser Mühle westlich von Landolfshausen (drei) sowie vom Göttinger Levin-Park (zehn).
Das Paar in Bodensee führte kurioserweise ein Graugansküken mit sich. Vermutlich hatte es das Graugansgelege in einem frühen Stadium übernommen und das Ei mit dem eigenen Gelege ausgebrütet. Die Graugänse mussten woanders brüten, waren aber ebenfalls erfolgreich, allerdings mit nur einem Jungvogel (s.o.). Eigentlich sind sich beide Arten in herzlicher Abneigung verbunden. Gleichwohl kommt es manchmal zu solchen Konstellationen, die durch die frühe Prägung der Küken auf die vermeintlichen Eltern erklärt werden kann, selbst wenn diese einer anderen Art angehören (oder gar Konrad Lorenz heißen). Im Mai 2012 hatten sich an der Geschiebesperre zwei Graugansküken einer Nilgansfamilie angeschlossen. Ob sie von den Adoptiveltern auch erbrütet wurden, muss offen bleiben.

Nilgans - VMüller
Abb. 5: Nilgansfamilie mit exotischem Adoptivkind. Foto: V. Müller

2018 wurde bei einer Kontrolle des Falken-Nistkastens am Südturm von St. Johannis in Göttingen ein Gelege mit neun Eiern gefunden. Es war schon lange erkaltet. Auch in diesem Frühjahr klabasterten wiederholt Nilgänse um den Turm und sorgten dafür, dass sich ein Turmfalkenpaar einen neuen Nistplatz suchen musste. Für die Gänse hätte eine Brut möglicherweise fatal geendet: Den Sprung aus 65 Meter Höhe hätten die Küken womöglich überlebt, das Aufsuchen eines Gewässers (das nächste ist der Leinekanal, wo Nilgänse aber noch nie beobachtet wurden) jedoch in der von Menschen und Fahrzeugen überquellenden Innenstadt große Probleme bereitet.
Von Ende Februar bis in die erste Märzdekade hielt sich im Leinepolder eine im Juli 2017 in Groningen/Niederlande beringte Nilgans auf. Zeitweise war sie am „Rattenberg“ mit einem Artgenossen verpaart. Die Ablesung war die erste überhaupt. Damit liegt - nach einem in Nordrhein-Westfalen beringten Vogel aus dem Jahr 2002 an der Geschiebesperre - ein weiterer Hinweis vor, dass die recht hohen Winterzahlen (bis zu 300 Ind.) zumindest teilweise auf Zuzug aus dem Westen beruhen dürften. Für eine Gänseart ist das Überwintern östlich der Brutgebiete recht ungewöhnlich. Im Mai und Juni wurden im Levin-Park drei Vögel von M. Wimbauer beringt, ein Altvogel mit gelbem Beinring und der Signatur JU0 sowie zwei Jungvögel mit gelbem Beinring und den Signaturen JU9 und E6B. Man darf gespannt sein…
Das Maximum der Brandgans wurde kurioserweise am 17. Mai am Diemardener Berg mit acht überhin fliegenden Ind. erreicht.
Am 19. Juni machten sich im Leinepolder 19 Rostgänse bemerkbar, der größte hier jemals beobachtete Trupp. Über die Alterszusammensetzung liegen keine Angaben vor. Interessanterweise geriet am 11. Juni 2016 eine Familie mit sieben flüggen Jungvögeln ebenda in den Blick. Im April hielten sich, wie in den letzten Jahren auch, im Leinepolder beständig ein bis zwei Ind. auf, Balzhandlungen wurden aber nicht beobachtet. Woher stammen diese Vögel? Die kurze Verweildauer der größeren Trupps im späten Frühjahr lässt auf Zug oder nomadisches Verhalten schließen. Letzteres wäre durchaus artgemäß. Das deutsche Brutvorkommen frei fliegender Vögel (nach dem Brutvogelatlas ADEBAR (Gedeon et al. 2014) 160 bis 200 Paare) konzentriert sich auf Süd- und Westdeutschland. In Niedersachsen (10-15 Paare) ist die Stader Geest ein Verbreitungsschwerpunkt. Interessanterweise weist der niedersächsische Brutvogelatlas für den Zeitraum 2005 bis 2008 (Krüger et al. 2014) ein Brutvorkommen an der Ilme westlich von Einbeck auf. Könnte es sein, dass Rostgänse irgendwo in der Umgebung des Leinepolders immer noch brüten?

Die charmante Warzenente „Claudia“ hielt an ihrem Lieblingsplatz am Paddlerheim im Göttinger Süden für lange Zeit Hof. Nach dem 30. Mai wurde sie, sehr zum Missvergnügen ihrer kleinen Verehrerschar, nicht mehr gesehen. Gleichwohl besteht die Hoffnung, dass sie wieder auftaucht. Am 7. April verschönerten zwei Artgenossen die Northeimer Kiesteiche.

Warzenente - MSiebner
Abb. 6: Wo bist du, Claudia? Foto: M. Siebner

400 Pfeifenten lieferten am 11. März im Leinepolder ihr Maximum, das sich aus Überwinterern und Heimzüglern zusammengesetzt haben dürfte.
Mindestens 500 Krickenten bedeckten am 8. März den Polder. Das Maximum von 89 Spießenten am 17. März ebenda fiel eher mager aus.
Auf dem Heimzug war die Knäkente gut vertreten: Das bemerkenswerte Maximum von 130 Vögeln stammt vom 29. März aus dem Leinepolder. 45 Ind. am 17. April waren für den Seeburger See ebenfalls eine ganze Menge. Im Mai konnte im Polder an mehreren Tagen nächtliche Flugbalz von bis zu sieben Männchen und zwei Weibchen dokumentiert werden
Mindestens 193 Löffelenten erreichten am 31. März im Polder ihr Maximum, 160 Ind. am 4. April auf dem Seeburger See lagen nur wenig darunter.
Am 4. und 5. April posierte am Seeburger See ein Erpel der Kolbenente, am 15. des Monats trat erneut einer (derselbe?) in Erscheinung.
Mindestens 200 Tafelenten besserten am 2. März im Polder die ungewöhnlich geringen Zahlen aus dem Winter etwas auf.
Ca. 250 Reiherenten bestätigten am 2. März im Polder und am 9. März am Northeimer Freizeitsee ein eher unterdurchschnittliches Auftreten, das bereits im Winterbericht auf dieser Homepage vermerkt wurde.
Eine weibliche Bergente am 13. März an der Geschiebesperre ist eine besondere Erwähnung wert.
Maximal drei (!) Schellenten am 12. März auf dem Seeburger See und am 22. März an der Geschiebesperre sind kein Scherz, typisch dagegen bis zu 18 Zwergsäger im März auf dem Seeburger See. Maximal 40 Gänsesäger zeigten am 2. März an diesem Gewässer ihr mageres Maximum, das sich wohl mit dem insgesamt milden Winter erklären lässt. Zwei weibliche Mittelsäger legten am 22. April am Seeburger See eine kurze Rast ein.

Jeweils bis zu drei ausgesetzte Fasane haben in der Rhumeaue bei Wollershausen bzw. Bilshausen und Rhumspringe überlebt, östlich von Duderstadt ein Einzelvogel. Am 30. Juni rief ein Vogel im Seeanger.
Bei der jährlichen Zählung von Rebhühnern im Ostkreis Göttingen durch die Abteilung Naturschutzbiologie der Uni Göttingen ergab sich mit 179 Ind. ein im Vergleich zum Vorjahr (170 Ind.) nahezu gleich bleibender Bestand. Befürchtungen, dass die Population wegen des Verlusts von Blühstreifen geschrumpft sein könnte, bewahrheiteten sich nicht, allerdings auch nicht die Hoffnung auf eine signifikante Zunahme nach dem trockenen und warmen Sommer 2018. Vermutlich war dieser wegen des fehlenden Angebots frischer Pflanzen auch für viele Insekten als Hauptnahrung der Rebhuhnküken einfach zu trocken. Wiederum konnte die höchst unterschiedliche Entwicklung von Teilpopulationen konstatiert werden: Während sich die (traditionell kopfstärksten) Populationen um Diemarden und Gieboldehausen auf einem Tiefpunkt befinden, gibt es um Ebergötzen, Krebeck und Seulingen Zuwächse.
Zum Auftreten der Wachtel erfolgen, wie immer, Angaben im nächsten Sammelbericht.

Einen spektakulären Erstnachweis für dieses Kleingewässer im urbanen Bereich lieferte vom 4. bis 19. Juni ein Haubentaucher am Levin-Park. Über den Erfolg der regionalen Brutpopulation kann man im nächsten Bericht mehr erfahren, auch über den des Zwergtauchers.
Am 24. März schmückte ein Rothalstaucher den Göttinger Kiessee. Prächtig gefärbt war ein Artgenosse am 6. Mai an den „Wunderteichen“ südlich des Northeimer Freizeitsees.

Rothalstaucher - BRiedel
Abb. 7: Rothalstaucher an den „Wunderteichen“. Foto: B. Riedel

Maximal zwölf Schwarzhalstaucher rasteten am 17. April auf dem Seeburger See. Ein Sterntaucher glänzte am 24. April im Prachtkleid auf dem Northeimer Freizeitsee.

Ein Sichler (vierter oder fünfter Regionalnachweis seit 2011, eine Beobachtung vom Oktober 2015 ist noch nicht bei der Avifaunistischen Kommission Niedersachsen/Bremen (AKNB) gemeldet) traf am 5. April im Leinepolder ein und machte es sich über Wochen gemütlich. Allerdings wies sein Aufenthalt zwei größere Lücken auf. Die erste vom 10. bis 18.April war eher virtueller Natur, weil der Vogel in diesem Zeitraum zwar gesehen, aber nicht bei ornitho.de gemeldet wurde. Vom 29. April bis zum 6. Mai schien er wirklich verschwunden zu sein. Interessanterweise wurden Beobachter in den Landkreisen Leer und Osterholz-Scharmbeck am 4. Mai eines Sichlers gewahr. Ob es der Poldervogel auf Erkundungstour war, muss offen bleiben, ebenso, ob zwei Vögel involviert waren. Auch kann man darüber spekulieren, ob es sich bei dem Sichler, der vom 7. bis 12. Mai (wieder) im Polder präsent war, um ein zweites Ind. gehandelt haben könnte. Darüber wird die AKNB befinden.

Am Abend des 21. April flog eine Rohrdommel mit artdiagnostischem Ruf über Bovenden.
Am 30. Mai rasteten gleich zwei Nachtreiher (ein ad., ein K2-Ind.) auf der Insel im Göttinger Kiessee (zweiter Lokalnachweis). Durch Tretbootfahrer wurden sie mehrfach zum Auffliegen gezwungen. Vermutlich wirkten sich diese Störungen gravierender aus als das laute Potpourri aus orientalischen Volksweisen und deutsch-mallorquinischem Liedgut („Saufi Saufi“), das von der Liegewiese herüberdröhnte. Das Himmelfahrtskommando fand ein schnelles Ende, denn die beiden suchten vermutlich, sobald es dunkel wurde, das Weite und wurden am nächsten Tag nicht mehr gesehen..

Nachtreiher - SHillmer
Abb. 8: Nachtreiher im 2. Kalenderjahr am Kiessee. Foto: S. Hillmer

Silberreiher waren im gesamten Berichtszeitraum präsent, ihr Maximum lag am 8. April bei 44 Ind. im Leinepolder. Am 20. April geriet, neben drei normal gefärbten, ein rotbeiniger Vogel vom Modesta-Typ vor die Optik.
Die Kolonie der Graureiher in zwei Hybridpappeln am Göttinger Kiessee umfasste in dieser Saison elf beflogene Nester. Acht Bruten verliefen erfolgreich. Ca. 18 Jungvögel dürften die Selbständigkeit erreicht haben bzw. in Kürze erreichen.
Am 29. Mai stattete ein Seidenreiher dem Leinepolder eine Stippvisite ab.

Um den Leinepolder gab es zwei Neuansiedlungen des Weißstorchs: An der alten Feuerwache in Salzderhelden bezog, nach gründlicher Inspektion im Vorjahr, ein Paar erfolgreich eine Nisthilfe. Etwas aus dem Rahmen fällt ein Paar, das direkt an der viel befahrenen Bahnstrecke Müllershausen - Salzderhelden ein Nest auf einem Elektromast gebaut hatte. Ende Juni enthielt es mindestens einen Jungvogel.
Auf einer Europalette samt Unterlage schritt in Seeburg ein Paar nahe der Freizeitanlage „Wellenreiter“ zur Brut. Ein Vogel trug einen Ring mit dem Code DEW 7T152, wurde also in der Umgebung markiert. Drei Jungvögel stehen vor dem Ausfliegen. Der monströse Komplex aus Gastronomie, Veranstaltungsräumen, Streichelzoo und Pferdestall hat mittlerweile beträchtliche Teile des Grünlands am Nordwestrand des Naturschutzgebiets unter sich begraben. Und es wird eifrig weiter gebaut. Mit dem Weißen Storch als Ikone für eine scheinbar intakte Natur wird sich kaum einer darüber aufregen. Offen bleibt nur, wie der galoppierende Flächenfraß überhaupt genehmigt werden konnte…

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Abb. 9: Weißstorchbrut am Freizeitpark. Foto: M. Siebner

Vom Fischadler liegen drei Junibeobachtungen vor, vom 4. am Seeburger See, vom 26. an der Geschiebesperre Hollenstedt und vom 29. nahe den Northeimer Kiesteichen. Insgesamt geriet er vierunddreißig Mal in den Blick (Doppelmeldungen eingeschlossen).
Ein ziehendes altes Männchen der Steppenweihe näherte sich am 9. April bei Nienhagen dem Luftraum über dem Kaufunger Wald. Nach Anerkennung durch die AKNB wäre dies der dritte Regionalnachweis (eingeschlossen das besenderte finnische Weibchen „Potku“ mit Rast bei Göttingen im September 2015). Eine Beobachtung vom September 2015 im Leinepolder ist offenkundig noch nicht gemeldet worden.
18 Kornweihen machten sich bemerkbar, darunter neun Männchen.
Wiesenweihen bestachen durch ihre Eleganz am 20. April am Seeanger (ziehendes ad. M.), am 24. April im Polder (ad. M.) und am 4. Mai, vermutlich leicht verfroren, am Diemardener Berg (K2-W.). Auf Artniveau unidentifizierbar blieb je eine Steppen- oder Wiesenweihe am 16. April über der Feldmark Geismar sowie am 27. April über Gö.-Nikolausberg (wohl eher Wiesenweihe).

Am 5. März zog ein immaturer Seeadler über den Leinepolder nach Osten, am 17. März rastete einer ebenda, ebenfalls noch nicht ausgefärbt.

Zwischen dem 5. März und dem 11. Mai (recht spät) wurden in der Leineniederung zwischen Göttingen und Northeim vier Merline notiert, darunter ein Männchen.
Vom bundesweiten Einflug des Rotfußfalken bekam unsere Region den ihr gebührenden Anteil, und zwar mit sechs Vögeln in Rekordhöhe: Am 23. April zog ein altes Männchen über den Diemardener Berg und ein Weibchen über die ehemaligen Tongruben Siekgraben. Alt war ein Männchen am 24. April am Seeburger See; am 28. April drehte ein Männchen über dem Seeanger eine Runde und zog dann nach Osten weiter, ein Männchen verbrachte den Kampftag der Arbeiterklasse am Seeburger See, ein Vogel am 18. Mai im Luftraum über der Feldmark Angerstein war gleichen Geschlechts.

Rotfussfalke - MGeorg
Abb. 10: Männlicher Rotfußfalke bei Angerstein. Foto: M. Georg

Das Maximum der Baumfalken, die sich alljährlich zum Junikäfer-Schmaus an der Drachenwiese im Göttinger Süden einfinden liegt bis dato bei (nur) zwei Ind. Offenkundig gibt es weniger Junikäfer als in den Vorjahren.
Die drei Brutpaare des Wanderfalken im Göttinger Stadtgebiet brachten insgesamt sieben Junge zum Ausfliegen. Ein neues Paar im Göttinger Ostkreis war mit zwei Jungen erfolgreich. Erneut wurden Wanderfalken mit präparierten Tauben vergiftet, diesmal im Westharz.

Der Heimzug des Kranichs klang im März schnell aus. Eine vierstellige Tagessumme wurde nur am 2. März (knapp) erreicht. Im Mai und Juni weilten noch bis zu 20 Ind. im Polder. Am 15. Juni trafen neun Ind. Anstalten für eine Übersommerung, die für das Gebiet nicht ungewöhnlich wäre.

Wasserrallen erreichten am 17. Mai im Leinepolder mit mindestens zwölf Ind. ihr Maximum. Aus lokaler Sicht bemerkenswert (weil vermutlich ein Erstnachweis) ist ein Vogel vom 8. Juni an den Thiershäuser Teichen.
Für den Wachtelkönig verläuft die Saison nicht gut. Aus dem Leinepolder, seiner Hochburg, liegen keine verwertbaren Informationen vor. Am 4. Mai knarrte einer im Seeanger und am 31. Mai einer in einem Getreidefeld in der Feldmark Eilensen (Sollingvorland).
Deutlich besser läuft es für das Tüpfelsumpfhuhn, von dem aus dem Polder für die Normalnutzer von ornitho.de aber nur bis zu vier Ind. gemeldet wurden. Am 30. März rannte ein Vogel ganz offen auf den Schlammflächen an der Geschiebesperre umher. Am 20. April rief ein Männchen am Seeburger See. Die Art ist hier mit ca. fünf Nachweisen eine große Rarität. Am 24. April suchte ein Artgenosse am Rand des Schilfgürtels am Seeanger nach Nahrung.
Ein Glanzlicht dieses an Höhepunkten fürwahr nicht armen Berichts stellt der von W. Vogeley fotografisch belegte Nachweis eines männlichen Kleinen Sumpfhuhns am 14. und 15. April in einem für die Öffentlichkeit gesperrten und durch Verfüllung gefährdeten Bereich der Kiesgrube Ballertasche dar: Es handelt sich wohl erst um die dritte Sichtbeobachtung im Landkreis Göttingen (für den Landkreis Northeim existiert aus dem Jahr 2007 ein Brutnachweis). Die erste, auch sie betraf ein Männchen, gelang nach Hampel (1965) den Herren v. Graefe, Haring und Jentsch am 7. April 1964 am Seeburger See. Das Datum ist typisch, alle artdiagnostischen Merkmale wurden erkannt, auch die Beschreibung des Gesangs passte. Am 29. September 1976 geriet ein Männchen aus drei Metern Entfernung ebenda in den Blick (G. Brunken in Brunken 1978).

Kleines Sumpfhuhn - VVogeley
Abb. 11: Kleines Sumpfhuhn in der Kiesgrube Ballertasche. Foto: W. Vogeley

Darüber hinaus liegen von 1976 bis 1989 fünf weitere Wahrnehmungen vor, über die bei den Vorarbeiten für die Kommentierte Artenliste (Dörrie 2010) nichts Genaueres in Erfahrung zu bringen war. Sie waren vermutlich überwiegend akustischer Natur (wobei Verwechslungen mit dem damals wenig bekannten Paarfindungsruf von Wasserrallen nicht auszuschließen waren) und wurden auch nicht bei den entsprechenden Kommissionen gemeldet. Später gab es keine Meldungen mehr, was vielleicht auch mit der Veröffentlichung der wegweisenden Arbeit über die kleinen Rallen von P. Becker im Jahr 1990 (Limicola 4: 93-144) zusammen hängen könnte…
Wie unterschiedlich Vogelbestände sich entwickeln können, zeigt das Blässhuhn: Während in der Kiesgrube Ballertasche sieben Bruten ein Rekordjahr anzeigten, sah es am Göttinger Kiessee anders aus: Bis dato gibt es nur zwei Paare mit Schlupferfolg, ein weiteres brütet noch. Grund für den Bestandseinbruch könnte Nahrungsmangel sein (vgl. Höckerschwan).

Ein über 45 Minuten umher fliegender Austernfischer verlieh am 2. März dem Seeburger See maritimes Flair, ein weiterer Vogel überquerte am 6. April die Feldmark an der Ahlsburg (Sollingvorland) nach Westen.

In der ersten Märzdekade rasteten insgesamt sieben Goldregenpfeifer, fünf im Leinepolder und zwei in der Feldmark Gö.-Geismar.
Bis zu 3000 heimziehende Kiebitze bevölkerten Anfang März den Leinepolder. Im scharfen Kontrast dazu dümpelt der regionale Brutbestand unter desaströsen Bedingungen auf niedrigstem Niveau. Im Leinepolder hatten mindestens drei Paare Schlupferfolg. Am 3. Mai wurden Weißstörche bei der erfolgreichen Jagd auf die Küken beobachtet. Am 19. Mai zeigten Eierschalen auf dem Deich, dass (vermutlich) auch Rabenkrähen den Nachwuchs dezimierten. Soll man die Storchenfreunde, die die (streng geschützten) Vögel mit einer Unmenge Nisthilfen angelockt haben, jetzt ersuchen, für ihre Lieblinge eine publikumswirksame Ablenkungsfütterung mit vergasten Eintagsküken einzurichten - zum Schutz der Wiesenbrüter?
An der Geschiebesperre schritten drei brutwillige Paare letztlich nicht zur Tat. Im Seeanger wurde eine Brut rasch wieder aufgegeben.
Ähnlich trostlos ist es um den Brutbestand des Flussregenpfeifers bestellt: Zwei Brutpaare (von drei anwesenden) hatten in der vom Freizeitrummel verschonten Kiesgrube Ballertasche Schlupferfolg, drei Jungvögel waren Anfang Juni flügge, während ein weiterer Ende des Monats noch darauf warten musste. Das war’s auch schon. An der Geschiebesperre waren zur Brutzeit beständig ein bis zwei Paare vertreten. Flügge Jungvögel vom 18. und 29. Juni sind dort aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erbrütet worden. Am Northeimer Freizeitsee waren geeignete Habitate schnell zerstört bzw. durch die Freizeitnutzung komplett entwertet. An der verrummelten Kiesgrube Reinshof ist es wohl wiederholt zu Bruten bzw. Brutversuchen gekommen, Jungvögel gerieten, kaum verwunderlich, nicht in den Blick. Ein Paar trippelte und balzte ab Ende April bis weit in den Juni auf den Schlammflächen an der Alten Rosdorfer Tongrube, kam aber offenbar auch hier nicht zur Sache. Flügge Jungvögel, die Anfang Juli gesehen wurden, dürften anderswo erbrütet worden sein.
Zwischen dem 9. März und dem 30. Mai traten an den Feuchtgebieten der Region insgesamt zwölf Sandregenpfeifer in Erscheinung, nirgendwo mehr als zwei zusammen. Diese Art wird neuerdings bei ornitho.de als regional selten eingestuft und entsprechend rot markiert. Tja, wenn der Algorithmus das fordert…

Sandregenpfeifer - VVogeley
Abb. 12: Sandregenpfeifer an der Geschiebesperre. Foto: V. Vogeley

Dies betrifft auch, mit etwas mehr Berechtigung, den Regenbrachvogel, von dem insgesamt neun Ind. gemeldet wurden. Den Löwenanteil stellten fünf Ind., die am 4. April stumm über den Göttinger Kiessee zogen.
Ein Großer Brachvogel hielt sich bis in den Juni über Wochen im Leinepolder auf, am 5. Mai auch mit einem Artgenossen. Ob ein Ind., das vom 13. bis 19. April mehrfach am Seeburger See und Seeanger notiert wurde, immer dasselbe war, muss offen bleiben. Am 1. Mai erklärte ein Ind. am Seeanger die Heimzugperiode im Landkreis Göttingen für beendet und eröffnete am 30. Juni am Seeburger See den Wegzug.

In der Gesamtzahl von 27 (!) Uferschnepfen, die vom 17. März bis zum 12. Mai gemeldet wurden, verbergen sich bis zu drei Dauergäste, die vom 20. April bis zum 4. Mai den Seeanger zierten und entsprechend oft auf die Tageslisten gerieten. Die wirkliche Zahl dürfte bei ca. 15 Ind. (darunter zwei am nächtlichen Flugruf bestimmte) gelegen haben, was immer noch sehr bemerkenswert ist.
Von der Waldschnepfe lagen aus dem Solling Hinweise auf drei Reviere vor. Eins bestand an einer Windwurffläche am Kirchberg. (Nicht nur) für die Waldschnepfe sind vermeintliche Katastrophen wie „Friederike“ ein wahrer Segen, denn sie schaffen Offenflächen und Schneisen, auf welche die Art bei Balz und Brut angewiesen ist. Die „naturnahe“ Waldwirtschaft, die zur Verdunkelung des Baumbestands beiträgt, hat in Süd-Niedersachsen sicher zum Rückgang der Art beigetragen. Auch das emsige Treiben des Borkenkäfers ist unter diesem Aspekt als durchaus positiv einzustufen. Zusammen mit Stürmen und Orkanen tragen die kleinen Krabbler entscheidend zur Habitatverbesserung für Lichtwaldarten bei. Im Kaufunger Wald waren erneut drei Reviere besetzt. Darüber hinaus wurden neun Heimzügler gemeldet, darunter am 8. März leider ein Totfund in der Göttinger Weststadt (Anflugopfer).
An der Geschiebesperre ließen sich im April mehrfach bis zu zwei Zwergschnepfen bestaunen, die, ohne jede Tarnung, heftig pumpend ihren Geschäften nachgingen. Darüber hinaus existieren zwei Beobachtungen von Einzelvögeln am Seeanger und eine von den ehemaligen Tongruben Siekgraben.
Das magere Heimzugmaximum der Bekassine wurde an der Geschiebesperre mit 26 Ind. am 30. März erreicht. Am Seeanger konnte am 27. und 28. April ein Vogel bei der Bodenbalz ausgemacht werden. Am 19. Mai lieferten im Leinepolder mindestens drei balzende Vögel (einmal Luftbalz, zweimal Bodenbalz) Hinweise auf das Fortbestehen der kleinen Brutpopulation.

Am 12. Mai überraschte ein singender Flussuferläufer an der Leine bei Bovenden den Beobachter. Wenig später war der Vogel, nicht überraschend, wieder weg. Das Maximum lieferten je zehn Ind. am 3. und 5. Mai am Northeimer Freizeitsee.
Die Maxima der Wasserläufer gestalteten sich divers. Acht Dunkle Wasserläufer bevölkerten am 20. April den Seeanger. 15 Rotschenkel am 19. April ebenda sind aus regionaler Sicht eine ganze Menge. Mit 17 Grünschenkeln am 28. April lag die Geschiebesperre gegenüber dem Seeanger (nur zehn Ind.) vorn, während der Seeanger mit 18 Waldwasserläufern am 6. April unangefochten in Führung ging. Beim Bruchwasserläufer nahm der Leinepolder am 17. Mai mit 120 Ind. die einsame Spitzenposition ein.

Bruchwasserläufer - VHesse
Abb. 13: Bruchwasserläufer auf dem Badesteg am Seeburger See. Foto: V. Hesse

Der Kampfläufer erreichte am 20. April im Seeanger mit 97 Ind. eine aus lokaler Sicht bemerkenswerte Höchstzahl.
Ein Sumpfläufer bekräftigte am 11. Mai seinen Status als neuerdings (beinahe) jährlicher Heimzuggast in diesem Gebiet.
Einzelne Zwergstrandläufer machten sich am 7. und 11. Mai sowie am 14. Mai an der Geschiebesperre bemerkbar.
Temminckstrandläufer ließen sich im Zeitraum vom 27. April bis 18. Mai blicken (28 Beobachtungen, Mehrfachmeldungen eingeschlossen). Maximal vier Ind. gab es am 11. und 17. Mai im Seeanger, immerhin drei Ind. am 17. Mai an der Kiesgrube Reinshof. An der Geschiebesperre Hollenstedt war er nur mit maximal zwei Ind. vertreten. Aus lokaler Sicht bemerkenswert ist ein Vogel am 8. Mai auf den Schlammflächen an der Alten Rosdorfer Tongrube (Kleingewässer mit vielen Störungen).
Alpenstrandläufer machten sich mit jeweils ein bis zwei Ind. an den diversen Feuchtgebieten eher rar, mit einer Ausnahme: Am 11. Mai rannten zehn Ind. im Seeanger umher.

50 Zwergmöwen (darunter zwei bis drei im 3. Kalenderjahr sowie drei vorjährige Vögel) am 20. April hatten am Abend den Seeburger See wieder verlassen. Zwei Tage später traten neun Ind. ebenda in Erscheinung. Ansonsten dominierten Einzelvögel, die am Freizeitsee, an den Northeimer Kiesteichen und an der Geschiebesperre gesehen wurden.
Brutnachweise der Lachmöwe: Fehlanzeige. Bleibt nur noch, sich an drei osteuropäischen Gästen zu erfreuen: Am 15 März geriet am Seeburger See ein Altvogel ins Visier (weißer Farbring TTRU), der am 12. Juni 2015 in Polen beringt worden war. Ein Artgenosse vom 27. April (gelber Farbring U 769) ebenda stammte aus der Ukraine, wo er am 9. Juni 2018 seine Markierung erhalten hatte. Er befand sich in Gesellschaft eines tschechischen Vogels, dessen Ringkombination nicht komplett entziffert werden konnte.

Lachmöwe - MSiebner
Abb. 14: Gast aus der Ukraine am Seeburger See. Foto: M. Siebner

Schwarzkopfmöwen erhöhten die Biodiversität am 29. März am Seeburger See, am 31. März im Leinepolder (drei ad. Ind.), am 4. und 13. April wiederum am Seeburger See (ein bzw. zwei ad. Ind.), am 28. April an den Northeimer Kiesteichen (ad. Ind.) sowie am 11. und 12. Mai am Freizeitsee (K2).
Die alte Silbermöwe vom Seeburger See, als Dauergast aus dem Vorbericht bekannt, hielt es bis zum 3. März dort aus.
Mittelmeermöwen waren etwas häufiger zu sehen als sonst: Am 9. März am Seeburger See (K3) und im Leinepolder (K2), am 6. Mai an der Geschiebesperre (immat.), am 22. Mai am Seeburger See (ein ad., ein K3), am 31. Mai an der Geschiebesperre (zwei ad., ein K3.) sowie am 3. Juni ebenda (K2). Den Schlusspunkt setzte ein dreister Jungvogel, der am 22. Juni im Leinepolder den Weißstörchen die Beute abjagte.

Mittelmeermöwe - MSiebner
Abb. 14: Mittelmeermöwe im 3. Kalenderjahr am Seeburger See. Kommentare erwünscht! Foto: M. Siebner

Steppenmöwen sind so häufig geworden, dass ihr Auftreten hier nur summarisch mitgeteilt werden kann. Insgesamt liegen beachtliche 64 Beobachtungen vor. Das Maximum stammt mit sieben Vögeln (fünf ad., ein K4, ein K2) vom 18. Mai an der Geschiebesperre. Zwei Altvögel weilten im Mai für Wochen an der Geschiebesperre und am Freizeitsee. In Nordhessen und in Niedersachsen nördlich der Mittelgebirgsschwelle gibt es erste Bruten. Wer weiß…
Dagegen sah die Heringsmöwe - obwohl in diesem Frühjahr recht gut vertreten – vergleichsweise blass aus: Ein Altvogel zog am 5. April über den Freizeitsee, zwei (ein ad., ein K3) legten am Seeburger See eine kurze Rast ein, je ein K3-Vogel hielt sich am 28. April und am 2. Mai an der Geschiebesperre auf, ein Altvogel am 10. Mai am Freizeitsee.

26 Trauerseeschwalben bildeten am 24. April an den Northeimer Kiesteichen die maximale Tagessumme.
Zwei Brandseeschwalben retteten am 11. Mai am Freizeitsee die Ehre der seltenen Seeschwalben, die in diesem Frühjahr durch Abwesenheit glänzten.
Flussseeschwalben entzückten durch ihre Flugkünste am 30. April am Seeburger See, am 15. Mai am Freizeitsee sowie am 23. Mai, am 15. Juni zu dritt und am 18. Juni (als „immatur“ bestimmt) im erstgenannten Gebiet.
Drei Küstenseeschwalben vom 27. April am Seeburger See beschließen den Reigen.

Am Göttinger Kiessee machte sich im April (wieder) eine Hohltaube bemerkbar. Sie balzte permanent die ortsansässigen Ringeltauben an. Die Annahme einer Mischbrut wäre gleichermaßen spekulativ wie unwahrscheinlich, zumal die Nervensäge später nicht mehr in Erscheinung trat. Vielleicht klappt es ja im kommenden Frühjahr mit einem Artgenossen.

Hohltaube - MSiebner
Abb. 15: Aufdringliche Hohltaube am Göttinger Kiessee. Foto: M. Siebner

Zwischen dem 3. Mai und dem 12. Juni konnten acht Turteltauben ausgemacht werden. Der dörfliche Balzplatz in Sievershausen (Sollingvorland) war wieder besetzt, allerdings wohl nur für kurze Zeit, denn der Vogel geriet nur am 25. Mai in den Blick. Spannend ist die Frage, ob sich die neu entstandenen Windwurfflächen positiv auf das Ansiedlungsverhalten auswirken.
Das Vorkommen der Schleiereule am Leinepolder konnte am 17. März bestätigt werden. Am 29. Juni fauchte ein Vogel nahe einer Scheune am Ortsrand von Reinhausen. Erfreulich und traurig zugleich ist die Meldung von drei Jungeulen, die, teils noch im Dunenkleid, am 22. Juni auf der Straße vor der Kirche in Esplingerode lagen. Eine war bereits tot, die beiden anderen völlig entkräftet. Sie kamen in die neue Pflegestation in Hilkerode. Offen bleibt, wie sie dort hingekommen sind. Ein kollektiver Absturz aus einem Nistkasten in der Kirche ist wohl kaum anzunehmen: Wie auch immer: Das ist seit langem der erste Nachweis einer erfolgreichen Brut. In seiner Bedeutung sollte er nicht überschätzt werden, weil die Schleiereule zu den Vogelarten zählt, über deren Brutverbreitung nur wenig bis nichts bekannt ist. Die insgesamt eher milden und schneearmen Winter der letzten Jahre sollten sich eigentlich positiv auf die Population ausgewirkt haben. Sätze mit „eigentlich“ sind aber immer so eine Sache…
Deutlich besser kamen die Waldohreulen zurecht. Am südlichen Göttinger Stadtrand konnten zwei bis drei Paare Schlupferfolg vorweisen, und zwar auf dem Friedhof Geismar (vier Junge, davon leider zwei durch Prädatoren getötet), nahe der Kleingartenkolonie „Lange Bünde“ (vier Junge) und an der Drachenwiese (zwei, möglicherweise identisch mit den Vögeln in Treuenhagen). Auch das traditionelle Paar am Kiessee war mit mindestens zwei Jungen erfolgreich. Am 9. Juni zeigte ein bettelnder Jungvogel bei Herberhausen eine weitere Göttinger Brut an. Am Ortsrand von Rosdorf geriet eine fiepende Jungeule zu Gehör. Weitere Brutnachweise lagen im Juni aus Waake (drei Kleine), Diemarden (vier), von einem Feldgehölz bei Tiftlingerode (mind. zwei), vom Ortsrand Bodensee (mindestens ein Jungvogel) und vom Ortsrand Rüdershausen (zwei) vor.
In einer Feldholzinsel bei Hoppensen (Sollingvorland) wurde am 14. April ein besetztes Nest ausgemacht. An einer Windwurffläche im Reinhäuser Wald bereitete am 19. März ein Paar mit Duettgesang und ausgiebigem Schnabelknappen offenbar eine Brut vor. Auch am Leinepolder hielten sich Anfang März zwei verpaarte Vögel auf. Darüber hinaus wurden Rufer aus Gö.-Nikolausberg, vom Kerstlingeröder Feld und südlich davon sowie aus Eberhausen und Mollenfelde gemeldet.

Waldohreule - MSiebner
Abb. 16: Junge Waldohreule auf dem Friedhof Geismar. Foto: M. Siebner

Das bekannte Göttinger Brutpaar des Waldkauz’, das im vergangenen Jahr ohne Nachwuchs geblieben war, brachte heuer drei Jungvögel hoch. Leider wurde die Vegetation um den Aufenthaltsort der Vögel von Beobachtern und Fotografen stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Empörung der Gartenpfleger war nur zu verständlich. Für das Meldeverhalten bei ornitho.de muss das Konsequenzen haben.

Bienenfresser traten als überfliegende Heimzieher in Erscheinung, und zwar am kalten 4. Mai über dem Seeanger (in unbekannter Zahl vom Birdrace-Team der „Schweißstörche“ gehört), am 12. Mai gleich 13 Ind. bei Rosdorf, am 18. Mai über der Feldmark Gö.-Geismar (mindestens einer) sowie am 29. Mai über Ebergötzen (Einzelvogel).und am 3. Juni wiederum über dem Seeanger (Einzelvogel).

Wiedehopfe legten auf ihrem Rückweg in die ostdeutschen Katastrophengebiete (wo sie im Bestand erfreulich zugenommen haben) eine Rast ein: Am 13. April in der Feldmark Gö.-Geismar, am 17. April nahe der B 27 bei Ebergötzen und am 21. April am Ortsrand von Gö.-Nikolausberg.

Auf dem Kerstlingeröder Feld bei Göttingen fanden sich, sehr erfreulich, zwei Paare des Wendehals’ ein, von denen eins erfolgreich gebrütet hat. Mehr dazu demnächst in einem Bericht über die erste Komplettkartierung dieses Gebiets durch B. Bartsch und M. Georg seit 2001 auf dieser Homepage. Im Gartetal westlich von Diemarden konnte, wie in manchen Vorjahren, im April mehrfach Duettgesang gehört werden. Längere Präsenz zeigten auch Vögel an den Northeimer Kiesteichen und am Freizeitsee, ohne dass sich ein konkreter Brutverdacht ableiten ließ. Singende Vögel am 16. April in der Göttinger Weststadt, am 20. April an den ehemaligen Tongruben Siekgraben, am 25. April bei Reiffenhausen, am 27. April an der Kiesgrube Angerstein, am 28. April an der Kiesgrube Reinshof (stumm), am 7. Mai in Waake und Hann. Münden sowie am 19. Mai im Leinepolder waren mit großer Wahrscheinlichkeit Heimzieher.
Auf einer von Buchen dominierten Kontrollfläche des Monitorings häufiger Brutvogelarten (MhB) östlich von Groß Schneen konnte zum ersten Mal eine Revierbesetzung des Mittelspechts notiert werden. Auch im Eichenwäldchen am Wendebachstau bei Reinhausen und in der Billingshäuser Schlucht bei Gö.-Nikolausberg scheint er sich angesiedelt zu haben. Allerdings liegt der Wüste Berg, ein traditioneller Brutplatz, nur ein paar Hundert Meter vom Wendebachstau entfernt. Auf dem Kerstlingeröder Feld, wo er vordem eine Seltenheit war, wurde er mehrfach gesichtet. In der Kiesgrube Ballertasche führte am 23. Juni ein Alt- einen Jungvogel. Die Brut fand vermutlich in einem angrenzenden Waldgebiet statt.

Mittelspecht - VHesse
Abb. 17: Mittelspecht im Göttinger Ostviertel (Januar 2019) Foto: V. Hesse

Vergleichweise viele Pirole gerieten in den Blick bzw. zu Gehör. Am 4. Mai wärmte ein Sänger am Wendebachstau bei Reinhausen (ehemaliger Brutplatz, seit ca. 30 Jahren verwaist) das Birdrace-Team der „Sozialbrachvögel“. Am 5. Mai rief einer kurz in einem Hausgarten in Ebergötzen. Am 14. und 28. Mai machte sich ein Artgenosse auf dem Kerstlingeröder Feld bemerkbar. Wenn es derselbe war, wäre die lange Verweildauer sehr bemerkenswert. Am 17. Mai flötete ein Männchen am Leinepolder und am 28. Mai am Pferdeberg bei Tiftlingerode.

Zum Brutbestand des Neuntöters auf dem Kerstlingeröder Feld kann man demnächst etwas auf dieser Homepage lesen. Im NSG „Hellental“ (Solling) wurden am 24. Mai mindestens sechs Männchen und fünf Weibchen gezählt, im Rahmkebachtal bei Breitenberg am 9. Juni acht Männchen und fünf Weibchen.
Das Winterrevier des Raubwürgers südöstlich von Duderstadt war am 25. März geräumt. Auf dem Kerstlingeröder Feld tauchte ein Vogel am 7. April auf, vermutlich auf dem Heimzug. Die starke Zunahme von Störungen durch Erholungssuchende macht dieses schöne Gebiet für den Raubwürger zunehmend unwirtlich. Märzvögel, die, aus dem Winterbericht bekannt, zweimal nahe der Wüstung Thudinghausen (Bramwaldrand) und im Kaufunger Wald gesehen wurden, waren später verschwunden. Dies betrifft auch ein Ind. vom 1. und 10. April an einer Windwurffläche im Solling. Sehr verdienstvolle Kontrollen von zwei Windwurfflächen im Nörtener Wald nordöstlich von Reyershausen (bemerkenswerte 95 Hektar groß!) sowie im Northeimer Wald östlich von Langenholtensen durch M. Georg erbrachten im März leider keine Sichtung. Interessant und aus diesem Rahmen fallend ist eine späte Beobachtung vom 13. Mai im Schedetal bei Bühren.

Am 8. April rastete, als große Rarität, eine Nebelkrähe in der Feldmark Gö.-Geismar. Ein Hybrid Raben- x Nebelkrähe konnte anhand der Gefiedermerkmale ausgeschlossen werden. Solche Vögel treten häufiger in der Region auf. Bisweilen werden auch fehlgefärbte Rabenkrähen mit so genannten „Hungerstreifen“ als Hybriden gemeldet, was die Sache nicht einfacher macht.

Nebelkrähe - MSiebner
Abb. 18: Nebelkrähe in der Feldmark Geismar Foto: M. Siebner

Das Göttinger Kolkraben-Paar brachte heuer drei Junge zum Ausfliegen.

Die Heidelerche ist die einzige Vogelart auf der deutschen Liste, deren Gattungsnamen man auch in volltrunkenem Zustand korrekt aussprechen kann. Hat das irgendetwas mit der Analyse von Heimzugdaten zu tun? Natürlich nicht, deshalb schnell zurück zur seriösen Avifaunistik. Insgesamt rasteten oder zogen in der Region in der ersten Märzdekade nur fünf Individuen, wohl so wenige wie noch nie. Die Gründe dafür dürften in den Witterungsbedingungen zur Hauptdurchzugszeit zu suchen sein, welche die Erfassung erschwerten.

An den Steilwänden der Rhume im Bereich der Northeimer Kiesteiche gruben am 25. April ca. 40 Uferschwalben ihre Bruthöhlen. Eine Kontrolle am 15. Juni ergab einen Bestand, der vermutlich nur im einstelligen Bereich lag. Am 18. Mai flogen ca. 50 Ind. am Freizeitsee die Brutwand von 2017 an. Später wurden 13 beflogene Röhren gezählt. An der Sandgrube Meensen existierten im Mai und Juni bis zu 15 beflogene Nester. 800 Ind. ballten sich am kalten 4. Mai am Seeburger See, aus regionaler Sicht eine sehr hohe Zahl. Im Leinepolder und an den Northeimer Kiesteichen wurden an diesem Tag je 400 Ind. gezählt. Ihnen dürfte es ähnlich ergangen sein wie den 7500 Rauchschwalben am Seeburger See, von denen Hunderte teils völlig apathisch auf Bäumen, im Schilf und auf dem Badesteg saßen und sich ungewohnt „zutraulich“ verhielten. Angaben zu geschwächten Vögeln liegen auch vom 12. Mai aus der Leineniederung zwischen Bovenden und Angerstein vor, als etliche der 500 Vögel schlapp auf den Äckern saßen. Am 5. Mai konnte bei Ebergötzen Umkehrzug von ca. 40 Ind. nach Nordwest beobachtet werden. Über Verluste kann man nur spekulieren, sie könnten aber beträchtlich gewesen sein. Leider (oder bezeichnenderweise?) finden sich unter den ornitho.de-Daten auch bundesweit nur wenige Anmerkungen zu solchen Kalamitäten.

Rauchschwalbe - MSiebner
Abb. 19: Geschwächte Rauchschwalbe am Göttinger Kiessee. Foto: M. Siebner

Am 3. April, also ungewöhnlich früh, wurde an der Kiesgrube Angerstein eine Rötelschwalbe entdeckt. Einen Tag später flog sie (oder ein zweiter Vogel?) am Göttinger Kiessee und Umgebung umher. Sie blieb dort wetterbedingt bis zum 6. April und wurde von vielen angereisten Vogeltouristen bestaunt und fotografiert. Mehr dazu in einem Spezialporträt von O. Henning auf dieser Homepage vom 3. Mai.

Die aus dem Vorbericht bekannten bis zu fünf Bartmeisen wurden im Seeanger letztmalig am 5. April notiert.

Eine Schwanzmeise der nordöstlichen Nominatform, die allein unterwegs war, konnte am 11. März in Gö.-Nikolausberg fotografisch dokumentiert werden.

Feldschwirle erreichten mit fünf Sängern im Leinepolder ihr Maximum. Der Nachweis eines Vogels am 5. Mai auf einer Windwurffläche im Solling könnte einen Heimzügler betroffen haben; gleichwohl verdanken wir „Friederike“ die Schaffung neuer Lebensräume auch für diese selten gewordene Art, die aus der Normallandschaft praktisch verschwunden ist.
Im Zeitraum 5. Mai bis 10. Juni betörten sechs Schlagschwirle die Beobachter, und zwar in der Kiesgrube Ballertasche (wohl nur Durchzügler), in der Rhumeaue bei Lindau und Bilshausen, in der Gillersheimer Bachaue, südöstlich von Landolfshausen und im Gartetal westlich von Diemarden (am 1. Juni nicht mehr aufzufinden).
Wie in den Vorjahren hielt der Rohrschwirl im Leinepolder zwei Reviere besetzt. Am Seeburger See war ein Sänger bis in den Juni zugange, sodass auch hier von einer Revierbesetzung auszugehen war. Recht bemerkenswert waren Heimzug-Beobachtungen abseits der beiden Hotspots: Am 27. April (typisches Datum) sang einer in der Rhumeaue bei Bilshausen, am 8. Mai in der Rhumeaue bei Katlenburg Lindau sowie am 20. April und am 23. Mai im Seeanger. In der Rhumeaue sind ausgedehnte Röhrichtbestände aufgewachsen, die vielleicht ein zukünftiges Brüten ermöglichen. Das Schilf im Seeanger ist nach dem Viehverbiss im letzten Sommer immer noch etwas ramponiert.

Vom Schilfrohrsänger liegen keine Hinweise auf brutverdächtiges Verhalten vor. Im Leinepolder gelangten singende Männchen am 28. April am „Rattenberg“ zu Gehör sowie am 7. und am 19. Mai in verschiedenen Ecken des weitläufigen Gebiets. Deshalb war von kurzzeitig rastenden Heimzüglern auszugehen.
Im Seeanger hielt sich ein Männchen recht lange vom 26. April bis zum 22. Mai auf, war aber danach, weil offenbar unverpaart, verschwunden. Am 4. und 6. Juni war einer am Seeburger See zu hören, vermutlich ein später Heimzügler. Darüber hinaus liegen ca. sieben Heimzugbeobachtungen vor, darunter drei am 5. Mai am Northeimer Freizeitsee und bis zu zwei an mehreren Tagen am Göttinger Kiessee.

Schilfrohrsänger - MSiebner
Abb. 20: Schilfrohrsänger am Göttinger Kiessee. Foto: M. Siebner

Sumpfrohrsänger erreichten am 31. Mai im Leinepolder mit elf Ind., darunter vermutlich noch Heimzügler, ihr Maximum. Ein kleiner Lichtblick sind fünf Sänger, die an der „renaturierten“ Leine in Göttingen zwischen der Otto-Frey-Brücke und der Godehardstraße ein Habitat nutzen können, das sich für sie optimal entwickelt. Das ist umso erfreulicher, weil sich auch diese Art zunehmend aus der agrarindustriell geprägten Normallandschaft verabschiedet.
Vom Drosselrohrsänger, dem Kraft- und Krächzprotz seiner Gattung, existieren bemerkenswerte 51 Beobachtungen. In dieser Zahl sind, neben den mittlerweile üblichen Heimzüglern am Freizeitsee, am Göttinger Kiessee und an der Kiesgrube Reinshof , bis zu drei (eventuell sogar vier) Sänger im Leinepolder Ende Mai (am 15. Juni noch einer aktiv) enthalten, desgleichen bis zu drei am Seeburger See (am 10. Juni immer noch zwei) und ebenfalls bis zu drei an der kleinen Kiesgrube Angerstein (am 18. Juni immer noch zwei, davon einer nur noch verhalten singend). An der Kiesgrube Ballertasche hielt sich vom 5. Mai bis 1. Juni wiederum ein Sänger lange auf. Bemerkenswert ist auch die lange Verweildauer am Seeanger („Pfuhl“ im Ostteil) vom 16. bis 26. Juni. Am letzten Datum waren sogar zwei Vögel anwesend. Aktivitäten wie Nestbau, Kopulationen u.ä., die einen sicheren Brutverdacht hätten befeuern können, wurden nicht registriert. Egal: Für den Drosselrohrsänger ist 2019 ein Rekordjahr.

Über das Verschwinden des Gelbspötters aus dem Göttinger Stadtgebiet wird auf dieser Homepage bald ein kleiner Bericht erscheinen.

Von der Ringdrossel lagen vom 4. April bis zum 8. Mai 24 Meldungen von 31 Ind. vor. Bemerkenswert sind allein sieben Mainachweise, die sich mit den ungünstigen Witterungsbedingungen erklären lassen. Zudem herrschte in Südwesteuropa und Süddeutschland ein gewaltiger Zugstau, der sich nur langsam auflöste und zum verspäteten Eintreffen von Zugvögeln führte.
Am 2. März ließen sich in Gö.-Weende noch 100 Rotdrosseln zählen. Die Wintergäste zogen schnell ab. Eine dreistellige Heimzugzahl konnte mit 150 Ind. nur am 31. März an der Geschiebesperre notiert werden.

Für den Trauerschnäpper ist 2019 mit 48 Beobachtungen (Doppelmeldungen inbegriffen) ein vergleichsweise gutes Jahr, wohlgemerkt aus regionaler Sicht. Neben der frühen Erstbeobachtung am 6. April am Göttinger Kiessee sind Beobachtungen singender Männchen mit langer Verweildauer von der Lengderburg bei Klein Lengden und nordöstlich von Duderstadt (bis zu zwei) hervorzuheben. Im Wildtiergehege im Göttinger Stadtwald sang am 4. April sowie am 8. und 12. Mai ein Männchen, desgleichen Anfang Juni im Plessforst nahe der Burgruine für mehrere Tage. Bruthinweise gab es aber nicht.

Das Maximum heimziehender Braunkehlchen stammt mit 27 Ind. vom 7. Mai aus dem Leinepolder. Hier signalisierte ein Paar am 15. Juni, dass die lokale Brutpopulation wohl noch fortbesteht.

Braunkehlchen - JBondick
Abb. 21: Braunkehlchen auf dem Durchzug bei Mollenfelde. Foto: J. Bondick

Vom Schwarzkehlchen gibt es wenig Neues zu berichten, die meisten der aus den Vorjahren bekannten Brutplätze waren wieder besetzt. Brutnachweise mit flüggen Jungvögeln waren eher rar. Sie stammten aus dem Leinepolder, aus der Rhumeaue bei Katlenburg-Lindau, vom Seeanger und aus der Hahleaue bei Mingerode. Interessant sind Beobachtungen nach dem Ende der Heimzugphase: An einer Pferdekoppel am 28. Mai nordöstlich von Diemarden (Männchen) sowie ein Paar am 21. Juni in der Leineaue nördlich von Friedland.

Der, nach Anerkennung durch die AKNB, zweite Sprosser der Region (Erstnachweis für den Landkreis Göttingen durch M. Göpfert) konnte am 1. Juni am Seeanger akustisch bestimmt und mit Tonaufnahmen belegt werden. Die Qualität seines Gesangs ließ zu wünschen übrig

Auch vom Blaukehlchen nichts Neues. Der Leinepolder wurde von bis zu acht revieranzeigenden Männchen bevölkert. Der einzige Brutnachweis mit flüggem Nachwuchs kommt vom Seeanger.

Der aus dem Herbst 2018 bekannte männliche Hybrid Haus- x Gartenrotschwanz machte sich ab dem 9. April wieder in seinem Domizil an der Göttinger Norduni bemerkbar. Danach blieb er ständig unter der Kontrolle der lokalen Vogelkundler (Beringung inklusive). Seine Verpaarung mit einem Hausrotschwanz-Weibchen verlief erfolgreich, vier Jungvögel wurden flügge. Eine Zweitbrut ist in Arbeit.

Hybridrotschwanz - MGöpfert
Abb. 22: Sieht man ihm den Vater an? Flügger Jungvogel aus der Hybrid-Mischbrut. Foto: M. Göpfert

Eine positive Ausnahme vom allgemeinen Niedergang der Rastzahlen des Steinschmätzers bildeten 23 Ind. am 24. April in der Feldmark Gö.-Geismar („Jägerparadies“). Später konnten am 13. Mai am Diemardener Berg 14 Ind. und am 17. Mai an einer anderen Stelle 12 Ind. gezählt werden. Solche Zahlen waren früher nicht selten, auch und gerade im Süden Göttingens, wo offenkundig immer noch gute Rasthabitate zu finden sind.

Vom 19. April bis zum 9. Mai gerieten insgesamt acht Brachpieper vor die Optik; wenn man drei rastende und zwei ziehende Ind. vom 19. April auf dem Kerstlingeröder Feld addiert, waren es sogar zehn. Drei Rastvögel konnten am 9. Mai auch an den ehemaligen Tongruben Siekgraben dokumentiert werden, die übrigen stammen vom 23. April aus der Feldmark Gö.-Geismar und vom 8. Mai am Northeimer Freizeitsee.
Über das Auftreten des Baumpiepers auf dem Kerstlingeröder Feld kann man demnächst auf dieser Homepage mehr erfahren. Abseits seiner verbliebenen Hochburg trat er zur Brutzeit nur in einstelliger Zahl auf. Mindestens acht singende Männchen auf dem Hühnerfeld im Kaufunger Wald am 21. Juni sind bereits bemerkenswert.
Der Brutbestand des Wiesenpiepers an den Deichen des Leinepolders konnte in diesem Jahr nur unzureichend erfasst werden. Oder zeichnet sich hier ein Rückgang ab? Wesentlich positiver verlief die sehr verdienstvolle Zählung von Brutpaaren/Revieren in der Feldmark zwischen Bovenden und Angerstein durch M. Georg und O. Henning. Sie erbrachte sechs Paare, von denen etliche Bruterfolg hatten. Eine Zunahme gegenüber den letzten Zählungen 2000 und 2001, die jeweils zwei Reviere ergaben (vgl. die Jahresberichte auf der AGO-Homepage) ist fraglich, weil die 16 Kilometer lange damalige Zählstrecke im Leinetal zwischen Göttingen und Elvese hauptsächlich westlich der Leine verlief. In der Feldmark Rittmarshausen konnte das kleine Brutvorkommen bestätigt werden. Ansonsten: Fehlanzeige.
Der Heimzug machte sich besonders über dem Kerstlingeröder Feld bemerkbar, wo am 7. April 301 Ind. und am 19. April 225 Ind. überhin zogen. Am 16. April markierten 150 am Diemardener Berg durchziehende Ind. ebenfalls ein (heutzutage) passables Ergebnis. Die Rastzahlen bewegten sich dagegen durchweg im niedrigen ein- bis zweistelligen Bereich.
Vom Rotkehlpieper existiert nur ein Heimzugnachweis, und zwar vom 17. Mai über dem Diemardener Berg.
Vom Bergpieper gibt es aus dem Zeitraum vom 2. März bis zum 23. April 48 Beobachtungen von 83 Ind., darunter etliche Vögel mit längerer Verweildauer im Seeanger und an der Kiesgrube Ballertasche. Aus diesen Gebieten stammen auch die maximalen Tagessummen von bis zu acht Ind.

Bergpieper - VVogeley
Abb. 23: Bergpieper in der Kiesgrube Ballertasche. Foto: W. Vogeley

Am 23. April hielt sich eine weibliche Zitronenstelze an der Geschiebesperre in, laut Google Earth, genau 175 Metern Entfernung vom Beobachtungsturm („Fort Apache“) auf, konnte aber gleichwohl aussagekräftig mit Fotos dokumentiert werden.
Thunbergschafstelzen (maximal 16 Ind. am 17. Mai an den ehemaligen Tongruben Siekgraben) gerieten im Seeanger in Panik, als sie des Fahlen Pferds der Apokalypse ansichtig wurden. Es war aber nur ein friedlich grasendes Charolais-Rind. Wahre Endzeitstimmung kann dagegen bei sensiblen Gemütern aufkommen, wenn sie den Blick vom Seeanger nach Westen und (vor allem) Nordosten richten: Hier reiht sich mittlerweile ein monströses Windrad ans andere und aus dem Boden sprießt Mais für die Agroenergie. Und das ist erst der Anfang der profitablen „Rettung des Klimas“…
Dunkle Bachstelzen mit Merkmalen der westeuropäischen Unterart yarrellii (Trauerbachstelze) gerieten am 28. März und am 13. April am Seeburger See sowie, ungewöhnlich spät, am 2. Mai an der Geschiebesperre in den Blick. Weil Nachweise im tiefen Binnenland oft Hybriden der beiden Unterarten betreffen, ist die Bestimmung recht schwierig und kann nur anhand einer gründlichen Fotodokumentation erfolgen.

Vielleicht nicht ganz uninteressant ist, dass im Berichtszeitraum keine nordischen „Trompetergimpel“ mehr gemeldet wurden.
Mindestens acht Erlenzeisige, zum Teil mit Singflug, gerieten im Reinhäuser Wald am 11. April an zwei Stellen in den Blick. Spätere Beobachtungen existieren leider nicht.

Sehr bemerkenswert ist ein Minieinflug von Grauammern zum Sommerbeginn: Vom 23. bis 28. Juni sangen bis zu zwei Männchen auf dem Kerstlingeröder Feld. Ein Vogel zeigte mauserbedingte Gefiederschäden, war aber dadurch nicht beeinträchtigt. Es handelte sich nicht um Jungvögel. Ein stummer Artgenosse hielt sich am 26. Juni offenbar nur kurzzeitig am Seeanger auf. In den letzten Jahren haben Nachweise der Grauammer in unserer Region leicht zugenommen, vor allem auf dem Heimzug. Woher diese Vögel stammen, muss offen bleiben. Aus Westdeutschland sicher nicht, weil es dort kaum noch Grauammern gibt. Die Junidaten 2019 deuten darauf hin, dass die drei Gäste nach dem Abschluss der Erstbruten weiträumig umherstreiften. Als Brutvogel ist die Grauammer bei uns seit ca. 25 Jahren ausgestorben (Dörrie 2010, das in Krüger et al. (2014) aufgeführte Brutvorkommen im Leinepolder 2005 beruht auf einer unzutreffenden Bewertung länger präsenter, aber später wieder verschwundener Rastvögel). Der niedersächsische Rest-Brutbestand konzentriert sich laut Krüger et al. (2014) mit ca. 250 Paaren auf das Wendland und den Osten der Lüneburger Heide. Im Landkreis Helmstedt existiert um den stillgelegten Tagebau Schöningen nahe der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt eine kleine Population (im Niedersachsenatlas nicht enthalten). Aus dem benachbarten Thüringer Eichsfeldkreis gibt es laut ornitho.de in jüngerer Zeit nur wenige Brutzeitbeobachtungen (um die ein bis zwei pro Jahr). Allerdings siedeln anderswo in Thüringen und in Sachsen-Anhalt noch größere Populationen, die näher an Göttingen liegen als z.B. der kleine Helmstedter Brutbestand.

Grauammer - MSiebner
Abb. 24: Grauammer auf dem Kerstlingeröder Feld. Foto: M. Siebner

Fünf Ortolane machten sich bemerkbar, und zwar am 21. April am Northeimer Freizeitsee, am 29. und 30. April in der Feldmark Reinshof (am 30. April auch singend) sowie am 4. Mai bei Seeburg (zwei Ind.).

Damit schließt der Bericht, der im Wesentlichen auf 28.832 Einträgen in unserer Datenbank ornitho.de basiert. Der herzliche Dank des Verfassers geht an:

P.H. Barthel, B. Bartsch, J. Becker, K. Beelte, A. Bischoff, S. Böhner, J. Bondick, M. Borchardt, G. Brunken, J. Bryant, M. Deutsch, H. Dörrie, K. Dornieden, M. Drüner, M. Fichtler, M. Georg, R. Gerken, K. Gimpel, M. Göpfert, A. Görlich, E. Gottschalk, C. Grefen, C. Grüneberg, W. Haase, F. Hadacek, K. Hagenow, A. Hartmann, H. Hartung, E. Heiseke, F. Helms, O. Henning, D. Herbst, V. Hesse, S. Hillmer, U. Hinz, S. Hörandl, S. Hohnwald, M. Jenssen, A. Juch, K. Jünemann, U. Jürgens, R. Käthner, H.-A. Kerl, P. Kerwien, P. Keuschen, J. Kirchner, F. Kleemann, H. Kobialka, C. König, I. Lilienthal, V. Lipka, U. Maier, T. Meineke, H. Meyer, S. Minta, M. Mooij, V. Müller, F. Oertel, S. Paul, B. Preuschhof, J. Priesnitz, M. Püttmanns, S. Racky, D. Radde, B. Riedel, H. Rumpeltin, H. Schmidt, G. Schmitt, M. Schneider, M. Schulze, M. Schuldt, C. Siebner, M. Siebner, D. Singer, H. Stiebel, A. Stumpner, F. Vogeley, W. Vogeley, C. Weider, J. Weiß, M. Wimbauer, D. Wucherpfennig und viele andere (darunter auch die nur kurzzeitig präsenten Bewunderer der Rötelschwalbe).

Hans H. Dörrie

Literatur:

Brunken, G. (1978): Avifaunistischer Jahresbericht 1976 Seeburger See und Umgebung. Faun. Mitt. Süd-Niedersachsen 1: 15-41.

Dörrie, H.H. (2010): Anmerkungen zur Vogelwelt des Leinetals in Süd-Niedersachsen und einiger angrenzender Gebiete 1980-1998. Kommentierte Artenliste. 3., korrigierte Fassung im pdf-Format. Erhältlich beim Verfasser unter info@ornithologie-goettingen.de oder bei der Newsgroup avigoe.de

Gedeon, K. et al. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Stiftung Vogelmonitoring und Dachverband Deutscher Avifaunisten. Hohenstein-Ernstthal und Münster.

Hampel, F. (1965): Artenliste vom Seeburger See 1955-64 (unter knapper Berücksichtigung des Raumes um Göttingen). Unveröff. Typoskript, hektogr. Göttingen.

Krüger, T., J. Ludwig, S. Pfützke & H. Zang (2014): Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005-2008. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachsen, H. 47. Hannover.

Windwurffläche - MGeorg
Abb. 25: Hoffnung für Lichtwald- und Offenlandbrüter?
Windwurffläche bei Billingshausen. Foto: M. Georg

July 7th, 2019

Birdrace 2019 in GÖ: Ein Schauspiel der vielfältigen Fortbewegungsmittel

Birdrace Titel
Abb. 1: Unterwegs bei nassem und kaltem Wetter. Foto: A. Bischoff

Nach dem plötzlichen, unerwarteten Höhepunkt der Vielfalt mit neun Teams im Jahr 2018, waren die mehr- bis langjährig angestammten Teams und Teilnehmenden 2019 wieder mehr unter sich. Unerwartet vielfältig waren aber diesmal die Fortbewegungsmittel: Neben dem bewährten motorisierten Vierrad und dem muskelkraft-betriebenen Zweirad trat diesmal auch die elektrisierte Variante des Letztgenannten in Erscheinung. Mit unterschiedlichen technischen Gegebenheiten traten letztlich vier Teams - darunter ein soweit nicht näher bekanntes Team namens MILANOVIC – zu diesem alljährlich freudig-verrückten Ereignis am ersten Samstag im Mai im Landkreis Göttingen an, während der Nachbar-Landkreis Northeim diesmal nicht besucht wurde.
Regen, Graupel, Schnee und die zugehörige Kälte mit nur einigen kurzen sonnigen Phasen sorgten den ganzen Tag über für gemischte Gefühle bei den Teilnehmenden. Lange Unterhosen, Regenhosen und Handschuhe – wahlweise auch ein zweites, trockenes Paar – gehörten diesmal zur Standardausrüstung des gut vorbereiteten Birdracers. Vor allem am Nachmittag bescherte dann die mehr oder weniger aufgerissene Wolkendecke jedoch beeindruckende Wolkenformationen, großartige Farbkontraste und einen tollen Fernblick in die frisch gewaschene Landschaft. So sorgte das Wettergeschehen für vergleichsweise gute Birdrace-Bedingungen, das typische Mittagsloch mit geringer Vogelaktivität bei sommerlichen Temperaturen unter blauem Himmel blieb aus. Am Ende des Tages hatten die drei Birdrace-Teams aus dem Arbeitskreis Göttinger Ornithologen insgesamt 133 Vogelarten aufgespürt – nur eine weniger als 2016, als sich die drei (zumindest namentlich) selben Teams im Landkreis Göttingen dem harten Wettbewerb stellten. Gemeinsam mit den anonym gebliebenen Birdern von MILANOVIC waren es sogar spitzenmäßige 135 Arten – Sumpfrohrsänger und Weidenmeise waren nur diesem Team vergönnt. Nur 2018 entdeckten die neun Teams ebenfalls 135 Arten - wie natürlich auch beim seit 2013 unangetasteten Rekordbirdrace, wo ein Team alleine eine Liste von 135 Arten zustande brachte…
Es folgen exklusive Einblicke in die individuellen Birdrace-Erlebnisse der Teams, die vielleicht so manchen ermuntern mögen, am 2. Mai 2020 wieder in langer Tradition oder auch zum ersten Mal anzutreten…

Hier die Berichte von drei Birdrace-Teams aus dem Landkreis Göttingen:

Früher Kaltstart - späte Warmdusche (von B. Bartsch)
Wenngleich inzwischen in komplett neuer Besetzung, auf zwei elektrisierten statt vier motorisierten Rädern und mit neuer Strategie, so war selbstverständlich auch dieses Jahr wieder das Traditionsteam der “Göttinger Sozialbrachvögel” mit von der Partie. Dankenswerterweise erklärten sich die Brachvogelveteranen bereit, den Namen übernehmen zu dürfen, denn die unkreativen Alternativen wären “Trockenstörche”, “E-Bike-Atzen” oder “Claudia´s Fanclub” gewesen…
Zu dritt begab sich das Dreiergespann, bestehend aus B. Bartsch, A. Bischoff und M. Georg, am Freitagabend in den Reinhäuserwald, um dort die Nacht im Zelt zu verbringen. Ein stimmungsvoller, klarer Abendhimmel ließ auf einen guten Start hoffen. Als nach drei Stunden Schlaf um 02:10 Uhr Mercurys “Don´t stop me now” für die drei den Tag einläutete war sofort klar, dass dem nicht so werden würde. Regen und Kälte, zeitweise Schneeregen - bis 5 Uhr waren nur Begegnungen mit Säugetieren zu verbuchen. Ein Waldkauz machte dann endlich den Anfang; es blieb aber leider die einzige Eulenart im Wald. Bei den Singvögeln verlief es ebenfalls frustrierend. Wenige Vögel sangen und der Regen übertönte die meisten Geräusche, aber mit Haubenmeise und Fichtenkreuzschnabel ließen sich immerhin gute Birdrace-Arten mitnehmen. Die Stimmung war ähnlich nasskalt wie die Kleidung, als die drei mit viel Verspätung am Morgen den Wald verließen und sich in Richtung Göttingen aufmachten. Ein am Wendebachstausee singender Pirol ließ die Hoffnungen auf ein einigermaßen vorzeigbares Endergebnis dann schnell wieder ansteigen. Und nun lief es tatsächlich ziemlich gut: Einem Feldschwirl an der Garte folgten Schwarzkehlchen, Wanderfalke und Wiesenweihe am Diemardener Berg, alles in der Region durchaus seltene oder schwierige Arten! Die Kiesgrube Reinshof überraschte das Team daraufhin mit vier Löffelenten und dem Dynamo-Avigoe-Duo. Gemeinsam erfreute man sich an einem durchziehenden Wespenbussard - Anfang Mai alles andere als selbstverständlich. Im Stadtgebiet erfuhr dann die Stimmung zumindest eines Teammitglieds einen Dämpfer durch die Abwesenheit von Claudia, einer seit Monaten in der Südstadt anwesenden und sehr sympathisch-trägen Warzenente. Wenngleich das offizielle Birdrace-Regelwerk das Abhaken “sämtlicher frei fliegender Vogelarten, die sich außerhalb von Haltungen oder ähnlichen Anlagen aufhalten” vorsieht und daher das Zählen dieser Art grundsätzlich ermöglicht [Hierbei ließe sich wiederum streiten, da Claudia bislang nie mehr als wenige Meter fliegend beobachtet wurde - und zwar um schneller an vorgeworfenes Brot zu gelangen!], so hätten zumindest die Sozialbrachvögel sie sicher nicht in die Liste aufgenommen und sich lediglich ihrer Schönheit erfreut!
Es folgte eine Stippvisite am Kiessee, der mit Drosselrohrsänger und Gelbspötter wie so oft unerwartete Überraschungen parat hielt. Neben diesen sollte auch die Ringdrossel, die wenig später an der ehemaligen Tongrube Siekgraben vorbeiflog, den anderen Teams verwehrt bleiben. Andersrum waren die Sozialbrachvögel das einzige Team, welches einen rastenden Trauerschnäpper am Levinpark nicht wahrzunehmen vermochte. Die Wasseramsel klappte hier dagegen recht schnell und einen Waldlaubsänger gab es noch als Beifang.
Um den Eulenflop im Reinhäuserwald etwas wiedergutzumachen entschied man sich, nun einen Umweg über Geismar zu machen, wo drei kleine Waldohreulen ein weiteres Kreuzchen ermöglichten. Das Kerstlingeröder Feld konnte anschließend zumindest mit Baumpieper, Schwanzmeise, Grau- und Kleinspecht aufwarten. Ein geplanter längerer Aufenthalt war hier aus Zeitgründen leider nicht mehr umsetzbar, weshalb dem Team letztlich drei Spechtarten fehlten.

Sozialbrachvögel
Abb. 2: Zwei “Göttinger Sozialbrachvögel” am Seeburger See. Foto: A. Bischoff

Ohne große Umwege ging es dann zügig Richtung Seeanger, dessen Limikolen- und Singvogelgemeinschaft an diesem Tage eher von qualitativer als von quantitativer Natur war. Allemal nennenswert sind hier eine Uferschnepfe, ein heimlicher Temminckstrandläufer, eine späte Spießente sowie acht in den Lutteranger fliegende Silberreiher. Baumfalke, Rohrschwirl, Schwarzhalstaucher und Kormoran machten schließlich die letzten Kreuze am Seeburger See aus, der kaum Wasservögel aber dafür etliche Schwalben vorzuweisen hatte.
Insgesamt hielten viele der Brutvögel bei dem kalten Wetter den Schnabel und Tagzug fand quasi nicht statt bzw. war durch den warmen April bereits weitgehend abgeschlossen gewesen. Die Singvogelpalette wies letztlich zwar nur wenige Lücken auf (Erlenzeisig, Weidenmeise, Wiesenpieper), dafür fehlten am Ende einige der selteneren Brutvögel wie Waldschnepfe und Uhu. Mit 121 Arten fiel das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück, darf aber angesichts der Wetterverhältnisse als sehr zufriedenstellend eingestuft werden.
Nach einem letzten erfolglosen Versuch, die ein oder andere nachtaktive Vogelart nachzuweisen, erreichte das Team erst gegen 23 Uhr todmüde und mit erschöpften Akkus wieder Göttingen. Insgesamt wurde der miese Start aber durch einige exklusive Arten ausgeglichen, die in gewohnter Weise zum gewissen, verdienten Abstand zu den anderen Teams führten. Doch schlafen tut auch die muskelkraft-basierte Konkurrenz nicht…

Wenig Schweiß - viele Störche (von D. Singer)
Wohl nicht zuletzt dank des speziellen Wetters, erreichten die Schweißstörche mit vergleichsweise wenig Schweiß, dafür vielen Störchen das bisherige Rekordergebnis eines (rein muskelkraft-betriebenen) Fahrradteams im Landkreis Göttingen. Mit M. Röder, J. Joosten, S. Racky und D. Singer wagte eine Mischung aus Birdrace-Frischlingen und -Althasen den regenreichen Start um 4 Uhr am Alten botanischen Garten in Göttingen. Ruffreudig waren die Waldkäuze dort nicht, doch dank der städtischen Lichtverschmutzung war der Himmel hell genug, um ausreichenden Kontrast zur Silhouette eines sitzenden Kauzes zu bieten. Erfreulicherweise wagte ein Waldohreulen-Jungvogel wenig später in Geismar einen zaghaften Bettelruf, sodass der regenreiche Start durchaus als planmäßig gelungen bezeichnet werden konnte. Nach einem schnellen Fahrradaustausch aufgrund eines unliebsamen Geräuschs pfeifender Luft, ging es dann zunächst an den Kiessee und Umgebung, um dort die ersten Sing- und Wasservögel einzusammeln – leider ohne Drosselrohrsänger dafür mit dankenswerterweise deutlich gedrosselter Techno-Musik von der inzwischen wohl traditionellen Birdrace-Techno-Party in einem Kleingarten an der SW-Ecke des Sees.

Schweissstörche
Abb. 4: Pause bei den “Schweißstörchen”

Beim Birdrace eher außerplanmäßige Erscheinungen wie Eisvogel und Feldschwirl waren am Flüthewehr kooperativ. Erfreulich waren auch zwei Braunkehlchen bei Rosdorf, während der erste Eichelhäher des Tages leider nur von einem Teammitglied gesehen entschwand. Zum Glück blieb es nicht der einzige. Die Tongrube und ihre Reste am Siekgraben hielten nur einen Flussregenpfeifer parat, eingeplante Arten wie der Bluthänfling ließen noch zwei weitere Streckenkilometer auf sich warten. Fast schon zu erwarten war der Flop beim Besuch eines wohl nicht fertiggestellten oder vom Weibchen abgelehnten Sperbernestes in Grone-Süd. Nur mäßig erfolgreich war auch der Besuch des Stadtfriedhofs, der zunächst schmerzliche Lücken bei den Meisenarten zurückließ - jedoch unerwartet zwei rastende Baumpieper hervorbrachte. Im letzten Moment vor der Weiterfahrt gelangte in der Weststadt nahe des Levinparks die Wasseramsel in den Fokus des Fernglases, worauf Birkenzeisig und Wanderfalke kurze Zeit später an der Leine folgten. Planmäßig waren auch die Türkentauben zur Stelle. Einen großen Zeitbonus verschaffte dem Team ein Trauerschnäpper im Cheltenhampark, der einen Abstecher zum Westerberg überflüssig machte, wo zuvor seit einigen Tagen ein singender Reviervogel festgestellt worden war. Dankenswerterweise zeigte sich die Haubenmeise vor der Haustür eines Teammitglieds am Klausberg sehr zuverlässig, sodass sich der kleine Umweg lohnte. Im Stadtwald vervollständigte sich anschließend die Waldartenliste. Freundlicherweise rief ein Grauspecht aus Richtung Herberhausen und im Wildgehege stocherte zusätzlich ein zweites Individuum in einem liegenden Stamm herum.
Das Kerstlingeröder Feld hatte anschließend trotz längerer Verweildauer bei einem wohl verdienten Picknick und erstem größeren Stopp leider keinen Wendehals, dafür einen Schwarzspecht zu bieten. Zunächst unspektakulär erschien der folgende Versuch am nadelholzreichen Waldrand bei den „Schweckhäuser Wiesen“ Fichtenkreuzschnäbel oder Erlenzeisige aufzutreiben – doch ein ungleiches Paar aus kreisendem Habicht und Schwarzstorch verwandelte den Kurzabstecher zum wahren Highlight des Tages. Angekommen in Seeburg verblieb ausreichend Zeit um Seeanger und Seeburger See mit zunehmender Müdigkeit ausführlich und langsam zu erkunden. Die Ausbeute am Seeanger war gut - das Wuseln der tausenden Schwalben über dem Seeburger See machte das Auffinden der Schwarzhalstaucher jedoch bis zuletzt schwierig. Ein mehrfach gesichteter Baumfalke wurde fast schon langweilig, während eine männliche Rohrweihe über dem Schilf eine willkommene weitere Art war. Ein kräftiger Graupelschauer am Nachmittag zwang das Team zum erneuten Einsatz der Regenhosen und ein paar durchziehende Bienenfresser zur Reduktion der Flughöhe, sodass sie am Seeanger dem erfahrenen Gehör der Schweißstörche nicht entgingen – das zweite große Highlight des Tages, welches auch zu einer Exklusiv-Art des Teams führte.
Beendet wurde das Birdrace dann in gemütlicher Runde gegen 21:30 Uhr mit für die Teamhistorie spitzenmäßigen 116 Arten. Nächstes Jahr wird es weitergehen und Ziel bleibt es natürlich, die Artenzahl, wie in den vergangenen Jahren, beständig zu erhöhen – Strategie, Route und Erfahrungsschatz wurden dafür dieses Jahr weiter optimiert. Daher bleibt es wohl spannend, verehrte elektrisierte Sozialbrachvögel!

Nervige Meisenlücken - erfreuliche Exklusivarten (von M. Drüner)
Ebenfalls in mehrjähriger Tradition trat die Mannschaft von Dynamo AviGoe um 4 Uhr vom Kehr zum Rennen auf. Standardmäßig ging es für M. Mooji und M. Drüner früh am Kerstlingeröder Feld los, der Start war dieses Jahr jedoch ähnlich zäh wie bei den Sozialbrachvögeln…
Auf dem Kerstlingeröder Feld war erst gegen 5 Uhr der allererste Vogel zu vernehmen, eine Feldlerche. Fast musste man sie bewundern, dass sie dem Schietwetter singfliegend trotzte. Wenig Gesang, Waldkauz stumm über die Wiese fliegend. Keine Greife, kein Wintergoldhähnchen, aber wenigstens der Wendehals ließ vier fünf Mal eine einzelne Strophe durch den Regen vernehmen. Eine Stunde Schneeregen. Immerhin fünf Spechtarten und zwei Waldlaubsänger.

Teamfoto_Avigoe
Abb. 3: Vor Nässe triefendes Teamfoto von “Dynamo Avigoe”
(zum Vergrößern bitte anklicken)

Auf dem Weg zum Siekgraben ein Abstecher zum Sandweg, wo wir den erhofften Birkenzeisig nicht hörten, dafür aber die Moschusente / Warzenente stehen sahen. Am Siekgraben Braunkehlchen, Steinschmätzer und ein Baumfalke, aber keine Limikolen. An der alten Tonkuhle Rosdorf sah es trostlos aus, aber der Eisvogel saß dort auf einem Baumstamm im Wasser und bereitete einen Futterfisch zum Transport vor. Danke!
Kiesgrube Reinshof: erster Kuckuck (es sollten insgesamt sechs werden). Auch Löffelente, Brandgans, Birkenzeisig und Grauschnäpper. Erster Kontakt mit den Sozialbrachvögeln. Gemeinsam genießen wir den niedrig überfliegenden Wespenbussard. Man konnte regelrecht den Gesichtsausdruck sehen. So ein bisschen wie „Was macht ihr denn hier? Dürft ihr das?“ Dann noch schnell fünf kleine Gebirgsstelzen im Nistkasten beäugt (Süüüüß!-Faktor) während die Altvögel aufgeregt riefen und dann weiter zum Kiessee. Auch hier einige Arten nicht zuverlässig. Der von anderen geclaimte Drosselrohrsänger wurde von uns als Teichrohrsänger eingeschätzt und der Gelbspötter, der genau dort gehört wurde wo wir geparkt hatten, muss ausschließlich gesungen haben, wenn wir gerade außer Hörweite waren. So kann’s gehen. Die Türkentaube bekamen wir an traditionellen Plätzen im Heimatviertel zu hören und nahmen dort noch den Gimpel mit. Auch der Girlitz sang in seinem seit Jahren besetzten Revier am Gailgraben. Der Stadtfriedhof schließlich enttäuschte. Zumindest uns, denn die Sozialbrachvögel wiesen uns noch den Weg zum Haubenmeisenrevier, sie sang aber nicht für uns und zeigte sich auch sonst nicht. Pflicht war dann der Levinpark, wegen der Wasseramsel, neben der Gebirgsstelze die einzige Art, von der wir wussten wo wir sie abholen konnten. Das dauerte auch keine drei Sekunden. Fast wären wir gleich wieder abgefahren, aber glücklicherweise stippvisitierten wir doch noch und siehe da: ein Trauerschnäpper verjagte einen Grauschnäpper von der Warte und zeigte sich in seiner ganzen schwarzweißbraunen Pracht so frisch wie man nur nach einem Regen sein kann.
Danach ein Abstecher in den Westkreis. In Eberhausen fanden wir keine Weidenmeise, hatten aber einen schönen Spaziergang und eine endlich (schwach?) einsetzende Thermik bescherte eine Reihe von Milanen beider Couleurs und Mäusebussarden. Die Dohlen schauten wir uns in Adelebsen an der Burg an und der Steinbruch in Emmenhausen brachte uns zwar nicht den Uhu, aber immerhin den einzigen Bluthänfling des Tages.
Mit dem Auto jetzt noch mal durch die Stadt zu gurken, nur um eventuell auch vom Wanderfalken im Stich gelassen zu werden, erschien uns nicht attraktiv und wir fuhren gleich weiter die B 27 Richtung Seeburg. Ein erster Scan über den Seeburger See zeigte drei Großmöwen, von denen wir eine adulte als Steppenmöwe ansprechen konnten, die anderen (beide immature Vögel) blieben weit entfernt und auf dem Wasser (flimmernde Luft!), so dass wir uns die „schenken“ mussten. Schließlich fuhren wir in die Rhumeaue nach Wollershausen. Dort ein ausgiebig rufender Schwarzmilan, balzende Rotmilane, eine Rohrweihe und Schwanzmeisen. Wir waren es zufrieden. Überhaupt: Wenn wir nachmittags ins Auto stiegen, fing es an zu regnen, sobald wir wo ankamen und aussteigen wollten, hörte es wieder auf. Nett. Die Bilshauser Rhumeaue brachte uns einen Feldschwirl und ein Schwarzkehlchen. Die Feldmark Wollbrandshausen zeigte sich fast ereignislos. Immerhin ließen sich Trupps von Goldammern sehen, die man nach Ortolanen absuchen konnte, allerdings ohne Erfolg.
Der Seeanger brachte zwar erwartungsgemäß einen Schwung Entenvögel, aber leider nur wenig Limikolen. Wo zwei Wochen vorher noch zehn Watvogelarten zu sehen waren, fanden wir heute nur fünf. Allerdings ließen uns trotz dutzendfacher Scans der geeigneten Bereiche Bekassine und Temminck im Regen stehen, die sich den anderen Mannschaften rätselhafterweise gezeigt haben. Offensichtlich geht es immer noch einen Tuck besser oder Glück ist im Spiel. Auch der Schilfrohrsänger blieb für uns stumm und das Blaukehlchen zeigte sich nur einmal kurz und nur einem von uns. Auf dem Weg zum See eine schöne Überraschung: der Wanderfalke machte sich die Mühe uns noch einen Besuch abzustatten. Der einzige Kormoran flog niedrig über den Seeburger See. Aber auch dort außer zwei Schwarzhalstauchern nicht mehr viel zu holen. Den Abschluss machten wir in Geismar mit drei bettelnden jungen Waldohreulen.
Ergebnis: mit 111 Arten zwar nur dritte von drei Mannschaften, aber erstens nur zu zweit (weniger Augen und geht einer pinkeln, geht gar nix mehr, siehe Blaukehlchen), zweitens behindert durch das Verkehrsmittel Auto (etwas hermetisch und die Fahrstrecken teilweise uninteressant; die interessante sind für Autos größtenteils gesperrt oder ungeeignet) und drittens für das Wetter gar nicht sooo schlecht! Zapfenstreich 22:30. Völlig fertig. Man ist nicht mehr dreißig. Ein großartiger Tag draußen – wohl für alle Teams, die diesen erlebnisreichen Spaß-Wettkampf wieder einmal auf sich genommen haben!

Alle Ergebnisse vom Birdrace können wie immer auf der Internetseite des DDA nachgelesen werden.

D. Singer

Waldohreule - MSiebner
Abb. 5: Die Art Waldohreule bekamen die drei Teams in Geismar
auf den Zettel. Foto: M. Siebner

May 21st, 2019

Die schönste Schwalbe zu Besuch -
nicht zum ersten Mal

Rötelschwalbe - VHesse
Abb. 1: Rötelschwalbe am Göttinger Kiessee. Foto: V. Hesse

Anfang April. Genauer gesagt der 3. April 2019. Ich bin auf der Suche nach meinem ersten Fitis der Saison. Auf meiner Fahrt durch die Feldmark Bovenden im Leinetal nördlich von Göttingen konnte ich bereits ein Pärchen Eisvögel am Graben entdecken, aber eigentlich hatte ich mir ein paar mehr Arten erhofft. Schafstelze, Fitis, Klappergrasmücke, Mehlschwalbe. All das hatte sich die letzten Tage bereits den anderen Vogelbeobachtern Göttingens gezeigt, nur heute vor mir wollten sie sich alle nicht offenbaren. Etwas resigniert erreichte ich die Kiesgrube bei Angerstein. Schon aus der Ferne fielen mir einige Schwalben auf, nicht viele, aber möglicherweise war ja nun doch noch die erste Mehlschwalbe darunter. Sie schienen meine bisher eher erfolglose Fahrt wieder gut machen zu wollen. In geringer Höhe jagten die Vögel über der Wasserfläche und der angrenzenden Feldmark und ließen sich dabei schön beobachten. Schnell waren einige Uferschwalben und auch die ersehnte Mehlschwalbe unter den etwa 50 anwesenden Tieren gefunden und bei mir machte sich Freude und etwas Erleichterung breit, den Weg nicht umsonst gefahren zu sein. Plötzlich weckt eine der Schwalben erneut meine Aufmerksamkeit. Sie ist noch nicht gut zu sehen, recht weit weg und in einem sehr spitzen Winkel zu mir und fliegt nun hinter den Weiden am Ufer entlang, aber irgendwas ist nicht normal an diesem Vogel. Ich behalte die Silhouette im Fernglas, gleich würde sie wieder vor den Bäumen auftauchen. Wenige Augenblicke später und die Schwalbe tut genau dies und sofort steigt die pure Freude und gleichzeitig Ungläubigkeit über das Gesehene in mir auf. Ich ging die Merkmale in meinem Kopf durch: Helle, rostfarbene Unterseite - passt! Kehle ebenso, nicht dunkel- passt! Unterschwanzdecke schwarz, scharf begrenzt zur restlichen Unterseite - passt! Und der Bürzel rostfarben und weiß - passt auch! RÖTELSCHWALBE!!! Ein absoluter Traumvogel für mich und dann auch noch selbst entdeckt. Der Hammer. Schnell wurde die Beobachtung über WA den anderen Göttinger Beobachtern mitgeteilt. Eine Kamera hatte ich nicht mitgenommen- ich wollte ja nur Fitisse suchen. Also hoffte ich, dass jemand rechtzeitig erscheinen würde um Belegbilder anzufertigen. Kurze Zeit später hatten sich zwei Ornis angemeldet, aber würden sie pünktlich erscheinen? Ich behielt die Schwalbe so gut es ging im Auge, was sich als recht schwierig herausstellte, denn der Trupp war recht aktiv und flog zwischen der Kiesgrube und der umliegenden Feldmark hin und her und verschwand immer wieder für einige Minuten. Der helle Himmel trug auch nicht zur Verbesserung der Beobachtungsumstände bei, aber es gelang mir doch immer wieder sie zwischen den anderen Schwalben zu entdecken und schön beobachten zu können. Endlich erschien Malte Georg als Erster vor Ort. Mit dem Fahrrad war er die 12 km zur Kiesgrube gesprintet, angetrieben von dem Wunsch den Vogel zu erblicken. Wir grüßten uns aus der Entfernung und ich zeigte nach oben, denn die Schwalbe kreiste direkt über ihm. Unglücklicherweise hatte ihn die Geißel moderner Telekommunikation fest in ihrer Gewalt. In der einen Hand das Handy haltend, versuchte er mit der anderen Hand das Fernglas auf die Schwalben zu richten- vergebens. Solch hübsche Vögel sind eitel und bestrafen jeden, der ihnen nicht die nötige Aufmerksamkeit zukommen lässt, und das musste Malte nun lernen. Ein Teil der Schwalben war mittlerweile in unterschiedliche Richtungen abgezogen und mit ihnen auch das Objekt der Begierde. Einige Zeit standen wir noch am Gewässer, inzwischen zu dritt, denn auch Steffen Böhner war mittlerweile eingetroffen, aber wir konnten die Schwalbe nicht mehr entdecken. So bleibe ich am Ende des Tages der einzige, der diesen wunderschönen Vogel sehen durfte. Doch die Hoffnung war noch nicht gestorben. Wir wollten es am nächsten Tag an der Northeimer Seenplatte versuchen, schließlich war es bereits recht spät geworden und Vögel im Frühjahr ziehen immer nach Norden: Also sollte sie morgen dort vorbeischauen. Um es kurz zu fassen, wir fanden sie dort nicht. Da es noch früh war, entschlossen wir uns noch am Kiessee in Göttingen vorbeizuschauen. Nur Malte konnte nicht mit, da sein Rad einen Platten hatte. Er verabschiedete sich in etwa mit den Worten: „ Viel Glück. Ihr dürft gerne alles an Seltenheiten entdecken, aber bitte nicht die Rötelschwalbe“, und wir trennten uns. So fuhren nur Béla Bartsch und ich in Richtung Südstadt. Wirklich daran glauben, die Schwalbe hier zu sehen, taten wir nicht, aber man weiß ja nie. Am See angekommen sahen wir einige Rauch- und Mehlschwalben über dem See jagen, jedoch nichts Spektakuläres. Also gingen wir weiter. An der SO-Ecke schauten wir erneut die etwa 150 anwesenden Schwalben durch und plötzlich meinte mein Mitbeobachter: „Da ist sie! Geil!“. Und tatsächlich flog der Vogel etwa 20 m vor uns niedrig über die Wasserfläche und jagte Insekten. Schnell war die Nachricht verbreitet. Und keine 15 Minuten später stand Malte schon hinter uns. Und auch Steffen war schnell vor Ort, sodass wir zu viert die Schwalbe auf geringe Entfernung sehr gut beobachten konnten.

Rötelschwalbe - MSiebner
Abb. 2: Rötelschwalbe im Mai 1997 am Seeburger See. Foto: M.Siebner

Während die Rötelschwalbe bei Angerstein im Kreis Northeim nur für etwa 40 Minuten von einem Beobachter gesehen werden konnte, war der Vogel am Kiessee deutlich besser und vor allem länger zu sehen. Um 11:20 Uhr am 4.April wurde er unter den anwesenden Schwalben entdeckt und hielt sich hier für drei Tage bis zum 6. April auf. Zuletzt wurde er an diesem Tag um 11:15 Uhr gesehen und zog dann mit zunehmend besser werdendem Wetter in Gesellschaft der anderen Schwalben ab. Noch außergewöhnlicher als der seltene Gast an sich ist der Umstand, dass er für solch eine lange Zeit in dem selben Gebiet verweilte. Typischer Weise bleiben meist die Entdecker auch die einzigen Glücklichen die diese Vogelart zu Gesicht bekommen, so wie es auch bei dem Angersteiner Vogel der Fall war. Anders die Göttinger Beobachtung. Mit 48-stündiger Anwesenheit stellte sie eine große Ausnahme dar. Bis 2010 gab es aus 82 Beobachtungen nur vier, bei denen die Tiere drei Tage oder länger vor Ort waren. Grund für die lange Rast am Kiessee dürfte das Wetter gewesen sein. Die Tage um die Monatswende März/April waren geprägt durch langanhaltend gutes Wetter mit Temperaturen deutlich über 10°C und beständigen Süd- bis Südwestwinden, welche vermutlich dazu führten, dass die Rötelschwalbe während des Heimzuges über ihr eigentliches südeuropäisches Brutgebiet hinausgeschossen war und sich hier den nordwärts ziehenden Schwalben angeschlossen hatte. Dieses Phänomen nennt sich Zugprolongation und hat Rötelschwalben schon bis nach Skandinavien geführt. Dieses Verhalten ist auch bei vielen weiteren, bei uns seltenen Arten, bekannt, wie etwa dem Alpensegler, der Weißbart-Grasmücke oder dem Rallenreiher. In der Nacht zum 4. April drehte dann der Wind auf Nord und die Temperaturen fielen merklich. Während solcher Schlechtwetterphasen kommt es dann häufig zu Zugstausituationen, in Folge deren manchmal große Ansammlungen von Schwalben über Gewässern entdeckt werden können, wo sie Insekten jagen und in der Ufervegetation rasten. Seltenere Arten werden dabei ebenfalls zur Rast gezwungen und sind schließlich für die Beobachter deutlich einfacher zu entdecken. Da sich die Zugbedingungen auch noch den gesamten Folgetag nicht besserten, war die Rötelschwalbe auch dort den gesamten 5. April zu sehen und zog erst am dritten Tag bei sich deutlich verbesserten Bedingungen ab. Wohl ebenfalls auf die Witterung der vorangegangenen Wochen ist das sehr frühe Erscheinungsdatum zurückzuführen. Normalerweise erreicht die Rötelschwalbe Deutschland zwischen Mitte April und Mitte Mai. Zwischen 1977 und 2010 gab es nur fünf Nachweise der Art die in die erste Aprildekade oder davor fallen. Aufgrund der oben genannten Südwindlage dürfte die Schwalbe sehr schnell, gleichsam in einem Lift, bis zu uns gelangt sein.
Unter Vorbehalt der Einstufung als ein oder zwei verschieden Individuen durch die Deutsche Avifaunistische Kommission, stellen sie den 6. bzw. 7. Nachweis der Art in Süd- Niedersachen dar, den zweiten für den Kreis Northeim und den fünften für Göttingen. Mit Blick auf die Rangliste der Datenbank ornitho.de erkennt man, dass Süd-Niedersachsen für die Rötelschwalbe das wichtigste „Rastgebiet“ bundesweit darzustellen scheint. Mit Ausnahme des Sonderfalls Helgoland hat keine Region in Deutschland auch nur annähernd so viele Beobachtungen vorzuweisen. 2003 und 2006 wurden sogar jeweils zwei Vögel zusammen gesehen. Dabei scheint der Göttinger Kiessee besonders attraktiv zu sein. Vier der neun beobachteten Tiere wurden hier entdeckt. In den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende war die Rötelschwalbe ein fast jährlicher Gast im Bearbeitungsgebiet des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen. Zwischen 2002 und 2006 wurde sie vier Mal wahrgenommen. Danach folgte eine elfjährige Pause und erst im Mai 2017 konnte wieder eine am Seeburger See beobachtet werden. Und nun 2019 wieder. Die scheinbare Attraktivität beruht aber nicht auf irgendwelchen ökologischen Besonderheiten, sondern ist in erster Linie auf die hohe Beobachterdichte und -frequenz an einigen Feuchtgebieten zurückzuführen. Zudem wissen die regionalen Beobachter mittlerweile sehr gut, dass es sich lohnt bei schlechtem Wetter die rastenden Schwalben durchzumustern.
Der seltenen Gelegenheit, eine stationäre Rötelschwalbe auf die Artenliste zu bekommen entsprechend, war das Interesse heimischer und auswärtiger Beobachter sehr groß. Mindestens 30 Vogelfreunde konnten am Ende diese Art als gesehen für sich verbuchen. Neben bis zu drei länger präsenten Vögeln im Mai 2010 bei Münster dürfte die Göttinger Rötelschwalbe im April 2019 zu den in Deutschland am meisten fotografierten ihrer Art zählen. Viele Kameraakkus liefen heiß und viele SD-Karten wurden gefüllt, um auch ein eigenes Bild vorzeigen zu können, auch wenn auf diesem die Schwalbe bis zur Unkenntlichkeit verpixelt war. Am Mittag des 6. April endete der Spuk letztendlich mit dem Abzug der Art und es kehrte wieder Ruhe und Frieden an dem sonst so beschaulichen Gewässer ein.

Ole Henning

Literatur:
Kriegs, J.O., Bindrich, F. & H.H. Dörrie (2012): Das Auftreten der Rötelschwalbe Cecropis daurica in Deutschland. Seltene Vögel in Deutschland 2010: 58-63

Rötelschwalbe - MSiebner
Abb. 3: Rötelschwalbe am Kiessee in Göttingen. Foto: M.Siebner

May 3rd, 2019

Der Vogelwinter 2018/19 in Süd-Niedersachsen:
Selten unspektakulär

Rotdrossel - MSiebner
Abb. 1: War in diesem Winter deutlich häufiger als sonst: Rotdrossel
Foto: M. Siebner

Als “winterlich” kann der Dezember 2018 fürwahr noch nicht bezeichnet werden, herrschten doch vorrangig milde Temperaturen mit im Mittel 4°C. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Schnee waren Mangelware, vielmehr machten vorfrühlingshafte 12°C kurz vor Weihnachten die Hoffnungen auf eine weiße Weihnacht endgültig zunichte. Und der Januar? Zunächst zeichnete sich kein wirklicher Wintereinbruch ab; nachts fiel die Temperatur nicht unter -3°C und tags stieg sie dank stabiler atlantischer Luftströmungen auf bis zu 8°C - durchaus auszuhalten. In der zweiten Januarhälfte erreichte uns dann ein einigermaßen stabiles Hochdruckgebiet und bescherte uns eine sonnige Woche und Dauerfrost mit Temperaturen von bis zu -10°C. Wenngleich nur von kurzer Dauer, so brachte es dennoch etwas Dynamik ins Zuggeschehen. Selbst größere Stillgewässer froren großflächig zu und ließen zahlreiche Wasservögel auf Fließgewässer umsiedeln. Bis Mitte Februar stiegen die Temperaturen peu à peu auf bis zu 14°C und gegen Ende des Monats wurde die 20°C-Marke nur knapp unterboten, was vielerorts bereits eifrig zur Grillzange greifen ließ. Frühjahrszug und beginnendes Brutgeschäft sind bereits überall spürbar und lassen sich kaum mehr aufhalten. Oder doch? Hoffen wir, dass kein später Wintereinbruch den Vögeln einen Strich durch die Rechnung macht.
Mit 14.718 Meldungen wurden in ornitho.de, auf dessen Daten der folgende Bericht größtenteils beruht, etwas weniger Beobachtungen eingetragen als im vorangegangenen Winter.

Gute Zahlen wies der Überwinterungsbestand des Höckerschwans auf, wenngleich ein sehr geringer Jungvogelanteil von unter acht Prozent ein schlechtes Brutjahr 2018 nahe legt. Neben 55 Tieren in der Feldmark zwischen Angerstein und Elvese wurden weitgehend ortstreue Gruppen von jeweils etwa 40 Individuen an der Werra bei Laubach (Hann. Münden), am Seeburger See sowie im Leinepolder beobachtet. Überwinternde Singschwäne gerieten neben einem Einzelvogel am Seeburger See traditionsgemäß im Leinepolder Salzderhelden ins Blickfeld. Darunter der seit 2012 bekannte, in Lettland 2011 mit einer blauen Halsmanschette (2E94) markierte Vogel, der nun seinen bereits siebten Winter bei uns verbringt. Zwei Familienverbände mit je drei Jungvögeln sowie weitere Altvögel ließen den Winterbestand zeitweise auf bis zu 23 Tiere anwachsen, von denen der Großteil bis Ende Februar wieder abgezogen war.

Singschwan - MSiebner
Abb. 2: Singschwan am Seeburger See. Foto: M. Siebner

Im Umfeld der Northeimer Seenplatte fanden sich bis zu vier Kanadagänse zusammen. Ein an der Geschiebesperre beobachteter und fotografierter Vogel ließ sich vermutlich der Unterart “parvipes” zuordnen. Wie schon im Vorjahr fanden sich auch diesen Winter drei Vögel am Seeanger ein, bei denen es sich möglicherweise um die Brutvögel aus 2017 vom Lutteranger (plus Jungvogel) handeln könnte.
Weißwangengänse, von denen während der Kältephase im Januar sieben im Seeanger sowie vier an der Geschiebesperre Zuflucht suchten, bildeten die Ausnahme zu den wenigen, üblicherweise einzeln oder paarweise in der Region überwinternden Vögeln.
Die seit dem 21.10. im Leinepolder anwesende und mit einem gelben Züchterring versehene Streifengans sorgte über den Winter für eine Bereicherung der Vogelvielfalt.
Während der Kältephase im Januar kam es im Norden und Osten offenbar zu kräftigen Kältefluchten Grauer Gänse, wodurch sich kurzzeitig fünfstellige (!) Schlafplatzansammlungen an Leinepolder und Geschiebesperre anfanden. Die Zahlen der im Leinepolder und den umliegenden Gebieten überwinternden Tundrasaatgänsen erreichten dadurch ab Mitte Januar mit mindestens 5000 Vögeln ihren Peak, eine recht stattliche Zahl dieser in der Tundra Sibiriens brütenden Art. Neben ebenfalls beachtlichen 4000 Blässgänsen ebenda konnten am Seeburger See mit 500 Vögeln hohe Zahlen festgehalten werden, wo typischerweise nur bis zu 65 Tiere zur Überwinterung schreiten. Auch die Graugans konnte mit 2000 Tieren im Januar an der Geschiebesperre ihr Maximum erreichen. Unter 600 Vögeln am Seeburger See bzw. Seeanger fand sich auch ein seit 2014 bekannter, alljährlicher Gast aus Tschechien mit rotem Halsband (I29) sowie ein an den süd-niedersächsischen Kiesteichen Giften bei Nordstemmen markierter Vogel (dunkelgrün SKZ). Aus Ungarn (Halsring H 469) stammt ein Vogel, der am 27. Februar nahe dem Seeburger See abgelesen wurde. Mit 540 Ind. soll auch die Kiesgrube Reinshof nicht unerwähnt bleiben.
Höchstzahlen der Nilgans fallen mit 80 im Leinepolder Mitte Februar eher mager aus.
Eine im Seeanger überwinternde Brandgans stellt aus regionaler Sicht eine kleine Besonderheit dar. Die humpelnde Fortbewegung durch ein verletztes Bein lässt die Überlegung zu, inwieweit es sich hierbei um eine freiwillige oder doch notgedrungene Überwinterung handelt.
Die seit Anfang September an der Leine in der Göttinger Südstadt anzutreffende Warzenente, die von örtlichen Vogelfreunden liebevoll “Claudia” getauft wurde, erfreute sich über die Wintermonate reger Aufmerksamkeit. Umso beunruhigender die Tatsache, dass sie offenbar zunehmend die Lust am Schwimmen verliert und sich nunmehr ausschließlich an Land (und im Geäst) aufzuhalten scheint.
Ausnahmsweise mal in weißer statt in bunter Pracht bereicherte eine Mandarinente ab Mitte Dezember kurzzeitig den Kiessee.

Mandarinenente - MSiebner
Abb. 3: Weiße Mandarinente am Kiessee. Foto: M. Siebner

Der Winterbestand der Pfeifente liegt mit einem Maximum von 250 Individuen am Leinepolder im positiven Trend der letzten Jahre. Bei der Krickente lässt sich mit 190 Vögeln am Seeburger See ein erneut ordentlicher Winterbestand festhalten. Der Höchstwert winterlicher Stockenten fiel mit 570 Vögeln am Seeburger See recht hoch aus, während er im Polder für Februar mit ca. 200 Ind. eher niedrig lag, vermutlich wegen des Fehlens ausgedehnter Wasserflächen. Unter nur fünf Meldungen der Löffelente stechen sechs Männchen am Kiessee am 1. Januar heraus.
Die einzige Beobachtung einer (weiblichen) Kolbenente gelang am 2. Februar auf der Fulda bei Speele.
Geringe Bestandszahlen fanden sich bei Vertretern weiterer Tauchentenarten. Bis zu 70 Tafelenten an der Northeimer Seenplatte sowie 38 am Seeburger See Ende Februar fallen hinter den Höchstzahlen der letzten Jahre weit zurück. Auch die Reiherente war mit 300 Vögeln an den Northeimer Teichen Ende Januar und nur niedrig zweistelligen Zahlen auf Göttinger Gewässern eher unterrepräsentiert.
Am 12. Dezember legte eine weibchenfarbene Trauerente eine Stippvisite auf dem Seeburger See ein. Einen Monat später fand sich für acht Tage eine Samtente ebenda ein. Schellenten waren mit 15 Individuen an der Geschiebesperre gut vertreten, weitere elf Ind. wurden an den Northeimer Teichen sowie sieben Ind. am Seeburger See beobachtet.
Der ab Ende November auf den Northeimer Kiesteichen anwesende Entenhybrid der Kombination Kolben- x Moorente oder Kolben- x Reiherente wurde bis mindestens Anfang Februar dort beobachtet.

Tauchentenhybrid - BRiedel
Abb. 4: Rätselhafter Tauchentenhybrid. Foto: B. Riedel

Zwergsäger erreichten mit 29 Ind. an den Northeimer Teichen und 13 Ind. am Seeburger See ihre Maxima und waren damit gut vertreten. Der seit dem 21. November am Seeburger See anwesende, weibchenfarbene Mittelsäger war noch bis zum 19. Januar dort anzutreffen.
Der Winterbestand des Gänsesägers lag zunächst mit 170 Ind. am Seeburger See sowie 24 Ind. im Polder recht hoch, mit der Vereisung der Stillgewässer sanken die Zahlen jedoch schnell und erreichten erst im Februar wieder knapp die 100er-Marke. Bis zu 20 weitere Vögel konnten auf der Fulda bei Hann. Münden ausfindig gemacht werden.
Die einzige Feststellung des Fasans, in Südniedersachsen eine echte Rarität, erfolgte bei Duderstadt am Namenstag des heiligen Nikolaus.
Mit vier Zwergtauchern fiel der Winterbestand im Stadtgebiet dieses Jahr sehr gering aus, was vielleicht durch geringe Pegelstände der Leine als Folge des Dürresommers 2018 erklärt werden kann. Bis zu sechs Ind. an der Werra (Hann. Münden) und 25 Ind. an der Geschiebesperre Hollenstedt Ende Januar zeigen einen passablen Bestand an, wenngleich die Zahlen hier sicherlich durch Zuwanderer von kleineren, zugefrorenen Gewässern beeinflusst sind.
Der Bestand der am Seeburger See überwinternden Haubentaucher lag zunächst bei ordentlichen 80 Ind. Anfang Dezember, schrumpfte jedoch bis Anfang Februar auf einen einsamen Einzelvogel. Der warme Februar machte den See schließlich wieder zugänglich, sodass sich bis zum Ende des Berichtzeitraums wieder um die 40 Haubentaucher anfanden. 92 Ind. überwinterten an den Northeimer Kiesteichen, vornehmlich am Großen Freizeitsee.
Schwarzhalstaucher konnten vom 5. bis 26. Dezember am Seeburger See beobachtet werden, wo zunächst zwei, dann nur noch ein Einzelvogel die Wasservogelwelt bereicherten. Einem Duo an den Northeimer Kiesteichen folgte ein Trio Anfang Dezember ebenda. Zur (Teil-)Überwinterung schritt jedoch nur ein Individuum, das es zumindest bis Ende Januar dort aushielt.
Der seit Ende November bekannte Sterntaucher verblieb bis zum 18. Januar am Großen Freizeitsee. Die ebendort (vor allem am Forellenzuchtteich bei Edesheim an der B 3) seit November anwesenden zwei Prachttaucher des ersten Kalenderjahres räumten bereits Mitte Dezember wieder das Feld.

Prachttaucher - BRiedel
Abb. 5: Prachttaucher am Forellenteich. Foto: B. Riedel

Maximale Winterbestände des Kormorans fanden sich mit 52 Ind. am Wendebachstausee und 54 Ind. am Göttinger Kiessee. 171 Ind. am Seeburger See reduzierten sich nach dessen großflächigem Zufrieren auf eine Handvoll Vögel; zeitgleich erhöhte sich der Bestand an Werra und Fulda bei Hann. Münden von 41 auf bis zu 169 Ind.
Bis Mitte Dezember verweilte eine große Anzahl an Silberreihern am Seeburger See und den umliegenden Gewässern. Das Maximum wurde am 17. Dezember erreicht, als dort und am angrenzenden Lutteranger die Göttinger Rekordzahl von insgesamt 191 Individuen festgestellt werden konnten. Ein Austausch zwischen den beiden Gebieten ist aufgrund des kurzen Beobachtungszeitraumes weitestgehend ausgeschlossen. Dieses Auftreten steht in starkem Kontrast zum letzten Jahr, als im Dezember an keinem Tag auch nur die 20er-Marke erreicht war. Im Landkreis Northeim suchten am 16. Januar im Leinepolder IV 54 Reiher nach Nahrung.
Ebenfalls deutlich häufiger als im letzten Jahr wurde die Rohrdommel diesen Winter beobachtet. Am Seeburger See rastete zwischen dem 1.-5. Dezember eine im Schilfgürtel, gefolgt von einem Vogel am Großen Freizeitsee bei Northeim, welcher am 12. Dezember ins Blickfeld des Beobachters geriet. Die erste Dommel des Jahres 2019 konnte nur akustisch festgestellt werden, als sie in der Nacht des 20. Januar über den Polder II zog. Am 18. Februar wurde nochmals der Seeburger See besucht. Ein wenig verflogen hatte sich einer dieser Tarnungskünstler, als er am 9. Februar am Ortsrand von Hann. Münden auf einer Straße spazieren ging. Dank dem beherzten Einsatz einer Autofahrerin konnte die Dommel mit Hilfe einer Decke, augenscheinlich unverletzt, in Richtung der nahen Fulda getrieben werden.
Das Storchenpaar in Hollenstedt war den ganzen Winter auf seinem Nest zu sehen.

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Abb. 6: Winterstorch an der Geschiebesperre. Foto: F. Hadacek

Die meisten Beobachtungen von Kornweihen stammen aus den Leinepoldern zwischen Einbeck und Northeim, an welchen über den gesamten Winter verteilt fünf Beobachtungen mit sieben Tieren gelangen, wobei Doppelerfassungen nicht auszuschließen sind. Abseits jenes Gebietes flogen an acht weiteren Orten Individuen dieser eleganten Mäusejäger.
Gab es Winter mit überhaupt keiner Beobachtung, so gelangen in diesem Jahr an vier Orten jeweils einzelne Raufußbussarde in das Blickfeld der Beobachter. Aufgrund der Alters- und Geschlechtsangaben kann hier von jeweils unterschiedlichen Individuen ausgegangen werden.
Ähnlich der vergangenen Jahre waren Merline auch in diesem Winter die Ausnahme. Am 18. Dezember wurde ein Weibchen bei Bovenden entdeckt und am 9. Februar ein weiteres bei Immensen.
Kraniche waren ab Mitte Februar eine nahezu alltägliche Erscheinung. Allein zwischen dem 16. und 17. Februar zogen mindestens 2531 Individuen (inklusive Mehrfachmeldungen) über Göttingen, wobei der Zug wie jedes Jahr bis weit in die Nacht hinein stattfand und viele Trupps nur akustisch wahrgenommen werden konnten.
Regelmäßig ist in diesem Winter nur der Seeburger See von der Wasserralle besucht worden. An anderer Stelle wurde am 23. Februar eine an der Geschiebesperre Hollenstedt gesehen.
Nachdem man am 20. Februar im Leinepolder I den erste Goldregenpfeifer des Jahres zwischen anwesenden Kiebitzen entdeckte, folgten am 22. des Monats 35 überfliegende Vögel in der Feldmark südlich Geismar, am 24. 46 Ind. rastend auf einem Acker südlich Einbeck sowie am 27. 60 Individuen wiederum im Leinepolder I.
Für überwinternde Limikolen stellte sich die Geschiebesperre bei Hollenstedt wiederum als Ort mit hoher Anziehungskraft heraus.
Bis zu sechs Kiebitze hielten sich den gesamten Winter über hier auf. Am 20. Februar rasteten, heute leider in dieser Anzahl selten gewordene, 3500 Individuen dieser Art im Leinepolder I.
Auch Bekassinen waren die gesamten Wintermonate mit maximal 11 Tieren an der Sperre zu sehen.

Bekassinen - FHadacek
Abb. 7: Bekassinen an der Geschiebesperre. Foto: F. Hadacek

Nur eine Waldschnepfe konnte entdeckt werden. Diese flog dem Beobachter am 21. Januar bei Mielenhausen vor den Füßen auf.
Vom 26. Januar bis 1. Februar rastete eine Zwergschnepfe an der Geschiebesperre. Eine weitere wurde an der Leine bei Bovenden gesehen.
An der bereits mehrfach erwähnten Flachwasserzone bei Hollenstedt waren auch regelmäßig bis zu zwei Waldwasserläufer zu beobachten.
Ein Großer Brachvogel suchte am 16. Februar am Großen Freizeitsee nach Nahrung.
Zweifelsohne das ornithologische Highlight dieses Winters (mit traurigem Beigeschmack) stellt eine am 15. Januar entdeckte Dreizehenmöwe dar. Zwar gab es schon einige Beobachtungen dieser sonst streng pelagischen Art im Bearbeitungsgebiet, jedoch wohl keine unter diesen Umständen. Nach einem starken Sturmtief in der vorangegangen Nacht wurde die Möwe auf dem Gelände der Nord-Uni in einer großen Brache liegend entdeckt. Sie war zu diesem Zeitpunkt bereits stark geschwächt und verstarb im Laufe des Nachmittags an eben diesem Ort, ein Schicksal, welches sie mit vielen ins Binnenland verdrifteten Hochseevögeln teilt.

Abgesehen davon blieb es relativ ruhig um die Möwengilde diesen Winter. Eine Silbermöwe hielt sich die gesamte Zeit über am Seeburger See auf. Eine mutmaßlich weitere besuchte ab dem 22. Januar regelmäßig den Großen Freizeitsee und die Geschiebesperre.
Etwas häufiger trat die Steppenmöwe in Erscheinung. Am Seeburger See hielten sich bis vier Individuen regelmäßig auf. Am 21. Januar rastete ein Altvogel auf dem Großen Freizeitsee, gefolgt von bis zu fünf Tieren vom 29. Januar bis 6. Februar an der Geschiebesperre Hollenstedt. Eine Möwe im dritten Kalenderjahr verweilte am 16. Februar Im Leinepolder I.
Nennenswerte Ansammlungen von Sturmmöwen gab es am 2. Dezember am Seeburger See mit 25 gleichzeitig anwesenden Vögeln und am 13. Januar im Leinepolder II, wo sichetwa 50 Individuen aufhielten.
Die schon in der letzten Zusammenfassung erwähnte Nestbesetzung der Ringeltaube in Gö.-Treuenhagen seit Anfang Oktober, konnte noch mindestens bis zum 16. Dezember verfolgt werden. Der Brutversuch verlief offensichtlich erfolglos. Größere winterliche Ansammlungen der Türkentaube wurden Anfang Dezember bei Diemarden (19 Ind.) und Niedernjesa (14 Ind.) festgestellt. In Seeburg hielten sich am 2. Februar ebenfalls 14 Individuen auf.
Vom Raufußkauz gibt es von insgesamt 13 Beobachtungen aus Solling, Bramwald, Reinhäuser Wald und Kaufunger Wald zu berichten. Singende Sperlingskäuze wurden mit einem Individuum im Bramwald und mit zwei Männchen im Reinhäuser Wald festgestellt. Bemerkenswert ist bei den Käuzen im Reinhäuser Wald der Gesangsplatz mitten in einem Buchenwirtschaftswald trotz der vorhandenen Nähe zu den traditionell besiedelten Nadelwaldbereichen. Auffällig ist ein dichter Unterwuchs aus jungen Buchen. Es bleibt abzuwarten, ob die Eulen auch zur Brutzeit an dem Laubwald festhalten. Parallelen zu der Beobachtung finden sich im fränkischen Steigerwald, wo unter anderem 1996 bei intensiven Untersuchungen acht besetzte Sperlingskauzreviere in ausgedehnten alten Buchenbestandskomplexen mit Aufwuchs festgestellt wurden. In entsprechenden Revieren wurden kleinere Fichtenstangenhölzer in unmittelbarer Nähe selbst zur Zeit der Jungenaufzucht geradezu gemieden. Hier könnte der Feinddruck nistender Sperber eine gewisse Rolle gespielt haben. Waldkäuze waren mit mindestens einem Revier in jedem der acht Sperlingskauzreviere vorhanden. Ein Zusammenleben der beiden Arten scheint sich durchaus nicht auszuschließen. Viel eher könnte hier eine provozierte Aktivitätsverlängerung des Winzlings durch unsensibles Nachpfeifen von „Eulenfreunden“ dem Waldkauz einen entscheidenden Vorteil geben. Balzende Waldohreulen wurden erfreulicherweise wieder etwas zahlreicher notiert als noch im letzten Winter. Schon am 25. Dezember konnte ein balzendes Paar bei Einbeck registriert werden. Ihm folgte ein mehrfach gehörtes Männchen aus dem traditionellen Revier in Gö.-Treuenhagen sowie ein Paar in Gö.-Geismar. Am 3. Februar konnte ein Männchen in Rosdorf verhört werden sowie am 13. Februar ein Vogel im Bramwald westlich von Ellershausen. Im Solling nördlich von Bodenfelde konnte am 1. Februar ein balzendes Paar vernommen werden. Am 23. Februar überflog eine Waldohreule rufend das Primatenzentrum in Gö.-Weende und am 24. Februar meldete sich ein Männchen bei Stockhausen aus einem Feldgehölz. Vom Waldkauz gelang nach der erfolgreichen Brut 2017 im Alten Botanischen Garten am 24. Januar erstmals wieder eine Beobachtung. Die Eule konnte beim erfolgreichen Jagen auf dem Stadtwall beobachtet werden. Am 15. Februar balzte ein Männchen ebenda. Ob es zu einer Neuauflage des Brutversuchs kommt bleibt abzuwarten.

Waldkauz - VHesse
Abb. 8: Waldkauz im Alten Botanischen Garten (2017). Foto: V. Hesse

Der Eisvogel hat sich mit 61 Beobachtungen in diesem Winter von dem in 2017 vermutlich durch Starkregenereignisse und Hochwasser geschuldeten schwachen Bruterfolg nicht gerade erholt. Vorletzten Winter waren es zum Vergleich noch 156 Beobachtungen.
Winterreviere vom Raubwürger (mindestens drei Beobachtungen) gab es auf dem ehemaligen Grenzstreifen bei Duderstadt sowie besonders erwähnenswert auf einer Windwurffläche mitten im Kaufunger Wald südlich von Hann. Münden. Ob die Windwurffläche zur Brutzeit noch besetzt ist, darf gespannt abgewartet werden. Auf dem Kerstlingeröder Feld, in der Feldmark westlich von Hollenstedt und südlich von Eberhausen ließ er sich jeweils zweimal ausfindig machen. Einzelbeobachtungen gelangen außerdem noch östlich von Edesheim, nördlich der Schweckhäuser Wiesen und aus Bettenrode im Reinhäuser Wald. Eine Beobachtung südöstlich von Diemarden könnte ebenfalls den letztgenannten Vogel betreffen.
Der Winterbestand der Saatkrähe lag durchweg im einstelligen Bereich. Beim einsetzenden Heimzug konnten am 18. Februar maximal 70 Saatkrähen neben dem Nachtclub „Chateau“ im Göttinger Süden beobachtet werden.
Zwei Hybriden aus Raben- x Nebelkrähe konnten am 12. Januar südwestlich von Bovenden unter Rabenkrähen festgestellt werden.
Das Januarmaximum der Feldlerche kann mit 180 Individuen am 19. des Monats in der Nähe von Northeim als durchaus hoch eingestuft werden.
Eine durchgängige Überwinterung gelang mindestens zwei Bartmeisen am Seeanger. Fotogestützte Nachweise der regional seltenen nordöstlichen Nominatform der Schwanzmeise gelangen zwischen dem 7. bis 18. Dezember in der Umgebung der Northeimer Kiesteiche von maximal acht Vögeln. Jeweils Einzelvögel traten am 20. Januar bei Hann. Münden und am 27. Januar im Neuen Botanischen Garten auf.

Schwanzmeise - WVogeley
Abb. 9: Nordöstliche Schwanzmeise bei Northeim Foto: W. Vogeley

Beim Zilpzalp gab es 15 Beobachtungen, die auf sieben Vögel zurückzuführen sind. Etwa die Hälfte der Wintervögel hielt sich über Wochen in Senffeldern auf. Hinweise auf eine durchgehende Überwinterung gab es allerdings nicht.
Winterbeobachtungen der Mönchsgrasmücke gelangen im gewohnten Maße nur spärlich. Je ein Männchen am 1. Dezember im Neuen Botanischen Garten und am 11. Dezember bei Barlissen. Vom Sommergoldhähnchen existiert diesen Winter nur eine Beobachtung von zwei Vögeln am 2. Februar in der Göttinger Südstadt. Der positive Trend scheint vorerst gebrochen.
Nach einem Seidenschwanz Anfang November folgte noch ein Trupp aus fünf Vögeln am 27. Dezember am Großen Freizeitsee. Von einem Einflug kann auch diesen Winter nicht die Rede sein.
Nachweise der Singdrossel passen in das Bild der letzten Jahre. Vom 16. bis 22. Dezember hielt ein Vogel in Hann. Münden die Stellung. Nach einem kleinen Kälteeinbruch gesellte sich eine Singdrossel am 23. Januar für drei Tage zu den überwinternden Rotdrosseln und Amseln im Forstbotanischen Garten. In diesem Zeitraum zeigte sich ein weiterer Vogel nur für einen Tag in Gö.-Weende. Die Rotdrossel trat diesen Winter bemerkenswert häufig in Erscheinung, so gab es alleine im Januar 103 (!) Beobachtungen (Januar 2018: neun Beobachtungen). Im Bereich des Forstbotanischen Gartens und Neuen Botanischen Gartens waren es bis zu 150 Vögel. Diese regional sehr ungewöhnliche hochwinterliche Ansammlung ist auf ein ausgesprochen gutes Beerenangebot (Weißdorn, Roter Hartriegel) zurückzuführen. Die Beeren des Roten Hartriegels, welche als beliebte Vogelnahrung in der Regel im Herbst schon nahezu restlos abgeerntet sind, konnten teilweise noch im Januar zahlreich vorgefunden werden.

Wacholderdrosseln - MSiebner
Abb. 10: Auch sie labten sich am Beerenreichtum: Wacholderdrosseln. Foto: M. Siebner

Trotz des schneearmen Winters sind 13 Beobachtungen des Hausrotschwanzes von sechs verschiedenen Individuen als recht mager anzusehen. In dem sehr guten letzten Winter waren es hingegen noch mindestens 30 verschiedene Vögel.
Von der Heckenbraunelle liegen zwölf Januar-Beobachtungen von vermutlich elf Vögeln vor. Wie viele davon echte Überwinterer waren, ist aufgrund der unauffälligen Lebensweise schwierig zu sagen.
Erwähnenswerte hochwinterliche Ansammlungen des Wiesenpiepers gab es nördlich von Rosdorf mit 14 Ind. am 15. Januar sowie am 31. des Monats mit zehn Vögeln an der Geschiebesperre Hollenstedt.
Von der Gebirgsstelze liegen 79 Beobachtungen vor. Mit bis zu drei Vögeln lag das Klärwerk in der Göttinger Weststadt wieder vor. Ob der Rückgang gegenüber dem vergangenen Winter (117 Beobachtungen) signifikant ist oder auf geringerer Beobachterintensität beruht, muss offen bleiben. Bei der Bachstelze lag das Maximum bei 40 Ind. am 13. Januar im Leinepolder Salzderhelden.
Kopfstarke Ansammlungen von Bergfinken gab es diesen Winter nur sehr lokal. Grund dafür waren verbreitete Trockenschäden, die ein geringes Nahrungsangebot zur Folge hatten, während andererseits Buchenvollmasten auf großer Fläche dafür sorgten, dass Nahrungsgäste sich weiträumig verteilten. Mit einem Schlafplatz in Slowenien, der von bis zu fünf Millionen Vögeln besucht wurde, kann die regionale Maximalzahl von mageren 300 Ind. am 31. Dezember im Bramwald nicht konkurrieren.
Nordöstliche „Trompetergimpel“ gerieten vergleichsweise selten mit 19 akustischen Wahrnehmungen zu Gehör. In dem seit zwei Jahren besetzten Überwinterungsgebiet des Girlitz’ an der Otto-Hahn-Straße in Gö.-Weende, machte sich die Art mit maximal zwei Individuen im Vergleich zu den Vorjahren sehr rar (2017/18: 11 Ind., 2016/17: 15 Ind.). Ein singendes Männchen in einem angestammten Revier schon am 29. Januar in der Kleingartenanlage „Auf der Masch“ in der Göttinger Weststadt war aus regionaler Sicht hingegen sehr früh. Wie schon im letzten Jahr kam es zu einem Einflug des Birkenzeisigs nach Süd-Niedersachsen. Die maximale Truppgröße betrug allerdings dieses Mal „nur“ 300 Individuen. Am 23. Dezember geriet in Gö.-Nikolausberg ein sehr heller Vogel zu Gesicht, welcher als „Polarbirkenzeisig“ –Kandidat gemeldet wurde. Die Beobachtung wurde bereits bei der Deutschen Avifaunistischen Kommission (DAK) dokumentiert, welche den Nachweis final bewertet.
Dreistellige Maximalzahlen der Goldammer gab es am Seeburger See (100 Ind. am 22. Dezember), Duderstadt (110 Ind. am 25. Dezember), Diemardener Berg (150 Ind. am 6. Januar), Feldmark Höckelheim (100 Ind. am 17. Januar), Gö.-Weende (100 Ind. am 25. Januar), ehemalige Tongrube Siekgraben (120 Ind. am 29. Januar) und Feldmark Geismar-Süd (152 Ind. am 11. Februar). Januarbeobachtungen der Rohrammer gelangen von bemerkenswerten neun Individuen an der ehemaligen Tongrube Siekgraben, zwei Vögeln an der Geschiebesperre Hollenstedt sowie sechs aus dem Leinepolder Salzderhelden und einer am Göttinger Hagenberg.

Béla Bartsch, Malte Georg und Ole Henning

Damit schließt dieser Bericht, der nahezu komplett auf Angaben aus ornitho.de beruht. Ein herzlicher Dank der Verfasser geht an die Beobachter/innen:
P.H. Barthel, B. Bartsch, A. Bischoff, S. Böhner, J. Bondick, M. Borchardt, G. Brunken, J. Bryant, H. Dörrie, K. Dornieden, M. Drüner, M. Fichtler, M. Georg, K. Gimpel, M. Göpfert, C. Grüneberg, W. Haase, F. Hadacek, A. Hartmann, F. Helms, O. Henning, D. Herbst, V. Hesse, S. Hillmer, U. Hinz, E. Höhle, S. Hörandl, S. Hohnwald, M. Jenssen, A. Juch, K. Jünemann, U. Jürgens, R. Käthner, J. Kallmayer, H.-A. Kerl, P. Kerwien, P. Keuschen, J. Kirchner, F. Kleemann, J. Krogmann, I. Lilienthal, V. Lipka, T. Meineke, H. Meyer, S. Minta, M. Mooij, M. Nickel (Naturgucker), S. Paul, B. Preuschhof, J. Priesnitz, S. Racky, D. Radde, B. Riedel, H. Rumpeltin, H. Schmidt, M. Schneider, M. Schulze, M. Siebner, D. Singer, A. Stumpner, F. Vogeley, W. Vogeley, M. Wimbauer, D. Wucherpfennig und viele andere.

Warzenente - MSiebner
Abb. 11: Auf in den Frühling mit “Claudia”. Foto: M. Siebner

March 9th, 2019

Naturkundliche Berichte zur Fauna und Flora in Süd-Niedersachsen 6 bis 14 online

Naturkundliche Berichte
Abb. 1: Dicker Stapel mit den Bänden 6 bis 14 der Zeitschrift

Von 2001 bis 2010 wurde die Zeitschrift “Naturkundliche Berichte zur Fauna und Flora in Süd-Niedersachsen” vom Arbeitskreis Göttinger Ornithologen herausgegeben. In den Bänden finden sich der avifaunistische Jahresbericht des jeweils vergangenen Jahres sowie viele interessante Beitrage zu Fauna und Flora der Region. Zu nennen sind u.a. Kapitel über den Mittelspecht, die Vogelwelt des Kerstlingeröder Feldes, des Göttinger Waldes oder des Göttinger Stadtkerns. Der reichhaltige Lesestoff hat dabei heute nicht an Aktualität verloren, hilft er doch Veränderungen in der Vogelwelt zu erkennen und zu verstehen.

Vielen Dank an Prof. Heitkamp, der für die Homepage die PDF-Versionen der Bände 6 bis 14 zur Verfügung gestellt hat. Diese können unter Publikationen abgerufen werden. Neben den kompletten Bänden können auch einzelne Beiträge einzeln angewählt werden.

February 10th, 2019

Späte Brutzeit und Wegzug 2018: ein sehr warmer, sehr trockener und endloser Sommer

Seeanger - MSiebner
Abb. 1: Ausgetrockneter Seeanger mit Schilf als Viehfutter Foto: M. Siebner

Kurz und bündig: Der Sommer 2018 war groß, sehr groß. Er begann Mitte April und machte erst Mitte November einem Kälteeinbruch Platz. Insgesamt gestaltete er sich nicht ganz so warm wie der „Jahrhundertsommer 2003“. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war aber keiner so trocken. In vielen Regionen fiel nur ein Drittel der üblichen Regenmenge. Winzer, Betreiber von Obstkulturen, Eisdielenbesitzer und Freibadgänger jubilierten, während Getreide- und Kartoffelbauern, Binnenschiffer und Förster über Einbußen klagten. Gebietsweise wurde das Grünfutter für Kühe und Schafe knapp. Biobauern hingegen, die aus Prinzip auf eine vielfältige Fruchtfolge setzen und den Boden schonender bearbeiten, waren nicht annähernd so schlimm dran. Und während sich im warmen Rinden-Mikroklima Myriaden gefräßiger Borkenkäfer über die vom Wintersturm „Friederike“ gebeutelten Fichtenplantagen in den Landesforsten und Privatwäldern hermachten, konnte man sich im Göttinger Stadtwald, der seit Jahrzehnten „naturgemäß“ bewirtschaftet wird, gelassen zurücklehnen: Schäden waren hier kaum auszumachen.
Vor dem Hintergrund dieses außergewöhnlichen Wetterphänomens, das sich besonders in Deutschland und Skandinavien bemerkbar machte, fabulierten Klimapropheten und Propagandisten/Profiteure der „Energiewende“ sogleich von einer „neuen Heißzeit“ oder gar vom „Kippen des Klimas“. Meteorologen, die zur Besonnenheit mahnten, kamen in der medial aufgeheizten Stimmung kaum zu Wort. Letztlich wird man frühestens in ca. 30 Jahren ein Urteil über den Realitätsgehalt dieser Prognosen fällen können. Eins ist aber sicher: Sollte der Sommer 2019 kühl und feucht ausfallen, werden sich die Normalbürger nach den Temperaturen des Vorjahrs zurücksehnen und das bekannte Klagelied von Rudi Carrell anstimmen
Das warme und trockene Wetter kam vermutlich einigen Agrarland-Bodenbrütern (z.B. Feldlerche und Rebhuhn) zugute, die in manchen Sommern unter Nässeperioden und Starkregenereignissen zu leiden haben. Andererseits wurden nur wenige Jungamseln gemeldet. Das deutet darauf hin, dass sich Würmer und Schnecken in tiefere Erdschichten verkrochen hatten und als Nahrung für den Nachwuchs nicht zur Verfügung standen. Von durchweg katastrophalen Auswirkungen auf die Vogelwelt kann aber nach allem, was aus der Fachwelt zu hören ist, keine Rede sein. Interessant ist auch, dass es - wie mancher vielleicht erwartet haben mag - zu keinem Einflug mediterraner Vogelarten gekommen ist. Unter den bundesweit gemeldeten Seltenheiten waren sie sogar unterrepräsentiert. Die spektakulären Einzelbruten von Kappenammer und Brillengrasmücke ohne Präzedenz im (eher kühlen und nassen) Sommer 2017 erlebten keine Neuauflage.
Die Dürre machte sich in unserer Region vielfältig bemerkbar. Die Leine führte über Monate Niedrigwasser, die westliche Hälfte des Seeangers fiel ab Mitte Juli komplett trocken. Der Lutteranger und die Alte Rosdorfer Tongrube waren kurz davor. Die Tongruben Siekgraben in der Gemeinde Rosdorf mutierten zur staubtrockenen Wüstenei. Immerhin: Am Seeanger konnten die Vögel auf den benachbarten „Pfuhl“ mit beständig hohem Wasserstand ausweichen.

Leine - MSiebner
Abb. 2: Leine mit Niedrigwasser Foto: M. Siebner

Die ersten Singschwäne der Saison, ein Paar mit drei Jungvögeln, trafen am 25. November an der Geschiebesperre Hollenstedt ein.

Am 4. November hielt sich unweit des Seeangers unter anderen Gänsen eine Ringelgans der dunkelbäuchigen Nominatform auf. Für den Landkreis Göttingen ist dies erst der zweite Nachweis, nach einem am 5. Mai 2002 an der Kiesgrube Ballertasche bei Hann. Münden beobachteten Vogel.
Zwei Weißwangengänse mischten sich ab dem 24. November am Seeburger See und am Seeanger unter die Wasservögel.
Eine entflogene Streifengans mit gelbem Züchterring pendelte im Oktober/November weiträumig zwischen den Feuchtgebieten im Göttinger Ostkreis und in der Leineniederung im Landkreis Northeim.
Ein Paar der Nilgans mit zwei flüggen Jungvögeln an der Kiesgrube Angerstein bei Nörten Anfang September hatte diese vermutlich dort erbrütet. Auch 2017 war in diesem Gebiet ein Paar erfolgreich. Am Seeanger kam es offenkundig zur Brut eines zweiten Paars (drei Küken). Die „Schweinesuhle“ bei Gö.-Esebeck wurde im Juli von einem Paar mit sechs Gösseln zweckentfremdet. Im August war ein Paar am Göttinger Kiessee mit nur einem Nachkommen mäßig erfolgreich. An der Kiesgrube Ballertasche wurde Anfang August ein Paar mit fünf, später nur noch vier flüggen Jungvögeln gesehen. Dass sie dort oder in der Nähe erbrütet worden waren, ist anzunehmen. Damit erhöhte sich die Zahl der erfolgreichen Bruten auf 13 und bewegte sich im Rahmen der letzten Jahre. Obwohl Nilgansbruten, vor allem im ländlichen Bereich, manchmal nicht dokumentiert werden, kann von einer exponentiellen Vermehrung bei uns nach wie vor keine Rede sein, eher wohl vom Erreichen einer Plateauphase.

Nilgansbruten (klein)
Abb. 3: Erfolgreiche Nilgans-Brutpaare 2000-2018 in Süd-Niedersachsen.
Grafik: M. Siebner (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Brandgans trat an der Geschiebesperre Hollenstedt und im Seeanger nur als Einzelvogel auf.
Eine weibliche Warzenente (Zuchtform der südamerikanischen Moschusente) hatte es sich ab Anfang September am Paddlerheim an der Leine in der Göttinger Südstadt gemütlich gemacht. Das neue Maskottchen wurde wegen anatomischer Ähnlichkeiten mit der Nasenwurzel einer prominenten grünen Politikerin vom Paten dieser Art im deutschen Brutvogelatlas auf den Namen „Claudia“ getauft. Als die sympathische Matrone Ende November für ein paar Tage nicht mehr an ihrem Stammplatz auszumachen war, machte sich bei ihrem kleinen Fanclub, von dem sie liebevoll umsorgt wurde, Sorge breit. Umso größer war die Freude, als sie, nicht weit entfernt, am 30. November auf der Leine nördlich des Flüthewehrs wiedergefunden wurde.
Am 7. Oktober schmückte eine männliche Mandarinente den Obertorteich in Duderstadt.
Bruten der Reiherente waren (ab Ende Juli bis Anfang September) dünn gesät: Am Böllestau bei Hollenstedt mit einem Jungvogel, am Göttinger Flüthewehr mit anfangs vier Kleinen, von denen zwei später nicht mehr aufzufinden waren, am Wendebachstau bei Reinhausen mit sieben, am Seeanger mit drei und an der Kiesgrube Ballertasche mit einem Jungvogel. Am Seeburger See schritt die Art zum ersten Mal seit Jahren zur Brut und war mit einem flügge gewordenen Jungvogel erfolgreich.
Ab dem 27. November geriet an den Northeimer Kiesteichen eine merkwürdige Hybridente in den Blick. Als sehr wahrscheinliche Eltern können Kolbenente und Moorente gelten - eine hier noch nie beobachtete Kombination.
Am 9. Juli machten am Göttinger Kiessee drei schlicht gefärbte Schellenten Rast. Über den Ursprung solcher Vögel, deren regulärer Wegzug erst im Herbst einsetzt, ist hier schon mehrfach spekuliert worden. Eine Herkunft aus Brutpopulationen in Sachsen-Anhalt oder aus Niedersachsen nördlich der Mittelgebirgsschwelle liegt nahe. Bislang waren Sommervögel vor allem am Seeburger See präsent. Von besonderer Bedeutung ist, dass sie sich am Kiessee auf einem der Naturschutzbalken niederließen. Damit steht die Balken-Artenliste, eine Göttinger Exzellenz-Initiative mit bundesweiter Strahlkraft, jetzt bei 30 Arten.

Ein weibchenfarbener Mittelsäger mischte sich ab dem 21. November am Seeburger See unter die anderen Wasservögel. Ab dem 28. November bis zum Monatsende war er nicht (mehr) zu sehen.

Von der Wachtel liegen für den Zeitraum Mai - Ende Juli 23 Wahrnehmungen vor. In der Regel waren sie allein unterwegs (Ausnahme: zwei Ind. nahe Landolfshausen). Hinweise auf Revierbesetzungen länger präsenter Männchen gab es nur bei Diemarden und nahe dem ehemaligen Grenzstreifen bei Duderstadt.
In der Rhumeaue bei Rüdershausen ist der Bestand des Fasans angestiegen. Am 17. September hielten sich dort gleich fünf (mit hoher Wahrscheinlichkeit von Jägern ausgesetzte) Vögel auf. Für die bedauernswerten Kreaturen stellt sich die Alternative: Tod durch Abschuss oder Verhungern im Winter.

Der ungewöhnliche Brutplatz des Zwergtauchers am Lakenteich im Hochsolling (350 m ü.NN) war wieder von einem Paar besetzt. Eine Brut verlief, bei normalem Wasserstand, mit drei flügge gewordenen Jungvögeln erfolgreich.
In der Kiesgrube Ballertasche bei Hann. Münden waren (mindestens) vier Paare mit insgesamt neun Bruten sehr gut im Geschäft. Am 26. August bevölkerten mindestens 27 Vögel aller Altersklassen das Gewässer.
Wie heimlich Zwergtaucher brüten können, ist für Göttingen gut dokumentiert: Völlig überraschend geriet Mitte September an der im Stadtgebiet liegenden ehemaligen Tongrube am Siekgraben ein Brutpaar mit zwei Kleinen ins Visier. Die Brut (die erste in der Stadt seit 1993!) verlief erfolgreich. Derweil wird die Grube eifrig weiter mit Erdaushub verfüllt. Sollten die Vögel im nächsten Jahr wieder auftauchen, ist geplant, einen temporären Verfüllungsstopp zu verhängen, immerhin.

Tongrube - MSiebner
Abb. 4: Brutplatz des Zwergtauchers in Göttingen. Foto: M. Siebner

An den Northeimer Kiesteichen konnte nur eine erfolgreiche Brut des Haubentauchers dokumentiert werden. Ob eine Brut an den „Wunderteichen“ südlich des Freizeitsees erfolgreich war, bleibt offen.
Der Brutplatz an den Thiershäuser Teichen (mit sehr niedrigem Wasserstand) war in diesem Jahr verwaist.
Am Seeburger See wurden am 7. Juli 18 Bruten auf Teichrosen gezählt. Weil Bruten zuvor durch Starkwind oder Störungen von Bootsfahrern gescheitert waren, dürfte die Gesamtzahl noch höher gelegen haben. Mindestens elf Paare konnten Schlupferfolg vorweisen.
Am Göttinger Kiessee brachten zwei Paare je einen Jungvogel hoch, Einzelpaare an der Kiesgrube Reinshof und am neuen Brutplatz an den Kiesgruben Groß Schneen je drei. Das Ergebnis am Kiessee bestätigt den negativen Trend, zumal in der Brutzeit nur die beiden Paare anwesend waren.
Am 10. und 11. November machte sich am Northeimer Freizeitsee der erste (und bislang einzige) Rothalstaucher der Wegzug- und Wintersaison bemerkbar.
Vom 1. bis 11. November gaben zwei Ohrentaucher dem Seeburger See die Ehre.
Sommerliche Schwarzhalstaucher erreichten am 2. Juli ebenda mit sieben Vögeln ihr Maximum, einzeln oder zu zweit waren sie dort über Wochen präsent. Ein später Vogel machte am 18. November auf dem Northeimer Freizeitsee Rast.

Ein Sterntaucher traf am 29. November auf dem Northeimer Freizeitsee ein.
Das Gastspiel eines Prachttauchers am 10. November ebenda war offenbar nur von kurzer Dauer. Am 29. November geriet ein zweiter Vogel in den Blick, dem sich einen Tag später der dritte der Saison hinzugesellte.

Der aus dem letzten Winter bekannte Kormoran mit Farbring (Blau 2R8) von der Insel Rügen konnte, nachdem er die Brutzeit in Mecklenburg-Vorpommern verbracht hatte, am 7. Oktober erneut am Seeburger See abgelesen werden.

In der Nacht des 16. Oktober flog eine Rohrdommel über Einbeck. Am 25. November stand eine im Schilf des Seeburger Sees.
Silberreiher verteilten sich im Wesentlichen auf den Leinepolder (maximal 34 Ind. am 17. Oktober) und den Seeburger See (maximal 68 Ind. am 28. November).

War der Dürresommer für den Schwarzstorch ein einziges Desaster? Ganz im Gegenteil! In den Waldgebieten östlich der B 27 bis in den Harz wurden aus acht Bruten 24 Junge flügge, ein Rekordergebnis. Im ehemaligen Kreis Osterode gab es Hinweise auf die erfolgreiche Brut eines neunten Paars. Den Vögeln kam, scheinbar paradox, gerade das Trockenfallen vieler Bäche zugute - hilflose Fische aller Art konnten während der Aufzuchtphase der Jungen bequem erbeutet und verfüttert werden. Wenn es ein Desaster gab, dann eher für Bachforelle und Co. Westlich der Leine sah es allerdings nicht so gut aus. Im Bramwald war nur ein Brutplatz besetzt (dort wurden immerhin vier Jungvögel flügge), der andere, seit mehr als 20 Jahren bezogene, erwies sich als verwaist. Im Kaufunger Wald konnte erneut keine Brut festgestellt werden. Sollten die Vögel nach Hessen gewechselt sein, erwartet sie der massive Ausbau von Windrädern im Wald, dem jetzt schon weitaus mehr Bäume zum Opfer gefallen sind als im heiß umkämpften Hambacher Forst gefällt werden sollen…
Glücklicherweise hat „Friederike“ nur ein Nest zum Absturz gebracht. Es wurde (im Harz) schnell durch eine Nisthilfe ersetzt.

Schwarzstorchnest - JThiery
Abb. 5: Solide Wertarbeit. Künstliche Nestplattform für den Schwarzstorch Foto: J. Thiery

Verglichen mit dem feuchten Sommer des Vorjahrs (bis zu 33 Ind. im Leinepolder) fielen die Wegzug-Rastzahlen sehr niedrig aus, mehr als zwei Vögel zusammen wurden nirgendwo gesehen. Spektakuläre elf Schwarzstörche, die am 23. August über der Göttinger Nordstadt kreisten, sind der größte hier jemals beobachtete, aktiv ziehende Trupp. Zeigte er womöglich an, dass die Vögel schnell das Weite suchten, um in feuchtere Gefilde zu gelangen?
Auch für den Weißstorch war 2018, nach einigen Anlaufschwierigkeiten, letztlich ein gutes Jahr. Im Landkreis Northeim wurden 26 Junge aus 13 Brutpaaren beringt, im Landkreis Göttingen 23 von insgesamt 28 Jungstörchen. Neben dem Nest im Seeanger (vgl. den Vorbericht auf dieser Homepage) blieb auch der Brutplatz bei Wollbrandshausen unbesetzt.

Gleich drei junge Steppen- oder Wiesenweihen gerieten in den Blick: am 22. August über Gö.-Nikolausberg, am 20. September am Seeburger See und am 25. September über dem Bratental bei Göttingen (vermutlich eher Wiesenweihe).
Bis dato liegen Angaben zu zehn, zumeist ziehenden, Kornweihen vor, darunter nur zwei alte Männchen.
Am 10. November ging im Leinepolder ein junger Raufußbussard auf die Jagd.

Mit zwölf Beobachtungen war der Merlin gut vertreten. Am 6. November machte einer am Seeanger erfolglos Jagd auf eine Fledermaus.
Am 8. September flog, fotografisch belegt, ein Rotfußfalke, entweder ein Weibchen oder ein Jungvogel, am Seeburger See umher.

Der Wegzug des Kranichs erbrachte nur am 19. Oktober nennenswerte Zahlen, die einen Vergleich mit früheren Zeiten aushalten. Im bzw. über dem Leinepolder Salzderhelden wurden knapp 2800 Ind. gezählt. Die Gesamtzahl für die Region könnte bei ca. 7000 Ind. gelegen haben. Auf Platz zwei rangiert die Tagessumme vom 16. November mit ca. 2600 Vögeln, von denen allein ca. 1640 über Gö.-Weende zogen. Am 28. Oktober waren es etwas mehr als 1000 Vögel.

Am 8. Juli riefen im Leinepolder zwei Tüpfelsumpfhühner. Am 29. September gelangte dort (wohl) das letzte der Saison zur Beobachtung.

Die (mittlerweile) magische Zahl von 100 Ind. wurde auf dem sommerlichen Zwischenzug von Kiebitzen nirgendwo erreicht - erbärmlich. Die höchste Wegzugansammlung von ca. 250 Ind. konnte, als große Ausnahme, am 30. Oktober in der Feldmark Ebergötzen notiert werden - dort rasteten vor der „Energiewende“ bis zu 3000 Vögel…

Die tagelange Suche engagierter Beobachter (zum Teil mit Schlafsack-Übernachtung vor Ort!) war am 2. September endlich von Erfolg gekrönt: In der ariden Feldmark Ballenhausen südlich von Göttingen rasteten sechs Mornellregenpfeifer (vier alte, zwei junge). Am 9. September flogen drei Ind. über Gö.-Nikolausberg.

Mornellregenpfeifer - MSiebner
Abb. 6: Die Wüste lebt: Mornell (Altvogel) bei Ballenhausen. Foto: M. Siebner

Von der Waldschnepfe liegen ab dem 21. Oktober elf Wegzugbeobachtungen rastender Einzelvögel vor, zum Glück alle außerhalb des Siedlungsbereichs, wo Waldschnepfen oft in Kalamitäten geraten.
Bei keiner anderen Vogelgruppe hat sich der Dürresommer aus regionaler Sicht so negativ bemerkbar gemacht wie bei Limikolenarten, die, anders als Mornell und Waldschnepfe, Feuchtgebiete bevorzugen. Besonders gravierend war der wochenlange Wegfall des Seeangers als beliebter Rastplatz. Limikolen sind jedoch sehr gute Flieger und hochmobil. Das weiträumige Auffinden geeigneter Rastplätze stellt für sie in der Regel kein Problem dar. Wirklich gefährlich können ihnen auf dem Wegzug bei warmer Witterung Ausbrüche von Botulismus werden (oder, bei jedem Wetter, Vogelschießer in Süd- und Südwesteuropa).
Im August wurden an drei Tagen bzw. in zwei Nächten mindestens vier Regenbrachvögel gesehen bzw. gehört. Alle zogen im Luftraum überhin. Wo hätten sie auch landen sollen…
Maximal fünf Große Brachvögel rasteten am 2. Juli im Seeanger. Danach machten sie sich dürrebedingt noch rarer als ohnehin schon.
Bekassinen zeigten erst am 22. Oktober mit 17 Vögeln im Leinepolder ihren maximalen Rastbestand an. An den allermeisten Tagen bewegten sich ihre Zahlen, wie bei den meisten Watvogelarten, im einstelligen Bereich. Letztes traf auch auf den Bruchwasserläufer als Referenzart zu: Zum Beginn der großen Dürre profitierten am 2. Juli im Seeanger immerhin 25 Vögel von den trocken fallenden Flächen. Später lagen die maximalen Tagessummen durchweg unter fünf, zumeist nur bei ein bis zwei Ind. Auch der Alpenstrandläufer, sonst auf dem Wegzug nicht selten, machte sich regelrecht rar: Maximal drei Ind. bevölkerten am 30. September den Seeanger, der nach einem nassen Intermezzo von zwei Tagen wieder etwas Wasser führte.
Als einzige (Halb-)Seltenheit ist ein junger Knutt hervorzuheben, der vom 15. bis 22. September Starvogel der Geschiebesperre Hollenstedt war.
Einen positiven Akzent in dieser Tristesse setzte, immerhin, der Flussuferläufer: Am 18. August drängelten sich gleich 16 Ind. auf einem der Naturschutzbalken im Göttinger Kiessee.

Die Schwarzkopfmöwe trat nur sehr vereinzelt auf: Am 2. und 11. Juli als Altvogel am Seeanger und Seeburger See sowie mit zwei bzw. einem Jungvogel am 14. und 20. September ebenda.
Ab dem 11. November ließ sich am Seeburger See eine Silbermöwe im 4. Kalenderjahr zweifelsfrei identifizieren. Sie hatte sich zuvor an der Kiesgrube Auekrug im ehemaligen, jetzt zu Göttingen gehörenden Landkreis Osterode aufgehalten.

Silbermöwe - MGöpfert
Abb. 7: Silbermöwe (re., mit Steppenmöwe) am Seeburger See. Foto: M. Göpfert

Von der Steppenmöwe liegen nur fünf Nachweise vor: Am 7. Juli im Seeanger (3. Kalenderjahr), vom 8. bis 10. November am Seeburger See (zwei Altvögel), denen ab dem 16. November ein weiterer (?) Altvogel folgte. Ab dem 21. November kamen zwei Jungvögel hinzu, denen ab dem 28. November ein Artgenosse im 4. Kalenderjahr Gesellschaft leistete. Der einzige Nachweis vom Northeimer Freizeitsee stammt vom 29. November (ohne Altersangabe).
Drei Mittelmeermöwen gerieten in den Blick: Am 22. Juli am Seeburger See ein Altvogel sowie am 7. August in der Feldmark Gö.-Geismar (4. Kalenderjahr) und am 20. August in der Feldmark Reinshof (Altvogel).

Am 15. Juli drehte eine adulte Raubseeschwalbe eine Runde über dem Seeanger.
Am 3. Oktober kurvten zwei junge Flussseeschwalben und eine junge Küstenseeschwalbe über dem Northeimer Freizeitsee.

Spätbruten der Ringeltaube sind nicht selten. Möglicherweise sind sie sogar ein bedeutsamer Faktor für den Boom dieser ungemein anpassungsfähigen Art. Am 22. November saß in der Göttinger Weststadt ein Jungvogel im Nest. In Gö.-Treuenhagen schritt ein Paar Anfang Oktober zur Brut und hielt das - nach Laubfall ungeschützte - Nest in der letzten Novemberdekade immer noch besetzt.
Als neues (?) Domizil der Türkentaube kann das Dorf Hoppensen bei Dassel (Landkreis Northeim) verbucht werden. Bemerkenswerte 62 Ind., die am 11. November in der Suhleaue bei Seulingen in drei Bäumen saßen, zeigten eine Höchstzahl der letzten Jahre an und belegten zudem, dass die Art im Eichsfeld immer noch vergleichsweise häufig zu sein scheint.
Auf dem Wegzug wurden insgesamt fünf Turteltauben festgestellt, alles Einzelvögel.

Wie es um den regionalen Brutbestand der Schleiereule bestellt ist weiß niemand. Um die Jahrtausendwende existierten in Süd-Niedersachsen um die 1300 (!) Nistkästen in Scheunen und Kirchtürmen. Wie viele von ihnen gibt es heute noch und wie viele werden aktuell zum Brüten genutzt? Niemand weiß es. Aus dem Berichtszeitraum existieren nur drei Beobachtungen: Am 11. August flog ein Vogel in Seeburg umher, am 19. Oktober in Fredelsloh. Am 24. August lag eine gerupfte Schleiereule auf einem Acker in der Feldmark Gieboldehausen.
Nachdem im Frühjahr kein Brutnachweis der Waldohreule gelang, setzte das traditionelle Paar in Gö.-Treuenhagen einen kleinen Kontrapunkt: Am 29. Juli machten sich zwei Alt- und mindestens drei flügge Jungvogel in der Kleingartenkolonie „Lange Bünde“ lautstark bemerkbar.

Waldohreule - VHesse
Abb. 8: Waldohreule in Gö.-Treuenhagen. Foto: V. Hesse

Am 23. August flog ein (auf dem Wegzug seltener) Wiedehopf nahe dem Seeburger See nach Süden.

Vom Wendehals liegt kein Wegzugnachweis vor.
Interessantes gibt es vom Mittelspecht zu berichten. Am 9. November lieferte ein Vogel den Erstnachweis für den (innenstadtnahen) Alten Botanischen Garten in Göttingen. Diese Beobachtung reiht sich ein in andere im engeren Stadtgebiet abseits der Wälder. Im letzten Winter hat ein Ind. am Kiessee überwintert. Im Januar 2018 hielt sich einer über Tage in der Weststadt gegenüber dem Hagenberg auf, im August 2018 am Pappelwäldchen unweit des Kiessees. Möglicherweise trägt die Alterung des Baumbestands im urbanen Bereich zum vermehrten Auftreten bei. Ob es demnächst zu „Stadtbruten“ kommt, bleibt natürlich offen. Möglicherweise hat der oftmals dominante, in allen genannten Gebieten häufige Buntspecht ein Wörtchen mitzureden…

Am 19. Oktober saß bei Duderstadt unweit der Landesgrenze zu Thüringen ein verbummeltes altes Neuntöter-Männchen auf einem Weißdornbusch.
Am 3. Oktober machte sich, recht früh, der traditionelle Raubwürger in seinem Winterrevier auf dem Kerstlingeröder Feld bemerkbar, eine Woche später sein Kollege am ehemaligen Grenzstreifen bei Duderstadt. Darüber hinaus liegen drei Wegzugbeobachtungen (Niemetal, Kiesgrube Ballertasche, Gartetal bei Diemarden) vor.

Der größte Wegzugtrupp von Saatkrähen bestand aus jämmerlichen 20 Ind., die sich am 1. und 2. November südlich von Göttingen aufhielten.

Für die wenigen Beutelmeisen, die es bei uns noch zu sehen gibt, ist der Seeanger ein beliebter Rastplatz. Am 31. Oktober erreichten sie hier mit sechs Ind. das Maximum. Im Leinepolder (Einzelvogel), am Seeburger See (ein Jungvogel und ein Männchen) und im Göttinger Neuen Botanischen Garten (ziehender Einzelvogel) traten sie deutlich spärlicher in Erscheinung.

Vom 26. September bis 20. Oktober gerieten an 15 Tagen insgesamt mindestens 100 Heidelerchen in den Blick/zu Gehör. Der größte Trupp bestand am 6. Oktober aus 23 Vögeln über dem Kerstlingeröder Feld.

Im Herbst kam es zu einem kleinen Einflug von Bartmeisen. Auch sie favorisierten - obwohl das Schilf stellenweise erheblich unter Viehverbiss gelitten hatte - vom 14. Oktober bis zum Ende des Berichtszeitraums in unterschiedlicher Zahl den Seeanger. Am 21. Oktober wurden bis zu elf Ind. gezählt, an anderen Tagen zwischen zwei und zehn Ind. Wie viele von ihnen über Wochen „sesshaft“ waren, muss offen bleiben. Am 17. Oktober besuchten zwei Ind. die Kiesgrube Reinshof und am 7. November zogen zwei Vögel vom Göttinger Kiessee nach Westen ab.

Bartmeisen - Menzel
Abb. 9: Bartmeisen-Männchen am Seeanger. Foto: B. Menzel

Fotografisch belegt und daher als valide Nachweise einzustufen sind sechs Schwanzmeisen der nordöstlichen Nominatform an den ehemaligen Tongruben Siekgraben am 8. November, ein Einzelvogel (ungewöhnlicherweise unter Genossen der heimischen Unterart europaeus) am 11. November am Seeburger See, drei Ind. am 17. November am Northeimer Freizeitsee, die am Folgetag dort noch präsent waren, und acht Ind. am 30. November ebenda.

Gleich drei Gelbbrauen-Laubsänger wurden in Göttingen dingfest gemacht. Einer ließ sich am 4. Oktober im Neuen Botanischen Garten gut beobachten. Ihm folgte am 15. Oktober ebenda ein sehr heimlicher, zudem äußerst ruffauler Geselle. Solche Vögel sind praktisch unauffindbar, wenn sie agil durch die Vegetation schlüpfen - die ambitionierte Riege junger Nachwuchskräfte, auch die „Gang vom Kellnerweg“ genannt, hat (nicht nur) in diesem Fall ganze Arbeit geleistet. Am 2. November kam einem etwas älteren Beobachter die Kenntnis des zweisilbigen Kontaktrufs zugute: In der Baumreihe aus Pappeln, Weiden und Holunderbüschen südlich des Kiessees machte ein weiterer Vogel das Trio komplett. Damit liegen für das Referenzgebiet des AGO sieben Nachweise vor. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass im Herbst 2018 vergleichsweise wenige Gelbbrauen-Laubsänger im tiefen Binnenland nachgewiesen wurden. Von Göttingen als ihrer Hochburg zu sprechen wäre jedoch vermessen. In der Regel gingen die seltenen Gäste ihren Geschäften zusammen mit Meisen und Goldhähnchen nach.

Der erste (und bis dato einzige) Seidenschwanz der Saison flog, aus regionaler Sicht recht früh, am 4. November über den Göttinger Neuen Botanischen Garten nach Süden.

Vom Star, „Vogel des Jahres 2018“, liegen einige interessante Zählergebnisse vor. Am traditionellen Schlafplatz am Seeburger See versammelten sich am 7. Juli 7000 Vögel. Danach lagen die Zahlen bei 1000 bis 3000 Ind. Am 26. Oktober waren wieder um die 6000 Vögel präsent. Im Leinepolder erreichten sie am 6. September mit 2500 und am 23. Oktober mit 6000 Ind. ihre lokalen Monatsmaxima. Sehr bemerkenswert ist ein (neuer?) Schlafplatz in einer 30-jährigen Fichtenplantage in der Feldmark Behrensen (Landkreis Northeim): Hier begaben sich im Oktober bis zu 20.000 Stare zur Ruhe, am 3. November immer noch 8000. Am 18. November war der Schlafplatz nach einem Kälteeinbruch verwaist. Möglicherweise hat es dabei sich um Vögel gehandelt, die in den vergangenen Jahren an der Geschiebesperre Hollenstedt genächtigt hatten. Im Göttinger Süden bis Diemarden war die Art im August/September im höheren dreistelligen Bereich gut vertreten. Am 30. Oktober zogen ca. 2250 Ind. in kleinen Trupps über das Kerstlingeröder Feld.

Am 6. Oktober zogen von 6.50 Uhr bis 12.00 Uhr 53 Misteldrosseln über das Kerstlingeröder Feld. Mancher wird jetzt sagen: na und? Weit gefehlt: 53 Ind. sind für die Region die bisher höchste Wegzug-Tagessumme dieser eher ungeselligen und nur in kleinen Trupps von, in der Regel, weniger als fünf Ind. ziehenden Art!
Vom 29. September bis zum 17. Oktober gerieten (magere) sechs Ringdrosseln vor die Optik, alles Einzelvögel.
Am 15. Oktober erbrachte eine sehr verdienstvolle Zählung von Amseln auf dem Friedhof Junkerberg in Gö.-Weende bemerkenswerte 138 Vögel. Unter ihnen könnten sich auch rastende Durchzügler befunden haben. Gleichwohl ist die hohe Zahl offenkundig gesunder Vögel auf (nur) ca. 30 Hektar Fläche vielleicht geeignet, die Aufregung um das „Amsel-Massensterben“ durch das afrikanische Usutu-Virus ein wenig herunterzufahren. Das Virus hat in diesem Jahr vor allem in Norddeutschland etliche Opfer gefordert. Dennoch bleibt festzuhalten dass nicht jede abnorm erscheinende Amsel auch krank sein muss. Während der Mauser weisen manche Vögel kahle Stellen am Kopf und ein zerrupftes Gefieder auf. So derangiert sie auch aussehen mögen: Todeskandidaten sind sie in aller Regel nicht.

Amsel - MGöpfert
Abb. 10: Mausernde Amsel in Gö.-Weende. Foto: M. Göpfert

Am 16. August, in der Hauptdurchzugszeit dieses Transsaharaziehers, wuselten an den Wegen und Waldrändern um das Kerstlingeröder Feld mindestens 40 Trauerschnäpper herum. Alle waren im Jugendkleid, was auf einen guten Bruterfolg im 2018 recht warmen Skandinavien hindeutet. So viele Trauerschnäpper an einem Tag wurden in unserer Region noch nie beobachtet. Das grenzte schon an Massenzug dieser (auch) auf dem Wegzug nur spärlich auftretenden Art.
Aus der Feldmark Mingerode (vorjähriger Brutplatz) ist eine erfolgreiche Brut des Schwarzkehlchens nachzutragen. Vermutlich hat es auch in der Feldmark Gö.-Geismar wieder eine Brut gegeben.

Einen regionalen Erstnachweis der ganz besonderen Art konnte M. Göpfert am 30. Oktober im Göttinger Neuen Botanischen Garten erbringen: Unter vielen Hausrotschwänzen tummelte sich ein merkwürdig gefärbtes Männchen, das auch Merkmale des Gartenrotschwanzes zeigte. Auf den Fotos sind eine dunkle Brust (eher verwaschen gefärbt), ein rötlicher Bauch, eine schwarze Kopfpartie und ein helles Stirnband gut zu erkennen, ebenso ein prominentes helles Flügelfeld und Halsband. Östliche Hausrotschwänze der Unterart phoenicuroides, die seit 1995 erst vier Mal in Deutschland nachgewiesen wurden, zeigen niemals ein derart helles Flügelfeld. Zudem ist bei ihnen die schwarze Brust vom roten Bauch scharf abgegrenzt. Daher war von einem Hybriden aus beiden Arten auszugehen. Das merkwürdige Halsband, das man sonst bei Hybriden nicht findet, kam vielleicht durch Mauser zustande. Der interessante Mischling hielt sich bis (mindestens) zum 9. November im Gebiet auf, war aber immer sehr unstet und mobil, und daher nicht leicht zu beobachten.

HausXGartenrotschwanz - MGöpfert
Abb. 11: Männlicher Hybrid Haus- x Gartenrotschwanz. Foto: M. Göpfert

Vom 16. August bis 5. September gelangten bemerkenswerte 21 Brachpieper zur Beobachtung. Mit sechs Ind. wurde am Wüsten Berg südlich von Göttingen am 21. August die höchste Anzahl registriert. In dieser Auflistung nicht enthalten sind drei Ind. am 11. September bei Arenborn (Landkreis Kassel), die bei ornitho.de zwar punktgenau verortet, aber in der Übersicht automatisch einem niedersächsischen Quadranten in der Gemeinde Uslar (Landkreis Northeim) zugeordnet wurden.
Der sichtbare Wegzug des Baumpiepers tröpfelte, bei durchweg „schönem Wetter“, vor sich hin. Mit einer großen Ausnahme: Am Vormittag des 21. August bemerkten die Beobachter am Diemardener Berg, dass der Wind von Nordwest auf Ost drehte. Während vorher am Wüsten Berg 44 Baumpieper (27 ziehend, 17 rastend) notiert wurden, zogen jetzt binnen zweieinhalb Stunden mindestens 728 Ind. (!) über den Zählpunkt. Wie sehr wechselnde Winde den Vogelzug praktisch binnen einer Stunde grundlegend verändern können, ist bekannt, am eindrücklichsten wohl von Helgoland, wenn eine längere Westwindphase vom (Süd-)Ostwind abgelöst wird. Erlebt man dieses Phänomen unverhofft im tiefen Binnenland und quasi vor der Haustür, erscheint es vielleicht noch staunenswerter. Mit 728 Vögeln wurde nicht nur die rezente Höchstzahl von 406 Ind. am 21. August 2013 über dem Kerstlingeröder Feld in den Schatten gestellt, sondern auch der Langzeitrekord von 506 Ind., die am 30. August 1989 nahe Gö.-Weende überhin zogen.
Vielleicht auch weil die meisten Rasthabitate ausgetrocknet waren, machte sich der Rotkehlpieper rar: Am 6. September hielt sich ein Jungvogel im Leinepolder auf.
Vom Bergpieper gibt es seit dem 13. Oktober 18 Nachweise von insgesamt 24 Ind. Möglicherweise könnte auch bei dieser Art die Trockenheit das Rast- und Wintervorkommen negativ beeinflussen.

Auch als Zugvogel ist der Buchfink weitaus häufiger als der Kranich: Vom 26. September bis zum 6. Oktober wurden in der Hauptwegzugzeit an sieben Terminen über dem Kerstlingeröder Feld und dem Kaufunger Wald insgesamt 16.799 Ind. gezählt. Jetzt kann man sich gern ans Extrapolieren machen…
Am 30. September zogen von 6.50 Uhr bis 10.30 Uhr bemerkenswerte 165 Kernbeißer über das Kerstlingeröder Feld.

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Abb. 12: Kernbeißer. Foto: M. Siebner

Am 27. Oktober machten sich im Göttinger Neuen Botanischen Garten die ersten nordöstlichen „Trompetergimpel“ bemerkbar, und zwar gleich zu viert. Bis dato liegen 18 Beobachtungen von mindestens 22 Vögeln vor.
Wer gedacht/gehofft hat, dass der Bestand des aus Südwest-Europa stammenden Girlitz’ bei den vorherrschenden mediterranen Temperaturen in die Höhe schnellen würde, sah sich herbe enttäuscht. Mit den Zahlen geht es weiter bergab, in der Regel wurden nur ein bis zwei Girlitze gesehen, die maximale Tagessumme stammt, mit ganzen sieben Vögeln, vom 26. August aus Gö.-Nilkolausberg.
Wesentlich erfreulicher sind dagegen bis zu 600 Stieglitze, die sich am 31. Oktober an einem von Sonnenblumen geprägten Blühstreifen am Diemardener Berg versammelt hatten. Weil es ein reges Kommen und Wegfliegen war, könnte die Gesamtzahl noch höher gelegen haben.
Deutlich niedriger fielen die Maximalzahlen beim Bluthänfling aus: Seine Truppgrößen erreichten nur selten den mittleren zweistelligen Bereich, 120 Vögel am 1. Oktober bei Eberhausen, 100 Ind. am 8. Oktober in der Feldmark Reinshof und 100 Ind. am 18. November auf einer Brachfläche am Diemardener Berg waren die Ausnahmen. Dies könnte, wenn solche Zahlen zur Regel werden (oder gar weiter sinken), durchaus Rückschlüsse auf die Entwicklung des Brutbestands mit bundesweit ausgeprägt negativem Trend zulassen.

Eine Schneeammer suchte am 25. November im Spülsaum des Seeangers nach Nahrung.
Der Ortolan war vom 16. August bis zum 12. September mit zehn Vögeln gut vertreten. Nächtliche Zugrufe in kurzen Zeitabständen, die bei leichtem Nebel am 4. September über der Göttinger Innenstadt zu hören waren, wurden vom Beobachter gleich vier Ind. zugeordnet. Weil der Ortolan in der Region nur sehr spärlich auftritt und es sich dabei auch um (mindestens) einen desorientierten Durchzügler gehandelt haben könnte, ging nur ein Vogel in die Wertung ein. Gleichwohl ist die Gesamtzahl die zweithöchste hier jemals für den Wegzug ermittelte. Wie beim Brachpieper könnten die guten Zahlen auf einer besseren Erfassung bzw. gestiegenen Kenntnis des Flugrufs beruhen, aber auch einen Hinweis liefern, dass wärmeliebende Bodenbrüter 2018 einen guten Bruterfolg hatten.

Ortolan (klein)
Abb. 13: Ortolane auf dem Wegzug 1999-2018. Grafik: M. Siebner
(zum Vergrößern bitte anklicken)

Damit schließt dieser Bericht, der nahezu ausschließlich auf ornitho-Daten beruht. Der herzliche Dank des Verfassers geht an die Melderinnen und Melder:

P.H. Barthel, B. Bartsch, K. Beelte, J. Behling (Landesforsten), A. Bischoff, S. Böhner, J. Bondick, M. Borchardt, G. Brunken, J. Bryant, H. Dörrie, K. Dornieden, M. Drüner, M. Fichtler, M. Georg, K. Gimpel, M. Göpfert, A. Görlich, E. Gottschalk, F. Grau, C. Grüneberg, W. Haase, F. Hadacek, A. Hartmann, F. Helms, O. Henning, D. Herbst, V. Hesse, S. Hillmer, U. Hinz, E. Höhle, S. Hörandl, S. Hohnwald, M. Jenssen, A. Juch, K. Jünemann, U. Jürgens, R. Käthner, J. Kallmayer, H.-A. Kerl, P. Kerwien, P. Keuschen, J. Kirchner, F. Kleemann, J. Krogmann, V. Lipka, T. Meineke, H. Meyer, S. Minta, M. Mooij, S. Paul, L. Pelikan, G. Peters, F. Petrick, B. Preuschhof, J. Priesnitz, S. Racky, D. Radde, B. Riedel, H. Rumpeltin, T. Sarasa, F.C. von Saltzwedel, C. Schmidt, H. Schmidt, M. Schneider, D. Schopnie, M. Schulz, M. Schulze, M. Siebner, D. Singer, R. Spellauge, I. Spittler, A. Stumpner, J. Thiery (Landesforsten), F. Vogeley, W. Vogeley, D. Wucherpfennig und viele andere.

Hans H. Dörrie

Gelbbrauenlaubsänger - MSiebner
Abb. 14: Bis zum nächsten Herbst?! Gelbbrauen-Laubsänger südlich des Kiessees.
Foto: M. Siebner

December 1st, 2018

Die Feldlerche – Vogel des Jahres 2019 –
in Süd-Niedersachsen:
Vom Himmel in den Abgrund der Roten Liste

Feldlerche - MSiebner
Abb. 1: Singende Feldlerche. Foto: M. Siebner

Auf einem Lesesteinhaufen steht ein kleiner, erdbraun gefärbter Vogel. Er putzt sich, mustert aufmerksam die Umgebung, sträubt ein Häubchen, und dann geschieht etwas Unglaubliches: In Spiralen steigt er, mit schnellen Flügelschlägen und unablässig tirilierend empor, immer höher, bis er nur noch als winziger Punkt am Himmel zu sehen ist. Dort oben bleibt er, immer noch singend, scheinbar unbeweglich stehen, bis es nach einigen Minuten (im Extremfall erst nach einer Stunde!) wieder abwärts geht. Die letzten Meter bis zum Boden legt er als rasantes Geschoss zurück. Nach der Landung ist er wegen seines Tarnkleids nur mit Mühe auszumachen. Weil man dieses Spektakel bereits im Februar beobachten kann, ist die Feldlerche, weit vor der Rauchschwalbe, der wahre Frühlingsbote, über den sich alle freuen, die in der freien Natur noch ohne Kopfhörer unterwegs sind.

Bestand und Bestandsentwicklung

Bereits 1998 hatte der NABU die Feldlerche (Alauda arvensis) zum „Vogel des Jahres“ ausgerufen. Weil das offenkundig nichts gebracht hat, versucht man es im kommenden Jahr ein weiteres Mal. Gründe dafür gibt es genug: Allein im vergangenen Jahrzehnt hat sich der bundesweite Brutbestand um ca. 30 Prozent reduziert. Krüger et al. (2014) geben, gestützt auf die Vorarbeiten für den bundesdeutschen Brutvogelatlas ADEBAR in den Jahren 2005 bis 2009, für Niedersachsen einen Brutbestand von 100.000 bis 200.000 Paaren/Revieren an, verbunden mit der kritischen Anmerkung, dass die „modellierten“ Ergebnisse für diese immer noch recht häufige Art die triste Realität nur unzureichend wiedergeben.
Wie dramatisch der langfristige Rückgang ausgefallen ist, lässt sich daran bemessen, dass für die Jahre 1960 bis 1970 noch 1,2 Millionen Paare/Reviere geschätzt wurden, wohlgemerkt allein für Niedersachsen. Das kommt einem Bestandsschwund von 90 Prozent gleich. Die Aufnahme der Feldlerche in die Rote Liste der gefährdeten Brutvogelarten (Kategorie 3, „im Bestand gefährdet“) ist die traurige Konsequenz.

Regionale Angaben

G. Brunken (in Dörrie 2010) ermittelte in den Jahren 1978 bis 1980 mit Probeflächenkartierungen und Hochrechnungen auf 6.000 Hektar Agrarfläche um Ebergötzen und den Seeburger See (Landkreis Göttingen) eine großflächige Abundanz von 1,25-1,52 Rev./10 ha. Dreesmann (1995) errechnete 1994 für 70 Probeflächen auf 17.200 Hektar Kulturland in Süd-Niedersachsen einen Mittelwert von knapp 1,8 Rev./10 ha. Der höchste Wert wurde in der Gemeinde Gleichen mit 2,8 Rev./10 ha erreicht.
Aussagekräftige Daten, obgleich auch sie nicht mehr aktuell, gibt es von einer 863 Hektar großen Untersuchungsfläche in der Feldmark Behrensen (Landkreis Northeim), die in den Jahren 1983, 1988 und 2001 auf das Vorkommen von Agrarlandbrütern untersucht wurde (Brunken 2003). 1983 betrug der Abundanzwert der Feldlerche 2 Rev./10 ha, 1989 1,9 Rev.10 ha und 2001 2,4 Rev./10 ha, der Bestand konnte daher für den Zeitraum von 18 Jahren als stabil eingestuft werden. Dies deutet auch darauf hin, dass die größten Einbrüche bereits in den 1960er/70er Jahren erfolgt sein müssen. Zum Vergleich: B. Bartsch (Bartsch 2016) notierte in der Brutzeit 2016 auf 620 Hektar intensiv genutzten Agrarlands im Landkreis Diepholz eine Siedlungsdichte von 0,7 Rev./10 ha. 2017 und 2018 lag sie mit 0,6 bzw. knapp 0,7 Rev./10 ha ähnlich niedrig (B. Bartsch, per E-Mail.). Dieses Ergebnis kann für den Nordwesten unseres Bundeslands als durchaus typisch gelten. Die großen Unterschiede in der Besiedlung zwischen Nordwest- und Süd-Niedersachsen können, neben spezifischen Formen der Landnutzung (Stichwort Mais!), auch mit der Höhenlage erklärt werden. Höher gelegene Flächen trocknen nach Regenfällen schneller ab. Dadurch könnten sich die Brutverluste dieser wärmeliebenden Art in Grenzen halten.
Die avifaunistischen Jahresberichte des Arbeitskreises Göttinger Ornithologen aus den Jahren 1999 bis 2008 enthalten eine Fülle von (in der Regel kleinflächigen) Siedlungsdichteangaben aus den Landkreisen Göttingen und Northeim (nicht selten mit Abundanzen von mehr als 5 Rev./10 ha), die im Rahmen dieses kleinen Porträts nicht referiert geschweige denn ausgewertet werden können. Das Fehlen von Folgekontrollen ist hier besonders schmerzlich.
Für die Landkreise Göttingen und Northeim liegt nur ein aktuelles Ergebnis aus Kartierarbeiten vor. T. Langer (Langer 2017) untersuchte vor zwei Jahren im Rahmen einer Magisterarbeit an der Uni Göttingen die Feldlerchen-Brutbestände auf zwei Kontrollflächen in den Feldmarken von Göttingen-Geismar (18,6 km²) und im Eichsfeld (17 km²). In Geismar wurden 1,4 Rev./10 ha ermittelt, im Eichsfeld 1,6 Rev./10 ha. Für einen, mit 49 Hektar allerdings recht kleinen, Teil des Göttinger Untersuchungsgebiets gibt es aus dem Jahr 2001 die Angabe von 3,6 Rev./10 ha (Dörrie 2002). Für eine Analyse der Bestandsentwicklung in der vergleichsweise reich strukturierten Feldmark Geismar reichen die Daten wegen der unterschiedlichen Bezugsgrößen nicht aus. Die von Langer (2017) errechneten Werte liegen vermutlich (die meisten vergleichbaren Untersuchungen sind älter als zehn Jahre) in einem Bereich, der heute für mitteleuropäische Ackerflächen als leicht überdurchschnittlich eingestuft werden kann.
Die Feldlerchen-Brutzeitbeobachtungen in unserer Datenbank ornitho.de sind in der Regel nicht geeignet, Abundanzen anzuzeigen, weil ein auf zehn Hektar bezogener Referenzwert nicht berechnet werden kann. Gleichwohl liefern die Angaben zum Diemardener Berg und Umgebung (U. Hinz, bis zu 42 singende Männchen) und zur Feldmark Geismar (mehrere Beobachter, bis zu 46 singende Männchen) Hinweise auf eine vergleichsweise dichte Besiedlung.
Trotz des insgesamt unzureichenden Datenmaterials und scheinbar geringer Schwankungen bei den großflächigen Abundanzen gibt es Anzeichen für einen weiteren Bestandsrückgang in den letzten Jahren. Ein Blick auf Habitatangebot, Populationsdynamik und Änderungen bei der anthropogenen Nutzung soll das verdeutlichen.

Feldlerche - VHesse
Abb. 2: Feldlerche, immer wachsam. Foto: V. Hesse

Lebensraum

Die Feldlerche ist ein ursprünglicher Steppenvogel, der ausschließlich am Boden brütet. Durch die großflächigen Rodungen der Wälder ab dem hohen Mittelalter und der damit einhergehenden Ausweitung von Ackerflächen und Wiesen vergrößerte sich ihr Lebensraum erheblich. So konnte sie zum klassischen, ungemein häufigen Kulturfolger werden, der zusammen mit dem Haussperling die Vogelwelt des ländlichen Raums dominierte (Zang & Heckenroth 2001). Dreifelderwirtschaft und kleinteilige Nutzungsformen sind ferne Vergangenheit. Heute dominiert die industrielle, auf Chemie und Hightech gestützte Landwirtschaft mit ihren hinlänglich bekannten negativen bis katastrophalen Begleiterscheinungen.
Für die Feldlerche, die auch heute noch eine Präferenz für Getreidefelder zeigt (Langer 2017), ist eine Änderung in der Bewirtschaftung, die ab den 1960er Jahren einsetzte, von besonderer Bedeutung: Während früher der Anbau von Sommergetreide („im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“) gängige Praxis war, werden heute praktisch alle Getreidefelder bereits im Herbst eingesät (Flächenanteil im Göttinger und Eichsfelder Untersuchungsgebiet 47 Prozent, Langer 2017). Daraus ergibt sich, dass Wintergetreideschläge im zeitigen Frühjahr von den Vögeln für die Erstbrut genutzt werden können. Ab Ende Mai stehen die Halme aber so dicht und mehr als 60 Zentimeter hoch, dass diese Flächen als Brutlebensraum kaum noch in Frage kommen; allenfalls die breiten Fahrspuren der Traktoren bieten sich noch zum Brüten an - für die Vögel ein Vabanquespiel. Als weitere Winterfrucht ist der Raps zu nennen (Flächenanteil im Göttinger und Eichsfelder Untersuchungsgebiet 10 Prozent, Langer 2017). Bruten der Feldlerche in Rapsfeldern finden sich vor allem an Randlinienstrukturen, in Fahrspuren und, z.B. nach starken Niederschlägen, auf vegetationsarmen Fehlstellen (eig. Beob.).
Die dominierende Sommerfrucht ist heute der Mais (Flächenanteil im Göttinger und Eichsfelder Untersuchungsgebiet 15 Prozent, Langer 2017), der für Feldlerchen (und alle anderen Agrarbrüter) wegen seiner intensiven Bearbeitung (regelmäßige Biozidduschen eingeschlossen) ein suboptimales bis pessimales Bruthabitat darstellt. Gleichwohl befanden sich 2017 18,7 Prozent der Reviere in Maisfeldern (Langer 2017). Dies kann damit erklärt werden, dass die Maisfelder in einer Zeit, in der Getreidefelder nicht mehr nutzbar sind, immer noch eine lückenhafte Vegetation aufweisen, die für balzende Lerchen attraktiv ist. Später im Jahr, wenn die Pflanzen höher als 60 Zentimeter stehen, werden auch sie von den Vögeln komplett geräumt (eig. Beob.). Über Bruten in Maisfeldern liegen aus der Region nur sehr wenige Einzeldaten vor (A. Görlich, mdl. Mitt.).
Besonders gravierend fällt der Rückgang im Grünland aus. Die Nutzung als Silage (Viehfutter) erfolgt auf diesen Flächen mit bis zu vier Schnitten im Jahr (der erste findet oft schon im April statt!), so dass brutwillige Feldlerchen dort nicht mehr existent sind. Extensiv genutzte Weiden, die früher ein bedeutsamer Lebensraum waren, gibt es im Landkreis Göttingen praktisch nur noch in ein paar Naturschutzgebieten (z.B. auf dem Kerstlingeröder Feld im Osten des Stadtgebiets).
Stillgelegte Flächen oder Rotationsbrachen, die nicht selten optimale Habitate boten, sind nach der Abschaffung von Stilllegungsquoten zur Vermeidung von Überproduktion in der Agrar-Normallandschaft seit Mitte der 1990er Jahre kaum noch zu finden. Der Verlust konnte auch nicht durch die seit 2015 verbindlichen „ökologischen Vorrangflächen“ auf mindestens fünf Prozent der jeweiligen Betriebsfläche kompensiert werden. Der Beitrag des so genannten „greenings“ für den Natur- und Artenschutz in der Agrarlandschaft geht gegen Null (BfN 2017).

Maisfeld - klein
Abb. 3: Mais mit Meise macht mobil. Propagandatafel in der Feldmark Reinshof, aufgenommen am 30. Juni 2018. Im Feld dahinter herrschte Totenstille…

Welche Auswirkungen all diese anthropogenen Veränderungen auf Bruterfolg und Populationsgröße hatten und haben, analysiert Kuiper (2015) in ihrer beeindruckenden Dissertation über Feldlerchen in der niederländischen Provinz Groningen. Sie konnte belegen, dass deren jährliche Reproduktionsrate nicht ausreicht, um den Brutbestand zu erhalten. Die regionale Population ging allein im (vergleichsweise kurzen) Untersuchungszeitraum von 2007 bis 2012 um 40 Prozent (!) zurück. Es handelt sich um eine klassische „sink population“, deren Verluste nicht durch Einwanderung anderer Vögel kompensiert werden können, weil es im weiten Umfeld nicht besser aussieht. Ob die Ergebnisse auf Süd-Niedersachsen übertragbar sind, ist fraglich. Die Schwankungsbreite der Kartierergebnisse aus den letzten 30 Jahren spricht gegen einen massiven Bestandseinbruch. In der Provinz Groningen ist der Grünlandanteil weitaus größer als im Landkreis Göttingen (ca. sieben Prozent). Auch scheint bei uns die Diversität in der Fruchtfolge auf weiten Flächen immer noch einen ausreichenden Bruterfolg zu garantieren. Für Teile Nordwest-Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens könnten sich aber durchaus Parallelen zum Nachbarland ergeben. Manche Teams des alljährlich stattfindenden “Birdrace” haben dort mittlerweile Mühe, eine Feldlerche auf ihre Liste zu bekommen…

Zug und Überwinterung

Der Wegzug der Feldlerche in ihre west- und südeuropäischen Überwinterungsgebiete beginnt eher unauffällig. Die Vögel machen sich bereits im August rar und können dann selbst in Gebieten, in denen sie gebrütet haben, kaum noch ausgemacht werden. Der eigentliche Wegzug kulminiert im September/Oktober. Tagessummen im höheren dreistelligen Bereich sind heutzutage die Ausnahme. Auch dies könnte am allgemeinen Bestandsrückgang liegen.
Im Winter ist die Feldlerche eine bestenfalls sehr spärliche Erscheinung. Von einem Status als regelmäßiger Wintergast ist sie - trotz der als Mantra vorgebrachten Pauschalbehauptung, dass „unsere Zugvögel wegen des Klimawandels immer mehr zu Standvögeln werden“ - in unserer Region weit entfernt. Im (harten) Winter 2009/2010 harrten fünf Vögel nahe dem Gut Wickershausen (Landkreis Northeim) über Wochen aus. Im Winter 2010/2011 fehlte die Lerche komplett. Im Winter 2011/2012 konnte nur ein Dezembervogel ausgemacht werden, im milden Winter 2014/2015 im Dezember in der Leineniederung zwei kleine Trupps von 20 bzw. 24 Ind., die im Januar nicht mehr gesehen wurden Im Januar 2016 gelang keine Beobachtung. Im (milden) Januar 2018 machten bis zu 43 Ind. in der südlichen Göttinger Feldmark Station. Ca. 250 Lerchen, die ab Mitte Januar 2017 in der Feldmark Reinshof ein offenkundig reiches Nahrungsangebot vorfanden, sind die große Ausnahme. Diese Vögel konnten jedoch schon frühen Heimzug indiziert haben. Das Beispiel zeigt aber auch: Neben Frost und Schnee ist es vor allem die Futtermenge, die das Wintervorkommen einiger Agrarlandbrüter limitiert. Wenn man heute wachen Auges ab dem Spätherbst durch die Felder spaziert, wirken diese nachgerade vogelleer. Auf den tot gespritzten und abgeräumten Äckern ist nichts zu holen. Und Futterhäuser in den Dörfern und am Stadtrand werden von Feldlerchen nun mal nicht aufgesucht…
Vom Heimzug, der bereits Anfang Februar einsetzen und in manchen Jahren wegen ungünstiger Witterungsbedingungen irruptiv verlaufen kann, sind zwei spektakuläre Vorkommnisse bekannt: Am 24. Februar 2010 bevölkerte ein riesiger Schwarm von 12.000 bis 13.000 Feldlerchen die Feldmark Gieboldehausen. Nach einem harten Winter hatte Tauwetter eingesetzt und die Vögel zur Heimkehr in ihre Brutgebiete animiert. Die sehr hohe Zahl deutete auf die Auflösung einer Zugstausituation im Südwesten, was aber zumindest anhand der Daten in vogelkundlichen Meldelisten nicht verifiziert werden konnte. Noch zahlreicher waren Feldlerchen im berüchtigten „Märzwinter 2013“ vertreten. In einer klassischen Zugstausituation (Kälteeinbruch und starker Nordostwind) ballten sich im Leinepolder Salzderhelden mindestens 10.000 Ind. In der südlichen Göttinger Feldmark trotzten 3000 Ind. den Unbilden. Weil unter den Vögeln ein reges Kommen und Gehen herrschte - ein Teil versuchte weiter zu ziehen, ein anderer kehrte um - könnte die Gesamtzahl in der Region durchaus im hohen fünfstelligen Bereich gelegen haben. In den meisten Jahren verläuft der Heimzug aber ohne Besonderheiten. Am Beispiel des Leinepolders Salzderhelden (Landkreis Northeim), der mit ca. 800 Hektar den größten Grünlandkomplex in der Region darstellt, lässt sich der Rückgang bei den Rastzahlen belegen: In den 1980er Jahren waren Ansammlungen von bis zu 3000 auf dem Heimzug rastenden Feldlerchen keineswegs die Ausnahme (alle Daten Dörrie (2010),AGO-Jahresberichte, Sammelberichte auf der AGO-Homepage und ornitho.de).

Verfolgung

In der Vergangenheit wurden Lerchen auch in Deutschland zu Millionen erbeutet, meistens auf dem Wegzug. Einen Eindruck vom ungeheuren Verfolgungsdruck liefert die kleinste Maßeinheit, mit der die Vögel gehandelt wurden: der „Schock“, der aus 60 Vögeln bestand. Jedem Fänger gingen jedes Jahr durchschnittlich 100 Schock (= 6000 Vögel) ins Netz. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Fang in Deutschland verboten (Zang & Heckenroth 2001).
In der EU ist die Feldlerche immer noch in sechs Ländern „jagdbar“. Aus vier Ländern liegen für das letzte Referenzjahr 2014 Angaben zu 898.958 getöteten Vögeln vor. Hinzu treten, nach früheren Angaben, 451.671 in Italien und 180.000 bis 400.000 in Griechenland erbeutete Lerchen. Auf Malta und in Frankreich ist die Zahl um 71 Prozent auf 194.229 gesunken. Ob der Rückgang mit einem verminderten Verfolgungsdruck oder dem allgemeinen Bestandsschwund erklärt werden kann, bleibt offen. Im südwest-französischen Département Landes dürfen Feldlerchen nicht nur geschossen, sondern auch mit Klappnetzen und Drahtfallen erbeutet werden (Hirschfeld & Attard 2017). Das nennt sich dort „Tradition“. Ein beliebtes Kinderlied („Alouette“) besingt nicht etwa eine leckere Käsesorte, sondern eine Lerche, der nach und nach alle Federn ausgerissen werden… Der ambitionierte französische Umweltminister, der sich für den Schutz des Ortolans mit der Jäger- und Gourmetlobby angelegt hatte, ist neulich entnervt zurückgetreten.

Feldlerchenküken - TLanger
Abb. 4: Hungrige Feldlerchenküken, noch im Nest. Foto: T. Langer

Schutz

Gestützt auf die alarmierenden Daten vogelkundlicher Verbände wie z.B. des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) mit seinen Monitoring-Programmen ist die Krise der Agrarvögel (und neuerdings der Insekten) im letzten Jahrzehnt zunehmend ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Heute steht im Mittelpunkt der Diskussion die eine Frage: Wie kann den Vögeln geholfen und ihr Niedergang gestoppt werden? Betrachtet man den Hype um das ausgelagerte Konzert eines Popsängers auf dem von Feldlerchen bevölkerten Flughafen Essen-Mülheim im Sommer 2018 scheint alles erfreulich klar zu sein: Das gesetzlich verankerte Schutzbedürfnis brütender Feldlerchen steht höher als irgendwelche Massenevents. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, denn außerhalb der Brutzeit ist praktisch alles möglich. Davon zeugen nicht zuletzt die zahllosen Windräder im Offenland, mit denen der Lebensraum der Vögel immer weiter zugepflastert wird.
Durch die industrielle Landwirtschaft werden Lebensräume von Agrarlandbrütern in rasantem Tempo entwertet. Neben dem galoppierenden Wegfall von Graswegen, Randstreifen und Brachen (jüngstes Beispiel ist die Flurbereinigung in Gieboldehausen) muss das so genannte Zweikulturen-Nutzungssystem als besonders verheerend eingestuft werden: Im Umfeld von Agrogasanlagen (euphemistisch „Biogasanlagen“ genannt) werden Getreidefelder (vorwiegend Roggenfelder) bereits im Mai geschreddert. Nach ein paar Tagen Pause kommt Mais auf die Fläche. Diese brutalstmögliche Nutzungsform lässt keine einzige Vogelbrut hochkommen - ein Massaker sondergleichen. In Südeuropa werden die getöteten Vögel immerhin verspeist… Zum Ausgleich wurden/werden um die Gärbehälter ein paar „ökologisch wertvolle“ Obstbäume gepflanzt. Leider liegen zu den Auswirkungen des Zweikulturen-Nutzungssstems kaum Daten vor, zumindest nicht aus dem Landkreis Göttingen.
Ähnlich trostlos sieht es beim rasanten Vorrücken des Siedlungsbereichs aus: Hier verschwinden die Brutplätze unwiederbringlich durch Überbauung. Eine Abschwächung dieses katastrophalen Trends ist, trotz gegenteiliger Lippenbekenntnisse, nicht in Sicht – im Gegenteil: Der Bauboom bei Neubau- und Gewerbegebieten scheint derzeit auf einen neuen Höhepunkt zuzusteuern. Ein aktuelles Beispiel liefert das Güterverkehrszentrum III im Göttinger Westen (wegen der ehedem existierenden großen Brachflächen auch „Kalahari“ genannt). Auf den Brutplätzen von fünf Paaren stehen jetzt riesige Logistikhallen. Damit ist der Westen des engeren Stadtgebiets endgültig feldlerchenfrei. Jenseits der Landesgrenze zu Hessen soll bei Neu-Eichenberg ein ca. 100 Hektar großer Logistik“park“ entstehen, vermutlich der größte seiner Art in Deutschland, und natürlich auf bestem Ackerland…
Welche Schutzkonzepte gibt es? Neben der Anlage von biozidfreien Ackerrandstreifen und einem doppelten Saatreihenabstand werden seit einiger Zeit so genannte „Lerchenfenster“ in Getreideschlägen als besonders viel versprechend beworben. Diese können ohne größeren Aufwand installiert werden, wenn der Landwirt das Drillen auf ein paar Metern aussetzt, bis eine ca. 20 m² große Lücke entstanden ist, die von den Vögeln auch bei hohem und dichten Aufwuchs zum Brüten und zur Nahrungsaufnahme genutzt werden kann. 2009 startete der NABU das Projekt „1000 Äcker für die Feldlerche“. Bis 2011 beteiligten sich ca. 500 Landwirte und schufen auf 1244 Äckern mehr als 5000 Lerchenfenster. Im Abschlussbericht (Cimiotti et al. 2011) wird festgehalten, dass sich auf Äckern mit Lerchenfenstern mehr Feldlerchen aufhielten als auf fensterfreien. Dies war jedoch nur in den Monaten Mai und Juni (also nach dem Abschluss der Erstbruten anderswo?) statistisch signifikant. Ob die Maßnahme den Bruterfolg steigern konnte, musste bei der Auswertung, die nur während einer Brutzeitperiode vorgenommen werden konnte, unklar bleiben. Bis jetzt sind die Erfahrungen mit Lerchenfenstern europaweit unterschiedlich ausgefallen: in Schweden (Birdlife 2018) und England (RSPB undatiert) positiv, in der Schweiz ohne signifikanten, in den Niederlanden mit negativem Befund (Birdlife 2018). Im nordrhein-westfälischen Brutvogelatlas (Grüneberg et al. 2013) heißt es lapidar: „Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass einzelne Maßnahmen, wie die Anlage von Lerchenfenstern den Bestandsrückgang der gefährdeten Feldlerche nicht aufhalten können“. Dieses ernüchternde Resumée wird durch eine aktuelle Untersuchung von Joest (2018) bestätigt, der für die Hellwegbörde in Nordrhein-Westfalen „keine signifikante Wirkung auf die Aktivitätsdichte der Feldlerche oder anderer Vogelgruppen“ durch Lerchenfenster feststellen konnte.
Lerchenfenster werden mittlerweile gern als Kompensationsmaßnahmen bei Eingriffen in Natur und Landschaft empfohlen. In der südlichen Göttinger Feldmark wurden einige installiert, die auf ihre Wirksamkeit untersucht werden. Bis jetzt noch anekdotisch ist eine Beobachtung aus dem Frühjahr 2018: Kurz nachdem eine (besenderte) Feldlerche in einem Fenster zur Brut geschritten war, fiel ihr Gelege einem unbekannten Prädator zum Opfer (A. Görlich, mdl. Mitt., M. Püttmanns, per E-Mail). Birgt die Konzentration von Lerchen auf ein paar deckungsarmen und daher für Fressfeinde attraktiven Freiflächen ein erhöhtes Prädationsrisiko, vor allem zum Beginn der Brutzeit? Augenfällig war, dass die Fenster bei der Nahrungssuche gut frequentiert wurden. In welchem Umfang die Vögel dort auch zur Brut schritten, ist offen (M. Püttmanns, per E-Mail). Dies stimmt mit Beobachtungen aus Schweden (Birdlife 2018) überein. Hat, wie von dort ebenfalls berichtet wird, die Anlage von Lerchenfenstern vor allem in großen Getreideschlägen einen Sinn? Auf diese Fragen wird es vielleicht in der kommenden Brutzeit Antworten geben.

Eichsfeld - TLanger
Abb. 5: Sonnenaufgang über dem Eichsfeld. Foto: T. Langer

In der Stadt und im Ostteil des Landkreises Göttingen läuft seit mehr als zehn Jahren ein Projekt zum Schutz des Rebhuhns. Staatlich als Agrar-Umweltmaßnahme geförderte Blühstreifen aus einer speziellen Saatgutmischung, die je zur Hälfte alle zwei Jahre gegrubbert werden, sollen das Aussterberisiko verringern. Bis jetzt konnte der Bestand von ca. 250 Paaren immerhin stabilisiert werden. Das ist angesichts der prekären Situation dieser Vogelart mit einem mittelfristigen Rückgang von 97 Prozent schon als Erfolg zu werten (Gottschalk & Beeke 2016). Im Frühjahr 2015 wurden zehn dieser Blühstreifen auf das Vorkommen von Vögeln untersucht. Dabei ergab sich, dass die Feldlerche die am häufigsten gesichtete Vogelart war. Die, unter Einschluss eines 50 Meter breiten Randstreifens (im Wesentlichen Getreidefelder), ermittelte Revierdichte lag mit 6,7 Rev./10 ha recht hoch. Dies könnte einen Hinweis auf die bevorzugte Nutzung von Blühstreifen durch die Lerchen liefern. Wegen der geringen Größe - die Gesamtfläche der zehn Blühstreifen betrug inklusive der 50 Meter-Randstreifen ganze 47,44 Hektar - ist dieser Wert aber bestenfalls von lokaler Aussagekraft (A. Görlich, Verf.).
Ein interessantes Ergebnis der Analyse von Kuiper (2015) ist der weithin fehlende positive Effekt von blütenreichen Randstreifen in der Provinz Groningen. Auch sie wurden im Rahmen von Agrar-Umweltmaßnahmen angelegt. Obwohl weitaus nahrungsreicher als die angrenzenden Getreideschläge, konnten sie weder die Siedlungsdichte noch den Bruterfolg signifikant erhöhen. Dies betraf vor allem Blühstreifen, die weiter als 100 Meter von einem Feldlerchennest entfernt lagen. Die (vergleichsweise) besten Erfahrungen gab es mit Luzernefeldern, die von den Vögeln überdurchschnittlich genutzt wurden. Auch im Landkreis Göttingen werden Luzernestreifen als Artenschutzmaßnahme angelegt, allerdings als Nahrungsflächen für den Rotmilan. Damit die Milane sich über einen längeren Zeitraum an Mäusen gütlich tun können, werden sie entsprechend oft und früh gemäht. Untersuchungen im Frühjahr 2015 (A. Görlich, Verf.) ergaben, dass die Feldlerchen diese ökologische Falle zum Glück weitgehend mieden.
Kuiper (2015) zieht aus ihrer Untersuchung den Schluss, dass es den Lerchen vor allem an sicheren Brutplätzen mangelt, wo sie menschlichen Aktivitäten wie Mahd u.ä. sowie dem gestiegenen Verfolgungsdruck durch gefiederte und vierbeinige Fressfeinde entgehen können. Bedingung für den Bestandserhalt ist eine hohe Diversität der Fruchtfolge (Sommergetreide eingeschlossen). Sie ermöglicht den Vögeln das Wechseln von einer Kultur zur anderen, was besonders für die Zweitbruten, von denen die Populationsgröße letztlich abhängt, von Bedeutung ist (vgl. auch Grüneberg & Sudmann 2013). Erst in diesem Rahmen könnte eine Ausweitung der (kostspieligen) Randstreifen einen Sinn ergeben.
Allemal erstrebenswert ist eine verstärkte Förderung des ökologischen Landbaus. Flade et al. (1993) belegen am Beispiel des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin in Brandenburg materialreich, dass die Auswirkungen auf Siedlungsdichte und Bruterfolg der Feldlerche durchweg positiv ausfallen können. Im Intensiv-Agrarland Niedersachsen sieht es in dieser Hinsicht düster aus. Der Flächenanteil des Ökolandbaus lag 2016 bei 3,4 Prozent (im Landkreis Göttingen bei 4,6 Prozent). Verglichen mit anderen Bundesländern wie dem Saarland, Hessen oder Brandenburg (jeweils deutlich über zehn Prozent) ist das ein sehr niedriger Wert. Bundesweit betrug der auf alle Getreideflächen bezogene Anteil von Biogetreide ganze 3,8 Prozent. Die stärksten Zuwächse gab es in Niedersachsen beim Obstbau und der Haltung von Legehennen, also in Bereichen, die für das Ansiedlungsverhalten von Feldlerchen irrelevant sind.

Fazit

Die Zukunft unseres Porträtvogels gestaltet sich leider, leider alles andere als licht. Die jüngsten Hiobsbotschaften kommen aus Frankreich, wo der Rückgang vieler Agrarbrutvögel wegen des gestiegenen Einsatzes von Pestiziden mitteleuropäische Ausmaße erreicht hat (Gueffroy 2018). Obwohl die Akzeptanz der industriellen Landwirtschaft, besonders der Massentierhaltung, langsam sinkt (was sich bis jetzt aber nur geringfügig im Konsumverhalten niederschlägt), lässt die vielbeschworene Agrarwende auf sich warten. Ob sie im Rahmen eines ausschließlich an “Wachstum” und Profitmaximierung orientierten Wirtschafts- und Gesellschaftssystems (von Kennern der Materie Kapitalismus genannt) konsequent durchgesetzt werden kann? Zweifel daran sind vielleicht berechtigt.

Blühstreifen - WBeeke
Abb. 6: Blühstreifen des Rebhuhn-Schutzprojekts. Foto: W. Beeke

Feldlerchen beobachten – wann und wo

Ein echter Hotspot zur Beobachtung von Felderchen ist die südliche Göttinger Feldmark. Hier sind sie erfreulicherweise noch recht häufig. Das liegt in erster Linie am Wechsel der Anbauflächen. Der Maisanteil ist vergleichsweise gering, dafür gibt es die für Zweit- oder gar Drittbruten wichtigen Rübenfelder. Daneben werden auch Kartoffeln, Bohnen und andere Feldfrüchte angebaut. Feldlerchen suchen mit Vorliebe die Grenzlinien zwischen verschiedenen Kulturen auf, weil dort die Bewirtschaft nicht so intensiv und oft genügend Deckung vorhanden ist (eig. Beob.). Im April und Mai ist die Aktivität der singenden Männchen am höchsten, und man kann sie bequem von den Wegen aus („Heckenweg“ westlich der Bauschuttdeponie oder von der Verlängerung der Straße „Im Bruche“ in Geismar) sehen und hören. Dabei fällt auf: Jedes Männchen singt anders. Imitationen von Lautäußerungen anderer Vogelarten werden regelmäßig in den ohnehin sehr variablen Gesang von hoher Brillanz eingeflochten. Jetzt versteht man, warum er von jeher Dichter und Komponisten inspiriert hat. Auch am Diemardener Berg mit seinen ausgedehnten Schlägen sind Feldlerchen noch gut vertreten.
Leider droht den Vögeln von unerwarteter Seite Ungemach: Von vielen Menschen wird die Feldmark Geismar als „eintönig“ wahrgenommen. Deshalb stoßen aktuelle Pläne, sie „ökologisch aufzuwerten“ und weiter für die Naherholung (u.a. als asphaltiertes Skaterparadies) zu ertüchtigen, in der Regel auf Zustimmung. Als Steppenvogel zeigt die Feldlerche jedoch ein ausgeprägtes Meideverhalten gegenüber vertikalen Strukturen jeder Art. Bäume sind eine beliebte Ansitzwarte für gefiederte Prädatoren. Daher halten die Vögel zu ihnen immer einen Sicherheitsabstand ein, auch und gerade beim Brüten. Eine Verminderung der nutzbaren Brutfläche ist die Konsequenz. Auch von einer Streuobstwiese, nach Angaben der Planer das zukünftige „Highlight“, haben sie nichts. Will man diese Rote-Liste-Vogelart wirklich schützen, sollten in ihrem Lebensraum keine weiteren Anpflanzungen vorgenommen werden, so sehr es einen ursprünglichen Baumsavannenbewohner wie Homo sapiens auch schmerzen mag. Dagegen könnten die vorgeschlagenen Blüh- und Randstreifen durchaus eine Bereicherung darstellen.
Auch ein Ausflug nach Göttingen-Deppoldshausen könnte sich lohnen. Dort ist der Boden flachgründig und voller Steine. Er ist nur mäßig zu bewirtschaften, erwärmt sich schnell, ist voller Arthropoden und bietet den Lerchen ein optimales Ambiente. Hinzu tritt die Vielfältigkeit der Anbauflächen, zu denen auch Versuchsflächen des Klosterguts Reinshof zählen. 2001 konnte auf 152 Hektar mit 3,1, Rev./10 ha eine hohe Siedlungsdichte notiert werden (Dörrie 2002). Ob das immer noch zutrifft?
Ansonsten können Feldlerchen praktisch überall beobachtet werden, wo großflächig Ackerbau betrieben wird. Auf eine Wiederholung des „Märzwinters 2013“, als sie sich in Massen am Göttinger Stadtrand aufhielten und sich, weil geschwächt, zum Teil sehr „zutraulich“ zeigten, sollte man im Interesse der Vögel besser nicht hoffen…


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Abb. 7: Lerchenreiche Feldmark. Gö.-Geismar. Foto: Thomas Meder, Lufbildfotographie Südniedersachsen. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Zum Schluss eine kleine Anekdote mit makabrer Schlusspointe: Feldlerchen verhalten sich bei der Revierverteidigung gegen Rivalen alles andere als friedlich. Beobachtungen von erbitterten Zweikämpfen und wilden Verfolgungsjagden sind nicht selten. Ein Männchen an der Kiesgrube Reinshof stellte im Frühjahr 2000 alles Dagewesene in den Schatten: Diese veritable Aggrolerche flog auf den Beobachter (der nun wirklich nicht als Rivale zu erkennen war) zu und rüttelte vor ihm, schimpfend und auf Augenhöhe. Eine ahnungslos vorbei fliegende Rohrammer wurde bis über die Wasserfläche der Kiesgrube verfolgt, mehrfach ins Wasser gedrückt und letztlich ersäuft (Dörrie 2001).
Und zu aller letzt ein kleiner Tipp: Wird man einer Feldlerche gewahr, die am Boden eher leise und verhalten singt, kann es sich auch um ein Weibchen handeln. Optisch unterscheidbar sind die Geschlechter nicht, denn beide tragen das typische Camouflage-Outfit.

Hans H. Dörrie

Literatur

Bartsch, B. (2016): Die Bedeutung von Landschaftsstrukturelementen für die Avifauna in einer konventionell intensiv genutzten Agrarlandschaft Nordwestdeutschlands. Bachelorarbeit an der Uni Göttingen, unveröff.

Birdlife (2018): Farmers for Skylarks - Unique cooperation to reverse the trend for a threatened species

Brunken, G. (2003): Aspekte zur Entwicklung einer Feldbrüter-Avizönose im Landkreis Northeim (Süd-Niedersachsen). Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 8: 107-118.

Bundesamt für Naturschutz (2017): Agrar-Report 2017.

Cimiotti, D., Hötker, H., Schöne, F. & S. Pingen (2011): Projekt „1000 Äcker für die Feldlerche“ des Naturschutzbundes Deutschland in Kooperation mit dem Deutschen Bauernverband. Abschlussbericht.

Dörrie, H.-H. (2001): Avifaunistischer Jahresbericht 2000 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkdl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 6: 5-121.

Dörrie, H.H. (2002): Ein Beitrag zur Brutvogelfauna im Stadtgebiet von Göttingen (Süd-Niedersachsen). Ergebnisse von Revierkartierungen 2001. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 7: 104-177.

Dörrie, H.H. (2010): Anmerkungen zur Vogelwelt des Leinetals in Süd-Niedersachsen und einiger angrenzender Gebiete 1980-1998. Kommentierte Artenliste. 3., korrigierte Fassung im pdf-Format. Erhältlich beim Verfasser unter info@ornithologie-goettingen.de oder bei der Newsgroup avigoe.de

Dreesmann, C. (1995): Zur Siedlungsdichte der Feldlerche Alauda arvensis im Kulturland von Südniedersachen. Beitr. Naturk. Niedersachs. 48: 76-84.

Flade, M., Plachter, H., Henne, E. & K. Anders (Hrsg.) (2003): Naturschutz in der Agrarlandschaft. Verlag Quelle und Meyer, Wiebelsheim.

Gottschalk, E. & W. Beeke (2015): Stärkste Bestandseinbrüche unter den Feldvögeln: das Rebhuhn. Der Falke 62: 12-27.

Gueffroy, L. (2018): Where Have all the Farmland Birds Gone?

Grüneberg, C. & S.R. Sudmann (2013): Die Brutvögel Nordrhein-Westfalens. LWL-Museum für Naturkunde, Münster.

Hirschfeld, A. & G. Attard (2017): Vogeljagd in Europa - Analyse von Abschusszahlen und Auswirkungen der Jagd auf den Erhalt bedrohter Vogelarten. Ber. Vogelschutz 53/54: 15-42.

Joest, R. (2018): Wie wirksam sind Vertragsnaturschutzmaßnahmen für Feldvögel? Untersuchungen an Feldlerchenfenstern, extensivierten Getreideäckern und Ackerbrachen in der Hellwegbörde (NRW). Vogelwelt 138: 109-121.

Krüger, T., J. Ludwig, S. Pfützke & H. Zang (2014): Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005-2008. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachsen, H. 47. Hannover.

Kuiper, M.W. (2015): The value of field margins for farmland birds. Dissertation an der Universität Wageningen (Niederlande).

Langer, T. (2017): Territory selection of the skylark (Alauda arvensis) in the agricultural landscape of the administrative district of Göttingen. Unveröff. Masterarbeit.

RSPB (undatiert): Conservation projects - Skylark plots

Zang, H. & H. Heckenroth (2001): Die Vögel Niedersachsens, Lerchen bis Braunellen. Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs. B, H. 2.8. Hannover.

Feldlerche - MSiebner
Abb. 8: Ankunft der Lerchen auf einem noch kahlen Acker im Frühjahr.
Foto: M. Siebner

October 29th, 2018

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