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Birdrace 2018 in GÖ und NOM:
Rekordverdächtiges und Ernüchterndes

Schwarzkelchen - Siebner
Abb. 1: Nach dem Rennen hatten ‘Schwarzkelchen’ immerhin
fünf Teams aus der Region auf ihrer Liste. Foto: M.Siebner

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Artenzahl war es nicht, die den diesjährigen regionalen Durchlauf des bundesweiten Birdrace zu einem außergewöhnlichen Ereignis gemacht haben. Ein seit mehreren Tagen stabiles Hochdruckgebiet sorgte am 5. Mai nicht nur zwischen Solling, Harz und Kaufunger Wald dafür, dass Durchzügler Richtung Nordost abgezogen waren oder erst gar keinen Stopp machten und die Artenlisten der Teams in akribischer Fleißarbeit überwiegend mit den regionalen Brutvögeln gefüllt werden mussten.

Viel bemerkenswerter war aus regionaler Sicht die Beteiligung von insgesamt neun Teams in den Landkreisen Göttingen und Northeim – so viele waren es noch nie. Sowohl die Zusammensetzung der Teams als auch die Herangehensweise beim Rennen selbst unterschieden sich dabei erfreulich.

Dass im folgenden darauf – aufgrund der hohen Anzahl der Teams – nicht in aller Ausführlichkeit eingegangen werden, sei bereits vorab entschuldigt.

Sozialbrachvögel
Abb. 2: Die “Göttinger Sozialbrachvögel” im Bramwald,
durch den im Frühjahr der Orkan Friederike gefegt ist.

Der bewährten Mischung aus Routine und guter Vorbereitung blieben die Vorjahressieger von den „Göttinger Sozialbrachvögeln“ (Béla Bartsch, Phil Keuschen, Mathias Siebner und Karl Jünemann aber in diesem Jahr ohne Shauna Grassmann) treu und waren damit auch erneut erfolgreich. Der Start im Bramwald lief wie geschmiert, der fortgeschrittene Vormittag in Göttingen wurde es dann allerdings
zäher. An der alten Rosdorfer Tongrube berichtete ein aus dem Wasser steigender Student, dass der Eisvogel erst weggeflogen ist, als er baden ging - besten Dank dafür… Nur ein Team konnte übrigens 2018 den Flugsaphir beobachten – die Sozialbrachvögel waren es nicht. Letzte Haken auf die Liste kamen dann – wie bei etlichen anderen Göttinger Teams - auf dem Steg vom Seeburger See hinzu.

Lüneburger Grünschnäbel
Abb. 3: Das autofreie Team der “Lüneburger Grünschnäbel”.

Nicht nur mit logistischen Problemen hatte das erstmals im Landkreis Göttingen angetretene Team der „Lüneburger Grünschnäbel“ (Svenja Roosch, Christiane Weber) zu kämpfen. Der Teamname entstammt dem gemeinsamen Studienort der Mitglieder. Dem ursprünglichen Dreiergespann kam kurzfristig eine Mitstreiterin abhanden (Zahnchirurgie…). Der eigentliche Plan, nach einem möglichst
erfolgreichen Start auf Fahrrädern in der Göttinger Umgebung mit dem Bus in Richtung Seeburg aufzubrechen, ging wegen Überfüllung nicht auf, so dass per Muskelkraft in Richtung Westen aufgebrochen werden musste. Und auch auf dem Rückweg entpuppte sich der öffentliche Nahverkehr als unzuverlässig, die Räder mussten in Seeburg zurückgelassen werden. Dass die Grünschnäbel den
Rennverlauf als Debakel verbuchen werden, ist trotzdem unwahrscheinlich. „Wir treten an, um gemeinsam was zu unternehmen und dabei zu sein, nicht um ein Top-Artenergebnis zu erzielen“, sagt Svenja Roosch. Eine sehr sympathische und eigentlich auch gesunde Haltung.

Schwei�störche
Abb. 4: Radelpause bei den “Schweißstörchen”.

Mit den „Schweißstörchen“ (Leo Bolte, Malou Czibeck, Melanie Klock, Sandra Neißkenwirth, David Singer) trat 2018 ein Team an, das bereits zweimal auf Fahrrädern am Wettbewerb teilnahm und damit über einen beträchtlichen logistischen Erfahrungsschatz verfügt. Ausgestattet mit fünf Rädern und einem Anhänger (für Verpflegung und Spektiv) starteten die Schweißstörche um 3.11Uhr in Göttingen, um nach diversen Zwischenstopps über den Göttinger Stadtforst und dem Kerstlingeröder Feld in Richtung Westen bzw. Seeburger See aufzubrechen. Als das Rennen gegen halb elf dort für beendet erklärt wurde, steckten 81 Fahrkilometer in den Knochen der Schweißstörche, und das Team verbuchte mit 107 sein bestes Birdrace-Ergebnis (und den dritten Platz in der Regionalwertung). Ganz praktisch, dass man am Seeburger See seine Zelte aufgeschlagen hatte und direkt vor Ort den verdienten Erholungsschlaf antreten konnte.

Leineuferläufer
Abb. 5: Die “Leineuferläufer” abseits der Leine
am Sachsenstein bei Bad Sachsa.

Die Idee mit der Übernachtung direkt an den Hotpots des Artenreichtums hatten auch andere, nur irgendwie andersherum: Den „Leineuferläufern“ (Severin Racky, Ole Henning, Malte Georg und Silvio Paul) steckte bereits eine Nacht in der Schutzhütte auf 800m Höhe und bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt in den Knochen, als der Wecker das Birdrace einläutete. Geplant war, das Rennen 2018 dazu zu nutzen, den zwei Jahre zuvor im Rahmen der Gebietsreform durch den Landkreis Göttingen erbeuteten Altkreis Osterode genauer unter die vogelkundliche Lupe zu nehmen. Vorwissen dazu gab es kaum, und auch ornitho.de gibt nicht viel her, denn für den Altkreis sind kaum, für manche Gebiete gar keine Beobachtungsmeldungen vermerkt. Dass die Leineuferläufer trotzdem nur knapp am Gesamtsieg vorbeischrammten, spricht nicht zuletzt für die attraktive und abwechslungsreiche Landschaft auf den einverleibten Flächen - mit spektakulären Hochlagen auf Nationalparkterrain, einer Vielzahl kleinerer Naturschutzgebiete und einer vergleichsweise abwechslungsreichen Feldmark.

Uriah Piep
Abb. 6: Reifenpanne bei “Uriah Piep” am Randes des Leinepolders.

Auch im benachbarten Landkreis Northeim ging wieder ein Team an den Start. Wohnhaft im mit Birdrace-Teams gut ausgestatteten Oldenburg entschloss sich „Uriah Piep“ (Joanne Sander, Felix Oßwald) zu einem Start in der alten Heimat. Das Duo wurde zwar nicht von einer „Lady in black“ in aller Frühe um viertel vor fünf aus sanftem Schlummer gerissen, aber immerhin war der „Blackbird“ die
erste Art auf der Liste. Das Leinetal wurde mittels Fahrrad von Norden in Richtung Süden aufgerollt, mit mehr oder weniger ergiebigen Zwischenstopps an den Northeimer Topgebieten Leinepolder, Geschiebesperre Hollenstedt und Northeimer Kiesteiche. Den unbestreitbaren Vorteilen des Sattelritts stellte das Schicksal eines der Risiken ganz praktisch gegenüber: Reifenpanne und kurze Zwangspause. Als es am Abend wieder Richtung Norden ging, hatte Uriah Piep immerhin fünf Arten auf der Liste, die den Göttinger Teams vollständig fehlten.

Zwergpieper
Abb. 7: Das Nachwuchsteam “Zwergpieper” am Abend beim “Isang”.

Es ließe sich noch viel berichten. Zum Beispiel vom Team der „Zwergpieper“, einer echten Youngster-Truppe mit väterlicher Unterstützung, das bis zum Eindruck der Dunkelheit tapfer der Erschöpfung trotzt.

Dynamo Avigoe
Abb. 9: “Dynamo Avigoe” am Ende eines langen Birdrace-Tages
auf dem Steg in Seeburg.

Oder von den Routiniers von „Dynamo avigoe“, die zwar satte vier exklusive Arten verbuchen konnte, darunter mit der Wiesenweihe auch ein echtes Highlight, aber an die eigene Vorjahresergebnisse nicht heranreichten.

Am Ende des Tages hatten die Titelverteidiger aus dem Vorjahr, die Sozialbrachvögel, die Nase erneut knapp vorn. Die Gesamtartenzahl fiel vor dem Hintergrund der grandiosen Beteiligung und der Ausweitung des „Spielfeldes“ mit 140 Arten (2017: 143) eher schmal aus.

Die genauen Ergebnisse können beim DDA nachgelesen werden. Aus regionaler Sicht spiegelt sich in der großen Zahl an Teilnehmern ein in den vergangenen zwei Jahren erfreulich steigendes Interesse an der Feldornithologie – in erster Linie von jungen Beobachterinnen und Beobachtern – nieder. Möge diese Entwicklung anhalten, und sich – nicht nur aber auch – niederschlagen, wenn das Birdrace im Jahr 2019 angepfiffen wird.

P.S.: Danke an M. Siebner, S. Roosch, D. Singer und F. Oßwald für die mitgerteilten Eindrücke von diesjährigen Rennen!

S. Paul

Leineuferläufer-Harz
Abb. 8: Impression früh morgens im Harz mit den “Leineuferläufern”.

May 26th, 2018

Der Vogelwinter 2017/18 in Süd-Niedersachsen:
So weit die Flügel tragen - Besuch aus der Taiga

Birkenzeisig - VHesse
Abb. 1: Birkenzeisig. Foto: V. Hesse

Im Dezember 2017 und Januar 2018 war es dunkel, sehr dunkel. Und sehr, sehr nass. Nur ganz selten riss, zwischen zwei Regengüssen, das dichte Gewölk auf. Dann klammerten sich blasse Kleinkinder in Panik an ihre Eltern, weil sie plötzlich von einem Feuerball geblendet wurden. Gerüchten zufolge soll es sich dabei um ein Gestirn namens ” Sonne” gehandelt haben. Im Dezember schien sie nur 16 Stunden, im Januar war es ähnlich. Damit wurde der extrem trübe Winter 2012/13 noch unterboten. Was tun? Eine bewährte Antwort auf monatelange Dunkelheit kommt aus Finnland. Sie wird dort “Kalsarikännit” genannt, auf Deutsch ungefähr “sich allein zu Hause in Unterhosen betrinken”. Vermutlich hat sie im vergangenen Quartal auch in unseren Breiten einigen Anklang gefunden. Für Abwechslung im trostlosen Einerlei sorgten der Sturm “Burglind” am 2. und 3. Januar und der Orkan “Friederike” am 18. des Monats, der - exakt elf Jahre nach dem legendären “Kyrill” - im Solling und im Raum Einbeck etliche Fichtenplantagen rasierte. Im Nörtener Wald und im Bramwald mussten auch Laubbäume dran glauben, weil das völlig aufgeweichte Erdreich selbst tiefen Wurzeln keinen Halt mehr bot. Im Februar wurde es heller und kälter, viele Stillgewässer und Überschwemmungsflächen froren zum großen Teil zu - und es gab, zumindest für ein paar Tage, Vitamin D satt … In der letzten Dekade schlug die russische Frostknute richtig zu, mit tagelangem Dauerfrost, Nachttemperaturen bis -16°C, schneidendem Ostwind, viel Sonne und wenig Schnee. Zum Schluss wies unter den Stillgewässern nur noch der Northeimer Freizeitsee eisfreie Stellen von nennenswerter Ausdehnung auf, an denen sich Hunderte Wasservögel sammelten.
Die süd-niedersächsischen Vogelbeobachter/innen ließen sich, bis auf einen notorischen Wintermuffel, von diesen Widrigkeiten nicht verdrießen. Sie folgten tagaus, tagein den Spuren ihrer Lieblinge, auch wenn es oft immer dieselben waren. So kamen etwas mehr als 15.000 Beobachtungen für unsere Datenbank ornitho.de zusammen.

Unser treuer lettischer Singschwan mit der Halsbandmarkierung 2E94 ließ sich in seinem sechsten Winter Zeit: Den Dezember verbummelte er offenbar in Mecklenburg-Vorpommern. Im Leinepolder traf er erst am 4. Januar ein. Wenig später leistete ihm ein Paar dort Gesellschaft. Nach dem 27. Januar war das Trio wieder verschwunden. Ab Anfang Februar konnte er im Märkischen Oderland festgestellt werden, allerdings war der Halsring gebrochen. Wenn dieser abfällt bzw. nicht rechtzeitig ersetzt werden kann, wird man über das weitere Schicksal des Vogels vielleicht kaum noch etwas erfahren. Er trägt zwar auch einen Metallring (LVR-EP335), der aber schwerer abzulesen ist als das auffällige Halsband.

Ein kleiner Trupp von drei Kanadagänsen, möglicherweise das Brutpaar vom Lutteranger mit seinem Jungvogel, wurde Ende Dezember im Leinepolder und Mitte Februar im Seeanger notiert, ein Einzelvogel hielt sich im Februar über Tage an der Kiesgrube Reinshof auf.

Kanada+Nonnengans - MSiebner
Abb. 2: Kanadagans und Weißwangengans an der Kiesgrube Reinshof.
Foto: M. Siebner

Am 27. Januar standen sechs Weißwangengänse an der Geschiebesperre Hollenstedt, ansonsten gab es an den Feuchtgebieten die üblichen ein bis zwei herumstreifenden Vögel.
Das Maximum rastender Tundrasaatgänse konnte am 20. Januar mit ca. 3800 Ind. im Leinepolder dokumentiert werden. Bei der Blässgans waren es 1600 Ind. am 31. Dezember ebenda. Mit dem Kälteeinbruch Mitte Februar stiegen die Zahlen an der Geschiebsperre mit bis zu 2500 bzw. 1000 Ind. wieder an. Eine am 25. November 2011 in Noord-Brabant (Niederlande) halsbandmarkierte (schwarz 5VA) Blässgans konnte am 21. Januar im Seeanger abgelesen werden. Die meisten deutschen Winter-Wiederfunde stammen aus dem Osten. Über das Brutgebiet des Vogels ist (noch) nichts bekannt.
Winterliche Brandgänse sind mittlerweile Normalität, aber gleich 15 Ind. am 3. Januar im Seeanger einer besonderen Erwähnung wert.
Das Winter-Maximum von 220 Schnatterenten am 20. Januar im Polder ist durchaus beachtlich.
Bis zu ihrem Zufrieren waren die angestauten Polderflächen auch für Pfeifenten sehr attraktiv. Sie erreichten am 31. Dezember mit mindestens 900 Ind. ein Maximum, das bis dato nur auf dem Heimzug 1999 mit insgesamt ca. 1300 Vögeln am Seeburger See und an der Geschiebesperre übertroffen wurde.
Auch Krickenten waren im Polder mit bis zu 700 Ind. am 7. Januar gut vertreten. Dies betrifft auch den Seeanger und Seeburger See, wo sich im Januar mit bis zu 180 Ind. ungewöhnlich viele aufhielten.

Krickente - SHillmer
Abb. 3: Krickente an der Leine in Göttingen. Foto: S. Hillmer

Eine männliche Moorente geriet am 10. Dezember an den Northeimer Kiesteichen und ab dem 19. Februar an der Geschiebesperre in den Blick. Ein gelbes Steinhuder Stigma war bei den schwimmenden Vögeln nicht zu erkennen.
Der seit dem 30. Oktober am Seeburger See präsente männliche Hybrid Tafel- x Reiherente konnte dort nach dem 28. Januar nicht mehr festgestellt werden. Möglicherweise wechselte er auf den Northeimer Freizeitsee, wo ab dem 24. Februar ein Vogel der gleichen Kombination bestimmt wurde.
Am 2. Dezember rastete eine junge Bergente auf dem Seeburger See. Ihr folgte am 19. des Monats im Leinepolder ein gleichaltriger Artgenosse. Von Ende Dezember bis zum 9. Februar (weitgehende Vereisung des Gewässers) hielten sich am Seeburger See ein bis (meistens) zwei Ind. auf, darunter ein junges Männchen. Am 3. und 4. Februar wurden drei Vögel gemeldet. Der Besuch eines weibchenfarbenen Vogels am 1. Januar auf dem Northeimer Freizeitsee war offenbar nur kurz. Am 20. Januar ließ sich an der Geschiebesperre ein weibchenfarbener Vogel bestimmen, am 27. des Monats im Leinepolder ein junges Weibchen. Ein weiterer Vogel ebenda am 7. Februar war nicht identisch mit einem Artgenossen, der ab dem 13. Februar, also nach der Vereisung der angestauten Wasserflächen im Polder, zwischen der Geschiebesperre und dem Freizeitsee pendelte. Dieser sah jedoch dem Poldervogel vom 19. Dezember recht ähnlich.

Bergente - MGöpfert
Abb. 4: Bergentenerpel im 2. Kalenderjahr auf dem Seeburger See. Foto: M. Göpfert

Am 19. Dezember bereicherten sechs Trauerenten die Vogelwelt des Polders ungemein.
Vom 26. Dezember bis zum 7. Februar zeigten sechs Samtenten, darunter ein junges Männchen mit temporärem Balzgehabe, am Seeburger See eine recht lange, aber für diese Art nicht untypische Verweildauer. Nach der weitgehenden Vereisung reduzierte sich ihre Zahl am 9. Februar auf zwei Ind., danach gab es keine Nachweise mehr.

Auf dem Northeimer Freizeitsee überwintern bis zu drei Rothalstaucher. Zwei Ind., die sich ab dem 10. Januar auf dem Seeburger See eingefunden hatten, mussten nach dem 7. Februar dem Eis weichen.
Anders als bei der vorgenannten Art sind Überwinterungen des Schwarzhalstauchers in unserer Region die große Ausnahme. Insofern sind zwei robuste Vögel vom 23. Dezember bis Ende Februar auf dem Northeimer Freizeitsee eine besondere Erwähnung wert.

In der Leineniederung zwischen Northeim und Einbeck lagen die Maximalzahlen überwinternder Silberreiher bei 35 bis 40 Ind., besonders nach dem Polderstau im Frühwinter. Im Landkreis Göttingen waren es weitaus weniger. Elf Vögel, die am 2. Dezember am Göttinger Kiessee für kurze Zeit auf den Naturschutzbalken balancierten, sind sowohl ein neuer Rastvogel-Lokalrekord als auch eine Höchstzahl für diese Strukturelemente von hoher ökologischer Wertigkeit. Der regionale Winterbestand dürfte sich auf einem mittleren zweistelligen Niveau bewegt haben. Im letzten Winter sah es ähnlich aus. Daraus eine negative Trendwende abzulesen wäre jedoch verfrüht. Wenn es mehr Mäuse gibt, könnten die Zahlen wieder steigen.

Silberreiher - M.Siebner
Abb. 5: Balken-Silberreiher am Kiessee. Foto: M. Siebner

Am 4. Februar gelangte, laut “Göttinger Tageblatt”, ein angeschossener Graureiher in eine Auffangstation in Hilkerode, wo er verstarb. Die Straftat geschah bei Westerode. Ob man den Kriminellen, der “aus dem Jagdbereich” stammen soll, dingfest machen wird? Darauf wetten sollte man besser nicht…

Milde Temperaturen bis Ende Januar, wenig Schnee und das opulente Angebot von Überschwemmungsflächen ermöglichten der Rekordzahl von mindestens zehn Weißstörchen die erfolgreiche Überwinterung, vor allem im Leinepolder Salzderhelden und Umgebung sowie im Umfeld des Seeburger Sees. Es dürfte sich mehrheitlich um ansässige Revierpaare gehandelt haben. Im Februar waren auch andere Brutplätze recht früh besetzt. Über Abwanderungen in der klirrenden Frostwoche zum Ende des Monats ist nichts bekannt.

Wei�storch - MSiebner
Abb. 6: Erwartungsvoll verfroren: Weißstorchpaar bei Hollenstedt. Foto: M. Siebner

Nur drei Kornweihen wurden gemeldet: Ein Weibchen am 26. Dezember im Polder und je ein Männchen am 9. Februar in der Feldmark Relliehausen und am 25. Februar in der Feldmark Moringen. Damit bestätigte sich der Status als (in der Regel) eher seltener Wintergast.
Fast schon Normalität: In der letzten Februardekade mischte ein junger Seeadler die Wasservögel am Freizeitsee und an der Geschiebesperre auf.
Noch seltener als Kornweihen traten winterliche Merline in Erscheinung: Am 26. Dezember hielt sich im Polder ein junges Weibchen auf.

Bedingt durch die milde Witterung stotterte der Wegzug der Kraniche vor sich hin. Am 21. Dezember rasteten noch 500 Ind. im Leinepolder. In der ersten Januardekade belebte sich das Zuggeschehen mit knapp 2000 Kälte-/Schneeflüchtern aus dem Nordosten. Bereits ab dem 1. Februar konnten erste Heimzugaktivitäten notiert werden. Bis zum 20. des Monats zogen mindestens ca. 2700 Ind. nach Nordosten - kühn der Kälte entgegen. In dieser Summe sind akustische Wahrnehmungen in der Dunkelheit nicht enthalten, daher könnten es auch einige mehr gewesen sein.
Wasserrallen sind auch im Winter an einigen Gewässern (vor allem am Seeburger See, wo heuer bis zu sechs vernommen wurden) nicht selten anzutreffen. Dagegen fiel je ein rufender Vogel am 2. Januar in der Schwülmeaue bei Adelebsen und am 30. Januar in der Göttinger Weststadt, in einem Brombeergebüsch neben einer überschwemmten Wiese, aus dem Rahmen.

Im Dezember ließen sich verbreitet noch Trupps des Kiebitz’ ausmachen. Die größte Anzahl wurde am 18. mit mindestens 220 Ind. am Seeanger registriert. Auch im Januar waren sie noch präsent, im Polder und an der Geschiebesperre Hollenstedt hielten sich Gruppen von knapp 40 Vögeln auf. Im kalten Februar war es ähnlich. Größere Heimzugbewegungen waren bis zum Ende des Berichtszeitraums nicht zu vermelden.
Am 10. Januar erschien an der Geschiebesperre ein Flussregenpfeifer, der dort bis (mindestens) zum 26. Februar ausharrte. Eine Überwinterung hat es in unserer Region noch nie gegeben, auch deutschlandweit war dieser optimistische Vogel einzigartig! Gleichwohl steht zu befürchten, dass er es nicht geschafft hat. Bei den extremen Wetterbedingungen dürfte sich das Nahrungsangebot weiter verschlechtert haben.

Flussregenpfeifer - VHesse
Abb. 7: Überwinternder Flussregenpfeifer an der Geschiebesperre. Foto: V. Hesse

Am 29. Dezember zogen sechs Große Brachvögel aus dem Polder nach Nordwesten ab, am 20. Januar geriet ebenda noch ein Einzelvogel in den Blick.
Eine Waldschnepfe wurde am 19. Dezember am Westberg bei Harste hochgemacht. Ein weiterer Vogel flog am 31. Januar an der Rase bei Tiefenbrunn auf. Am 22. Februar gerieten in der Dämmerung nahe Eberhausen zwei umher fliegende Ind. in den Blick, am 25. Februar ein Einzelvogel ebenda.
Im Februar konnten in einem Sumpf im westlichen Landkreis Göttingen bemerkenswerte sieben Zwergschnepfen gezählt werden. Am 24. des Monats wurde ein Ind. an einem Graben südlich der Gartemühle bei Göttingen aufgescheucht.
Die Höchstzahlen überwinternder Bekassinen liegen von der Geschiebesperre mit bis zu 16 Ind. vor. Das Ausharren in der kalten Jahreszeit ist in unseren Gefilden, trotz “globaler Erwärmung”, gerade für Feuchtgebietsarten immer mit Risiken behaftet und kann jederzeit ein fatales Ende nehmen. Sind die Überlebenschancen unter wärmeren Bedingungen besser? Nicht unbedingt: Allein in Frankreich wurden in der Jagdsaison 2013/14 neben 43.183 Zwergschnepfen unfassbare 177.888 Bekassinen abgeknallt - als beliebter Volkssport und ganz legal…(Dutch Birding 40: 48).
An der Geschiebesperre überwinterte ab dem 14. Januar ein Waldwasserläufer.

Von der Steppenmöwe gab es zwölf Beobachtungen, die meisten vom Seeburger See, wo am 26. Dezember gleich drei Vögel notiert wurden. Die anderen stammten vom Göttinger Kiessee und der Geschiebesperre. Fast alle waren Altvögel.

Steppenmöwe - VHesse
Abb. 8: Steppenmöwe am Seeburger See. Foto: V. Hesse

Ringeltauben waren häufiger unterwegs als in anderen Wintern, teils in größeren Schwärmen. Mit 800 Ind. wurden die meisten am 23. Januar bei Obernjesa gezählt.
Aus lokaler Sicht sind 15 Türkentauben am 18. Dezember in Harste erwähnenswert.

Vom Eisvogel liegen 84 Beobachtungen vor. Das sind nur etwa halb so viele wie im letzten Winter (156 Beobachtungen). Möglicherweise haben wiederholte Starkregenereignisse und Hochwasserlagen Bruterfolg und Überleben beeinträchtigt.

Am 26. und 30. Januar quäkte an der Leine am Rand der Göttinger Weststadt ein Mittelspecht, nicht weit entfernt von dem urwüchsigen Wäldchen zwischen Leine und Gronemündung, das durchaus zum Brüten geeignet wäre. Der einzige bekannt gewordene Nachweis aus diesem Bereich liegt jedoch lange zurück und stammt aus dem Frühjahr 1996. Ob es sich bei einem Artgenossen, der im Februar mehrfach am Göttinger Kiessee gesehen und gehört wurde (vgl. auch eine Beobachtung vom 22. Oktober ebenda im vorigen Bericht) um denselben Vogel gehandelt hat, muss offen bleiben. Auf jeden Fall liegen, als regionale Novität, erste Hinweise auf Winterreviere in einiger Entfernung zu geschlossenen Waldgebieten vor.

Mittelspecht - VHesse
Abb. 9: Mittelspecht am Göttinger Waldkindergarten. Foto: V. Hesse

Vom Raubwürger kaum Neues: Er konnte als standortstreuer Winter-Reviervogel (mindestens drei Beobachtungen) auf dem Kerstlingeröder Feld, in der Feldmark östlich von Tiftlingerode sowie am ehemaligen Grenzstreifen bei Duderstadt ausgemacht werden. Am Diemardener Berg und in der Feldmark Atzenhausen ließ er sich zweimal blicken. Einzelbeobachtungen kommen aus dem Bratental, aus der Feldmark Gö.-Deppoldshausen und aus dem Hochsolling (Neuer Teich).

Saatkrähen waren, sehr erfreulich, deutlich besser vertreten als in anderen Wintern. In der südlichen Göttinger Feldmark bis kurz vor Niedernjesa überwinterten ca. 35 Vögel, im Februar konnten dort sogar bis zu 70 Ind. gezählt werden.

Das Januar-Maximum von 43 Feldlerchen am 26. des Monats in der Feldmark Gö.-Geismar fiel angesichts der milden Temperaturen eher mager aus.

Am Seeanger flogen am 23. Dezember mindestens zehn Bartmeisen umher.
Von der nordöstlichen, bei uns sehr selten in Erscheinung tretenden Nominatform der Schwanzmeise (nicht zu verwechseln mit weißköpfigen Vertretern der hier vorkommenden Unterart) liegen drei Beobachtungen von zwei Vögeln vor, beide fotografisch dokumentiert: Vom 1. und 5. Januar in Hann. Münden sowie vom 13. Februar im Forstbotanischen Garten im Göttinger Norden. Sie waren ohne Artgenossen unterwegs (in Münden zusammen mit Blaumeisen), was für das regionale Auftreten typisch ist.

Schwanzmeise_Caudatus - WVogeley
Abb. 10: Strahlend weiß mit Knopfauge: Nordöstliche Schwanzmeise.
Foto: W. Vogeley

Rekordverdächtige 25 Zilpzalpe sorgten für Aufmerksamkeit. Hinweise auf durchgehende Überwinterungen (bei uns sehr selten) gab es von der Kläranlage in der Göttinger Weststadt. An diesem neu erschlossenen Hotspot konnten am 17. Dezember bis zu fünf Ind. ausgemacht werden, auch im Januar/Anfang Februar hielten sich dort noch bis zu drei Vögel auf. Vom Seeburger See gibt es Anzeichen für das Durchhalten von ein bis zwei Ind. Wie es den zarten Insektenfressern ab Mitte Februar ergangen ist bleibt ungewiss.
Gab es, wie mancher vermuten würde, ähnlich viele ausharrende Mönchsgrasmücken? Von wegen! Ganze zwei Männchen wurden notiert, am 2. Januar in Duderstadt und am 14. Januar an einem Rosdorfer Meisenknödel.
Vom Sommergoldhähnchen existieren fünf Beobachtungen von insgesamt sieben Ind. Diese Zahl bewegt sich ungefähr in der Größenordnung des vergangenen Winters. Ob sich ein anhaltend positiver Trend abzeichnet bleibt abzuwarten.

Am 11. Januar suchten vier Seidenschwänze die Nähe des Polizeireviers in Gö.-Weende. Das war’s auch schon mit dem von einigen erhofften Masseneinflug…
Am 20. Januar wurden, als große Ausnahme, im Leinepolder 400 Stare gezählt. Ansonsten war der “Vogel des Jahres 2018″ im Hochwinter nur im niedrigen zweistelligen Bereich vertreten. Damit bestätigte sich erneut, dass das Ausharren von Vogelarten nicht allein von den Temperaturen bestimmt wird, sondern genauso von einer Vielzahl anderer Faktoren (vgl. das Starenporträt auf dieser Homepage).

Misteldrossel - MSiebner
Abb. 11: Größe und ausgedehnte, eher ovale Flecken verraten es:
Das ist keine Sing-, sondern eine Misteldrossel. Foto: M. Siebner

Anders als in klimatisch milderen Regionen Westdeutschlands weist die Chronik unserer Vogelwelt über Jahrzehnte nur die buchstäbliche Handvoll Hochwinterbeobachtungen der Singdrossel auf. Auch in diesem Winter gab es keinen Nachweis, nicht einmal von einem verbummelten Dezember-Vogel. Im starken Kontrast dazu wurden bei der NABU-”Stunde der Wintervögel” Anfang Januar aus 599 Gärten in den Landkreisen Göttingen und Northeim 33 Singdrosseln gemeldet. Obwohl nicht auszuschließen ist, dass sich darunter der ein oder andere korrekt bestimmte Futterhausbesucher befunden haben könnte, sind Verwechslungen mit anderen Drosselarten, speziell mit dem verbreiteten Wintergast Misteldrossel, um einiges wahrscheinlicher. Solche Mondzahlen sind der Aussagekraft dieses als “wissenschaftliches Erfassungsprogramm” beworbenen Events kaum förderlich. Auch dienen sie leider häufig als pauschaler Beleg, dass “Zugvögel immer mehr zu Standvögeln werden”…

Wie im letzten Winter überwinterte in der Feldmark südlich von Göttingen ein Schwarzkehlchen, diesmal vor allem auf einem großen Rübenacker, der wegen der Nässe nicht abgeerntet werden konnte und später nur die Biogasanlage befeuterte.

Schwarzkehlchen - MSiebner
Abb. 12: Überwinterndes Schwarzkehlchen im Süden von Göttingen. Foto: M. Siebner

So viele Hausrotschwänze gab es noch nie in einem Winter: Es liegen Meldungen zu mindestens 30 verschiedenen Ind. vor. Die meisten Dezember-Vögel im Offenland (z.B. bis zu neun Ind. in der Feldmark Rosdorf) betrafen wohl den späten Wegzug. In Göttingen gab es einmalige Konzentrationen an einigen günstigen Ecken. Auf dem aus dem letzten Winterbericht bekannten begrünten Flachdach (mit “Fußbodenheizung”) in der Göttinger Weststadt verweilten über Wochen bis zu fünf Ind. Ähnlich sah es an der Kläranlage im Göttinger Westen aus, wo sich ebenfalls bis zu fünf Vögel einfanden. An der JVA Rosdorf, einem weiteren beliebten Winter-Luftkurort, ließen sich bis zu drei ausmachen. Hinweise auf einen ausharrenden Vogel stammten wie im letzten Jahr von der Norduni. Im weiteren Verlauf gingen die Zahlen aber zurück. Am Klärwerk wurde nach dem 17. Januar kein Hausrotschwanz mehr gesehen. Die Flachdach- und Knastpopulationen schrumpften im Februar auf jeweils ein bis zwei Vögel, so dass sich am vertrauten Regionalbild von Überwinterungen, die selten erfolgreich verlaufen, letztlich kaum etwas änderte. Gleichwohl ist ein positiver Trend bei den Zahlen, in schneearmen Wintern wohlgemerkt, unverkennbar.

Aus dem Januar gibt es bemerkenswerte 23 Beobachtungen von insgesamt 29 Heckenbraunellen. Wie viele länger verweilten ist wegen ihres heimlichen bzw. unauffälligen Verhaltens schwer zu sagen. Immerhin: In den beiden Göttinger Botanischen Gärten überwinterte je ein Vogel. Auch das traditionelle Überwinterungsareal am Northeimer Freizeitsee war wieder besetzt. Hinweise auf ein langes Ausharren lagen auch von der Göttinger Norduni vor.

Der am 2. Oktober 2016 von M. Mooij mit einer Tonaufnahme belegte Waldpieper über dem Kerstlingeröder Feld ist von der Deutschen Avifaunistischen Kommission (DAK) anerkannt. Damit steht die regionale Artenliste jetzt bei 331 Arten/Taxa.
Nennenswerte hochwinterliche Ansammlungen des Wiesenpiepers gab es nur am 13. Januar in der “Kalahari” (GVZ III) im Göttinger Westen sowie am 21. Januar am Seeanger, mit jeweils 15 Ind.
Mehr vom Winter- und Heimzugvorkommen des Bergpiepers im nächsten Bericht.
Am Göttinger Klärwerk überwinterten ca. zwei bis drei Gebirgsstelzen. Das ortsfeste Ausharren ist durchaus ungewöhnlich. Meist fliegen die Vögel weit umher, was eine Quantifizierung des Winterbestands schwierig macht. Dieser dürfte in Göttingen (Kiessee, Flüthewehr, Leinekanal, Levin-Park) grob geschätzt bei ca. fünf Ind. gelegen haben, mit den Klärwerkern also um die acht, was einen Bestand im guten Durchschnitt anzeigt.

Gebirgsstelze - MSiebner
Abb. 13: Gebirgsstelze am Levin-Park. Foto: M. Siebner

Sehr ungewöhnlich sind bis zu 100 wagemutige Bachstelzen, die sich im Januar peu à peu an Überschwemmungsflächen in der Feldmark Reinshof versammelten. Zunächst machten sie einen munteren Eindruck. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Anfang Februar trat die berüchtigte Gülle-Bewegung auf den Plan und verwandelte die Felder in Kloaken, über denen ein beißender Gestank von Ammoniak hing. Die Vögel waren zum Ausweichen gezwungen. Ende Februar konnten in der Feldmark Geismar noch ca. 30 Ind. ausgemacht werden, denen es bei zunehmender Vereisung, strengem Frost und einem grimmigen Ostwind alles andere als gut ging… Immerhin wärmte, bei mäßigen Minusgraden tagsüber, die Sonne schon etwas.

Vom gigantischen Herbsteinflug von Kernbeißern nach Mittel- und Westeuropa ist unsere Region allenfalls gestreift worden. Nur der Göttinger Stadtfriedhof, wo bis zu 60 Ind. herumzickten, lieferte einen matten Abglanz.
Über das Auftreten nordischer “Trompetergimpel“, deren Aufenthalt sich bis Ende März hinziehen kann, wird im nächsten Bericht Auskunft gegeben.
An der Otto-Hahn-Straße in Gö.-Weende überwinterten, wie in den Jahren zuvor, bis zu elf Girlitze.
Wie diffizil sich die Einordnung mancher Beobachtungen gestalten kann, zeigt das folgende Beispiel: Am 30. Januar geriet in der Feldmark Wiershausen ein hektischer Schwarm von ca. 40 Finkenvögeln ins Blickfeld eines Beobachters. Die perfekt verfasste Beschreibung mit Auflistung buchstäblich aller Bestimmungsmerkmale (einschließlich des Gesangs!) kann eigentlich nur den Schluss zulassen, dass es sich um Berghänflinge gehandelt hat. Fotos und/oder Tonaufnahmen, die letzte Zweifel hätten ausräumen können, liegen leider nicht vor. Einen Schwarm in dieser Größenordnung hat es in unserer Region zuletzt vor mehr als 30 Jahren gegeben. Mittlerweile ist die Art hier eine echte Rarität. Der jüngste Nachweis (von zwei Ind.) stammt aus dem November 2013 aus der Feldmark Behrensen. Auch der Aufenthaltsort der Vögel im waldreichen Bergland fällt aus dem Rahmen: Bis dato wurden Berghänflinge fast nur auf ausgedehnten Offen-/Ruderalflächen im Leinetal oder im Eichsfeld beobachtet.

Birkenzeisig - MSiebner
Abb. 14: Birkenzeisig. Foto: M. Siebner

Der imposante, bereits im Vorbericht erwähnte Einflug von östlichen Birkenzeisigen hielt auch im Winter unvermindert an. Er kulminierte am 7. Januar am Seeburger See mit einem kolossalen Schwarm von ca. 1200 Vögeln, unter denen sich auch ein paar andere Finken verborgen haben könnten. Die größte beim Einflug 1995 notierte Ansammlung war weniger als halb so groß.
Der Fang eines in Nordostchina (Provinz Heilongjiang) beringten “Taigabirkenzeisigs” am 24. Dezember in Dänemark beleuchtet eindrucksvoll, aus welchen Großräumen zumindest einige dieser Vögel nach Europa geflogen sind. Singulär sind solche Nomaden nicht: Mittlerweile liegen seit 1985 mindestens sieben Wiederfunde vor (vgl. V. van der Spek in www.turnstones.org), sowohl von in Nordostchina beringten Vögeln in Westeuropa als auch umgekehrt. Zwischen Beringungs- und Wiederfundort lagen jeweils 6000 bis mehr als 7000 km. Die Zeitspanne schwankte zwischen ungefähr einem Jahr und mehr als vier Jahren. Man kann staunend nachvollziehen, wie die agilen Kerlchen munter durch den endlosen eurasischen Waldgürtel stromern und vermutlich, je nach Nahrungsangebot, irgendwo auch Zeit zum Brüten finden.
Interessant ist auch der vergleichsweise hohe Anteil von “Alpenbirkenzeisigen”. Sie traten zwar deutlich spärlicher als ihre hellen Artgenossen in Erscheinung, bildeten aber ebenfalls ansehnliche Schwärme wie z. B. mit mindestens 180 Ind. am 18. Dezember am Seeburger See. Das Verbreitungsgebiet des “Alpenbirkenzeisigs” ist, verglichen mit den Taigabewohnern, recht klein und im Wesentlichen auf Teile Mittel- und Westeuropas beschränkt. Woher stammten diese Vögel? Wurden sie erst in Mitteleuropa mitgerissen? Oder gibt es auch im Osten Birkenzeisige, die so dunkel sind?
Bei der schieren Masse der Invasoren war es fast schon unvermeidlich, dass einige sehr helle Individuen vor die Optik gerieten. Einer dieser als “Polarbirkenzeisig” gemeldeten Kandidaten vom 22. und 23. Dezember nahe dem Seeanger wies Merkmale auf, die in dieser Kombination nicht zu einer der bislang bekannten Formen passten. Ein weiterer vom 1. und 10. Februar am Seeburger See wirkte auf den (”miesen”) Fotos sehr hell (”Schneeball”). Hier gingen namhafte, vom Beobachter angefragte Experten von einem sicheren “Polarbirkenzeisig” aus. In den Augen anderer, bei weitem nicht so prominenter Vogelkenner lassen Fotoqualität und Beobachtungsumstände eine sichere Diagnose nicht zu. Die DAK, die als letzte Instanz über die Validität der Nachweise zu befinden hat, ist wahrlich nicht zu beneiden…

Eine Grauammer hielt sich am 14. Februar in der Feldmark Atzenhausen in einem Schwarm Goldammern auf. Im vergangenen Winter gab es Nachweise aus der Feldmark Reinshof und vom Northeimer Freizeitsee. Bahnt sich hier eine interessante Entwicklung an?
An den ehemaligen Tongruben Siekgraben überwinterten, aus regionaler Sicht bemerkenswert, zwei Rohrammern.

Damit schließt dieser Bericht, der nahezu komplett auf Angaben in unserer Datenbank ornitho.de beruht.

Hans H. Dörrie

Schwarzhalstaucher - BRiedel
Abb. 15: Wacker: Schwarzhalstaucher auf dem Northeimer Freizeitsee.
Foto: B. Riedel

Ein herzlicher Dank geht an die Beobachterinnen und Beobachter:

P.H. Barthel, B. Bartsch, R. Bayoh, S. Böhner, J. Bondick, M. Borchardt, G. Brunken, J. Bryant, A. Delius, H. Dörrie, K. Dornieden, M. Drüner, M. Fichtler, M. Georg, K. Gimpel, M. Göpfert, F. Grau, C. Grüneberg, W. Haase, F. Hadacek, A. Hartmann, F. Helms, O. Henning, D. Herbst, V. Hesse, S. Hillmer, U. Hinz, S. Hörandl, S. Hohnwald, D. Jákli, M. Jenssen, A. Juch, K. Jünemann, R. Käthner, H.-A. Kerl, P. Kerwien, P. Keuschen, J. Kirchner, F. Kleemann, A. Krätzel, M. Kuschereitz, V. Lipka, G. Mackay, T. Meineke, H. Meyer, S. Minta, M. Mooij, M. Otten, S. Paul, F. Petrick, B. Preuschhof, J. Priesnitz, S. Racky, D. Radde, U. Rees, B. Riedel, H. Rumpeltin, C. Schmidt, H. Schmidt, D. Schopnie, M. Schulze, L. Sebesse, M. Siebner, A. Stumpner, A. Sührig, D. Trzeciok, F. Vogeley, W. Vogeley, K. Wagner, C. Weinrich, J. Weiss, A. Wiedenmann, D. Wucherpfennig und andere.

Grünfink - MSiebner
Abb. 16: Grünfink in der Feldmark Reinshof. Foto: M. Siebner

March 4th, 2018

Späte Brutzeit und Wegzug 2017 in Süd-Niedersachsen: Wind und Regen ohne Ende

Mittelsäger - M.Siebner
Abb. 1: Mittelsäger am Göttinger Kiessee. Foto: M. Siebner

Das Wetter im Berichtszeitraum Juli - November gestaltete sich, nun ja, recht wechselhaft. Stabile Hochdrucklagen im Sommer: Fehlanzeige. Die Folge war ein extrem nasser Juli. So etwas ist in unseren Breiten nicht ungewöhnlich. In der letzten Dekade des Monats kam es jedoch besonders heftig: Das Tiefdruckgebiet „Alfred“, ein veritables Ekel, sorgte für tagelangen, unwetterartigen Dauerregen. Die Pegel der Leine und ihrer Nebenflüsse stiegen dramatisch. Nördlich des Harzes war auf großer Fläche Land unter. In Süd-Niedersachsen kam es nicht ganz so schlimm, doch mussten der Leinepolder Salzderhelden und der Seeanger zeitweise aufgestaut werden, um der Wassermassen Herr zu werden. Über Brutverluste in diesen Gebieten kann man nur spekulieren. Weil der Stau im Hochsommer erfolgte, könnten sie sich, ein paar Spätbrüter ausgenommen, in Grenzen gehalten haben. Das Wasser stand über Wochen in den Niederungen und wurde im August mit Nachschub versorgt. Davon profitierten rastende Wat-, Wasser- und Schreitvögel.

Braunkehlchen - M.Siebner
Abb. 2: Junges Braunkehlchen am Rand des aufgestauten Leinepolders.
Foto: M. Siebner

Die Folgemonate waren unter anderem von den Sturmtiefs „Sebastian“ am 13. September, „Xavier“ vom 6. bis 8. Oktober und „Herwart“ am 29. Oktober geprägt. Sie sorgten für Schäden am Baumbestand, besonders sinnfällig „Herwart“, der im Levin-Park eine alte Weide zum Einsturz brachte, auf der in den Vorjahren Graureiher gebrütet hatten. Oktober und November waren grau, langweilig und von Hochnebel gekennzeichnet. Und natürlich immer schön feucht…
War das Vogelleben ähnlich eintönig? Das mag die geneigte Leserschaft entscheiden, wenn sie die folgenden Zeilen hinter sich gebracht hat.

Beobachtungen eines Höckerschwan-Paars mit sechs nichtflüggen Kleinen Ende Juli und Anfang August zeigten im Leinepolder eine zweite erfolgreiche Brut an, die achte in der Region. Das erste Paar (mit vier Kleinen) wurde nach dem 10. Juni nicht mehr gemeldet.
Am 7. Oktober rasteten sieben Kanadagänse an den Northeimer Kiesteichen. Das erfolgreiche Brutpaar vom Lutteranger (erste Brut in der Region) ließ sich bis Mitte September im Seeanger blicken.
Im Herbst fanden sich am Seeburger See bis zu zwei stationäre Weißwangengänse ein, an der Geschiebesperre Hollenstedt am 30. Oktober ein Einzelvogel.
Die treue Graugans aus Tschechien mit der Markierung I29 verbringt jetzt schon ihr viertes Jahr bei uns. Auch der aus dem Herbst 2015 bekannte, ebenfalls 2012 in Tschechien markierte Vogel mit der Signatur T48 meldete sich (am Seeanger) zurück. Am 9. November traf an der Geschiebesperre Hollenstedt ein polnischer Artgenosse (YP020) ein.

Graugans - M.Göpfert
Abb. 3: Zurück: Graugans T48 im Seeanger. Foto: M. Göpfert

Von der nahezu ganzjährig produktiven Nilgans sind von Ende Juli bis Anfang September weitere Bruten zu vermelden: Im Leinepolder Salzderhelden (II) mit vier sowie an der ehemaligen Kiesgrube im Polder I mit mindestens vier Kleinen, an der Kiesgrube Angerstein (zwei Jungvögel, erster lokaler Brutnachweis), in Bodensee (sieben Kleine), am Seeanger (vier oder fünf Kleine) und im Göttinger Levin-Park (Brut eines zweiten Paars im Graureihernest, anfangs fünf, später nur noch drei Kleine). Möglicherweise hat es am Golfplatz Levershausen, wo Anfang August eine Familie mit sieben flüggen Jungen gesehen wurde, eine Brut gegeben. Auch bei einer Familie mit flüggem Nachwuchs in gleicher Zahl, die sich Mitte bis Ende August an den ehemaligen Tongruben Siekgraben und der Alten Rosdorfer Tongrube aufhielt ist nicht klar, wo die Brut stattgefunden hat. Insgesamt 14 bis 16 erfolgreiche Bruten liegen im guten Schnitt der letzten Jahre, von einem rasanten Anstieg der Brutpopulation ist unsere Region immer noch weit entfernt. Die Maximalzahl für den Berichtszeitraum liegt vom 20. August mit 220 Ind. aus dem Leinepolder vor.
Brandgänse waren ständig präsent, jedoch in geringer Anzahl. Die Maximalzahlen wurden im August mit jeweils fünf Ind. im Leinepolder und am Göttinger Kiessee (!) erreicht.
Eine Rostgans rastete am 13. August im Seeanger, zwei Ind. waren am 15. September im Leinepolder.

Von Ende Oktober bis Ende November trafen (erneut) bis zu drei Mandarinenten (2 M., 1 W.) am Duderstädter Obertorteich ein. Am nahen Stadtwall stehen viele alte Bäume mit potentiellen Bruthöhlen. Eine Ansiedlung wäre für die Eichsfeldmetropole sicher eine Attraktion, die in ihrer Strahlkraft den diversen Weihestätten eines global agierenden Prothesenfabrikanten nicht nachstehen würde.
Ziemlich katastrophal fiel der Schlupferfolg der Reiherente aus: Im Landkreis Göttingen gab es keine erfolgreiche Brut. Im Landkreis Northeim führte ein Weibchen am 31. Juli an der Kiesgrube Angerstein sechs Kleine, an der Geschiebesperre Hollenstedt war im August ein Weibchen mit fünf und im Leinepolder mit vier Jungen präsent. Mit einiger Wahrscheinlichkeit hat „Alfred“ mit seinen Wassermassen die Fortpflanzung dieser spät brütenden Art schwer beeinträchtigt.
Ab dem 31. Oktober ließ sich am Seeburger See bis zum Ende des Berichtszeitraums ein männlicher Hybrid Tafel- x Reiherente (vom Typ „Kleine Bergente“, aber mit mehr Schwarz in der Schnabelspitze und dunklerer Oberseite als diese nordamerikanische Art) bestimmen.

Tafel_x_Reiherente - M.Siebner
Abb. 4: Hybrid Tafel- x Reiherente am Seeburger See. Foto: M. Siebner

Aus einer anderen Mischpaarung stammte ein männlicher Hybrid Moor- x Tafelente, der am 4. Juli den Göttinger Kiessee zierte.

Moor_x_Tafelente - M.Siebner
Abb. 5: Hybrid Moor- x Tafelente am Kiessee. Foto: M. Siebner

Das Trio von Fehltritt-Resultaten nach dem Motto „lieber Sex mit einer anderen Art als gar keinen“ komplettierte am 28. September ein Hybrid Moor- x Reiherente an der Kiesgrube Angerstein.
An der Geschiebesperre Hollenstedt hielten sich im Juli über Wochen ein bis zwei weibliche Gänsesäger auf. Am Göttinger Kiessee zeigte sich am 16. Juli ein flügger Jungvogel, dem am 12. August an der Kiesgrube Reinshof bemerkenswerte vier Artgenossen folgten, ebenfalls noch jung.
Schlicht gefärbt war ein Mittelsäger vom 17. November an den Northeimer Kiesteichen. Ein Männchen hielt sich vom 22. bis 29. des Monats am Göttinger Kiessee unter Gänsesägern auf.

Von der Wachtel liegen vom 1. Mai bis 21. September 20 mehrheitlich akustische Wahrnehmungen vor, die mindestens 16 Vögel betreffen. Am Diemardener Berg und bei Mollenfelde hielten sich balzende Hähne mehr als eine Woche auf, so dass zumindest hier von Anzeichen für Revierbesetzungen auszugehen ist.
Mindestens ein rufender Fasan ließ im Oktober in der Rhumeaue die Beobachter aufschrecken. Bei Wollbrandshausen wurde ein Weibchen tot in einer Streuobstwiese gefunden.

Die einzigen Bruten des Zwergtauchers scheint es in diesem Jahr nur in der Kiesgrube Ballertasche bei Hann. Münden gegeben haben. Hier waren drei Paare mit sieben erfolgreichen Bruten sehr produktiv. Von den Klärteichen bei Lauenberg liegt vom 22. August die Beobachtung eines Paars mit einem Jungvogel ohne genauere Statusangabe vor. An der Südseite des Göttinger Kiessee trillerte ein Männchen über Monate heimlich vor sich hin. Später ließ sich auch ein (flügger) Jungvogel blicken, der aber mit Sicherheit dort nicht erbrütet wurde.

Zwergtaucher - S.Hillmer
Abb. 6: Zwergtaucher am Flüthewehr. Foto: S. Hillmer

Am Seeburger See brüteten mindestens 17 Paare des Haubentauchers auf Teichrosenblättern. Mindestens 14 von ihnen hatten Schlupferfolg. Das seit 2015 präsente Paar an der Kiesgrube Reinshof brachte einen Jungvogel hoch. An der Kiesgrube Klein Schneen verlief eine Neuansiedlung mit zwei flügge gewordenen Jungvögeln erfolgreich. Am Göttinger Kiessee wurden vier Junge aus zwei (von ursprünglich drei) Bruten selbständig. An den Thiershäuser Teichen waren zwei Paare erfolgreich. An den Northeimer „Wunderteichen“ und Kiesteichen gab es insgesamt vier Bruten mit Schlupferfolg.
Am Seeburger See hielten sich am 21. Oktober zwei Rothalstaucher auf, danach war bis zum 16. November ein Einzelvogel (immer derselbe?) präsent. Im November ließ sich einer am Northeimer Freizeitsee an mehreren Tagen ausmachen.
Sieben Schwarzhalstaucher mit längerer Verweildauer am Seeburger See sind für Ende November eine ganze Menge.

Eine Rohrdommel flog am 13. November gegen Abend über den Leinepolder (II) gen Süden.
Eine Zwergdommel ließ sich am 18. August am Seeanger für kurze Zeit ausmachen.
Am frühen Morgen des 17. Juli machte sich über Gö.-Nikolausberg ein nach Osten fliegender Nachreiher bemerkbar.
Die Rastzahlen des Silberreihers dümpeln bis dato auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Während nach dem Anstau Ende Juli/Anfang August immerhin bis zu 23 Vögel im Leinepolder Salzderhelden auf die Kleinsäugerjagd gingen, halbierten sich die Zahlen in den Wochen danach. Anscheinend gab es jetzt nur noch wenig zu beißen. Wie im letzten Jahr wurde das Maximum am Seeburger See erreicht, mit 46 Ind. am 16. November. Vermutlich hat Mäusemangel nach den starken Niederschlägen und Überschwemmungen die Rastzahlen erneut negativ beeinflusst.

Silberreiher - M.Siebner
Abb. 7: Silberreiher am Seeburger See. Foto: M. Siebner

Bei den Göttinger Graureihern am Kiessee flog der letzte Jungvogel erst Anfang September aus. Das ist für diese Art bemerkenswert spät.
Am 4. September rastete ein Seidenreiher an der Geschiebesperre Hollenstedt.

Für den Schwarzstorch verlief die Brutsaison durchwachsen. Im Solling brüteten drei Paare, zwei davon erfolglos (Abbruch der Brut). Das erfolgreiche Paar brachte nur einen Jungvogel hoch. Im Bramwald hat sich 2016 ein zweites Paar angesiedelt. Beide waren mit flügge gewordenen Jungvögeln erfolgreich. Im Landkreis Göttingen steht das Nest im Kaufunger Wald seit 2014 leer - bezeichnenderweise nach dem Beginn hessischer Windkraftplanungen nahebei… Auch der Brutplatz im Nörtener Wald ist seit drei Jahren verwaist. Dagegen gab es in diesem Jahr im Raum Ebergötzen eine Neuansiedlung, die mit zwei erst im August flügge gewordenen Jungvögeln erfolgreich verlief. Die beiden anderen Paare konnten insgesamt vier Jungvögel zum Ausfliegen bringen. Der Brutbestand im Bergland wird als stabil eingestuft, während er im Flachland zunehmend von Seeadlern beeinträchtigt wird, die sich über die Nestlinge hermachen.
Um den 15. August rasteten bis zu 33 Schwarzstörche im Leinepolder, eine Rekordzahl. Am Seeanger und in der Rhumeaue brachten sie es auf fünf bis sechs Ind., darunter drei Jungvögel. Am 4. August stand ein Jungvogel in einem Hausgarten in Moringen. Solche scheinbar „zutraulichen“ Vögel gibt es immer wieder.

Schwarzstorch - J.Meyer
Abb. 8: Nicht aus Plastik: Hausgarten-Schwarzstorch in Moringen. Foto: J. Meyer

Im Leinepolder zeigten bis zu 87 Weißstörche im August ihr Maximum, auch dies eine Rekordzahl. Im Seeanger waren es am 10. September maximal „nur“ 21 Rastvögel. Im Umfeld des Leinepolders scheinen vier Vögel überwintern zu wollen.

Am Seeanger jagten am 18. September drei Fischadler gleichzeitig. Darüber hinaus wurden, Doppelzählungen inbegriffen, vom 19. Juli bis zum 14. Oktober weitere 43 rastende und ziehende Vögel gemeldet, die einen Wegzug im üblichen Rahmen anzeigten.
Die maximale Tagessumme ziehender Wespenbussarde stammt mit 12 Ind. vom 27. August aus dem Luftraum über Gö.-Nikolausberg. Ansonsten liegen aus der Zeit vom 13. Juli bis 3. Oktober 16 Beobachtungen von insgesamt 23 Ind. vor.
Am 27. August zog ein Schlangenadler über Gö.-Nikolausberg (M. Göpfert). Es gibt zwei Belegfotos. Nach Anerkennung durch die Avifaunistische Kommission Niedersachsen/Bremen (AKNB) wäre dies, nach einem Vogel über dem Seeanger vom 10. August 2013, der zweite regionale Nachweis.
Wiesenweihen gerieten wie gewohnt sehr spärlich ins Blickfeld: Je ein adultes Männchen am 23. August und am 17. September in der Feldmark Relliehausen (Sollingvorland), am 27. August über dem Wüsten Berg (diesj. W.) und am 6. September über dem Seeanger (ad. W.).

Wiesenweihe - M.Siebner
Abb. 9: Ziehende Wiesenweihe über dem Wüsten Berg. Foto: M. Siebner

Am 23. Juni, also an einem aus regionaler Sicht recht ungewöhnlichen Datum, stand bei Groß Lengden ein adulter Seeadler vor einer mit einem Wildschweinkadaver bestückten Wildtierkamera. Ebenfalls alt sah ein Artgenosse aus, der am 5. August (auch dieses Datum ist ungewöhnlich) am Leinepolder ausgemacht wurde. Ein anderer vom 15. September ebenda war hingegen noch nicht ausgefärbt. Vermutlich dieser Vogel hatte bereits am 10. September an der Geschiebesperre die Wasservögel in Aufruhr versetzt. Den (vorläufigen) Schlusspunkt setzte ein älteres Semester am 27. Oktober in der Feldmark Reinshof.

Am 19. November flog, von Krähen gemobbt, ein Raufußbussard über den Seeanger.

Wegziehende Merline traten am 7. Oktober über dem Kerstlingeröder Feld (2 diesj. W.), am 13. Oktober ebenda (ad. M.), am 28. Oktober im Leinepolder (immat. Ind., das sich mit einem Sperber balgte) und am 29. Oktober am Seeanger (ad. M., auf einem Busch rastend) in Erscheinung.
Am 8. August flog ein vorjähriges Männchen des Rotfußfalken über den Seeanger.

Bis dato verlief der Wegzug des Kranichs auf (mittlerweile) gewohnt niedrigem Niveau. Eine vierstellige Summe aktiv ziehender Vögel wurde nur am 30. Oktober erreicht, an allen anderen Tagen tröpfelte der Wegzug mit in der Regel zwei- bis sehr niedrigen dreistelligen Zahlen vor sich hin. Für den 30. Oktober ergibt eine wohlwollende Auswertung, in der wahrscheinlich auch Doppel- und Dreifachmeldungen identischer Trupps enthalten sind, knapp 2000 Vögel. Weil viele Beobachter/innen immer noch auf die Angabe der Uhrzeit verzichten, war eine annähernd genaue Bezifferung der Tagessumme nicht möglich. Das ist aber nicht weiter tragisch. Bundesweite Zählungen an den Rastplätzen, nicht zu vergessen die täglichen Erhebungen am Lac du Der in Frankreich, sind von größerer Aussagekraft. In der ersten Novemberhälfte wurde, immerhin, ein Rast- und Sammelplatz im Leinepolder von bis zu 1300 Ind. angeflogen. Die moderaten Zahlen kommen dadurch zustande, dass die meisten Kraniche ihre nach der Jahrtausendwende entstandenen Rastplätze in West-Niedersachsen nördlich des Harzes anfliegen. Andere ziehen vom ca. 60 km südöstlich von Göttingen gelegenen Helme-Stausee bei Kelbra/ Nordhausen nach Südwesten. Damit liegen wir quasi im toten Winkel, und der Kranichzug mutiert für seine Bewunderer zum Kranich-Entzug.

Kranich - M.Siebner
Abb. 10: In diesem Herbst wurden derart große Kranichformationen über Göttingen leider nicht gesichtet. Foto: M. Siebner

Vom 31. August bis 29. September wuselten am Seeanger bis zu drei Tüpfelsumpfhühner an der Schilfkante.

Am 22. und 23. September rasteten zwei Kiebitzregenpfeifer im Seeanger. Goldregenpfeifer machten sich ausgesprochen rar: Am 7. November standen sieben in der Feldmark Ballenhausen, am 13. November zwei im Leinepolder.
Kiebitze erreichten auf dem sommerlichen Mauserzug am 30. Juli mit 150 Ind. im Seeanger ihr klägliches Maximum. Im Herbst bestand die größte Ansammlung am 30.10. aus 380 Vögeln ebenda. Für den Wegzug kann das, aus regionaler Sicht, mittlerweile wohl als „Riesenschwarm“ gelten. Der Kiebitz, dessen Brutplätze Maiswüsten bis zum Horizont weichen mussten oder durch monströse Wind“parks“ entwertet wurden, wird von der „Energiewende“ besonders gebeutelt. Von den gängigen, der industriellen Landwirtschaft gegen gutes Geld mühsam abgerungenen Habitataufwertungen wie Blühstreifen oder Hecken profitiert er als Wiesenbrüter nicht. Doch jetzt ist in der prekären Lebenswirklichkeit des Vogels eine dramatische, beinahe wundersame Wende eingetreten: Seit einer Wahlkampfrede der Co-Parteichefin kann sich der Kiebitz, neben dem Zitronenfalter, des besonderen Patronats der Grünen erfreuen. Jetzt wird bestimmt alles wieder gut, oder?

Kiebitz - C.Schmidt
Abb. 11: Kiebitzschwarm über dem Seeanger. Foto: C. Schmidt

Sandregenpfeifer präsentierten am 20. September im Seeanger mit fünf Ind. ihr Maximum. Ein Nachzügler trippelte am 19. November an der Geschiebesperre.
Mornellregenpfeifer waren recht gut vertreten: Am 21. August zog einer über den Diemardener Berg. Ihm folgte ein Einzelvogel vom 23. August am Wüsten Berg. Am 26. August rasteten und zogen insgesamt 24 Ind. (wohl mehrheitlich Altvögel) in mehreren Trupps auf bzw. über ebendiese Erhebung. Drei Ind. flogen am 3. September über den Seeanger. Den Schlusspunkt setzten zwei Vögel, die am 16. September auf einem Acker neben der B 3 bei Vogelbeck eine kurze Rast einlegten und Richtung Northeim abzogen.

Während am 9. August im Leinepolder zwei Regenbrachvögel rasteten, wurden vom 24. Juli bis zum 13. August am Seeanger und Seeburger See an sechs Tagen nur Einzelvögel gesehen/gehört.
Deutlich besser war der Große Brachvogel vertreten: Im Leinepolder hielten sich bis zu 23 Ind. (10. September) auf, am Seeanger belief sich die maximale Tagessumme auf zehn Ind. (16. August).
Von der Waldschnepfe liegen nur drei Meldungen vor: Am 26. Oktober flog eine über das Naturschutzgebiet Friedrichshäuser Bruch im Hochsolling, am 8. November lag eine tot im Göttinger Ostviertel und am 25. November wurde eine bei einer Treibjagd am Sommerberg bei Gö.-Hetjershausen aufgescheucht (und hat dies hoffentlich überlebt).
Von Ende September bis Anfang November geriet am Seeanger an vier Tagen je eine Zwergschnepfe vor die Optik.
Rastende Bekassinen erreichten Anfang September am Seeanger mit bis zu 70 Ind. ihr Maximum. An der Geschiebesperre Hollenstedt und im Leinepolder Salzderhelden lagen die Höchstzahlen im August bzw. Anfang November bei jeweils 32 Ind., wobei anzumerken ist, dass die ausgedehnten, aber weit entfernten Feuchtflächen im Polder von den Deichen aus nur ungenügend abgespechtet werden konnten.
Die Wegzugzahlen des Flussuferläufers lagen ziemlich im Keller und bewegten sich in der Regel im niedrigen einstelligen Bereich. Die Ausnahme waren zwölf Ind. am 15. September am Seeburger See und, etwas skurril, elf Ind., die am Abend des 1. September beim Start des Open Air-Kinos im Göttinger Freibad an der nahen Leine das Weite suchten.

Flussuferläufer - M.Siebner
Abb. 12: Flussuferläufer auf einem der Kiessee-Balken. Foto: M. Siebner

Acht Dunkle Wasserläufer erreichten am 20. Oktober am Seeanger ihr Maximum.
Rotschenkel waren, wie vom Wegzug gewohnt, spärlich vertreten, mit maximal zwei Ind. im Leinepolder.
Grünschenkel machten sich eher rar. Ihre Rastzahlen bewegten sich durch die Bank im einstelligen Bereich.
Dies betrifft auch den Waldwasserläufer, mit Ausnahme des 19. August, als elf Ind. von der Geschiebesperre abflogen.
Auch die höchsten Tagessummen des Bruchwasserläufers fielen im August im Leinepolder mit ca. 30 Ind. und am Seeanger mit 22. Ind. nicht gerade üppig aus.
Kampfläufer erreichten mit 20 bzw. 21 Ind. im Leinepolder und am Seeanger eher typische Wegzugmaxima.
Ein Steinwälzer lieferte am 2. September am Seeanger einen der eher seltenen Wegzugnachweise.
Ein junger Knutt vom 24. und 26. August im Polder sowie zwei junge Sanderlinge vom 29. September am Seeanger sind eine besondere Erwähnung wert.
Am Seeanger rasteten im September bis zu fünf Zwergstrandläufer, mehrheitlich Jungvögel.
Ein junger Temminckstrandläufer belegte am 6. und 9. September am Seeanger, dass diese Art auf dem Wegzug erheblich seltener auftritt als im Frühjahr.
Mit bis zu fünf Jungvögeln zeigte der Sichelstrandläufer im September am Seeanger ein ordentliches Auftreten an.
Am 12. August wurden am Seeanger 27 Alpenstrandläufer von einer Rohrweihe vertrieben. Damit liegt für dieses Gebiet eine der höchsten Wegzugzahlen überhaupt vor. Auch im September tummelten sich dort bis zu 20 Vögel, fast alle jung. Ihre Gesamtzahl könnte durchaus im höheren zweistelligen Bereich gelegen haben. Im Leinepolder kamen sie bereits am 27. Juli auf maximale zehn Ind. Im Unterschied zur Gattung Tringa waren die Calidris-Limikolen in recht guter Zahl vertreten, mit einem hohen Jungvogelanteil. Stammten diese Vögel aus Regionen, in denen das Frühjahr nicht so kalt war wie in Teilen Skandinaviens und Nordrusslands?

Eine junge Zwergmöwe am 22. September am Seeburger See und eine alte am 1. November im Leinepolder – das war’s schon.
Auf den Bülten und Teichrosen am Seeburger See nahmen drei bis vier Paare der Lachmöwe Bruten in Angriff. Davon verlief nur eine mit einem flüggen Jungvogel erfolgreich. Eine am 9. Juni 2014 in Polen als Altvogel markierte Lachmöwe (weiß TPRJ) konnte am 5. November ebenda abgelesen werden.
Eine Schwarzkopfmöwe hielt es vom 9. August bis zum 1. September am Seeburger See bemerkenswert lange aus. Mit bis zu sechs weiteren Artgenossen war das Aufkommen in diesem Zeitraum bemerkenswert hoch, wenn nicht gar rekordverdächtig. Der Dauergast war am 19. Juni 2017 in einer Kolonie bei Löbnitz (Leipzig, Sachsen) nestjung beringt worden und trug die gelbe Markierung AY.EE. Ende November konnte er bei Cardiff in Wales fotografiert werden.

Schwarzkopfmöwe - M.Göpfert
Abb. 13: Junge Schwarzkopfmöwe am Seeburger See. Foto: M. Göpfert

Darüber hinaus sind ein Altvogel vom 4. Juli an der Geschiebesperre sowie zwei Tage später ein Vogel im 3. Kalenderjahr ebenda erwähnenswert. Am 11. Juli trafen zwei Altvögel am Seeburger See ein, am 16. Juli (recht früh) der erste Jungvogel. Die Feuchtflächen im Leinepolder zogen am 5. August zwei Jungvögel und am 10. des Monats einen vorjährigen Artgenossen an.
Am 30. Juli, einem regional ungewöhnlichen Datum, schwamm im Polder eine adulte Silbermöwe.
Vom 16. Juli bis 9. September hielten sich am Seeburger See und Seeanger ein bis zwei junge Mittelmeermöwen auf.
Eine Steppenmöwe im 3. Kalenderjahr konnte am 5. Juli an der Geschiebesperre ausgemacht werden. Ein Altvogel aus einer polnischen Kolonie, der am 26. Mai 2011 bei Kozielno, Paszków beringt worden war, dominierte vom 8. bis 18. August den Seeburger See.
Ebenfalls alt war eine Heringsmöwe am 2. Juli am Northeimer Freizeitsee.

Sechs Raubseeschwalben am 5. Juli an der Geschiebesperre sind die größte Anzahl, die jemals in der Region notiert werden konnte. Ein Vogel trug einen roten Farbring aus dem schwedisch/finnischen Beringungsprojekt auf den Alandinseln.

Raubseeschwalbe - M.Siebner
Abb. 14: Zwei von sechs Raubseeschwalben an der Geschiebesperre.
Foto: M. Siebner

21 Trauerseeschwalben am 27. Juli am Seeburger See sind für den Wegzug durchaus erwähnenswert.
Zwei Brandseeschwalben verließen am 21. Juli den Seeburger See in Richtung Süden. Der letzte zuvor dokumentierte Regionalnachweis betrifft vier Vögel vom 2. Juli 2013 ebenda (T. Meineke lt. AKNB).
Am 26. Juli kurvte eine adulte Flussseeschwalbe über dem Leinepolder. Gleich fünf Altvögel legten am selben Tag am Seeburger See eine Rast ein.

Neben zwei Beobachtungen im Nordteil des Landkreises Northeim, der nicht zum AGO-Bearbeitungsgebiet zählt, liegen nur zwei Sichtungen der Turteltaube vor: Ein singendes Männchen bei Eberhausen (dort im Vorjahr Anzeichen für eine Revierbesetzung) am 27. Juli und am 4. August bei Uslar.

Sperlingskäuze bei der Herbstbalz konnten von September bis Mitte November im Kaufunger Wald, im Solling, im Reinhäuser Wald und im Bramwald ausgemacht werden.
Vom Lohberg bei Bovenden ist eine Brut der Waldohreule mit drei Jungen am 1. August nachzutragen.
Bei den Waldkäuzen im Göttinger Alten Botanischen Garten herrscht leider Funkstille, von Herbstbalz keine Spur. Die Zahl der Rötelmäuse ist stark zurückgegangen. Dagegen ließ sich am 22. Oktober auf dem Stadtfriedhof ein Weibchen vernehmen. Das ist, man mag es kaum glauben, der erste Lokalnachweis für dieses (tagsüber) gut erforschte Gebiet.

Waldkauz - V.Hesse
Abb. 15: Verstummt (oder gar weg?): Waldkauz im Alten Botanischen Garten.
Foto: V. Hesse

Vom Wendehals liegen ganze zwei Beobachtungen vor: Ein junger Migrant am 21. Juli am Seeanger und ein (spät) singender Vogel am 30. Juli am Ortsrand von Salzderhelden.

Vom Käseberg bei Lippoldshausen gibt es aus der ersten Jahreshälfte Hinweise auf ein Revier des Mittelspechts, desgleichen aus der Umgebung von Mielenhausen. Am 22. Oktober ließ sich am Göttinger Kiessee ein Ind. fotografieren und lieferte damit den zweiten Lokalnachweis für dieses viel besuchte Gebiet. Es handelte sich mit Sicherheit um einen umherstreifenden Vogel, denn die nächsten Brutplätze liegen im Göttinger Wald. Am 21. Oktober geriet an der Rhumequelle bei Rhumspringe ein Mittelspecht in den Blick, wohl als erster Lokalnachweis.

Am Kiessee konnte am 18. August ein weibchenfarbener Pirol ausgemacht werden, der einzige im Berichtszeitraum.

Über Brutvorkommen des Neuntöters auf Windwurfflächen im Wald gibt es nur (noch) wenige Informationen. Daher ist ein Paar nahe der Kohlenstraße im Bramwald eine besondere Erwähnung wert.
Raubwürger haben ihre traditionellen Winterreviere auf dem Kerstlingeröder Feld (ab dem 21. Oktober) und am Sandwasser bei Duderstadt (ab dem 22. Oktober) wieder besetzt. Mehr zum Wintervorkommen (hoffentlich) im Folgebericht.

60 Saatkrähen, die am 31. Oktober nahe den Schweckhäuser Wiesen nach Südwesten zogen, zeigten die höchste Tagessumme an, gefolgt von 32 Ind. am 26. Oktober über Gö.-Nikolausberg und 22 Ind. am 17. November über Gö.-Geismar. Viel schwächer kann der Wegzug dieser einstmals sehr häufigen Art wohl kaum verlaufen. Die Zeiten, in denen Tausende über die Region zogen, sind lange vorbei.

Von der Beutelmeise liegen (immerhin) zwölf Meldungen vor, zumeist ein bis drei Ind. betreffend. Eine Ausnahme bildeten mindestens 13 Vögel, die am 17. Oktober in drei Trupps vom Seeanger abzogen.

Beutelmeise - M.Siebner
Abb. 16: Beutelmeise an der Kiesgrube Reinshof. Foto: M. Siebner

Im September/Oktober gerieten an zehn Tagen insgesamt 48 ziehende Heidelerchen in den Blick, maximal 13 Ind. am 13. Oktober über dem Kerstlingeröder Feld.

Bartmeisen machten sich von September bis November vor allem am Seeanger bemerkbar. An fünf Tagen konnten kleine Trupps von bis zu fünf Ind. notiert werden. Im Leinepolder Salzderhelden waren am 1. November mindestens drei Vögel präsent.

Göttingens idyllischer Nachbarort Rosdorf verfügt noch über unzerschnittene und ökologisch intakte Naturräume, in denen sich Vögel unter optimalen Bedingungen beobachten lassen. An einem dieser Hotspots der Biodiversität - es handelt sich dabei um das von Hecken gesäumte Betriebsgelände einer Bedachungsfirma mit Nutzfahrzeugen und anderen Gerätschaften -, tummelte sich am 3. November ein Gelbbrauen-Laubsänger in einem Blaumeisentrupp. Bereits im Vorjahr, am 3. und 4. Oktober im Göttinger Ostviertel, hatte ein Artgenosse gezeigt, dass sich die Zunahme von Binnenlandnachweisen auch in unserer Region bemerkbar zu machen scheint. Bei nunmehr vier Nachweisen seit 2005 ist aber noch viel Luft nach oben…

Gelbbrauenlaubsänger - M.Siebner
Abb. 17: Gelbbrauen-Laubsänger in Rosdorf. Foto: M. Siebner

In der Elleraue zwischen Hilkerode und Brochthausen sang am 22. Juli (noch) ein Schlagschwirl.
Der starke Brutverdacht für den Schilfrohrsänger am Seeanger konnte am 8. August mit mindestens einem gefütterten Jungvogel erhärtet werden.
Ganz außerordentlich und zudem mit bestimmungsrelevanten Fotos gut belegt ist der Nachweis eines Buschrohrsängers am 21. Oktober im Seeanger durch M. Georg. Der erste der Region hatte an den Northeimer Kiesteichen Mitte Juni 2014 für mehrere Tage durch seinen wunderschönen Gesang auf sich aufmerksam gemacht. Der erste im Landkreis Göttingen sang (natürlich) nicht noch rief er, so dass er entsprechend schwer auszumachen war. Wenn man bedenkt, dass sich die meisten der, ohnehin sehr seltenen, mittel- und westeuropäischen Herbstnachweise auf Fänglinge an Beringungsstationen beziehen, ist diese Beobachtung umso spektakulärer. Eine endgültige Beurteilung wird die Deutsche Avifaunistische Kommission vornehmen, bei der der seltene Gast bereits dokumentiert ist.

Buschrohrsänger - M.Georg
Abb. 18: Buschrohrsänger am Seeanger. Foto: M. Georg

Von der Ringdrossel gibt es ganze drei Wegzugbeobachtungen: Am 7. Oktober zog eine über das Kerstlingeröder Feld, am 21. Oktober rastete eine am Ortsrand von Bösinghausen und am 24. Oktober ging eine im waldrandnahen Göttinger Ostviertel zusammen mit anderen Drosseln der Nahrungssuche nach.

Aus Gö.-Nikolausberg liegt vom 26. August der einzige Wegzugnachweis des Trauerschnäppers vor.

Am 10. September bekräftigten 23 Gartenrotschwänze, dass das Kerstlingeröder Feld ihr mit Abstand bevorzugtes Wegzug-Rastgebiet ist.
Mit vier Ind. dokumentierten Steinschmätzer am 2. September im Leinepolder die höchste Tagessumme. Damit scheint sich der negative Trend bei den Rastzahlen fortzusetzen.

Über das Rastvorkommen des Bergpiepers wird im nächsten Bericht Auskunft gegeben. 25 Ind. am 29. November im Leinepolder sind ein guter Auftakt.

Bergpieper - M.Siebner
Abb. 19: Bergpieper im Frühjahr am Rückhaltebecken Gö.-Grone. Foto: M. Siebner

Zwischen dem 9. August und dem 2. September gelangten an sieben Tagen insgesamt 13 Brachpieper zur Beobachtung, mit dem Maximum von vier Vögeln am 29. August am Wüsten Berg.
Am 9. Juli, also noch zur Brutzeit, konnten am Altendorfer Berg bei Salzderhelden mindestens 20 Baumpieper gezählt werden, heutzutage eine beachtliche Summe. Vom 21. bis 29. August zogen insgesamt mindestens 721 von ihnen über den Wüsten Berg, maximal 223 Ind. am 24. und 218 Ind. am 26. Hätte man die morgendlichen Beobachtungen dort fortgesetzt, wäre die magische 1000er-Marke sicher erreicht worden. Die Rekordsumme im neuen Millennium von 1071 Ind. im Herbst 2014 über dem Kerstlingeröder Feld hat immer noch Bestand.
Rotkehlpieper gab es nur am Seeanger: Am 27. und 29. September zog je ein rufender Vogel über das Gebiet, am 16. Oktober ließ sich einer am Boden beobachten.
Am 13. Oktober zogen 295 Wiesenpieper über das Kerstlingeröder Feld. Die höchste Rastzahl konnte am 15. Oktober mit 105 Ind. am Seeanger mit 105 Ind. notiert werden.

Nordische „Trompetergimpel“ sind in diesem Herbst deutlich häufiger zu hören als im Vorjahr. Möglicherweise deutet sich sogar ein Rekordeinflug an. Mehr dazu im Folgebericht.
In der Feldmark Rosdorf und an den ehemaligen Tongruben Siekgraben lagen im September die Maximalzahlen wegziehender Girlitze bei neun bis zehn Ind. Insgesamt wurden nur 34 Ind. gemeldet. So viele rasteten früher an der Kiesgrube Reinshof oder anderen Ruderalflächen an einem Tag…
Von einem starken Einflug des Fichtenkreuzschnabels, wie er aus anderen Regionen gemeldet wird, ist Süd-Niedersachsen weit entfernt. Das kann sich aber in den Wintermonaten noch ändern.
Mindestens 630 Bluthänflinge am 9. Oktober in der Feldmark Wolbrechtshausen sind eine sehr hohe Zahl, die aber mehrheitlich Brutvögel aus anderen Regionen auf dem Wegzug umfasst haben dürfte.
Aktuell vollzieht sich in Deutschland ein bemerkenswerter Einflug von Birkenzeisigen, der sich auch in unserer Region mit Schwärmen von bis zu 150 Vögeln bemerkbar macht. Unter ihnen sind auffallend viele Ind., die gemeinhin wegen ihrer hellen bis sehr hellen Grundfärbung der nordeurasischen Nominatform flammea („Taigabirkenzeisig“) zugeordnet werden. Unsere heimischen Brutvögel der Unterart cabaret sind in der Regel (von der es Ausnahmen gibt!) erheblich dunkler. Fotos in ornitho.de von gemischten Schwärmen zeigen, wie variabel das Federkleid der Vögel ausfällt. Die sichere Zuordnung zu einer Unterart ist daher oftmals nicht möglich. Zudem haben genetische Untersuchungen jüngst ergeben, dass die Differenzierung unter den Birkenzeisig-Taxa minimal bis null ist, so dass die bisherigen Arten und Unterarten besser als klinale Färbungstypen einer einzigen Art, den arktischen Polarbirkenzeisig eingeschlossen, zu behandeln sind (je weiter nördlich desto heller). Wie auch immer: Um den Einflug zu quantifizieren, kann man helle Vögel im Herbst und Winter getrost - und wie von ornitho im Einklang mit der gültigen Systematik vorgeschlagen -, als „Taigabirkenzeisige“ melden. Und eins ist sicher: So viele gab es in unserer Region seit Mitte der 1990er Jahre noch nie!

Taigabirkenzeisig - W.Vogeley
Abb. 20: „Taigabirkenzeisig“ in Hann. Münden. Foto: W. Vogeley

Am 3. November rastete, fotografisch belegt, am Reinhäuser Berg eine Spornammer.
Mindestens 110 Goldammern am 19. November in der Feldmark Gö.-Geismar sind mittlerweile eine Zahl, die (leider) als Ausnahme gelten kann.
Zwischen dem 24. und 29. August gerieten am Wüsten Berg an drei Tagen die Zugrufe von insgesamt mindestens vier Ortolanen in die Gehörgänge der Zeugen des Mornells.

Hans H. Dörrie

Der herzliche Dank des Verfassers gilt allen Melderinnen und Meldern in unserer Datenbank ornitho.de sowie Einzelpersonen, die spezielle Auskünfte erteilt haben:

P.H. Barthel, B. Bartsch, R. Bayoh, J. Behling (Nieders. Landesforsten), S. Böhner, J. Bondick, M. Borchardt, G. Brunken, J. Bryant, K. Conrad (Nieders. Landesforsten), A. Delius, K. Dornieden, M. Drüner, M. Fichtler, M. Georg, K. Gimpel, A. Goedecke, M. Göpfert, E. Gottschalk, M. Grandt, C. Grüneberg, W. Haase, F. Hadacek, A. Hartmann, O. Henning, D. Herbst, V. Hesse, S. Hillmer, U. Hinz, S. Hörandl, S. Hohnwald, D. Jákli, M. Jenssen, K. Jünemann, R. Käthner, H.-A. Kerl, P. Kerwien, P. Keuschen, M. Kiepert, J. Kirchner, F. Kleemann, G. Köpke, M. Kuschereitz, V. Lipka, G. Mackay, T. Meineke, K. Menge, H. Meyer, S. Minta, M. Mooij, M. Otten, S. Paul, B. Preuschhof, J. Priesnitz, S. Racky, D. Radde, U. Rees, B. Riedel, H. Rumpeltin, C. Schmidt, H. Schmidt, D. Schopnie, M. Schulze, L. Sebesse, M. Siebner, D. Singer, L. Söffker, I. Spittler, H. Stiebel, A. Stumpner, A. Sührig, J. Thiery (Nieders. Landesforsten), D. Trzeciok, F. Vogeley, W. Vogeley, K. Wagner, C. Weinrich, J. Weiss und D. Wucherpfennig.

Mäusebussard - M.Siebner
Abb. 21: Junger Mäusebussard im Seeanger. Foto: M. Siebner

December 10th, 2017

Der Star – Vogel des Jahres 2018 –
in Süd-Niedersachsen:
ein Allerweltsvogel auf der Roten Liste

Balzender Star - MSiebner
Abb. 1: Balzender Star. Foto: M. Siebner

Mit dem Star (Sturnus vulgaris) hat der NABU eine gute Wahl getroffen. Der Jahresvogel ist vielen Menschen bekannt, auch aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Im Siedlungsbereich brütet er an Gebäuden und in Nistkästen. Schon im Vorfrühling liefert er vor dem Brutplatz eine beeindruckende Vorstellung. Der strukturreich perlende Gesang enthält viele Imitationen. Wachtel oder Pirol bereits Ende Februar? Nicht der Klimawandel, der Star macht’s möglich. Dabei schlägt der Vogel voller Hingabe rhythmisch mit den Flügeln. Das aus der Ferne einfarbig dunkel wirkende Gefieder irisiert in allen Farben. Lebensfreude pur!

Verbreitung und Bestand

Leider gestaltet sich das Dasein unseres Porträtvogels seit einiger Zeit alles andere als gedeihlich. Und das ist eher wenigen bekannt. In den letzen 20 Jahren hat das Agrarland der Europäischen Union unfassbare 300 Millionen Vögel verloren. Davon entfallen allein auf den Star ca. 40 Millionen Brutpaare (PECMS 2012). In Deutschland sind in diesem Zeitraum knapp zwei Millionen Starenpaare verschwunden. Der dramatische Rückgang beruht wahrscheinlich auf einem ganzen Bündel von Faktoren, die in ihrem konkreten Zusammenwirken immer noch wenig bekannt sind. Der niedersächsische Bestand wird im aktuellen Brutvogelatlas (Krüger et al. 2014) auf im Mittel 420.000 Brutpaare beziffert. Das sind nur halb so viele wie in den 1960er bis 1970er Jahren. Deshalb wird der Star, obwohl immer noch häufig und verbreitet, folgerichtig in der Roten Liste (Krüger & Nipkow 2015) in der Kategorie 3 („im Bestand gefährdet“) geführt.

Wie so oft bei scheinbaren Allerweltsarten ist eine Quantifizierung des regionalen Brutbestands nicht möglich. Daten, die über flüchtige Zufallsbeobachtungen hinausgehen, sind Mangelware und stammen zumeist aus der ersten Dekade des neuen Jahrtausends. Die Angaben im niedersächsischen Brutvogelatlas beruhen auf modellierten Hochrechnungen und sind mit 400 bis 1000 Paaren pro Quadrant (ca. 30 km²) für das waldreiche Bergland Süd-Niedersachsens mit Sicherheit zu hoch ausgefallen. Brüten in der Region 10.000 oder 20.000 Paare? Man weiß es nicht. Dies betrifft auch den Schwund der letzten Jahrzehnte. Verlässliche Zahlen zur langfristigen Bestandsentwicklung liefert letztlich nur die Kartierung des 3,6 km² großen Göttinger Kerngebiets in den Jahren 2005/2006 (Dörrie 2006). Damals wurden 106 Paare gezählt. 1965 waren es noch 240, 1948 nur 65 (wobei anzumerken ist, dass in den Kälte- und Hungerwintern der Nachkriegszeit auch die meisten Nistkästen verfeuert wurden). Bei der Kartierung der beiden größten Göttinger Friedhöfe im Jahr 2004 (Dörrie & Paul 2005) ergab sich auf dem altholz-, höhlen- und nistkastenreichen Stadtfriedhof mit ganzen fünf Paaren auf 36 Hektar eine unerwartet niedrige Besiedlung. Dabei sollen alte Parkanlagen zu den bevorzugten Bruthabitaten unseres Porträtvogels zählen…
Bei der Stadtwald-Kartierung 2003 (Dörrie 2004b) zeigte sich, dass der Star in einem „naturgemäß“ bewirtschafteten, durch dichte Vegetationsstrukturen geprägten Buchenwald eine seltene Erscheinung ist: Mit nur vier Paaren auf 185 Hektar fiel die Besiedlung sehr dünn aus. Nur am Hainholzhof und auf dem Kerstlingeröder Feld sah es mit insgesamt 15 Paaren etwas besser aus. Im Kaufunger Wald scheint die Art ebenfalls selten zu sein, mit Ausnahme der wenigen Altbuchen- und Alteichenbestände (G. Brunken in Dörrie 2002). Im Nordteil des EU-Vogelschutzgebiets „Unteres Eichsfeld“ wurden 2003 auf 33 km² 80 bis 100 Paare festgestellt, die meisten an Waldrändern mit alten Eichen (G. Brunken, M. Corsmann und U. Heitkamp in Dörrie 2004). Die Vorliebe für Eichen als Brutbäume wird auch durch ein kleines Schlaglicht auf zwei benachbarte Waldgebiete belegt: Der eichenreiche Große Leinebusch beherbergte 2002 vier Paare, im eichenlosen Kleinen Leinebusch fehlte die Art (G. Brunken in Dörrie 2003).
Weich- und Hartholzbestände entlang der Fluss- und Bachläufe sind/waren besser besiedelt, z.B. die Gehölze entlang von Leine und Garte südlich von Göttingen (zehn Paare auf 2,1 km, Dörrie 2002b).
Der ländliche Siedlungsbereich gilt als einer der Hauptlebensräume unseres Porträtvogels (Krüger et al. 2014). In unserer Region ist er, was Starendaten anbelangt, weithin eine terra incognita. Aktuelle Angaben zum Brutbestand, die jeweils weniger als zehn Paare betreffen, liegen in unserer Datenbank ornitho nur aus Teilen der Orte Gerblingerode (D. Wucherpfennig), Immingerode (D. Wucherpfennig), Eberhausen (M. Jenssen) und Ahlshausen (H. Rumpeltin) vor. Dabei treffen gerade hier wichtige Habitatparameter zusammen, die für eine Brutansiedlung unabdingbar sind. Darauf wird im Folgenden etwas näher eingegangen.

Ansprüche an den Lebensraum

Für den Star sind die besten Brutplätze, ob nun Nistkästen, Natur- und Spechthöhlen oder schadhaftes Mauerwerk, uninteressant, wenn in der näheren Umgebung insekten- und arthropodenreiche Offenflächen fehlen. Junge Stare werden ausschließlich mit tierischer Nahrung großgezogen, die von den Eltern auf Weiden, Wiesen oder Scherrasenflächen erbeutet wird (Bauer et al. 2005). Und hier taucht schon das erste Problem für unseren Porträtvogel auf. Eine Untersuchung in Dänemark (Heldbjerg et al. 2016) hat ergeben, dass sein Bestandsrückgang mit der Aufgabe der Offenlandhaltung von Nutztieren einhergeht. Das klingt einleuchtend, denn Weidetiere halten die Vegetation kurz, scheuchen beim Fressen potentielle Beutetiere auf und sorgen mit ihrem für Insekten sehr attraktiven Dung für stetigen Nachschub verfügbaren Starenfutters. Das enge Zusammenleben von Futter suchenden Staren und Großherbivoren kann man an den wenigen Stellen in unserer Region studieren, wo noch Nutztiere im Freiland grasen, z.B. im Seeanger (Rinder) oder an den Deichen am Leinepolder Salzderhelden (Schafe). Wenn man bedenkt, dass die Zahl der Weidetiere in der gesamten EU um -zig Millionen zurückgegangen ist, kann man sich ausmalen, wie sehr allein diese Entwicklung die Starenpopulation getroffen hat. Hinzu tritt, dass, selbst wenn man wollte, die hochgezüchteten Turbo-Milchkühe nicht mehr außerhalb der Ställe gehalten werden können. Mit ihrem degenerierten Verdauungsapparat würden die bedauernswerten Tiere nach kurzer Zeit sterben.

Star mit Schaf - MSiebner
Abb. 2: Freunde fürs Leben: Schaf und Star. Foto: M. Siebner

George (2017) bringt das nahezu komplette Verschwinden von einer Kontrollfläche bei Müncheberge (Harzrand/Sachsen-Anhalt) mit der Extensivierung der Grünlandnutzung (als Naturschutzmaßnahme!) in Verbindung. Günther & Hellmann (2012) nennen als Erklärung für den dramatischen Rückgang von 14 auf zwei Paare auf einer Kontrollfläche im Selketal (Harz/Sachsen-Anhalt) einen späteren Mahdtermin in Kombination mit der Aufgabe der Beweidung. Dieses Szenario könnte auch die geringe Besiedlung des Kerstlingeröder Felds in Göttingen erklären, das mit seinen höhlenreichen Uraltbuchen und weiten Wiesen eigentlich ein Starenparadies erster Güte sein sollte. Wenn die Wiesen jedoch erst im Sommer gemäht werden (wovon Feldlerche und, selten, Wachtelkönig profitieren) gibt es für die Stare während der Brutzeit im hohen Gras nichts zu beißen. In diesem FFH-/Naturschutzgebiet werden zwar verbuschende Magerrasenflächen beweidet, allerdings ebenfalls erst recht spät und zudem nur für vergleichsweise kurze Zeit.
Der (eher lokalen) Extensivierung der Grünlandnutzung steht deren Intensivierung auf weiter Fläche entgegen. Die Bewirtschaftung als reines Mähgrünland manifestiert sich in bis zu fünf Schnitten pro Jahr, beginnend schon Ende April. Profitiert der Star vom regelmäßigen Kurzhalten der Vegetation? Eher nicht, denn auch das Mähgrünland wird oft übermäßig gedüngt und teils sogar mit Bioziden von „Schädlingen“ gesäubert. Das Insektenangebot hält sich auf solchen degradierten Flächen in engen Grenzen. Zudem sinkt der Grünlandanteil beständig und dürfte im Landkreis Göttingen aktuell bei weniger als zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegen.
Nährstoffarme, aber insektenreiche Offenflächen in Abbaugebieten oder als Resultat von Erschließungsmaßnahmen wachsen wegen des düngenden Eintrags von Stickstoffverbindungen aus der Luft heutzutage viel schneller zu als früher. Wie in den Wäldern wird auch hier der Star zum Leidtragenden der allgemeinen Eutrophierung.
Darüber hinaus wird sein Bestand, wie der vieler anderer Agrarvögel, von den Folgen des industriellen Ackerbaus in Mitleidenschaft gezogen. Die Mixtur aus Gülle, Glyphosat und Monokulturen (Wintergetreide, Mais, Raps etc.) hat das früher artenreiche Kulturland in eine insektenarme Einöde verwandelt. Bei der Kartierung einer 863 Hektar großen Agrarlandfläche bei Behrensen konnten 2001 nur zwei Reviere festgestellt werden, obwohl Gehölze mit potentiellen Brutbäumen dort seit der ersten Kartierung 1983 deutlich zugenommen hatten (Brunken 2003). Im Siedlungsbereich wird der Star, neben Haussperling und Mauersegler, von der verbreiteten Wärmedämmung gebeutelt, die auch die letzten Fugen und Nischen unzugänglich macht. Auch Dachantennen, die er gern als Singwarten nutzt, sind deutlich seltener geworden.

Brutökologie

Stare brüten früh im Jahr. Schon ab Mitte Mai kann man die ersten Familienverbände mit zumeist drei bis vier flüggen Jungvögeln bei der Nahrungssuche beobachten. Gebrütet wird, wie schon erwähnt, in Höhlen oder ähnlichen Strukturen. Eine besondere Rolle spielen Buntspechthöhlen, die er als Nachmieter nutzt. Seit einiger Zeit mehren sich Beobachtungen von Staren, die in Höhlen brüten, die Buntspechte in die Wärmedämmung von Fassaden gemeißelt haben. Der Hausbesitzer ist erbost, der Star entzückt, weil er der „Energiewende“ mit ihren desaströsen Folgen für die Vogelwelt ausnahmsweise ein Schnippchen schlagen konnte…

Mauerstar - MSiebner
Abb. 3: Star an wärmegedämmter Buntspechthöhle. Foto: M. Siebner

Häufig genutzt werden Nistkästen (die Kotflecken am Einflugloch verraten es), die eigentlich dem Mauersegler gewidmet sind. Zu Konflikten mit der Zielart, die bei der Besetzung ihrer Brutplätze rabiat vorgeht und Eier und Jungvögel der „unrechtmäßigen“ Bewohner mit ihren gleichermaßen kräftigen und scharfen Krallen abräumt, kommt es jedoch eher selten: Wenn die Mauersegler mit ihren Brutvorbereitungen ernst machen, sind viele Starenbruten schon ausgeflogen.
In der regionalen Literatur und in der Datenbank ornitho sind vereinzelt Hinweise auf Zweitbruten (nicht zu verwechseln mit Spät- oder Ersatzbruten!) zu finden. Darauf können Jungvögel hindeuten, die noch Ende Juni/Anfang Juli an einer schon vorher genutzten Höhle gefüttert werden. Ob ihre Zahl zugenommen hat, muss offen bleiben.

Nach der Brutzeit

Ab Mitte Juni lösen sich die Familienverbände auf und es kommt zur Bildung von großen Schwärmen. Jetzt tritt tierische Nahrung in den Hintergrund, zugunsten von Beeren und Früchten. Im bundesdeutschen Brutvogelatlas (Gedeon et al. 2014) wird die Vermutung geäußert, dass das Angebot von Steinobst im Vorjahr ein gravierender Faktor bei Bestandsschwankungen ist. Sind z.B. (wie im Frühsommer 2017) Kirschen knapp steigt die nachbrutzeitliche Mortalität, mit negativen Auswirkungen auf die Brutpopulation im Folgejahr.
Die Vorliebe für Früchte und Beeren wird unserem Porträtvogel mancherorts zum Verhängnis. Vor allem im Südwesten Europas und in Nordafrika setzen Winzer und Obstbauern alles daran, die verhassten Konkurrenten in Schach zu halten – auch mit Mitteln der ansonsten weltweit geächteten chemischen Kriegsführung. Bis in die jüngere Vergangenheit wurden Schlafplätze mit Dynamit und Benzinbomben in die Luft gejagt und Schwärme mit Kontaktgiften oder Gefiederbenetzungsmitteln zum letalen Auskühlen besprüht (Feare 1984, Glutz v. Blotzheim 1993). In unseren Breiten kommt zumeist ein ausgefeiltes Arsenal von optischen (Stanniolbehänge, Glitzerkugeln), akustischen (Böllerschüsse im Halbminutentakt, Abspielen von Warnrufen) und anderen Gegenmitteln (Überspannung der Kulturen mit Netzen, in denen viele Stare umkommen) zur Anwendung. Auf Flugplätzen werden Greifvögel eingesetzt, um die Schwärme zwecks Minderung des Vogelschlag-Risikos zu vertreiben. In den Zeiten, als es dem Star erheblich besser ging als heute, sollen all diese, z.T. barbarischen Maßnahmen keinen bestandsmindernden Einfluss gehabt haben (Feare 1984). Trifft das auch heute noch zu?

Schlafplätze

Starenschwärme liefern ein faszinierendes Schauspiel, das jede(r) Vogelbegeisterte wenigstens einmal gesehen haben sollte. In Röhrichtgürteln von Stillgewässern oder in ufernahen Gehölzen beziehen sie Abend für Abend ihre Schlafplätze. Bevor sie sich zur Ruhe begeben, fliegen die Vögel in riesigen Formationen umher, ändern jählings die Richtung und schreiben dabei bizarre Figuren in den Himmel. Diese Manöver (bei denen sie, in Kleingruppen bestens organisiert, niemals zusammenstoßen) dienen zum einen der Abwehr von Flugfeinden, zum anderen dem sozialen Zusammenhalt. Sind sie endlich gelandet, geht es bis zur Dunkelheit mit unablässigem Geschnatter weiter. Vermutlich sind die Schlafplätze, wie bei Rabenvögeln, auch Informationsbörsen.

Schwarm Seeburg - MSiebner
Abb. 4: Starenschwarm über dem Seeburger See. Foto: M. Siebner

In Süd-Niedersachsen wird seit vielen Jahrzehnten ein Schlafplatz im Schilf des Seeburger Sees bezogen. Hier versammeln sich ab Juni die Brutvögel samt Nachwuchs und Nichtbrüter der weiteren Umgebung. Ringfunde von anderen Schlafplätzen in unserem Bundesland belegen, dass sich ihnen bereits ab Juli Artgenossen aus Ostdeutschland und Polen, aber auch aus der Schweiz (Dispersionszug) hinzugesellen können (Zang in Zang et al. 2009). Anhand der Rastzahlen am Seeburger See lässt sich der Niedergang unseres Porträtvogels leider nur allzu gut dokumentieren. Die älteste Beobachtung datiert vom Juli 1932 mit 25.000 Ind. (Eichler 1949-50, Bruns 1949). Bis 1960 lagen die Zahlen mit maximal 20.000 Ind. augenscheinlich leicht darunter (Witt 1963). Hampel (1965) berichtet für den Zeitraum 1955-1964 eher pauschal von „riesigen Schwärmen“. In den 1970er Jahren explodierten die Zahlen förmlich: Während im Oktober 1975 eher unterdurchschnittliche 8000 Ind. gezählt wurden, waren es im Herbst 1976 bereits 500.000, denen 1977 enorme 700.000 folgten. Im September 1979 gelangten gar 800.000 Vögel zur Beobachtung. Die alles überragende Maximalzahl wurde jedoch im April dieses Jahres, also interessanterweise auf dem Heimzug, mit 1.500.000 Staren. erreicht (Angaben nach Brunken & Meineke 1976, Brunken 1978a, 1978b, Dörrie 2010). Dieses grandiose Spektakel ist allen Beobachtern, die seiner teilhaftig werden durften, unvergesslich. Über die Ursachen der auf wenige Jahre beschränkten Rastzahlen-Explosion kann man im Nachhinein nur spekulieren.
Danach ging es beständig bergab. Ob die 100.000er-Marke nach 1979 jemals wieder erreicht wurde, lässt sich aus dem zugänglichen Datenmaterial nicht ermitteln. Die Maximalzahl im neuen Jahrtausend lag bei 60.000 Ind. im Herbst 2004 (Dörrie 2005). In den letzten drei Jahren wurden nicht einmal 15.000 Ind. erreicht (2015 12.000, 2016 5000 und 2017 6000 Ind.). Die Aussagekraft der aktuellen Zahlen ist allerdings gering, weil trotz hoher Beobachterfrequenz am Seeburger See den Starenschwärmen immer weniger Beachtung geschenkt wird. Die Zahl der abendlichen Exkursionen, bei denen man sie zählen könnte, ist stark zurückgegangen.
Parallel zum Schwund am Seeburger See entwickelte sich in den 1990er Jahren in den Weiden an der Geschiebesperre Hollenstedt ein Schlafplatz, der auf dem Wegzug von bis zu 100.000 Vögeln genutzt wurde (P.H. Barthel in Schumacher 1996, Dörrie 2010). Seit wann genau er verwaist ist bleibt offen. Auf dem Heimzug wird seit ein paar Jahren ein Schlafplatz im Röhricht des Leinepolders Salzderhelden angeflogen. Hier liegen die Maximalzahlen bei ca. 8000 Ind. (P.H. Barthel in ornitho). Ein Schlafplatz an der Kiesgrube Reinshof wurde nur sehr unregelmäßig von bis zu 1500 Ind. besucht, aus den letzten zehn Jahren gibt es keine Beobachtungen mehr. Der Denkershäuser Teich, wo im Oktober 1986 bis zu 20.000 Vögel einfielen und die Rastzahlen 1999-2004 bei maximal 4000 Vögeln (2001) lagen (Heitkamp 2013), wird vielleicht noch auf dem Heim- und Wegzug besucht; in welcher Größenordnung ist unbekannt. Auch das Röhricht in der Kiesgrube Ballertasche im Wesertal bei Hann. Münden dient Staren als Schlafplatz. Fokken (o.J.) nennt 500 Vögel aus dem Frühjahr 1979 und ca. 1000 Ende Juni 1982. Ob 2500 Ind. vom März 2016 (W. Vogeley in ornitho) ein langjähriges Maximum sind muss offen bleiben.

Star Schwarm Nah - MSiebner
Abb. 5: Starenschwarm, etwas näher. Foto: M. Siebner

Wintervorkommen

Wie viele Stare gibt es bei uns im Winter? Eine bündige Antwort auf diese Frage ist nicht möglich. Zudem kann sich der Heimzug der Kurzstreckenzieher unter ihnen schon im Spätwinter bemerkbar machen. Die meisten unserer Brutvögel dürften ihre Heimat verlassen und in Südwesteuropa bis Nordafrika überwintern. Sie werden durch Artgenossen ersetzt, die vermutlich aus dem (Nord-)Osten stammen. Den Anteil sesshafter Vögel bei der Starenpopulation des süd-niedersächsischen Berglands beziffert Zang in Zang et al. (2009) auf ca. fünf Prozent. Unsere Stare werden also keineswegs, wie manchmal in die Welt posaunt wird, „immer mehr zu Standvögeln“. Auch die einfache Rechnung „je milder der Winter, desto mehr Stare harren aus“, haut nicht hin. Das belegen die langjährig gesammelten Daten ganz klar. Vermutlich spielen Nahrungsangebot und Zug- bzw. Populationsdynamik auswärtiger Wintergäste eine erheblich größere Rolle als die Höhe der Temperaturen. Im milden Winter 1994/95 war ein Schlafplatz in der Göttinger Theodor-Heuss-Straße von immerhin 5000-6000 Vögeln besetzt (Schumacher 1996). Im Januar des sehr kalten Winters 1996/97 schliefen 3000 Vögel in einer von Efeu umwachsenen Esche vor einem Chinarestaurant in der Friedrichstraße (Dörrie 2010). Im kalten Winter 2002/2003 kam es wiederum zu einem starken innerstädtischen Auftreten: Zwischen Weender Straße und Gotmarstraße schliefen im Dezember 2002 bis zu 1000 Vögel im Efeu eines Hinterhofs. Als der genervte Hausbesitzer den Bewuchs kurzerhand beseitigte wichen die Vögel an die alten Kliniken in der Goßlerstrasse aus, wo sich ihre Zahl im Januar 2003 auf ca. 2500 Ind. vergrößerte (Dörrie 2004a). Seitdem ist über Winterschlafplätze im urbanen Göttinger Bereich nichts mehr bekannt geworden, zumindest nicht in diesen Dimensionen. Einen eher verstörenden Höhepunkt des Auftretens in der kalten Jahreszeit lieferte der berüchtigte „Märzwinter 2013“. Während eines gigantischen, über Wochen anhaltenden Zugstaus mit Dauerfrost und Schneefall fielen ab der letzten Märzdekade bis weit in den April Tausende Stare an Göttinger Futterhäuschen ein, offenbar völlig ausgehungert. Die Verwunderung der vogelfreundlichen Mitbürger/innen war groß, denn viele hatten das Füttern schon eingestellt - es war ja, dem Kalender nach, Frühling (Grüneberg & Dörrie 2013).
Wie auch immer: Stare sind, in stark schwankender Zahl, im Winter seit jeher eine normale Erscheinung (z.B. Hampel 1965). Am ehesten bekommt man sie im Leinepolder Salzderhelden zu sehen, aber auch, bei entsprechendem Nahrungsangebot, in den Feldmarken um Göttingen oder im Seeanger.

Rätselvogel - HJThorns
Abb. 6: Ein Rätselvogel. Foto: H.-J. Thorns

Was zeigt dieses Foto? Eine sibirische Erddrossel? Einen Tannenhäher? Oder etwas ganz Exotisches? Solche Mutmaßungen werden bisweilen von interessierten Bürger/innen in Telefongesprächen oder E-Mails geäußert, manchmal mit der ergänzenden Information, dass der Vogel im Bestimmungsbuch zu Hause nicht abgebildet ist. Auf die Nachfrage, wie das Buch denn heißt und wann es erschienen ist, werden bekannte Titel aus den 1960er bis 1970er Jahren genannt. Kein Wunder. Die Antwort ist aber einfach: Es handelt sich um einen Star, der vom Jugend- ins Winterkleid ummausert.

Schutz

Die „Energiewende“ ist für viele Agrarland-Brutvögel ein einziges Desaster (Flade 2012). Ein grundlegender Wandel in der EU-Agrarpolitik, der dem Einhalt gebieten könnte, ist nicht in Sicht. Deshalb wird es auch in den kommenden Jahren bei (in der Regel) kleinflächigen Schutzprojekten für Vogelarten mit hoher Schutzpriorität oder EU-Verantwortung bleiben. Zu diesen zählt der Star wegen seiner immer noch weiten Verbreitung und Häufigkeit nicht. Sehr positiv sind Beweidungsprojekte mit robusten Rinderrassen in der Normallandschaft zu bewerten, von denen er sicher profitieren kann. Vom konventionellen Wiesenbrüterschutz mit späten Mahdterminen hat er dagegen rein gar nichts… Im Siedlungsbereich verschwindet nach Sanierungen ein Brutplatz nach dem anderen. Kann man dem Star helfen? Klar doch, wird jeder sagen: mit Nistkästen. Ihr Umsatz dürfte 2018 deutlich steigen. Warum auch nicht. In Schrebergärten, die mit ihren Offenflächen ein optimaler Lebensraum sind, aber oft nur wenige Höhlenbäume aufweisen, kann die Starendichte mit Nistkästen deutlich gesteigert werden. Und wenn die Zielart das Angebot verschmäht, können sich auch andere Tierarten in ihnen niederlassen. Weil Nistplatzmangel für den Star aber, wie dargelegt, nur ein Problem unter vielen ist, wird sich ein ins Positive gewendeter Bestandstrend allein mit künstlichen Bruthilfen nicht erreichen lassen. Dies betrifft auch die in Presse und Talkshows propagierte Ganzjahresfütterung von Singvögeln. Ein positiver Einfluss auf Brutpopulationen ist bis jetzt nicht belegt. Für den Star ist er besonders unwahrscheinlich, weil die Jungen mit Insekten ernährt werden, die an den Futterhäusern nicht zur Verfügung stehen.
Ein Quantum Trost liefert ein globaler Blick auf unserer Porträtvogel. Er ist mittlerweile einer der häufigsten Vögel der Welt und nach Einbürgerungen mit mehreren Hundert Millionen Paaren (ganz genau weiß man es nicht) auf fünf Kontinenten verbreitet.

Junger Star - MSiebner
Abb. 7: Junger Star. Foto: M. Siebner

Stare beobachten

Stare in Aktion kann man sehr schön am Göttinger Kiessee beobachten. Dort brüten am Rundweg ca. drei bis vier Paare in Spechthöhlen. Bereits ab Ende Februar balzen die Männchen vor der Bruthöhle, und ab Mitte April sind die durchdringenden Bettelrufe der Jungvögel zu hören. Später laufen (hüpfen tun die Amseln!) die dunklen Altvögel mit ihrem braunen Nachwuchs über die (von Bioziden verschont gebliebenen!) Liegewiesen, sind dann aber schnell verschwunden. Neben dem altholzreichen Stadtwall sind auch die Schillerwiesen oder die Pferdeweiden am Hainholzhof eine gute Option, vor allem im Mai. Ansonsten sind zufällige Beobachtungen vielerorts möglich, so lange man sich nicht in einem dunklen Nadelwald aufhält. Im Herbst ist ein abendlicher Besuch des Seeburger Sees ein Muss. Wer richtig viele Stare sehen möchte, sollte sich an den Gotteskoogsee im deutsch-dänischen Grenzgebiet oder in die Altstadt von Rom begeben.

Hans H. Dörrie

Literatur

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Brunken, G. (1978a): Avifaunistischer Jahresbericht 1976 Seeburger See und Umgebung. Faun. Mitt. Süd-Niedersachsen 1: 101-109.

Brunken, G. (1978b): Avifaunistischer Jahresbericht 1977 Seeburger See und Umgebung. Faun. Mitt. Süd-Niedersachsen 1: 235-258.

Brunken, G. (2003): Aspekte zur Entwicklung einer Feldbrüter-Avizönose im Landkreis Northeim (Süd-Niedersachsen). Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 8: 107-118.

Brunken, G. & T. Meineke (1976): 1. Jahresbericht der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Göttingen für das Jahr 1975. Göttingen.

Bruns, H. (1949): Die Vogelwelt Südniedersachsens (mit Beilage: Quantitative Bestandsaufnahmen). Orn. Abh. 3.

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Dörrie, H.H. (2002b): Ein Beitrag zur Brutvogelfauna im Stadtgebiet von Göttingen (Süd-Niedersachsen). Ergebnisse von Revierkartierungen 2001. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 7: 104-177.

Dörrie, H.-H. (2003): Avifaunistischer Jahresbericht 2002 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkdl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 8: 4-106.

Dörrie, H.-H. (2004a): Avifaunistischer Jahresbericht 2003 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 9: 4-75.

Dörrie, H.-H. (2004b): Zur Siedlungsdichte der Brutvögel in einem Kalkbuchenwald im FFH-Gebiet „Göttinger Wald“ (Süd-Niedersachsen). Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 9: 76-106.

Dörrie, H.-H. (2005): Avifaunistischer Jahresbericht 2004 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkdl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 10: 4-76.

Dörrie, H.-H. (2006): Brutvögel im Göttinger Kerngebiet 1948 - 1965 - 2005/2006. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 11: 68-80.

Dörrie, H.-H. & S. Paul (2005): Lebendiges Treiben am unpassenden Ort? – Friedhofsvögel in Göttingen 2004. Naturkundl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 10: 85-96.

Dörrie, H.H. (2010): Anmerkungen zur Vogelwelt des Leinetals in Süd-Niedersachsen und einiger angrenzender Gebiete 1980-1998. Kommentierte Artenliste. 3., korrigierte Fassung im pdf-Format. Erhältlich beim Verfasser unter info@ornithologie-goettingen.de oder bei der Newsgroup avigoe.de

Eichler, W.-D. (1949-50): Avifauna Gottingensia I-III. Mitt. Mus. Naturk. Vorgesch. Magdeburg 2: 37-51, 101-111, 153-167.

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Heitkamp, U. (2013): Die Vögel des Denkershäuser Teiches. Eigenverlag.

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Witt, K. (1963): Ornithologische Beobachtungen vom Seebuger See.aus den Jahren 1958-61. Jb. Dt. Jugendb. für Naturbeob. 1962/63: 110-134.

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Ich bin auch ein Star - MSiebner
Abb. 8: Ich bin auch ein Star. Foto: M. Siebner

October 22nd, 2017

Vögel, die auf Balken stehen

Höckerschwan -  Balken - MSiebner
Abb. 1: Höckerschwäne am Kiessee. Foto M. Siebner

Wasser, sagt man, hat keine Balken. Aber stimmt das eigentlich? Am Göttinger Kiessee herrscht endlich Klarheit. Seit dem Frühjahr 2016 ist das Gewässer um eine Attraktion reicher. Nach einer Vereinbarung zwischen Naturschützern, Stadtverwaltung und Wassersportlern wurden Baumstämme zu Wasser gelassen und am Grund verankert. Sie dienen einerseits als „Wellenbrecher“ zum Schutz des Röhrichts an der Ost- und Südseite, an anderer Stelle als Barrieren, die das Umfahren der Vogelschutzinsel mit Booten verhindern sollen. Bei den Baumstämmen handelt es sich um die Reste der gefällten Robinien aus der Groner Straße im Stadtzentrum, die nach ihrer Sanierung in steriler Tristesse mit immer mehr Leerstand vor sich hin vegetiert. Die schrundige Oberfläche der neuen Strukturelemente ermuntert Lebewesen aller Art, sich auf ihnen niederzulassen, sei es zur Nahrungssuche oder zum Ausruhen. Neben den vor Jahrzehnten von ihren überforderten Besitzern ausgesetzten Schmuckschildkröten (die damals um die fünf DM kosteten und nicht viel größer waren als die gleichwertige Münze) sind dies vor allem Vögel.

Schildkröte - Balken - MSiebner
Abb. 2: Schmuckschildkröten nutzen die Balken fürs Sonnenbad. Foto: M. Siebner

Göttinger Vogelkundler reagierten schnell: Während anfangs nur eher beiläufige Beobachtungen anfielen, werden mittlerweile alle Vögel, die auf den Balken sitzen, penibel in einer speziellen Artenliste erfasst. Klingt das nicht total bescheuert? Irgendwie schon, ist aber auf jeden Fall naturverträglicher und erholsamer als andere Freizeitbeschäftigungen in diesem Naherholungsgebiet.
Derzeit steht die Liste bei 29 Arten, es ist also noch viel Luft nach oben. Immerhin befinden sich auf ihr bereits jetzt schon Seltenheiten wie Moorente, Schwarzkopfmöwe und Weißbart-Seeschwalbe, während Singvögel mit nur drei Arten (Rabenkrähe, Gebirgsstelze und Bachstelze) dramatisch unterrepräsentiert sind.

Gänsesäger - Balken - MSiebner
Abb. 3: Gänsesäger. Foto: M. Siebner

Damit die Liste weiter wächst und ständig aktualisiert werden kann, sollten entsprechende Beobachtungen in unserer Datenbank ornitho.de mit dem Verweis „Balkenart“ versehen oder an info@ornithologie-goettingen.de geschickt werden.

Schwarzkopfmöwe - Balken - MSiebner
Abb. 4: Schwarzkopfmöwe als einmalige Balkenart. Foto: M. Siebner

Natürlich ergeben sich aus der neuen Aufgabestellung vielfältige Fragen, denen mit gebotener Ernsthaftigkeit nachgegangen werden sollte: Wie beeinflusst der Klimawandel das Nahrungs- und Komfortverhalten der Vögel? Ist es möglich, faunenfremde Einwanderer wie die Nilgans gezielt von den Balken fernzuhalten – zum Schutz unserer einheimischen Wasservögel? Können aufmontierte und ganzjährig beschickte Futterhäuschen die Artenzahl bei den Sperlingsvögeln erhöhen? Ändert sich das Nutzerverhalten, wenn die ursprünglich nordamerikanischen Robinien nach ihrem Verrotten gegen deutsche Eichen ausgetauscht werden? Wird sich die „Balken-Artenliste“ zu einem aussagekräftigen Indikator der biologischen Vielfalt entwickeln? Entsteht am Kiessee ein beispielhaftes Citizen-Science-Projekt mit bundesweiter Strahlkraft? Hoffen wir das Beste!

Hans H. Dörrie

Abendstimmung - Balken - MSiebner
Abb. 5: Abendstimmung mit Balken. Foto: M. Siebner

September 29th, 2017

Heimzug und Brutzeit 2017 in Süd-Niedersachsen – (fast) alles schon mal da gewesen?

Wiedehopf - M.Siebner
Abb. 1: Wiedehopf im Göttinger Westen. Foto: M. Siebner

Unter dem knapp 2000 Jahre alten, hier leicht veränderten Sinnspruch des weisen Rabbi Ben Akiba wird im Folgenden ein kleiner Einblick in das süd-niedersächsische Vogelleben gegeben. Wie immer gibt es neben vielen Schattenseiten auch ein paar Lichtblicke. Sie alle zu dokumentieren ist das nüchterne Metier seriöser Avifaunistik. Wohl dem, der sich heute noch, animiert von der beschaulichen Devise “Mach’ es wie die Sonnenuhr, zähl’ die heit’ren Stunden nur“, in die Natur begibt. Sich darüber zu erheben oder gar lustig zu machen, ist völlig verfehlt: Bisweilen muss auch der abgeklärteste Vogelkundler - etwa nach der Durchquerung einer mit monströsen Windrädern zugestellten, güllegesättigten Glyphosat-Wüstenei - zu Stimmungsaufhellern greifen, wenn er seinen Seelenfrieden bewahren will. Trost spendende Kalendersprüche zählen dabei sicher zu den harmloseren Substanzen

Das Wetter im Berichtszeitraum März bis Juni wies zwei Besonderheiten auf: Einem mit ca. 3,5°C über dem langjährigen Mittel sehr warmen März (vielleicht der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen) folgte eine ungewöhnlich kalte zweite Aprilhälfte, mit Nachtfrösten in überdurchschnittlicher Zahl. Mai und (warmer) Juni verliefen ohne besondere Vorkommnisse, mit einer Ausnahme: Am 22. Juni tobte sich südlich von Göttingen ein Unwetter mit Starkregen und lokalem Hagelschlag aus. Verglichen mit anderen Teilen Niedersachsens ging es aber eher gemäßigt zu. Insgesamt war es, bis auf die zweite Junihälfte, wieder einmal recht trocken.

Zugphänologische Ausreißer waren dünn gesät: Am 14. April ließ sich im Leinepolder Salzderhelden ein Wachtelkönig vernehmen, für diesen ausgeprägten Spätheimkehrer fast ein Winterdatum. Wohl derselbe Vogel knarrte dort auch am 20. des Monats, so dass von einer extrem frühen Revierbesetzung ausgegangen werden kann. Am 10. April rief ein früher Kuckuck an den Northeimer Kiesteichen, der zweite am 21. des Monats ebenda. 2015 war es ganz ähnlich (am 9.4. im Leinepolder und am 21.4. bei Diemarden). Die zeitlichen Abstände von elf bzw. zwölf Tagen (für den Heimzug, bei dem es schnell gehen muss, eine lange Spanne!) zeigen, dass Erstbeobachtungen nicht überinterpretiert werden sollten. Noch ausgeprägter war die Kluft zwischen Erst- und Zweitbeobachtung bei einem anderen Weitstreckenzieher: Am 5. März flog eine Rauchschwalbe in der Leineniederung nördlich von Northeim umher. Dann vergingen drei Wochen, bis sich am 26. März am Göttinger Kiessee die zweite zeigte. Leicht verfrüht trafen Waldlaubsänger ab dem 10. April ein. Ein Braunkehlchen machte bereits am 1. April im Leinepolder auf sich aufmerksam. Die zweite Beobachtung erfolgte zwölf Tage später am Northeimer Freizeitsee. Bei der Nachtigall scheint sich hingegen der Trend zur früheren Heimkehr zu verfestigen: Am 10. April sang an den Northeimer Kiesteichen ein Männchen, dem sich in den Tagen danach weitere Mitbewerber an die Fersen hefteten.

Im Leinepolder (einem über die Jahrzehnte nur sehr unregelmäßig genutzten Brutplatz) verlief eine von zwei Bruten des Höckerschwans mit vier Jungvögeln erfolgreich. Am Böllestau bei Hollenstedt schlüpften sechs Jungschwäne. In Göttingen waren die traditionellen Paare im Levin-Park (anfangs acht Kleine, darunter drei weiße immutabilis, von denen eines später verschwunden war), im Rückhaltebecken Gö.-Grone (anfangs sieben Küken, darunter vier immutabilis, eines später verschwunden) und am Kiessee (sechs Jungvögel, bis dato ohne Verluste) erfolgreich. Der Brutplatz am Wendebachstau bei Reinhausen war erstmals seit 2011 (danach wurde das Gewässer für den Hochwasserschutz umgestaltet) wieder besetzt (fünf Jungvögel, ein immutabilis). An der Kiesgrube Ballertasche bei Hann. Münden schritten zwei Paare zur Brut. Eins war erfolglos, das andere saß Ende Juni noch auf dem Nest.
Der letzte Singschwan des Northeimer Winterbestands war nach dem 24. März verschwunden.

Im Mai trat ein Ereignis ein, dem wohl nur ein sehr überschaubarer Beobachterkreis entgegen gefiebert haben dürfte: Im Lutteranger zeigte ein Paar Kanadagänse mit zwei Küken den ersten regionalen Brutnachweis an. Der Nachwuchs war nach dem 28. des Monats über Wochen nicht mehr auszumachen. Mitte Juli jedoch demonstrierte, vorausschickend angemerkt, ein großer Jungvogel in Begleitung eines Elternteils den vergleichsweise guten Ausgang der Erstansiedlung.

Kanadagans - M.Göpfert
Abb. 2: Neu für die Region: Kanadagans-Familie im Lutteranger. Foto: M. Göpfert

Eine Weißwangengans (eventuell aus dem Dreiertrupp im März im Leinepolder) verweilte bis in den Juni an der Geschiebesperre Hollenstedt.
Eine mit einer Graugans vergesellschaftete Tundrasaatgans hielt es bis Ende April an der Kiesgrube Ballertasche aus. Im Leinepolder übersommert eine Blässgans im 2. Kalenderjahr.
Als neu gemeldete Brutplätze der Graugans können die kleinen Gewässer (und das Dach des Raucherpavillons der Asklepios-Klinik) bei Tiefenbrunn mit vier Paaren verbucht werden. An der Tongrube bei Parensen hat sich die Art ebenfalls angesiedelt. Baumbruten wie in der Rhumeaue bei Katlenburg-Lindau kommen immer wieder mal vor. Als Besonderheit kann vermerkt werden, dass im Seeanger in dieser Saison nur ein (spätes) Brutpaar mit zwei Kleinen, die ab dem 29. Mai gesehen wurden, erfolgreich war. Ungewohnt positiv verlief eine Brut im Levin-Park: Ein Jungvogel erreichte, dank der ungewohnten Milde des ansässigen Höckerschwan-Männchens mit Terrorpotential, die Selbständigkeit.
Am Göttinger Kiessee brachten 14 Paare ca. 50 Junge zum Schlüpfen. In den Wochen danach halbierte sich diese Zahl auf 25. Hohe Jungenverluste sind beim Wassergeflügel nicht ungewöhnlich. Die Ursachen für den Schwund (der z.B. an den Brutplätzen am Northeimer Freizeitsee oder an der Geschiebesperre in diesem Ausmaß nicht konstatiert wurde) müssen offen bleiben. Rücksichtsloses Verhalten mancher Spaziergänger/innen, vor allem in Gesellschaft unangeleinter Hunde, und Prädatoren (von der kleinen Wanderratte über schuppige Unterwasserräuber bis zum großen Graureiher) haben sicher ihren Teil dazu beigetragen.
Am 11. und 12. Mai rastete ein markierter Gast mit gelbem Halsring und der Aufschrift D050 an der Geschiebesperre.

Erfolgreiche Bruten der Nilgans gibt es bis dato an der Leine bei Salzderhelden (vier Kleine), an der Geschiebesperre (eine mit anfangs drei, später zwei Gösseln, die andere mit zunächst zehn, später nur noch fünf oder sechs – ein Jungvogel wurde von Kolkraben erbeutet, ohne dass die eigentlich wehrhaften Altvögel einschritten), an Fischteichen an der Bölle nördlich vom Gut Wickershausen (sieben Kleine), am Levin-Park (sechs), südlich von Klein Lengden in einem Rotmilannest (mindestens zwei), am Wendebachstau bei Reinhausen (drei) und an der Sandgrube Meensen (fünf, später nur noch zwei). Acht Bruten sind wohl kaum dazu angetan, die von Jägern, Landwirten und anderen uneigennützigen Verteidigern einer kerndeutschen Vogelwelt entfachte Hysterie um diesen Neubürger zu befeuern.

Nilgans - M.Siebner
Abb. 3: Nilgansbrut im Levin-Park. Foto: M. Siebner

Das Maximum der Brandgans liegt kurioserweise vom Kiessee vor: Am Morgen des 23. Juni suchten vier Vögel das Weite.
Bis zu drei Rostgänse hielten sich bis in den Juni in verschiedenen Feuchtgebieten der Region auf.

Zu den Heimzug-Rastbeständen von Gründel- und Tauchenten liegen keine Daten vor, die den herkömmlichen Rahmen überschreiten.
Das im Winter am Seeanger und Seeburger See präsente Männchen der Mandarinente wurde dort nach dem 26. März nicht mehr gesehen. Zu ihm hätte (theoretisch) ein Weibchen gepasst, das im Juni auf einem kleinen Gewässer in Moringen dümpelte.
Balzende Schnatterenten sind im Seeanger nicht ungewöhnlich. Dieses Jahr wurde ernst gemacht: Ab dem 25. Juni präsentierte eine stolze Mutter mit neun sehr agilen Kleinen den ersten Brutnachweis für den Landkreis Göttingen.
Wie festgezurrt wirkte ein sehr ortsfestes Männchen der Spießente, das sich vom 15. März bis 26. April auf der Leine in der Göttinger Weststadt aufhielt. Der Vogel war aber offenkundig gesund bzw. nicht (wesentlich) behindert.
Der aus dem Vorbericht bekannte Trupp aus sechs Kolbenenten (vier Männchen, zwei Weibchen) am Seeburger See reduzierte sich bis zum 5. März auf drei Vögel. Am 15. März legte ein Paar auf dem Kiessee eine kurze Rast ein. Ein Weibchen fand den Seeanger vom 7. April bis zum 9. Mai offenbar sehr kommod.
Am 9. März rastete eine männliche Moorente auf dem Kiessee. Der Vogel war farbmarkiert („YB“) und entstammte dem Auswilderungsprojekt am Steinhuder Meer, wo er am 9. August 2016 entlassen wurde. Sein Ring konnte im Oktober am Möhnesee/NRW und im Dezember bei Grigny südlich von Paris abgelesen werden. Bemerkenswert ist nicht nur, dass er, obwohl aus einer Volierenzucht stammend, ein arttypisches Wegzugverhalten mit Südwest-Disposition zeigte, sondern auch, dass er den Flinten unserer schießwütigen Nachbarn auf heilen Flügeln entkommen konnte. Dieses Glück wurde einem als Reiherente bestimmten Steinhuder Weibchen, das 2012 in Frankreich geschossen wurde, leider nicht zuteil (vgl. Melles & Brandt 2016). Damit liegt der erste Nachweis eines unversehrten Rückkehrers mit Auslandserfahrung vor.

Moorente - M.Göpfert
Abb. 4: Moorente am Göttinger Kiessee. Foto: M. Göpfert

Am 5. März lieferten außergewöhnliche 19 Bergenten am Northeimer Freizeitsee einen neuen Regionalrekord. Die bisherige Höchstzahl stammt mit 18 Vögeln aus dem November 1988 vom Seeburger See. Das Auftreten passt gut zu den hohen Zahlen, die im vergangenen Winter aus Süddeutschland bekannt wurden.
Die aus dem Vorbericht bekannte weibliche Samtente hatte den Northeimer Freizeitsee nach dem 4. März verlassen. Ihr folgten vom 11. bis 26. April drei (wohl vorjährige) Männchen an den Northeimer Kiesteichen.

Am 13. und 14. April präsentierte sich ein Paar Mittelsäger am Seeburger See als kleine Dauerschläferzelle. Schlicht ging es vom 23. April bis zum 3. Mai am Freizeitsee mit einem Weibchen zu, dem sich am 4. und 5. Mai eine Artgenossin zugesellte.

Bei der diesjährigen Kartierung rufender Rebhühner im Göttinger Ostkreis gerieten 218 Vögel (mit Zusatztransekten, die 2017 erstmals bearbeitet wurden, 232 Vögel) zu Gehör. Im Vorjahr waren es 238. Insgesamt kann der Bestand als stabil eingestuft werden. Wiederum gab es starke lokale Schwankungen: Am Hotspot Feldmark Geismar-Süd riefen nur 12 Hähne (vor zwei Jahren noch 62!), während der Bestand in der auf weiten Strecken apokalyptisch anmutenden Feldmark Gieboldehausen - Wollbrandshausen von 29 auf 51 Hähne stieg. Im Seeanger und seinem Umfeld zeigten 13 ziemlich aus dem Rahmen fallende Rufer nach Jahren des Fehlens einen gleichermaßen beachtlichen wie unerklärlichen Zuwachs an. Auch am südlichen Göttinger Stadtrand (südlich der Drachenwiese, bisweilen sogar auf der Erweiterungsfläche am Kiessee) lassen sich wieder Rebhühner blicken. Die lokalen Schwankungen können unter anderem mit einzelnen Prädatoren erklärt werden, die sich auf die Hühnchen spezialisiert haben, z.B. ein Habicht am Diemardener Berg oder ein Uhu in der Feldmark Nesselröden. Umso wichtiger sind Schutzprojekte auf großer Fläche, die solche Schwankungen ausgleichen können.

Rebhuhn - A.Stumpner
Abb. 5: Gelege frisch abgemäht? Rebhuhn bei Bovenden. Foto: A. Stumpner

Einzelne Männchen des Fasans gerieten am Seeburger See und in der Rhumeaue bei Wollershausen zu Gehör.

Solitäre Rothalstaucher hielten sich am 11. April am Seeburger See und am 17. Mai an den Northeimer Kiesteichen auf.
Zwei Ohrentaucher, die ab und an ihren Balztanz zelebrierten, gaben sich vom 13. bis 20. April am Seeburger See recht lange die Ehre.
Schwarzhalstaucher waren am Seeburger See in guter Zahl über den gesamten Berichtszeitraum präsent und erreichten am 6. Mai mit 29 Ind. ein bemerkenswertes Maximum. Über die beiden anderen Lappentaucherarten wird im nächsten Bericht Auskunft gegeben.

Auf der Suche nach einem Kleinspecht im dichten Baumbestand der Insel im Kiessee wurde am 13. März ein scharfäugiger Beobachter eines Vogels gewahr, der etwas größer ausfiel als die Zielart: Eine Rohrdommel stand, gut verborgen, in stoischer Gelassenheit auf einem Ast, bisweilen auch in der bekannten Pfahlstellung. Gegen Abend verließ der aus lokaler Sicht sehr seltene Gast, von dem es nur noch einen Nachweis vom März 2003 (ebenfalls im Geäst der Insel) gibt, rufend das Gebiet.

Rohrdommel - M.Siebner
Abb. 6: Insulare Rohrdommel am Kiessee. Foto: M. Siebner

Die kleine Graureiher-Kolonie am Sultmer bei Northeim bestand in diesem Jahr aus mindestens vier Paaren mit Schlupferfolg.
Die Göttinger Population konzentrierte sich wie im vergangenen Jahr auf eine große mistelreiche Hybridpappel an der Nordostecke des Kiessees. Bruten gab es auch in zwei benachbarten Pappeln. Mindestens zwölf Paare brachten ca. 25 Junge zum Ausfliegen. Derzeit sitzen noch mindestens fünf Jungvögel in zwei Nestern. Wenn weiterhin alles gut läuft, werden ca. 30 kleine Reiher selbständig geworden sein, ein gutes Ergebnis. Für das zukünftige Gedeihen der Kolonie sind alle potentiellen Nestbäume (Pappeln) an der Ostseite des Kiessees von hoher Schutzwürdigkeit und dürfen nicht gefällt werden! Im Levin-Park werkelten im April fünf Paare an ihren Nestern, gaben diese Aktivitäten aber auf und siedelten vermutlich an den Kiessee um.

Der regionale Brutbestand des Weißstorchs ist auf epochale 20 Paare gestiegen. Im Landkreis Northeim gab es erfolgreiche Neuansiedlungen am Gut Wiebrechtshausen nahe dem Denkershäuser Teich und bei Lindau, im Landkreis Göttingen bei Bernshausen, wo 1989 ein Paar für eine Saison gebrütet hatte. Das Brutergebnis fiel insgesamt passabel aus (im Schnitt ca. 2,5 Junge pro Paar mit Schlupferfolg), nur in Seeburg und wohl auch im Seeanger gab es Totalausfälle. Ist die spektakuläre Zunahme wirklich auf die „Renaturierung der Biotope“ zurückzuführen, wie im „Göttinger Tageblatt“ vom 22. Juni zu lesen war? Diese steile These wäre einer Überprüfung wert…Ist aber auch egal: In den Augen vieler Naturfreunde ist jetzt, wo der Storch zurück ist, die Welt wieder in Ordnung.

Recht bemerkenswert ist die Übersommerung von bis zu zwei Fischadlern an den Northeimer Kiesteichen.

Fischadler - B.Riedel
Abb. 7: Fischadler an den Northeimer Kiesteichen. Foto: B. Riedel

Der am 24. Juni 2016 im österreichischen Nationalpark Hohe Tauern freigelassene und besenderte Bartgeier „Lucky“ aus dem Berliner Tiergarten gönnte sich eine ganz erstaunliche (aber nicht untypische) Erkundungsreise über Westeuropa. Am 20. Mai 2017 schaffte er es bis nach Uslar, kehrte dann nach Südosten um, flog über Göttingen immer weiter, bis er nach einem großen Schlenker über Hessen, Nordrhein-Westfalen und Belgien an der Nordspitze der Niederlande anlangte. Von dort ging es über Mittel-/Ostfrankreich und Süddeutschland wieder zurück in die Heimat, mit einem Abstecher nach Slowenien. Damit liegt der zweite Nachweis eines Bartgeiers für Süd-Niedersachsen vor. Der Erstnachweis, das Weibchen „Scadella“ aus der Schweiz, saß am 1. Juni 2012 auf einem Scheunendach der Domäne Wetze bei Northeim. Den zweiten Vogel hat (wohl) niemand gesehen, sein Auftreten erschließt sich nur aus den Daten des Senders. Wer die Reise nachvollziehen möchte kann dies unter www.hohetauern.at tun. Sehr zu empfehlen!

Bis zum 20. April gerieten elf Kornweihen ins Blickfeld, darunter bis zum 20. März das am Bramwaldrand bei Eberhausen überwinternde Männchen und bis zum 26. März ein (?) im Leinepolder überwinterndes Weibchen.
Rekordverdächtige fünf Wiesenweihen (drei Männchen, zwei Weibchen bzw. weibchenfarbene Vögel) zogen im Zeitraum vom 29. April bis 5. Juni über die Region. Zwei weitere Vögel ließen sich als immature Steppen- oder Wiesenweihen bestimmen.
Das traditionelle Brutpaar der Rohrweihe im Osten des (alten) Landkreises Göttingen hatte seinen Nistplatz in diesem Jahr wieder bezogen.
Am 25. März flog ein immaturer Seeadler über den Hochsolling. Vermutlich dieser Vogel sorgte bis zum 28. des Monats im Leinepolder für Aufsehen.

Zwischen dem 10. März und dem 4. Mai konnten drei heimziehende Merline notiert werden.
Am 12. Mai flog ein männlicher Rotfußfalke über dem Kiessee umher, der einzige der Saison und immerhin der erste Lokalnachweis für das beliebteste Göttinger Beobachtungsgebiet.

Rotfussfalke - S.Hörandl
Abb. 8: Rotfußfalke über dem Göttinger Kiessee. Foto: S. Hörandl

Das Göttinger Wanderfalken- Brutpaar auf dem Neuen Rathaus brachte vier Junge zum Ausfliegen, die derzeit mit ihren lautstark inszenierten Bettelflügen die Innenstadt beleben. Das Paar am Fernsehturm bei Gö.-Deppoldshausen begnügte sich mit drei Jungen. Ob bis zu zwei Vögel zum Ende des Berichtszeitraums nur deshalb auf der Duderstädter Oberkirche saßen, um den schönen Blick auf die Fußgängerzone zu genießen, wird sich im kommenden Frühjahr herausstellen…

Im Leinepolder übersommert erneut eine Handvoll Kraniche, darunter immerhin zwei ältere Vögel. Hat der Landkreis Göttingen bei der (überfälligen) Brutansiedlung gegenüber dem Landkreis Northeim den Schnabel vorn? Das könnte sich demnächst erweisen…
Aus dem Leinepolder liegen Hinweise auf weniger als zehn rufende Wachtelkönige vor. Die Rhumeaue zwischen Lindau und Bilshausen war in diesem Frühjahr in vergleichbarer Dichte besiedelt. Bei Wachenhausen sangen sechs Männchen. Ausgerechnet hier hat die Betriebsstelle Süd des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit dem Landvolk informelle Vereinbarungen zur Beweidung geschlossen. Offenkundig bestand weder ein durchdachtes Konzept noch wurde die Untere Naturschutzbehörde Northeim einbezogen. Und so standen Rinder und Schafe ab Mitte Juni auf eingezäunten Flächen unweit der Rufplätze der Vögel. Fachkundiger Naturschutz - zu dem Beweidungsmaßnahmen durchaus zählen können - sieht wohl anders aus. Im Göttinger Abschnitt der Rhumeaue bei Bilshausen kam es noch verheerender: Hier sollen zwei Altarme wieder mit dem Flusslauf verbunden werden, der zudem auf einem Abschnitt neu durch eine Wiese gelegt wird. Die Baggerarbeiten mit ca. 10.000 m³ Bodenhaushub in einem Naturschutzgebiet wurden in nur 20 Meter Entfernung von Rufplätzen des Wachtelkönigs in Angriff genommen. Die Maßnahmen mögen ja sinnvoll sein - aber dass sie am 14. Juni, also mitten in der Brutzeit der Vögel, mit schwerem Gerät in Szene gesetzt wurden, ist ein klarer Verstoß gegen die gesetzlichen Vorgaben von Natur- und Artenschutz. Jeder private Landbesitzer wäre zu Recht rasiert worden, wenn er auf seinem Grund und Boden dermaßen gewütet hätte…Das „N“ für Naturschutz scheint im Akronym dieses Kompetenzzentrums nicht ohne Grund den letzten Platz einzunehmen.
Am 26. März hüpfte eine Elster in einem Hausgarten in Wiershausen aufgeregt umher und kroch förmlich in die dichte Krautvegetation unter einer Fichte. Ursache des merkwürdigen Verhaltens war kein Wiesel und auch kein Waschbär, sondern – eine Wasserralle. Der wehrhafte Vogel verließ sein Versteck und verscheuchte die Elster. Dieser Vorgang wiederholte sich noch ein Mal. Am Folgetag war die Ralle aus dem Dickicht verschwunden. Wasserrallen sind auf dem Zug, ob havariert oder kerngesund, in Habitaten fernab jedes Gewässers häufiger als man denkt. Davon zeugen auch vergleichsweise viele Totfunde (Scheibenanflüge, Verkehrsopfer, von Katzen erbeutet), manchmal sogar mitten in Großstädten. In der Fotogalerie von ornitho sind etliche dieser bedauernswerten Zivilisationsopfer dokumentiert.

Wasserralle - J.Weiss
Abb. 9: Garten-Wasserralle startet Angriff auf Elster. Foto: J. Weiss

Interessanterweise wurden in diesem Frühjahr die meisten Wasserrallen in der Rhumeaue bei Wollershausen sowie in der Kiesgrube Ballertasche festgestellt. Hier machten sich jeweils bis zu fünf Ind. bemerkbar, während am Seeburger See und Seeanger die Tagessummen nur bei ein bis zwei Ind. lagen.
Bei der diesjährigen landesweiten Erfassung des Tüpfelsumpfhuhns konnten bis dato in den Feuchtgebieten der Region keine Vögel festgestellt werden. Dabei dürfte auch die Trockenheit bis Mitte Juni eine Rolle gespielt haben. Nach Starkregenfällen haben sich die Bedingungen verbessert. Vielleicht gelingt im Juli noch der ein oder andere Brutzeit-Nachweis. Aus dem traditionellen Brutgebiet Leinepolder liegen keine verwertbaren Angaben vor.
Der warme März hat Paare des Teichhuhns zum frühen Brüten animiert. Bereits am 26. April konnten an der Leine im Göttinger Westen drei Pulli notiert werden. Eine weitere Aprilfamilie wurde am 30. aus Bodensee gemeldet. Das Paar auf dem Göttinger Stadtfriedhof trotzte wacker dem durch Eisbruch und menschliches Einwirken verursachten Röhrichtschwund und baute ein exponiertes Schwimmnest. Die Brut verlief erfolgreich. Am Levin-Park ist derzeit nur ein Brutpaar mit einer Schachtelbrut aktiv. Die beiden Jungen aus der ersten Brut beteiligen sich an der Aufzucht ihrer fünf kleinen Geschwister. Am Weendespring, wo sich im letzten Jahr nach langer Abwesenheit wieder ein Paar angesiedelt hat, überlebte bis dato nur einer von fünf Jungvögeln. Ein Paar brütete erfolgreich in der Stahlwand am Flüthewehr, die zum Glück in dieser Zeit nicht vom Schwemmgut gesäubert wurde.

Teichhuhn - M.Siebner
Abb. 10: Erfolgreiche Teichhuhnbrut vom Flüthewehr. Foto: M.Siebner

Der einzige Kiebitzregenpfeifer der Heimzugsaison geriet am 6. Mai im Leinepolder ins Blickfeld des auswärtigen Birdrace-Teams „Partizan Marzipan“.
An der Geschiebesperre Hollenstedt kam es zu drei Kiebitz-Bruten mit insgesamt vier Küken. Zwei Jungvögel wurden flügge, einer fiel einem Rotmilan zum Opfer. Am Seeanger hielten sich zwei balzende Paare auf. Anfang Mai saß ein Altvogel für ein paar Tage auf einem Gelege. Dann wurden die Bemühungen eingestellt oder von Prädatoren zunichte gemacht.
An der Geschiebesperre Hollenstedt hatte eins von zwei bis drei Paaren des Flussregenpfeifers Schlupferfolg. Die beiden Küken waren jedoch nach kurzer Zeit nicht mehr auszumachen. Am Freizeitsee konnte der Brutbestand auf ca. fünf bis sechs Paare beziffert werden, mit mehr als ungewissem Erfolg. An der Kiesgrube Reinshof hatten zwei Paare Schlupferfolg. Während aus der ersten Brut zwei Jungvögel selbständig wurden (zum ersten Mal seit Jahren in diesem Gebiet!), waren die beiden anderen nach dem Unwetter am 22. Juni nicht mehr aufzufinden. An den Northeimer Kiesteichen, auf der Erweiterungsfläche des GVZ III („Göttingens Kalahari“) im Westen der Stadt und in der Kiesgrube Ballertasche bestand Brutverdacht.
Elf Sandregenpfeifer am 14. Mai im Seeanger sind aus regionaler Sicht bemerkenswert viele.

Fluss- und Sandregenpfeifer - M.Siebner
Abb. 11: Im Vergleich: Sand- und Flussregenpfeifer an der Kiesgrube Reinshof.
Foto: M. Siebner

Einzelne Regenbrachvögel machten am 22. April am Freizeitsee und am 27. April an der Geschiebesperre kichernd auf sich aufmerksam. Vom Großen Brachvogel liegen nur zwei Beobachtungen vor. Am 15. April gab es vier Vögel westlich von Gö.-Elliehausen, ein Einzelvogel flog am 19. April über den Seeburger See.
Die einzige Uferschnepfe der Saison wurde am 1. April im Leinepolder gesichtet.
Am 23. und 24. April rastete eine prächtige Pfuhlschnepfe am Freizeitsee bzw. an der Geschiebesperre.

Brutzeitbeobachtungen balzender Waldschnepfen, die sich auf knapp zehn „Paare“ beziehen könnten, liegen aus dem Hochsolling, dem Bramwald bei Eberhausen und aus dem Kaufunger Wald (einschließlich Hühnerfeld) vor. Rastvögel gab es am 14. März im Stockhäuser Bruch und am 21. März auf dem Göttinger Stadtfriedhof.
Das (magere) Maximum der Bekassine wurde mit 25 Vögeln am 31. März im Seeanger erreicht. Im Leinepolder balzten maximal zwei Männchen.
Am 1. März stand eine Zwergschnepfe ungeschützt (im doppelten Wortsinn!) an der Geschiebesperre.

Das Auftreten von Limikolen der Gattung Tringa wies keine Besonderheiten auf. Das Maximum von 31 Bruchwasserläufern (eine gute Indikatorart für geeignete Rastflächen) fiel am 5. Mai im Seeanger eher mager aus.
Sehr bemerkenswert ist ein Waldwasserläufer, der sich für ca. vier Wochen in der Rhumeaue bei Lindau aufhielt und brutverdächtige Verhaltensweisen zeigte. Die letzten Bruthinweise stammen aus den frühen 1990er Jahren von der Geschiebesperre.
Mit 54 Ind. gestaltete sich das Maximum des Kampfläufers am 22. März in Leinepolder nicht gerade berauschend.
Ein harlekinesker Steinwälzer stocherte am 14. Mai an der Kiesgrube Reinshof eifrig im Gänsekot (von diesem Weltenbummler sind noch wesentlich unappetitlichere Substanzen als Nahrung bekannt)…
Aus tiefer binnenländischer Sicht war der Sanderling mit vier Nachweisen gut vertreten. Am 29. April rastete ein schlicht gewandeter Vogel an der Kiesgrube Reinshof. Vom 14. bis 17. Mai tat es ihm ein Artgenosse, der in der Mauser schon etwas weiter war, ebenda nach. Am 15. Mai stand einer an der Geschiebesperre und am 3. Juni zeigte sich ein Vogel im Seeanger im bunten Prachtkleid.
Einzelne Zwergstrandläufer am 7. Mai an der Geschiebesperre und vom 30. bis 31. Mai im Limikolenparadies Reinshof bekräftigten das Bild vom spärlichen Heimzuggast.
Das Maximum von Temminckstrandläufern wurde am 3. Mai mit sieben Vögeln erreicht, und zwar, wie so oft, im Seeanger. An der Kiesgrube Reinshof zeigte sich einer besonders fotogen. Den (systematisch geordneten) Reigen der Calidris-Limikolen beschließen maximal sechs Alpenstrandläufer am 31. März an der Geschiebesperre.

Kiesgrube Reinshof: Treffpunkt für Limikolen und ihre Bewunderer:

Steinwälzer - L.Sebesse
Abb. 12: Steinwälzer. Foto: L. Sebesse

Zwergstrandläufer - M.Siebner
Abb. 13: Zwergstrandläufer. Foto: M. Siebner

Sanderling und Alpenstrandläufer - M.Georg
Abb. 14: Sanderling mit Alpenstrandläufer. Foto: M. Georg

Temminckstrandläufer - M.Siebner
Abb. 15: Temminckstrandläufer. Foto: M. Siebner

Das Maximum heimziehender Zwergmöwen wurde am 23. April am Northeimer Freizeitsee mit 30 Vögeln erreicht. Anderswo (z.B. in Hessen) war der Zug stärker wahrnehmbar. Regionale Daten sind, auch und gerade bei dieser Art, immer mit Vorsicht zu genießen und sollten nie verallgemeinert werden.
Die Lachmöwen-Kolonie im Lutteranger war von drei Brutpaaren bevölkert, deren Erfolg unklar ist.
Vom 12. bis 29. April gab es fünf Nachweise der Schwarzkopfmöwe (zumeist Altvögel). Ein Nachweis vom 25. April am Göttinger Kiessee ist einer besonderen Erwähnung wert.
Eine beringte Sturmmöwe (schwarzer Ring mit weißer Markierung X 97P) vom 11. März am Göttinger Kiessee war sächsischen Geblüts und entstammte einer Kolonie bei Kulkwitz/Leipziger Land. Bei der Beringung am 5. Juni 2012 war sie bereits erwachsen.
Mittelmeermöwen ließen sich am 4. März über dem Seeanger, am 20. April am Göttinger Kiessee (vorjähriger Vogel) und am 30. April wiederum am Seeanger (zwei Altvögel) bestimmen.
Von der mittlerweile erheblich häufiger in Erscheinung tretenden Steppenmöwe wurden zwischen dem 5. März und dem 5. Juni mindestens 13 verschiedene Ind. gemeldet, darunter je ein vom 16. bis 31. März sowie ein vom 22. bis 25. April am Freizeitsee und der Geschiebesperre präsenter Vogel. Letzterer erbeutete an der Geschiebesperre mindestens zwei Graugansküken. Ein vorjähriger Vogel (roter Farbring 91 4P) vom 13. März am Freizeitsee stammte aus Polen, wo er am 28. Mai 2016 bei Kozielno beringt worden war. Daneben gab es wieder ein paar auf Artniveau unbestimmbare Großmöwen (darunter auch Hybriden östlicher Provenienz).
Von der Heringsmöwe liegen drei Nachweise vor: Am 25. April an der Kiesgrube Reinshof (vorjähriges Ind.) sowie vom 13. Mai an der Geschiebesperre (vier ziehende Altvögel) und vom 2. Juni ebenda (zwei Ind. ohne weitere Angaben).
Am 5. Mai bestätigten zwei Raubseeschwalben am Seeanger ihren Status als alljährlicher Gastvogel. Eine war metallberingt, konnte aber nicht abgelesen werden.
Während des Unwetters am 22. Juni trotzte, neben sechs tollkühnen Beobachtern, eine Weißbart-Seeschwalbe am Göttinger Kiessee den Kapriolen der Natur.

Wei�bartseeschwalbe - M.Georg
Abb. 16: Weißbart-Seeschwalbe am Göttinger Kiessee. Foto: M. Georg

Auch das Heimzugmaximum der Trauerseeschwalbe fiel am 25. April mit insgesamt 27 Ind. am Freizeitsee und den Northeimer Kiesteichen eher schwach aus.
Von der Flussseeschwalbe existieren sieben Nachweise, zumeist vom Seeburger See. Das Maximum von vier Vögeln wurde jedoch am 1. Juni am Northeimer Freizeitsee erreicht.
Drei Küstenseeschwalben gelangten zur Beobachtung: Am 22. April am Kiessee (dritter Nachweis für das Göttinger Stadtgebiet nach zwei Vögeln im Frühjahr 1967 ebenda!), am 24. April am Seeburger See und am 20. Mai im Lutteranger.

Aus lokaler Sicht recht interessant ist der lange Aufenthalt einer Hohltaube im Ascherberg-Wäldchen am Kiessee. Der Vogel zeigte sich von Mitte März bis Mitte Mai, balzte ab und an und suchte bisweilen die Gesellschaft einer Ringeltaube. Auch im Vorjahr wurde hier eine Hohltaube gesehen. Man darf gespannt sein…
Von der Türkentaube liegen erfreulich viele Meldungen vor, darunter auch aus Ortschaften mit historischen Brutvorkommen. Ob diese jemals erloschen waren, lässt sich wegen fehlender Kontrollen in der Zwischenzeit nicht rekonstruieren. Interessant sind Beobachtungen abseits des Eichsfelds, wo sich die Art immer halten konnte. Gebiete im Leinetal oder westlich davon sind von besonderem Belang, weil der Rückgang hier am stärksten ausgefallen ist. Bruthinweise gab es in Hoppensen/Dassel, Moringen, Nörten-Hardenberg, Gladebeck, Parensen, Harste, Ossenfeld, Stockhausen, Diemarden, Obernjesa, Groß Schneen und Hann. Münden (dort zwischenzeitlich wohl seit 2002 verschwunden). In Rosdorf waren mindestens fünf Reviere besetzt. Auch in Göttingen konnte eine leichte Zunahme dokumentiert werden (neue Rufplätze u.a. am Brauweg, nahe der Gailgrabenbrücke und in Weende). Von einer rasanten Zunahme kann kaum die Rede sein; ein wehmütiges „güle, güle“ für diesen ca. 63 Jahre alten Neubürger scheint aber weniger angebracht denn je…
Der Turteltaube geht es weitaus schlechter. Es liegen nur neun Beobachtungen vor, wohl alle von heimziehenden Vögeln. Am 25. und 30. Mai sang ein Männchen in einem Feldgehölz bei Eberhausen. Auf der großen Bramwald-Blöße bei Ellershausen konnte die Art beim Birdrace nicht gefunden werden, vermutlich/hoffentlich nur wegen schlechten Wetters.

Turteltaube - W.Vogeley
Abb. 17: Turteltaube an der Geschiebesperre. Foto: W. Vogeley

Die Schleiereule geriet, immerhin, fünf Mal ins Blickfeld bzw. ins Ohr, darunter an der Kirche in Rollshausen sowie in Ahlshausen (Northeim) und in Seeburg. In der Rhumeaue bei Gieboldehausen gelangen zwei Offenlandbeobachtungen.
Aus dem Bramwald liegen seit Jahrzehnten keine Beobachtungen des Raufußkauzes vor. Umso bemerkenswerter ist ein Männchen, das am 15. und 16. März sowie am 10. April westlich von Eberhausen (ca. 350 m ü.NN) seine Rufreihe hören ließ.
Sehr ungewöhnlich ist eine erfolgreiche Brut der Waldohreule in der Göttinger Nordstadt. Vier Jungvögel erlangten die Selbständigkeit. Die letzte bekannte Brut im urbanen Lebensraum Wohnblockzone stammt aus dem Jahr 1996 (Wilamowitzweg im Ostviertel). Etwas näher am Waldrand konnte sich ein Paar an der Albert-Einstein-Straße mit mindestens drei Jungen reproduzieren, desgleichen das traditionelle Brutpaar am Ascherberg. In Rosdorf war nur eines von zwei Paaren mit Erfolg (Einzelkind) gesegnet. Bei Stockhausen fiepte ein Quartett. Am Ortsrand Groß Schneen und bei Mollenfelde geriet je ein Paar mit mindestens einem Jungvogel in den Blick. Im Siedlungsbereich von Hann. Münden nervten mindestens drei Junge die Anwohner. Brutverdacht gab es zudem in der Suhleaue bei Rollshausen und nahe dem westlichen Ortsrand von Gö.-Weende.
Anfang April versetzte auf dem Göttinger Stadtfriedhof ein Uhu für ein paar Tage besonders die ansässigen Rabenkrähen in Aufruhr, was das Auffinden der imposanten Großeule ungemein erleichterte. Weil kein Brutvorkommen anzunehmen war, wurde sie dem Göttinger Beobachterkreis zugänglich gemacht, ansonsten sind alle Nistplätze bei ornitho geschützt, um rücksichtslose Fotografen und andere unliebsame Zeitgenossen fernzuhalten.
Einen vor Nachstellungen jeder Art optimal geschützten, wenngleich sehr lärmexponierten Brutplatz hat seit ca. zwei Jahren ein Uhupaar unter der A 7 auf einem der mehr als 50 Meter hohen Pfeiler der Werratalbrücke bei Hedemünden bezogen. Dafür musste der Wanderfalke seinen Nistkasten räumen. Der nutzbare Aktionsraum der Jungvögel außerhalb des Kastens ist vergleichsweise winzig und man kann den Kleinen nur die Daumen drücken. Ein Absturz aus luftiger Höhe in die tief unten fließende Werra würde mit Sicherheit letal enden.
Der verhaltene Optimismus aus dem Vorbericht bezüglich einer Waldkauz-Brut im Göttinger Alten Botanischen Garten fand ab dem 11. März seine erfreuliche Bestätigung. Ein Paar des „Vogels des Jahres 2017“ brachte vier Junge zum Ausfliegen. Der bei vielen Beobachter/innen und Passanten sehr populäre Familienverband blieb über vier Monate zusammen.

Waldkauz - M.Siebner
Abb. 18: Niedlicher Jungkauz im Alten Botanischen Garten. Foto: M. Siebner

Ein wesentlicher Faktor bei der erfolgreichen Ansiedlung am Rand der Innenstadt war sicher eine lokale Massenvermehrung der Rötelmaus. Die am Boden wimmelnden Tiere wurden im Dreiminutentakt erbeutet und verfüttert. Leider kam es, wie es so oft kommen muss: Wohlmeinende Spaziergänger griffen einen angeblich kranken Ästling und brachten ihn in die NABU-Pflegestation. Zum Glück konnte er am nächsten Tag wieder zu seiner Familie zurückgebracht werden. Ebenfalls sicher gut gemeint, aber ähnlich fragwürdig ist das Anbringen von mindestens einem, in Kinderarbeit hergestellten Nistkasten in diesem altholz- und baumhöhlenreichen Park durch den NABU. Der Sinn dieser Aktion im Nachklapp einer erfolgreichen Ansiedlung auf eigenen Schwingen bleibt im Dunkeln. Nach dem maßgeblichen Referenzwerk von Mebs & Scherzinger (2000) sind spezielle Artenschutzmaßnahmen für den häufigen und sehr anpassungsfähigen Waldkauz nicht notwendig, manchmal (wenn sie die Vorkommen schwächerer Eulenarten tangieren) sogar kontraproduktiv. Bei den Göttinger Innenstadt-Neubürgern sollte man gelassen abwarten, ob und wie sie in einem schlechten Mäusejahr über die Runden kommen. Alternative Beutetiere wie Singvögel und Amphibien (darunter seltene und streng geschützte!) gibt es genug.

Am GDA-Wohnstift in Geismar brüteten früher ungefähr 90 Paare des Mauerseglers. Die Brutplätze fielen vor ein paar Jahren der Fassadensanierung zum Opfer. Von den zur Kompensation angebrachten 175 künstlichen Nisthöhlen wurden in dieser Brutsaison (vier Kontrollgänge) bis zu 26 angeflogen. Bei der Besetzung konnte keine Präferenz für eine Himmelsrichtung notiert werden. Die meisten beflogenen Kästen befanden sich mit 14 (von 91 Kästen) an der Nordseite des Gebäudes, an der Westseite waren es sechs (von 39 Kästen) und an der Südseite ebenfalls sechs (von 45 Kästen). Vielleicht/hoffentlich steigt die Akzeptanz der langlebigen Vögel in den nächsten Jahren. Das Beispiel zeigt den gravierenden Rückgang nach Wärmedämmungen wie auch die zögerliche Annahme von Ersatzquartieren. Wenn man bedenkt, dass solche Maßnahmen in Göttingen, wo Häuser wie am Fließband gedämmt werden, immer noch die Ausnahme sind, kann man sich das Ausmaß des Bestandsrückgangs vorstellen.

Unter den weltweit ca. 10.000 Vogelarten ist der Wiedehopf auch optisch ein echtes Unikum, das bei einheimischen Normalbürger/innen, die seiner ansichtig werden, ungläubiges Staunen („den gibt es hier?“) auslöst. Auf dem Heimzug 2017 rasteten gleich sieben von ihnen, ein neuer Regionalrekord. Neben Vögeln am 28. März nahe der Leine bei Vogelbeck, am 2. April in einem Hausgarten in Ebergötzen, am 5. April am Ortsrand Mariengarten, am 10. April in der Feldmark Wollbrandshausen, am 11. April am Ortsrand Scheden sowie am 24. April bei Niedeck sorgte einer vom 3. bis 5. April in der „Kalahari“ (GVZ III) im Göttinger Westen für besonderes Aufsehen. Manche der zahlreichen Beobachter mussten allerdings lange warten, bis der am Boden praktisch unsichtbare Gast sich zum Auffliegen bequemte und, wie ein exotischer Riesenschmetterling, sein beeindruckendes Feuerwerk zündete. In den vergangenen Jahren haben die regionalen Nachweise deutlich zugenommen, was vermutlich mit dem positiven Trend in einigen ostdeutschen Bundesländern zusammenhängen dürfte. Hier hat man gute Erfahrungen mit künstlichen Nisthilfen auf Truppenübungsplätzen oder in ausgeräumten, aber großinsektenreichen Tagebau-Folgelandschaften gemacht.

Wiedehopf - M.Hild
Abb. 19: Wiedehopf in Scheden. Foto: M. Hild

Obwohl der Heimzug mit ca. 25 verschiedenen Migranten ganz passabel ausgeprägt war, sah es, was Bruten anbelangt, für den Wendehals schlecht aus: Der langjährige Brutplatz auf dem Kerstlingeröder Feld war, ganz bitter, verwaist. Nahe dem Huhnsberg bei Scheden gab es immerhin Hinweise auf eine Revierbesetzung. Im Gartetal westlich von Diemarden sangen über Wochen bis Ende Juni ein bis zwei Vögel an verschiedenen Stellen. Der für eine Verpaarung charakteristische Duettgesang war aber nicht zu vernehmen. Dies war am 11. Mai an den Northeimer Kiesteichen nahe einem im Vorjahr besetzten Revier der Fall; in einer anderen Ecke der Seenplatte (Brut im Vorjahr) sang ein Vogel über mehrere Tage. Mehrtägige Präsenz konnte Mitte Mai auch bei Ahlshausen festgestellt werden.

Vom exotisch wirkenden Pirol konnten immerhin vier Männchen vernommen werden, am 3. Mai am Gieseberg südlich von Deiderode, am 6. Mai bei Ellershausen und an der Geschiebesperre sowie am 24. Juni an der Kiesgrube Reinshof.

Befürchtungen, die Neuntöter könnten auf ihrem Zug durch das extrem trockene Nordostafrika deutliche Verluste erlitten haben, bestätigten sich zum Glück nicht, zumindest auf regionaler Ebene. Bei der alljährlichen Zählung Mitte Juni auf dem Kerstlingeröder Feld zeigten 20 Männchen einen guten durchschnittlichen Bestand an, auch in der jährlich kontrollierten Rhumeaue bei Katlenburg-Lindau bewegte er sich mit sechs bis sieben Männchen im herkömmlichen Rahmen.
Der östlich von Duderstadt überwinternde Raubwürger hatte sein Revier nach dem 28. März geräumt. Sein Kollege von den ehemaligen Tongruben Siekgraben im Westen Göttingens wurde nach dem 25. März nicht mehr gesehen. Das Kerstlingeröder Feld scheint der traditionelle Wintergast bereits nach dem 12. März verlassen zu haben. Darüber hinaus gerieten noch Einzelvögel am 10. März am Bramwaldrand südlich von Eberhausen (dort auch einmal im Winter beobachtet) sowie am 19. März auf dem Sengersfeld im Göttinger Stadtwald vor die Optik.

Recht bemerkenswert ist die lange Präsenz von Dohlen an der Klosterkirche in Gö.-Nikolausberg. Vom 20. März bis zum 26. April ramenterten dort bis zu vier Vögel, manchmal in heftige Scharmützel mit ansässigen Rabenkrähen verwickelt, deren Willkommenskultur gering ausgeprägt war. Brutverdächtiges Verhalten wie Kopulationen oder Transport von Nistmaterial konnte nicht notiert werden. Wie auch immer: Auf den kommenden Frühling darf man gespannt sein. In Duderstadt scheint die lokale Population zu wachsen: An den drei Kirchen, am alten Rathaus, am Westerturm und an der Marktstraße hielten sich mehrere Paare auf, teils auch mit Nistmaterial.
Aus dem März (früher der Heimzugmonat schlechthin) existieren ganze drei Beobachtungen von insgesamt fünf Saatkrähen.
Deutlich wohler fühlt sich bei uns der Kolkrabe. Am 6. Mai konnten an der Deponie Blankenhagen bei Moringen beeindruckende 220 Vögel gezählt werden, eine neue Rekordzahl. Im sicheren Wildtiergehege am Göttinger Kehr haben sich Kolkraben eingenistet und klauen den Schweinen die Nahrung.

Kolkrabe - M.Siebner
Abb. 20: Kolkrabe im Wildtiergehege am Kehr. Foto: M. Siebner

An der Northeimer Seenplatte scheint das Vorkommen der Beutelmeise vor dem Erlöschen zu stehen. In der Brutsaison konnte nur noch ein Paar beim Nestbau registriert werden. Die Gründe für den seit Jahren anhaltenden Rückgang (im Landkreis Göttingen hat es schon lange keine erfolgreiche Brut mehr gegeben) dürften in der natürlichen Populationsdynamik dieser unsteten Art zu suchen sein, die in Westeuropa seit jeher von Vorstößen und Rückzügen geprägt ist.

Zwischen dem 2. und 19. März fanden an sieben Tagen insgesamt ca. 51 Heidelerchen Eingang in unsere Datenbank. Das Gros stellten mindestens 30 Ind. im Wintergetreide am 19. in der Feldmark Reinshof.

An den Northeimer Kiesteichen beflogen zum Ende des Berichtszeitraums ca. zehn Paare der Uferschwalbe ihre Nester, an einer kleinen, frisch aufgeschütteten Kies-/Sandbank mit nur drei Metern Schräge. Die Kolonie am Freizeitsee bevölkerten mindestens 30 Paare. An der Sandgrube Meensen existierten 13 frische Brutröhren.
Die kleine Kolonie der Rauchschwalbe am Flüthewehr südlich von Göttingen, einem ungewöhnlichen Brutplatz, ist von zwei auf drei Paare angewachsen. Interessant sind Beobachtungen von Altvögeln, die ihren flüggen Nachwuchs abseits bekannter Nistplätze fütterten. Dies geschah Ende Juni/Anfang Juli an der Westseite des Kiessees und an der Springmühle westlich der A7 in Gö.-Grone. Die beiden Reitställe in Grone, wo Rauchschwalben regelmäßig brüten, sind eine Ecke weg; gleichwohl könnten die Vögel natürlich von dort gestammt haben. Andererseits zeigt das langjährige Beispiel der Gerätescheune am Werderhof/Garte, dass sich die Art auch abseits von Großtierstallungen (aber immer in Gewässernähe) fortpflanzen kann. Sollten sich vergleichbare Beobachtungen (am besten mit Nestfunden) häufen, wäre dies ein positives Signal und könnte eine graduelle Emanzipation von der engen Bindung an Stallungen indizieren.
In der Göttinger Innenstadt scheint der Brutbestand der Mehlschwalbe mit knapp 23 Paaren stabil zu sein. Die Kolonie von zehn bis zwölf Paaren an der Ecke Burgstraße/Ritterplan, wo noch vor sechs Jahren ca. zwölf Paare (z.T. hinter einer schadhaften Fassade!) gebrütet hatten, ist nach Sanierungsarbeiten auf zwei Paare geschrumpft. Dafür hat sich am Kaufland-Gebäude in der Kurzen Geismarstraße eine Kolonie von ca. sieben Paaren etabliert.
An der großen Scheune in Bursfelde im Wesertal besteht seit längerer Zeit die größte Kolonie weit und breit. Für die erste Dekade des neuen Jahrtausends liegen Angaben zu ca. 90 bis 100 Paaren vor. Im August 2011 wurden 180 intakte Nester gezählt, von denen die meisten angeflogen wurden. Nach einer Meldung, dass Ende Juni 2017 mindestens 200 Vögel präsent waren, erfolgte Anfang Juli (unter Zuhilfenahme eines Campingstuhls) eine gründliche Zählung: Sie erbrachte 252 intakte Nester, von denen 173 beflogen wurden. Ein echter Lichtblick am verdüsterten Schwalbenhimmel! Weitere Angaben zu dieser Kolonie sind sehr erwünscht - noch ist genügend Zeit, vor dem Wegzug Vögel und Nester zu zählen. Zudem ist ein Ausflug an die Weser (auch in den kommenden Jahren) immer eine feine Sache, für Radfahrer aus Richtung Göttingen zumindest auf dem Hinweg…
Eine Rötelschwalbe, die am frühen Morgen des 9. Mai zusammen mit anderen Schwalben auf dem Steg des Seeburger Sees saß, ist eine von drei Raritäten in diesem Bericht (s.u.), die diesen Namen wirklich verdienen (erster Regionalnachweis seit 2006). Im Laufe des Vormittags suchte sie schnell das Weite.

Rötelschwalbe - M.Siebner
Abb. 21: Rötelschwalbe am Seeburger See. Foto: M. Siebner

Waldlaubsänger waren aus regionaler Sicht dünn gesät. Hinweise auf Revierbesetzungen von Einzelvögeln kamen nur aus dem Kaufunger und Göttinger Wald.
Auf dem Kerstlingeröder Feld ließ sich während der Neuntöter-Erfassung im Juni nur ein einziger Fitis ausmachen. Trotz des späten Erfassungstermins scheint der lokale Rückgang dramatisch zu sein. Anfang des Jahrtausends wurden noch bis zu 45 Reviere kartiert (Goedelt & Schmaljohann 2002), die sich auf die Aufwuchsflächen von Lärche und Birke konzentrierten. Mittlerweile ist der Baumbestand (auch) in diesen Bereichen so dicht und dunkel geworden, dass er keinen Lebensraum für diese Lichtwaldart mehr darstellt.

Schlagschwirle sangen vom 21. bis 24. Mai am Seeburger See, am 31. Mai am Sandwasser östlich von Duderstadt, am 2. Juni nahe der Gartemühle südlich von Göttingen, am 3. und 10. Juni an der Kiesgrube Ballertasche sowie am 5. Juni in der Rhumeaue bei Wollershausen. Der Verbreitungsschwerpunkt lag wiederum in der Rhumeaue bei Bilshausen, wo sich ab Anfang Juni bis zu vier Männchen der Balz widmeten - und hoffentlich nicht von den Baggern vertrieben wurden.
Im Leinepolder sangen in der Brutzeit bis zu drei Rohrschwirle. Mit ebenfalls bis zu drei Sängern war die Art am Seeburger See Mitte Mai gut vertreten. Bis Ende Mai balzte dort noch ein Männchen. Ein Sänger am 23. April in der Rhumeaue bei Wollershausen hatte vermutlich nur eine Rast eingelegt.

Ab dem 1. Mai ging ein männlicher Schilfrohrsänger am Seeanger zielstrebig ans Werk. Drei Wochen später war der unermüdliche Sänger (mit typischen Balzflugeinlagen) nicht mehr allein. Ende Juni konnte ein Futter tragender Altvogel ausgemacht werden. Die zahlreichen Beobachtungen in diesem nahezu täglich besuchten Gebiet rechtfertigen (mindestens) einen starken Brutverdacht. Aus den Feuchtgebieten der Region lagen zuvor fast immer nur Hinweise auf so genannte „Gesangsreviere“ vor. Altvögel mit Futter wie 2001 am Denkershäuser Teich (U. Heitkamp in Dörrie 2002) bildeten die singuläre Ausnahme. Auf dem Heimzug war die Art wieder recht gut vertreten, das Maximum wurde am 26. April an der Kiesgrube Reinshof mit vier Vögeln erreicht.

Schilfrohrsänger - S.Hörandl
Abb. 22: Schilfrohrsänger an der Kiesgrube Reinshof. Foto: S. Hörandl

Tagesmaxima von Sumpfrohrsängern wurden am 6. Juni mit elf Sängern zwischen Freizeitsee und Rhume sowie am 2. Juni mit neun Sängern im Leinepolder notiert.
Ungemein dickfellig verhielt sich ein Drosselrohrsänger an der ab Mai völlig verrummelten Kiesgrube Reinshof. Er krächzte zunächst vom 10. bis 27. Mai an der Ostseite mit Ballermann-Flair und zog dann in die etwas ruhigere Nordwestecke um, wo er am 3. Juni zuletzt gehört wurde. Ob es sich, nach mehr als zehn Tagen Pause, bei einem am 15. Juni singenden Männchen um denselben Vogel oder einen späten Heimzieher gehandelt hat, muss offen bleiben. An der Kiesgrube Ballertasche (lange Verweildauer im Vorjahr) traf ein Männchen am 3. Juni ein, wurde aber später nicht mehr festgestellt. Offenkundige Heimzügler ließen sich am 26. April an der Kiesgrube Reinshof (zwei), am 6. Mai im Leinepolder, am Northeimer Freizeitsee und Seeburger See sowie am 7. Mai an der Geschiebesperre vernehmen.
Wie der Waldlaubsänger hat offenbar auch der Gelbspötter eine schlechte Saison. An den Northeimer Kiesteichen, am Freizeitsee, am Lutteranger und an der Kiesgrube Reinshof waren Einzelreviere besetzt. Am 5. Juni sangen in der Rhumeaue Bilshausen - Wollershausen sechs Männchen. Darüber hinaus existiert noch eine Handvoll Junibeobachtungen vermutlich umherstreifender Männchen. In Göttingen konnte kein einziges Revier ausgemacht werden, allerdings fand auch keine gezielte Suche auf großer Fläche statt.

Gelbspötter - S.Hörandl
Abb. 23: Gelbspötter an der Bauschuttdeponie Gö.-Geismar. Foto: S. Hörandl

Am Göttinger Kiessee hielten sich, mit Unterbrechungen, bis zum 28. April Seidenschwänze auf. Die Größe des Trupps schwankte zwischen zwei und 60 Ind. Am 1. März rasteten 15 Vögel bei Reyershausen, am 3. März 20 Ind. am Nordrand des Göttinger Ostviertels. Recht ungewöhnlich ist die Beobachtung von 12 Ind. im Hochsolling, die am 25. März auf Fichten eine Pause einlegten. Am Leineberg und auf dem Stadtfriedhof fraßen sich vom 3. bis 11. April bis zu 20 Ind. durch das Beerenangebot.

Von der Ringdrossel liegen 16 Beobachtungen von insgesamt 18 Ind. vor. Ein Weibchen, das am 18. Mai (also für den Heimzug recht spät) frisch tot unter einer Fensterscheibe an der Göttinger Norduni lag, wies Merkmale auf (z.B. breite weiße Federränder der Unterschwanzdecken), die für die südliche Unterart alpestris sprachen. Allerdings ergab die genauere Befassung mit der Thematik, dass die Zuordnung von Weibchen gerade im Frühjahr wegen des abgetragenen Gefieders extrem knifflig, wenn nicht unmöglich ist. Um ganz sicher zu gehen, wurden DNA-Proben genommen, Das Ergebnis fiel auch hier unbefriedigend aus, weil die Proben den häufigsten Haplotyp zeigten, den beide Unterarten gemeinsam haben. Gleichwohl war die Diskussion um diesen Vogel (auch mit auswärtigen Experten) äußerst lehrreich. So soll es sein…

Ringdossel - V.Lipka
Abb. 24: Ringdrossel (Scheibenanflug) an der Nord-Uni. Foto: V. Lipka

Erstaunlich: Nachdem im Mai/Juni 2016 über Wochen ein altes Männchen des Zwergschnäppers in der Billingshäuser Schlucht bei Gö.-Nikolausberg gesungen hatte, tauchten ein Jahr später ab dem 29. Mai im Göttinger Stadtwald nahe der Panzerstraße gleich zwei Sänger auf (ein Rotkehlchen und ein Halbstarker). Ihr Gesang wurde nach dem 25. Juni nicht mehr vernommen. Ob sie sich verpaaren konnten, ist eher unwahrscheinlich.
Im Wildtiergehege am Kehr sang im Mai zehn Tage lang ein Männchen des Trauerschnäppers, nach Jahren des Fehlens in diesem früheren Göttinger Verbreitungsschwerpunkt. Nordöstlich vom Rinderstall im Kaufunger Wald tat es ihm ein Artgenosse am 25. Mai ausgiebig nach. Darüber hinaus existieren 16 Beobachtungen von ca. 17 heimziehenden Vögeln.

Aus dem Leinepolder Salzderhelden (I und II) liegen drei Junibeobachtungen des Braunkehlchens vor, darunter ein singendes Männchen und an anderer Stelle zwei verpaarte Vögel.
In der Feldmark Wiebrechtshausen war ein neues Brutpaar des Schwarzkehlchens auf Anhieb mit zwei Jungen erfolgreich. Neuansiedlungen mit Bruterfolg gab es auch in der Feldmark bei Hohnstedt, in den Schweckhäuser Wiesen und in der Feldmark Mingerode. Der neue Brutplatz in der Suhleaue östlich von Seulingen war auch im Folgejahr wieder besetzt, vermutlich auch derjenige südlich vom Gut Wickershausen. Der mehrjährige, auch in diesem Jahr wieder besetzte Brutplatz am Grenzstreifen bei Ecklingerode stand am 12. Mai voller Schafe. Nachhaltig vertreiben konnten die wolligen Rasenmäher die Vögel aber nicht, wie auch in einem beweideten Teil der Feldmark Hohnstedt. Allein der Bestand in der Rhumeaue zwischen Hammenstedt und Gieboldehausen kann locker auf knapp zehn Paare veranschlagt werden. Der positive Trend hält an, das Ausbreitungspotential der robusten Kerlchen mit hohem Sympathiewert scheint noch lange nicht ausgeschöpft zu sein.

Schwarzkehlchen - M.Siebner
Abb. 25: Junges Schwarzkehlchen in der Feldmark Gö.-Geismar. Foto: M. Siebner

Am Denkershäuser Teich hatten fünf Blaukehlchen Reviere besetzt. Der Brutbestand ist seit zehn Jahren stabil (vgl. Heitkamp 2013). In der (zuvor selten besuchten) Rhumeaue bei Wollershausen zeigten zwei bis drei revierhaltende Männchen eine ordentliche Besiedlung an. Den Brutverdacht aus dem letzten Jahr in der Suhleaue bei Rollshausen konnte ein eben flügger Jungvogel optimal erhärten. Die bekannten Vorkommen im Leinepolder, an der Geschiebesperre, in der Rhumeaue bei Lindau sowie am Seeanger und Seeburger See bestätigten sich erneut, teils auch mit flüggen Jungvögeln.
Heimziehende Steinschmätzer erreichten am 11. Mai mit elf Vögeln an den ehemaligen Tongruben Siekgraben ein eher mageres Maximum. An anderen Orten lagen die Tagessummen durchweg im (zumeist niedrigen) einstelligen Bereich.

Die jährlich Mitte Juni (mit Nachkontrollen) vorgenommene Zählung von Baumpiepern auf dem Kerstlingeröder Feld erbrachte Hinweise auf 24 Reviere (im Vorjahr 18). An den wenigen Orten, an denen er überhaupt noch vorkommt (u.a. Rhumeaue, Sandgrube Meensen, Hühnerfeld im Kaufunger Wald) bewegten sich die Zahlen im einstelligen Bereich.
Die Maximalzahlen rastender Wiesenpieper stammen von den ehemaligen Tongruben Siekgraben: Am 12. März rasteten hier 59 Ind. Am 4. April fiel die Tagessumme mit 55 Ind. nur unwesentlich niedriger aus. Positives gibt es aus dem Leinepolder zu berichten: Am Ostdeich der Polder II und III siedelten sechs bis sieben Paare, darunter mindestens vier mit Bruterfolg. Der (verwaiste?) Brutplatz in der Leineaue bei Bovenden war am 17. April von zwei singenden Männchen bevölkert. Angaben zum weiteren Verlauf fehlen leider. Ansonsten im Landkreis Göttingen: Fehlanzeige.
Der einzige Rotkehlpieper der Saison zog am 6. Mai über Gö.-Nikolausberg.
An der Kiesgrube Ballertasche hielten sich vom 4. März bis zum 9. April bis zu sechs Bergpieper auf. Am 10. April belebten drei Ind. die „Kalahari“ (GVZ III) im Göttinger Westen. Am Seeanger und an der Geschiebesperre verweilten jeweils ein bis zwei Ind., im letztgenannten Gebiet bis zum 28. April.

Am 5. Mai gab eine weibliche Zitronenstelze dem Seeanger die Ehre - die zweite „richtige“ Seltenheit nach der Rötelschwalbe. Kaum war sie weg, tauchte am Folgetag erstaunlicherweise ein Männchen auf, das von den beiden Göttinger Birdrace-Teams frenetisch als unverhoffte Bonusart gefeiert wurde. Wenn man sich das Gewirr toter Äste anschaut, die gerade im „Pfuhl“ an der Ostseite ins oder übers Wasser ragen - einen besseren Brutplatz dürfte es weit und breit nicht geben. Knapper verfehlen konnten sich zwei potentielle Partner wohl kaum… Für den Seeanger existieren jetzt seit 2009 vier Lokalnachweise.

Zitronenstelze - B.Bartsch
Abb. 26: Weibliche Zitronenstelze im Seeanger. Foto: B. Bartsch

Während des einzigen Zähltermins zur Hauptheimzugzeit des Buchfinken zogen am 12. März 1479 Ind. über das Kerstlingeröder Feld. Es ist wohl dem warmen März zu verdanken, dass sich bereits am 20. April, aus regionaler Sicht wohl singulär früh, am Kiessee Jungvögel bemerkbar machten, die gerade das Nest gerade verlassen hatten.
Aus dem März liegen bis zum 9. des Monats noch drei Wahrnehmungen des östlichen „Trompetergimpels“ vor.
Von den anderen Finkenvögeln existieren keine Daten, die im Rahmen dieses Berichts einer besonderen Erwähnung bedürfen.

Im Leinepolder Salzderhelden (IV) machte sich am 26. April eine heimziehende Grauammer bemerkbar. Die Nachweise dieser seit den 1990er Jahren als Brutvogel ausgestorbenen Art (letzter Brutplatz bei Einbeck-Drüber) scheinen langsam zuzunehmen. Ob dies Anlass zum Optimismus bietet bleibt abzuwarten.
Im Berichtszeitraum gab es keinen Nachweis des Ortolans. Auch der Brachpieper fehlte. Beide Arten machen vor allem mit ihrem Flugruf auf sich aufmerksam. Mittlerweile gibt es zuhauf Vogelstimmen-Apps, die das problemlose Bestimmen oder Wiedererkennen von Vogelgesängen und -rufen suggerieren. Ältere Semester können ihre Hörschwäche von der Firma eines (im Nebenjob) sinistren Fußball-Vereinspräsidenten beheben lassen. Warum hört sie trotzdem keiner mehr? Die Antwort steht (vielleicht) in einem der nächsten Sammelberichte…

Hans H. Dörrie

Literatur:

Dörrie, H.-H. (2002): Avifaunistischer Jahresbericht 2001 für den Raum Göttingen und Northeim. Naturkdl. Ber. FaunaFlora Süd-Niedersachs. 7: 4-103.

Goedelt, J. & H. Schmaljohann (2002): Neues vom Kerstlingeröder Feld - Ergebnisse einer Revierkartierung im Jahr 2001. Naturkdl. Ber. Fauna Flora Süd-Niedersachs. 7: 178-187.

Heitkamp, U. (2013): Die Vögel des Denkershäuser Teiches. Eigenverlag.

Mebs, T. & W. Scherzinger (2000): Die Eulen Europas. Kosmos-Verlag.

Melles, F. & T. Brandt (2016): Moorenten zurück in Niedersachsen. Der Falke 63: 34-39.

Dieser Bericht basiert in erster Linie auf 31.200 Beobachtungen von über 100 Melderinnen und Meldern der Datenbank ornitho.de. Andere Beobachterinnen und Beobachter lieferten Einzeldaten oder erteilten Spezialauskünfte zu bestimmten Arten. Ihnen allen gilt der Dank des Verfassers. Besonders aktiv waren die Damen und Herren:
P.H. Barthel, B. Bartsch, R. Bayoh, K. Beelte, S. Böhner, L. Bolte, J. Bondick, M. Borchardt, G. Brunken, S. Bust, J. Bryant, A. Delius, K. Dornieden, M. Drüner, M. Fichtler, M. Georg, K. Gimpel, M. Göpfert, E. Gottschalk, M. Grandt, S. Grassmann, C. Grüneberg, W. Haase, F. Hadacek, J. Hegeler, O. Henning, D. Herbst, V. Hesse, S. Hillmer, U. Hinz, S. Hörandl, S. Hohnwald, S. Holler, D. Hubatsch, M. Jenssen, A. Juch, K. Jünemann, R. Käthner, H.-A. Kerl, P. Kerwien, P. Keuschen, M. Kiepert, J. Kirchner, F. Kleemann, M. Kuschereitz, V. Lipka, D. Mederer, G. Mackay, T. Matthies, T. Meineke, K. Menge, H. Meyer, S. Minta, M. Mooij, T. Orthmann, M. Otten, S. Paul, C. Paulus, B. Preuschhof, S. Racky, D. Radde, U. Rees, B. Riedel, J. Rosenkranz, H. Rumpeltin, H. Schmidt, D. Schopnie, M. Schulze, L. Sebesse, M. Siebner, D. Singer, L. Söffker, I. Spittler, A. Stumpner, A. Sührig, D. Trzeciok, W. Unkrig, F. Vogeley, W. Vogeley, K. Wagner, C. Weinrich, J. Weiss und D. Wucherpfennig.

Buchfink - S.Hillmer
Abb. 27: Früher Start ins Leben: Junger Buchfink im April am Göttinger Kiessee. Foto: S. Hillmer

July 16th, 2017

Das Birdrace 2017 in Süd-Niedersachsen

FxSchnabel - MSiebner
Abb. 1: Nur eine Art auf der langen Birdrace-Liste:
ein Fichtenkreuzschnabel bei Ellershausen. Foto: M. Siebner

Die Regeln sind denkbar einfach: Ein Team, bestehend aus zwei bis fünf Personen, beobachtet und zählt auf dem Gebiet eines Landkreises an einem Kalendertag Vögel, oder genauer gesagt: Vogelarten. Gewertet werden darf jede Art, die von der Mehrzahl der Teammitglieder gesehen oder gehört und bestimmt wird. Seit 2004 organisiert der Dachverband deutscher Avifaunisten (DDA) dieses bundesweite Birdrace. Das Interesse daran nimmt seitdem beständig zu. Seit dem zweiten Jahr seines Bestehens findet das Spektakel unter süd-niedersächsischer Beteiligung statt. Mit den Spitzenplätzen in der Gesamtwertung haben die hiesigen Mannschaften aufgrund der geographischen Voraussetzungen nichts zu tun, das schmälert allerdings nicht den Enthusiasmus.

Die “Göttinger Sozialbrachvögel” sind zumindest dem Namen nach ein Team der ersten Stunde, wobei die Mannschaft (2017 bestehend aus Bela Bartsch, Shauna Grassmann, Karl Jünemann, Phil Keuschen und Birdrace-Veteran Mathias Siebner) seitdem nahezu komplett ausgewechselt wurde. Zudem gingen auch in diesem Jahr wieder Mischa Drüner und Maarten Mooij als “Dynamo avigoe” an den Start, und zwar verstärkt durch Andreas Wiedenmann. Seit einigen Jahren versuchen sich zudem auch regelmäßig Teams im benachbarten Landkreis Northeim. Wie schon im letzten Jahr traten Ole Henning, Severin Racky und Silvio Paul als “Leineuferläufer” dort an. Was Kurt Tucholsky über Familienfeiern wusste, klärt auch die Frage, warum ein Teil des traditionellen Birdrace-Teams “VIE will rock you!” (namentlich Daniel Hubatsch und Jonathan Rosenkranz) aus dem Kreis Viersen (NRW) in diesem Jahr als “Partizan Marzipan” im Kreis Northeim antrat: „Niemand geht gerne hin, aber wehe es fehlt einer!“ Und so kam die kuriose Situation zustande, dass sich das Zweierteam, der eine von Ilsede (Peine), der andere von Düsseldorf kommend, am Vorabend um 22 Uhr in Bad Lauterberg traf, um danach direkt Richtung Northeim aufzubrechen – einem Kreis, den beide noch nie zuvor betreten hatten und einzig aus hastigen ornitho-Recherchen kannten. Der Arbeitskreis Göttinger Ornithologen lässt den Tag des Rennens hier noch einmal Revue passieren.

Der Vorabend, 23:30 Uhr
: Partizan Marzipan erreicht das Nachtlager. Nach einstündiger Fahrt erreicht das selbsternannte „Urlaubsteam“ bei dichtem Nebel einen Waldparkplatz im Solling und rollt im Auto die Isomatten aus – da ruft draußen schon der erste Raufußkauz. Für die Flachlandindianer eine tolle Art, für das Birdrace aber noch zu früh! Ärger hält nur auf, also gute Nacht. Nach ein paar unruhigen Stunden Schlaf „balzt“ um 4 Uhr der Wecker – erste Art Waldschnepfe! Nach diesem tollen Start fällt das Aufstehen umso leichter und wird beim Gang in den Wald mit Raufuß- und Sperlingskauz, Waldohreule und Waldkauz belohnt. Zurück am Auto angekommen, trifft das Team auf die Leineuferläufer. Bis zur Mittagszeit fahren beide Teams gemeinsam durch den Solling.

03:30 Uhr: Leineuferläufer starten ins Projekt Titelverteidigung. Nach einer unruhigen Nacht in einer eher durchschnittlich behaglichen Unterkunft in der Solling-Metropole Uslar und nach einem Kaffee bricht mit den Leineuferläufern das Siegerteam des Vorjahres auf der erfolgserprobten Route durch den Landkreis Northeim auf. Der Auftakt im Solling ist vielversprechend, bereits am ersten Haltepunkt kann der Raufußkauz auf der Liste mit einem Kreuzchen versehen werden und ruft auch an drei weiteren Stellen. Drei weitere Eulenarten kommen hinzu, ebenso etliche weitere der begehrten Waldarten, und das trotz Nebel. Eine weitere erfreuliche Überraschung hält die Morgendämmerung bereit: völlig überraschend stoßen die Leineuferläufer auf die zwei Beobachter des Teams Partizan Marzipan - die Runde durch den Solling wird also zu fünft fortgesetzt. Problematisch hingegen die Situation bei den Spechten: Mit Ach und Krach gelingt der Nachweis des Buntspechtes - darüber hinaus: Fehlanzeige.

Göttinger Sozialbrachvögel
Abb.2: Teambild der “Leineuferläufer”.

03:40 Uhr: Auch Dynamo avigoe ist auf Achse. Frisch im Kopf, aber noch nicht im Körper, geht es zum Kerstlingeröder Feld. Kälte, Nebel und Wind scheuchen keine Vögel auf. Außer Singdrossel und Amsel ist es ruhig, und für jede Art muss gearbeitet werden. Der Grünspecht kommt nicht aus seiner Höhle heraus. Eine Strophe von Waldlaubsänger reicht glücklich. Später wird Dynamo avigoe während des Spaziergangs durch Schwarzspecht und nur wenige Baumpieper begleitet. Die anderen Charakterarten vom Kerstlingeröder Feld, d.h. Wendehals, Grauspecht und Neuntöter(!), können leider nicht dazugeschrieben werden. Während eine Mönchsgrasmücke ruft, erklingt ein anderes “Tack“. Eine Ringdrossel setzt sich oben in einen Baum. Dennoch fängt das Birdrace mau an.

3:50 Uhr: Teamversammlung der Sozialbrachvögel am Göttinger Stadtfriedhof. Kurz nach 4 Uhr morgens ist das ambitionierte Quintett bereit, einen langen Tag anzutreten und es kann bereits ein Rotkehlchen als erste Art des Tages verzeichnen. Im Bramwald angekommen, bringt das Wetter viel Nebel am Boden und Wind über den Baumkronen: Nur der Waldkauz meldet sich zu Wort. Ein sehr ernüchternder Anfang, da Eulen und Waldschnepfe still bleiben. Das Wetter sorgt auch dafür, dass die Turteltauben in Ellershausen nicht aufwachen wollen, hingegen aber ein Wildschwein. Ein überfliegender Pirol, fotogene Fichtenkreuzschnäbel und die oft fehlende Haubenmeise sorgen für gute Laune in der Truppe. Das Team entscheidet sich um 9:20 Uhr, auf Fahrräder umzusteigen und steuert auf den Kiessee zu. Hier können ein Zwergtaucher im Geäst, Trauer- und Grauschnäpper und ein Kormoran notiert werden. Ein Eisvogel an der Rase und ein rufender Waldwasserläufer sind wichtige Arten, bevor es mit dem Auto weiter geht.

Wiesenweihe - Dynamo avigoe
Abb.3: Allem Anschein nach eine männliche Wiesenweihe
für das Team “Dynamo avigoe”. Foto: M. Mooij

09:24 Uhr: Dynamisch vom Siekgraben zur Ruhmeaue. Dynamo avigoes Hoffnung auf ein paar Zwergschnepfen am Siekgraben wird leider nicht erfüllt, ebenso auf die erhoffte Haubenmeise am Stadtfriedhof. Stattdessen endlich die erste Elster und ein Feldschwirl an der ehemaligen Tongrube und Wasseramseln am Hagenweg. Beim Zwischenstopp in Nikolausberg: ein Sperber über dem Hang. Bei Wollershausen fliegt eine Bekassine aus dem Schilf auf, und auch Braun- und Schwarzkehlchen zeigen sich in der wärmenden Mittagssonne. Eine am Himmel kreisende Weihe wird erst bei der Nachbestimmung anhand des Fotos als Wiesenweihe deklariert.

Dynamo avigoe Einsatzfahrzeug
Abb.4: Einsatzfahrzeug von “Dynamo avigoe” beim Boxenstopp bei einem Eichsfelder Qualitätsgastronom. Schärft die Wurst ebenso wie den Birder-Blick!

12:30 Uhr: Technischer Wechsel bei Partizan Marzipan. Am Freizeitsee Northeim angekommen, trennen sich die Wege der beiden Northeimer Teams. Nun mit dem Rad unterwegs, liefern die Kiesteiche für Partizan Marzipan schöne Arten wie Zwergmöwe, Schwarzhalstaucher, Schilfrohrsänger und Beutelmeise. Anschließend bringt die Geschiebesperre Hollenstedt die erhofften Limikolen und weitere schöne Arten auf die Liste. Gegen 14 Uhr wird die 100-Arten-Grenze geknackt – für das ortsfremde Team ein erster Teilerfolg. Weiter geht’s zum Leinepolder Salzderhelden, wo als Tageshighlights ein nur kurz zur Rast einfallender Kiebitzregenpfeifer wartet und aus einem Weidengebüsch ein wohl durchziehender Drosselrohrsänger knarrt.

13:00 Uhr
: Mittagspause mit Pizza, neuen Arten und gutem Wetter. Die Göttinger Sozialbrachvögel haben sich trotz großem Proviant im Garten ihres Birdrace-Ältesten zum Pizza essen versammelt, wo Birkenzeisig und Türkentaube planmäßig auf sich aufmerksam machen. Dank Karls großem Auto werden fix fünf Fahrräder verstaut, damit man auf das Kerstlingeröder Feld radeln kann. Hier herrscht bis auf einen Neuntöter und einen singenden Trauerschnäpper am Kehr absolute Stille. Nächster Stopp ist die Rhumeaue, wo nicht nur zwei Nilgänse zu sehen sind, welche sich demonstrativ auf einen Jäger-Hochsitz stellen und Krach machen. Auch Schwarzspecht, Grauspecht und Feldschwirl lassen von sich hören.

15:00 Uhr: Verschnaufen bei den Leineuferläufern. Zeit für ein Zwischenfazit. Die Leineuferläufer konnten auch den Vormittag recht erfolgreich nutzen. Mit Wendehals, Trauerschnäpper und Schilfrohrsänger konnten gleich mehrere gute Birdracearten eingestrichen werden, und auch der Zwischenstand von 102 Arten geht in Ordnung. Entsprechend zuversichtlich ist die Stimmung in der Kulinarik-Oase “City Grill” in Einbeck, die die Leineuferläufer beherbergen darf. Die Tour wird in Richtung Deponie Blankenhagen fortgesetzt, wo sich mit Dohle und Hohltaube problemlos zwei Lücken auf der Tagesliste schließen lassen. Besonders beeindruckend dort aber sind rekordverdächtige 220 Kolkraben. Problemvögel bleiben weiterhin: die Spechte…

16:30 Uhr
: Paukenschlag bei Dynamo avigoe - Ankunft in Seeburg, endlich flutscht es mal wieder! Die Limikolen, Entenvögel und Schafstelzen stocken die Liste in kurzer Zeit um etliche Arten auf. Das hebt die Moral. Und Wahnsinn: Eine Zitronenstelze, auf die andere Beobachter vor Ort aufmerksam machen. Dass die Tags zuvor dort beobachtete weibliche Zitronenstelze noch da sein würde, hatte wohl keiner einkalkuliert, aber dass nun mit einem Männchen gar extra ein neues Individuum eingeflogen wurde, nehmen die Birdracer dankbar zur Kenntnis.

18:00 Uhr
: Sozialbrachvögel treffen am letzten Beobachtungsort Seeburg ein. Ein ehemaliges Teammitglied und Maskottchen der Göttinger Sozialbrachvögel (Teamfoto!) leitete durch Rauchzeichen die Gruppe zu einem Gelbspötter am Lutteranger. Eine Kanadagans kam dort noch schnell dazu. Am Seeburger See angekommen ist es bereits 20:33 Uhr, und bei leckerem Kuchen, Gemüse und einem Bier kann man knapp 30 Schwarzhalstaucher, Trauerseeschwalben und einen Baumfalken beim Jagen beobachten. Da der Tag für die Göttinger Sozialbrachvögel im Zeichen der gelben Vögel mit Gelbspötter, Pirol und Zitronenstelze stand, ist es auch nicht verwunderlich, dass ein ganz knallgelbes Entenküken dann noch für den Abschluss sorgt.

19:30 Uhr
: Früher Abpfiff für Partizan Marzipan. Nach dem euphorischen Artensammeln macht sich ab dem späten Nachmittag mehr und mehr Unmut breit: bei der Suche nach tollen Arten in tollen Gebieten hat das Zweierteam keine Augen für einige Allerweltsarten gehabt: Teichhuhn, Hohltaube, Dohle, Grünspecht, Gimpel, und Feldsperling fehlen noch auf der Liste! So sollen bis zum Schluss zwar dennoch Hohltaube und Dohle auf der Liste fehlen, niemand sonst aber wird die grenzenlose Freude über den Ruf eines Teichhuhns verstehen können, das um 19:30 Uhr als letzte neue Tagesart seinen majestätischen Ruf in der Rhumeaue bei Lindau ertönen lässt. Am Ende stehen 116 Arten zu Buche und Partizan Marzipan die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben.

21:45 Uhr: Aus, Schluss und vorbei bei den Leineuferläufern. Den Schlusspunkt setzt der Wachtelkönig, und mit Rebhuhn und Wespenbussard gelangten zuvor auch noch zwei unerwartete Arten auf die Liste. Doch insgesamt bleibt die letzte Station des Teams - der Leinepolder Salzderhelden - hinter den Erwartungen zurück: Zum Beobachten suboptimale Flächen und nur das “Pflichtprogramm” bei den rastenden Vögeln machen ein echtes Spitzenergebnis nicht möglich. Ob 122 Arten wohl für die Titelverteidigung ausreichen?

23:00 Uhr: Schweiß, Blut, Tränen - und der Sieg. Trotz des sehr holprigem Anfangs, und obwohl für die Göttinger Sozialbrachvögel der Waldkauz die einzige Eulenart des Tages bleibt, kommt das Team mit 125 Vogelarten auf den sicheren Sieg in der Regionalwertung und einen tollen, erlebnisreichen Tag.

Sozialbrachvoegel
Abb.5: Teambild der “Göttinger Sozialbrachvögel”.

23.30 Uhr: Dynamo ohne Energie: Nach dem dicken Motivationsschub am späten Nachmittag wird es mit fortschreitender Dämmerung richtig dünn: keine Schleiereule, kein Blaukehlchen in drei Anläufen, keine Wasserralle, keine Wachtel, kein Rebhuhn. Und schließlich eine halbe Stunde vor Mitternacht keine Energie mehr. Wer sich so noch nicht gefühlt hat, weiß nicht, was müde heißt - zu müde, um gleich ins Bett zu gehen. Von der Konkurrenz um über zehn Arten überboten, dennoch glücklich.

Am Ende des Tages bleibt festzuhalten, dass die Mannschaft um Frontfrau Shauna Grassmann einen beeindruckenden Auftritt hingelegt hat und sich völlig zu Recht ein Jahr lang mit der Krone des Regionalmeisters schmücken darf. Es darf angenommen werden, dass das insgesamt verzögerte Frühjahr und die moderaten Wetterbedingungen am Wettkampftag das regionale Gesamtergebnis von insgesamt 143 Arten positiv beeinflusst hat. Mehr Arten wurden jedenfalls nur im Fabeljahr 2013 (148 Arten) beobachtet. Und augenscheinlich haben die sonst oftmals kniffligen Brutvogelarten (Heckenbraunelle, Schwanzmeise, Kernbeißer, Gimpel und Co.) in diesem Jahr deutlich weniger Probleme bereitet und sich einigen Teams gleich mehrfach aufgedrängt. Es bleibt also noch eine Menge zu fachsimpeln, bis im Mai 2018 der Startschuss für das nächste Birdrace fällt.

Die Ergebnisse aller Teams finden sich hier.

S. Paul

Vielen Dank an die Berichterstatter M. Drüner, D. Hubatsch und Phil Keuschen

Birdrace
Radweg Dynamo avigoeBirdrace - Bramwald - SozialbrachvögelBirdrace Dynamo avigoeBirdrace - Grone - Sozialbrachvögel
Abb. 6-10: Impressionen vom 2017er Birdrace.

June 2nd, 2017

Der Vogelwinter 2016/17 in Süd-Niedersachsen: zeitweise kalt und meistens ruhig

Seidenschwanz - MSiebner
Abb. 1: Seidenschwanz am Göttinger Kiessee. Foto: M. Siebner

Das Winterwetter war geprägt von einem eisigen Januar, der ca. 2°C kälter ausfiel als im Mittel. In den Niederungen fiel jedoch nur wenig Schnee. Die Stillgewässer waren über Wochen zugefroren. Nur der Northeimer Freizeitsee wies einen eisfreien Bereich von nennenswerter Größe auf, an dem sich im Hochwinter mehr als 1000 Wasservögel konzentrierten. In der letzten Februardekade tauten die Gewässer wieder auf, wobei das Orkantief „Thomas“ am 23. des Monats diesen Prozess mit ergiebigen Regenfällen beschleunigte. Um der Wassermassen Herr zu werden, wurde die Leine im Polder 1 bei Salzderhelden schnell angestaut.
Anders als im vorangegangenen milden Winter 2015/16 verharrten einige Kurzstreckenzieher dieses Mal in nennenswerter Zahl. Dazu später mehr.

Der Winterbestand des Singschwans in der Leineniederung zwischen Northeim und Einbeck kann auf maximal zwölf bis 14 Ind. beziffert werden, darunter der seit Ende November präsente lettische Stammgast 2E 94 und nur zwei Jungvögel.
Am 18. Januar rasteten zwei Ind. im Seeanger nur kurz.
Zwei Kanadagänse hielten sich im Januar am Freizeitsee und an der Geschiebe-sperre auf, ein Einzelvogel ab dem 26. Februar am Seeburger See. Sechs Weißwangengänse präsentierten am 11. Dezember am Seeanger das Maximum für den Berichtszeitraum. Zwei Vögel vom 19. bis 21. Februar am Tanzwerder sind vermutlich ein Erstnachweis für den Altkreis Münden. Im Northeimer Raum konnten bis zu drei Vögel (am 26. Februar im Leinepolder) ausgemacht werden.

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Abb. 2: Weißwangengänse in Hann. Münden. Foto: W. Vogeley

Mitte Januar erreichten Tundrasaatgänse an ihrem Schlafplatz an der Geschiebesperre mit bis zu 3000 Ind. ihr hochwinterliches Maximum.
Am 5. Februar überflogen zwei Kurzschnabelgänse den Leinepolder Richtung Süden. Maximal 1800 Blässgänse fielen Mitte Januar an der Geschiebesperre zum Schlafen ein.
Am 9. Dezember ballerten Zeitgenossen, die sich in der Öffentlichkeit als „grüne Abiturienten“ spreizen, südlich der Geschiebesperre auf einfliegende Gänse. Dies geschah bis in die Dunkelheit, als nur noch die Silhouetten der Vögel zu erkennen waren. Man fragt sich (und wird es wohl nie erfahren), was von Leuten, deren Vogelartenkenntnis sich auch tagsüber im Nanobereich bewegt, zum reinen Vergnügen so alles vom Himmel geholt wird…
Der Winterbestand der Nilgans lag an der Geschiebesperre regelmäßig bei bis zu 150 Ind. Bemerkenswerte Ausnahmen bildeten der 27. Januar und der 14. Februar, als dort ca. 400 bzw. mindestens 320 Ind. notiert wurden. Das sind die höchsten jemals ermittelten Winterzahlen. Weiterhin darf gerätselt werden, woher die Mehrzahl dieser Gäste stammt. Aus dem Osten wohl kaum und auch nicht aus der Region, weil die Nilgans hier ein spärlicher Brutvogel ist. Zudem krakeelten die meisten der ansässigen Brutpaare an ihren Nistplätzen auch im Winter munter vor sich hin.
Winterliche Brandgänse ließen sich im Februar einzeln am Seeanger und Seeburger See sowie zu zweit (am 1. des Monats) an der Kiesgrube Reinshof bewundern.

Ein bis zwei Mandarinenten bevölkerten den Obertorteich in Duderstadt sowie über Wochen den Seeburger See und Seeanger, obwohl beide Gewässer nahezu komplett zugefroren waren.
Der Winterbestand der Pfeifente an der Rhume bei Northeim lag auch im kalten Januar unvermindert bei ca. 160 Ind. Als skurrile Göttinger Besonderheit ist ein über Wochen an der Leine präsentes Paar erwähnenswert, das an der Gailgrabenbrücke in der Südstadt bald jede Scheu ablegte und sich mit Weißbrot füttern ließ – seine obligatorische Pflanzenkost mal in anderer Form.
In der Wasserwüste des gefluteten Polder 1 versammelten sich Ende Februar mindestens 1900 Stockenten, für die Jahreszeit nicht untypisch.
Am 17. Februar zierte eine männliche Kolbenente die Northeimer Kiesteiche. Ihr folgten zehn Tage später am Seeburger See gleich sechs Ind. (4 M., 2 W.).
Auf dem eisfreien, nur wenige Hundert Quadratmeter großen Wasserloch am Northeimer Freizeitsee stapelten sich im Januar, nach dem Zufrieren aller anderen Stillgewässer, bis zu 620 Reiherenten, darunter auch (bis in den März) der aus dem Vorbericht bekannte männliche Hybrid Tafel- x Reiherente.

ReiherXTafelente - BRiedel
Abb. 3: Männlicher Hybrid Tafel- x Reiherente am Freizeitsee. Foto: B. Riedel

Das Maximum von bis zu 300 Tafelenten fiel schwächer aus als bei der vorigen Art, ist aber dennoch bemerkenswert, weil die Höchstzahlen normalerweise Ende Februar/Anfang März erreicht werden.
Eine männliche Bergente hielt am Seeburger See und Seeanger bis zum 21. Dezember durch. Als mögliche Eisflüchter vom Seeburger See, wo sie im Herbst länger präsent waren, trafen am 5. Dezember an den Northeimer Kiesteichen (Fischzuchtteich bei Edesheim) drei Artgenossen ein. Einer harrte bis zum 15. Januar aus.
Die seit dem 11. November 2016 an den Northeimer Kiesteichen anwesende weibliche Eisente wich auf den Freizeitsee aus und wurde dort letztmalig am 21. Januar beobachtet.
Eine weibchenfarbene Trauerente legte am 29. Dezember an den Northeimer Kiesteichen offenbar nur einen Zwischenstopp ein. In einer milden Phase um Weihnachten trafen am 23. Dezember am Seeburger See vier Samtenten ein. Ihre Zahl erhöhte sich am 30. des Monats auf fünf Ind., die dann der wieder zunehmenden Vereisung weichen mussten. Von den ursprünglich drei seit dem 23. November 2016 an den Northeimer Kiesteichen stationären Vögeln suchten zwei nach dem 20. Dezember das Weite. Der verbliebene Solitär ließ sich von den widrigen Bedingungen nicht beirren und legte auf dem Eisloch am Freizeitsee eine komplette Überwinterung hin, die aktuell noch andauert.

Zwergsäger lieferten am Freizeitsee mit 21 Ind. (7 M., 14 wf. Ind.) am 16. Februar ein aus regionaler Sicht bemerkenswertes, aber nicht untypisches Maximum.

Zwergsäger - MSiebner
Abb. 4: Schmuckes Zwergsäger-Männchen auf dem Göttinger Kiessee.
Foto: M. Siebner

Ein weibchenfarbener Mittelsäger vom Dienst (es wird höchste Zeit für ein prächtiges Männchen!) machte sich zuerst am 13. Januar am Seeburger See bemerkbar, zog dann wohl , weil dort nur ein kleiner eisfreier Bereich nahe der Auemündung existierte, nach dem 15. an den Freizeitsee um, wo er bis zum Ende des Berichtszeitraums gesehen wurde.

Bei einer gründlichen Zählung wurden am 31. Dezember auf der Leine im Göttinger Siedlungsbereich elf überwinternde Zwergtaucher gezählt, die, wie in den letzten Jahren, einen leicht unterdurchschnittlichen Bestand anzeigten.

Am Northeimer Freizeitsee ballten sich im Januar bis zu 140 Haubentaucher. Als auch dieses Gewässer bis auf das bereits erwähnte Loch zugefroren war, harrten immer noch bis zu 81 (25.1.) von ihnen dort aus. Später ging ihre Zahl auf 25 bis 30 Vögel zurück, die wahlweise als kaltblütig oder dickfellig zu bezeichnen auch für Vögel nur ein metaphorischer Behelf ist. Sie wurden zu guter Letzt vom Tauwetter zum Ende der zweiten Februardekade belohnt.
Von den beiden aus dem Vorbericht bekannten Schwarzhalstauchern an den Northeimer Kiesteichen hielt einer (auf den Freizeitsee umgezogen) bis zum 18. Januar durch.

An der Geschiebesperre Hollenstedt nahm am 19. Januar eine Rohrdommel ein Sonnenbad. Auch am 19. Februar zeigte sich dieser Vogel (oder ein Artgenosse) dort ganz offen, während ein anderer am Nordufer des Seeburger Sees entlang flog und im Schilf verschwand.
Der Rastbestand des Silberreihers erreichte in diesem Winter einen Tiefstand der letzten Jahre. Die bis zu 150 Vögel, die sich im Herbst am Seeburger See und im Seeanger zum Fischfang versammelt hatten, zogen nach dem weitgehenden Zufrieren dieser Gewässer schnell ab. An der Geschiebesperre Hollenstedt (Schlafplatz) hielten sich am 5. Dezember 86 Ind. auf. Im Hochwinter fielen dort maximal um die 40 bis 45 Vögel ein. In den Leinepoldern waren sie zumeist nur in einstelliger Zahl vertreten. Gebietsweise wurden mehr Graureiher als Silberreiher gezählt, das hat es lange nicht mehr gegeben. Am Göttinger Levin-Park begeisterten wiederum ein bis zwei „Stadt-Silberreiher“ mit geringer Fluchtdistanz die Laufkundschaft. Von der Auschnippe bei Adelebsen gibt es zwei Totfunde. Abgebissene Federn deuteten auf einen Raubsäuger, der die Vögel aber nicht unbedingt getötet haben muss. Als Grund für das ungewöhnlich magere Wintervorkommen kann Mäusemangel vermutet werden.

Silberreiher - MSiebner
Abb. 5: Silberreiher auf dem zugefrorenen Kiessee. Foto: M. Siebner

Das Weißstorch-Brutpaar aus Hollenstedt verbrachte den Winter nahe dem Brutplatz.

Von der Kornweihe liegen beachtliche 37 Winterbeobachtungen von 41 Ind. vor (wegen Mehrfachmeldungen vermutlich nur 17 Ind. betreffend), darunter fünf adulte Männchen. Länger präsent waren nur ein bis zwei Vögel im Leinepolder Salzderhelden, ein adultes Männchen in der Feldmark Eberhausen/Ellershausen (bis Anfang März) sowie, etwas aus dem Rahmen fallend, ein altes Weibchen am südlichen Göttinger Stadtrand, dem sich tageweise ein zweiter Vogel zugesellte.
Fliegende Haustüren, im Volksmund auch Seeadler genannt, werden allmählich (fast) zur Allerweltsart. Am 17. und 21. Dezember geriet am Seeburger See ein immaturer Vogel (wohl derselbe) in den Blick. Am 27. Dezember flog einer im 2. Kalenderjahr (eventuell ebenfalls der vom Seeburger See) über die Kiesgrube Ballertasche bei Hann. Münden nach Norden. Am 15. Februar sorgte ein Altvogel in der Feldmark Rosdorf für Panik unter Graureihern und Gänsen. Ein immaturer Artgenosse tat es ihm am 18. Februar an der Geschiebesperre und einen Tag später am Freizeitsee nach.

Seeadler - BRiedel
Abb. 6: Seeadler auf dem Eis des Freizeitsees. Foto: B. Riedel

Der Raufußbussard war vergleichsweise gut vertreten: Am 3. Dezember zog einer über den Diemardener Berg, am 23. Dezember einer über den Seeburger See und am 15. Januar über Gö.-Nikolausberg. Mit Fotos gut belegt ist ein adultes Männchen vom 26. Januar, das seine entspannte Patrouille am Göttinger Stadtrand bis zum Flüthewehr und zum Wassergewinnungsgelände führte. Den Abschluss bildet ein zweijähriger Vogel vom 25. Februar im Seeanger.
Winterliche Merline gerieten am 16. Januar in der Feldmark Reinshof (ad. M.) und am 28. Januar in der Feldmark Geismar vor die Optik. An der Geschiebesperre Hollenstedt gab ein adultes Weibchen am 25. Februar ebenfalls nur ein kurzes Gastspiel.

Die Hauptmasse der Kraniche zog wohl am 19. und 20. Februar durch, allerdings wie üblich zumeist in der Dunkelheit und daher nicht zählbar. Es dürften aber mehrere Tausend gewesen sein. Ansonsten tröpfelte der Zug vor sich hin, vierstellige Gesamt-Tagessummen liegen nicht vor.

Im Dezember und Januar gerieten einzelne Kiebitze am Seeanger, an der Geschiebesperre und den Northeimer Kiesteichen auf die Tageslisten. Durchgängige Überwinterungen gab es wohl nicht. Das bisherige Heimzug-Maximum lag am 26. Februar bei 920 Ind. im Polder I.

Von der Waldschnepfe gibt es fünf Beobachtungen von sechs augenscheinlich kerngesunden Ind., alle aus Waldgebieten bzw. (zweimal) aus der Kiesgrube Ballertasche.
Das Maximum ausharrender Bekassinen lag an der Geschiebesperre Hollenstedt am 28. Januar bei vier Ind. In anderen Gebieten (Kiesgrube Reinshof, Feldmark Rosdorf, Göttinger Kiessee, Kiesgrube Ballertasche und Seeanger) gab es Beobachtungen von Einzelvögeln. Zwei Vögel genossen am 2. Dezember den effektiven Schutz der JVA Rosdorf, wo ein kleiner Teich existiert.
Von der Geschiebesperre Hollenstedt liegen neun Beobachtungen des Waldwasserläufers vor. Ob sie die durchgängige Überwinterung eines Einzelvogels betreffen muss offen bleiben.

Über den Reinhäuser Berg zogen am 16. Januar drei Silbermöwen (1 ad., 2 K2). Am 17. Januar rasteten zwei Ind. am Freizeitsee. Die häufigere Steppenmöwe gelangte zehnmal zur Beobachtung, darunter zwei an der Kiesgrube Ballertasche bei Hann. Münden, die aus lokaler Sicht bemerkenswert sind. Eine adulte Heringsmöwe hielt sich vom 23. bis 25. Februar im Leinepolder auf.

Heringsmöwe -  PReus
Abb. 7: Heringsmöwe im Leinepolder. Foto: P. Reus

Ab dem 20. Februar labten sich bis in den März ca. 60 Hohltauben auf einem Sonnenblumenfeld am Wüsten Berg südlich von Göttingen. Anzahl und lange Verweildauer sind bemerkenswert.

Im Wäschetal bei Waake wurde am 13. Januar eine frischtote Schleiereule gefunden. Im Hochsolling gelangen im Februar Rufnachweise von je einem Raufuß- und Sperlingskauz.
Waldohreulen begannen recht früh mit der Balz. Am 10. Januar ließ sich bei Eberhausen ein Vogel vernehmen, am 19. Januar einer an der Geschiebesperre, am 22. Januar im Solling und am 15. Februar bei Mollenfelde. Am 18. Februar balzten zwei Vögel am Rand von Gö.-Nikolausberg (mit Flügelklatschen) sowie am 19. Februar auf dem Kerstlingeröder Feld und am 25. Februar in Lichtenhagen. Am 15. Dezember kreiste eine Sumpfohreule über den Häusern von Rosdorf und wurde dabei von Rabenkrähen gemobbt.
Der Göttinger Stadt-Waldkauz hat es sich möglicherweise im Alten Botanischen Garten gemütlich gemacht. Am 21. Februar ließ er sich am Bartholomäus-Friedhof blicken. Wahrnehmungen einer Eule im selben Bereich fünf Tage später könnten sich auf ihn bezogen haben. Dass er offenkundig nicht mehr heult, muss kein schlechtes Zeichen sein…

156 Beobachtungen von Eisvögeln in vielen Gebieten könnten darauf hindeuten, dass sich die Winterverluste, trotz wochenlanger Vereisung aller Stillgewässer, in Grenzen gehalten haben. Bewohner/innen der Göttinger Innenstadt war ein wenig scheuer Vogel ans Herz gewachsen, der am Leinekanal in Höhe Waageplatz ein Winterrevier besetzt hielt und ein offenbar reiches Nahrungsangebot souverän zu nutzen wusste.

Eisvogel - SHörandl
Abb. 8: Eisvogel im Göttinger Süden. Foto: S. Hörandl

Vom Raubwürger wurden nur zwei bis drei feste Winterreviere bekannt: wie immer auf dem Kerstlingeröder Feld und, recht bemerkenswert, an den ehemaligen Tongruben Siekgraben am westlichen Göttinger Stadtrand. Auf der wenig begangenen Hochfläche bei Gö.-Deppoldshausen konnte ein Ind. zweimal registriert werden. Aus dem Leinepolder (sonst alljährlich besetzt) liegt nur eine Beobachtung vom 18. Januar vor. Offenbar hat die Mäusearmut nicht nur den überwinternden Silberreihern zu schaffen gemacht. Darüber hinaus gibt es Einzelnachweise in der Feldmark Eberhausen, bei Reyershausen, im Bratental bei Gö.-Nikolausberg, bei Atzenhausen sowie östlich von Diemarden und von Duderstadt.

Von der Saatkrähe sind bis zu ca. 70 Ind. erwähnenswert, die bei Thüdinghausen überwinterten. Ansonsten lagen die Zahlen im einstelligen Bereich.
Ca. 60 Kolkraben, die sich am 8. Januar westlich von Meensen an einem Kadaver versammelt hatten und gegen Abend nach Westen abflogen sind insofern von Bedeutung, weil so große Trupps aus dem Südkreis bislang nicht bekannt geworden sind.

Sehr bemerkenswert war ab Mitte Januar das hochwinterliche Auftreten von Feldlerchen in den Feldmarken Reinhof und Gö.-Geismar mit maximal 250 Ind. am 24. des Monats. Im Januar des vorangegangenen sehr milden Winters fehlten sie komplett (was aber eher die Regel ist). Offenbar ermutigte ein gutes Nahrungsangebot (u.a. auf den Versuchsflächen des Klosterguts Reinshof) in Kombination mit wenig Schnee die Vögel zum Verweilen. Ob es sich um Winterflüchter aus dem Nordosten oder (eher unwahrscheinlich) frühe Zuzügler aus dem Südwesten handelte muss offen bleiben.

Feldlerche - Siebner
Abb. 9: Feldlerche im Göttinger Süden. Foto: M. Siebner

Nach fünf Dezemberbeobachtungen gab es im Januar nur eine Wahrnehmung des Zilpzalps (am 4. nahe der Geschiebesperre). Der Stimmfühlungsruf des Vogels wurde nur gehört, es liegt aber eine Tonaufnahme vor, die auf diese Art deutet. Aus dem Februar existieren keine Beobachtungen. Im Januar/Februar 2016 gelangten immerhin sechs zur Beobachtung.

Vom Sommergoldhähnchen (im Winter 2015/16 nur eine Beobachtung Anfang Februar!) liegen beachtliche sechs Januar-Beobachtungen vor. Am Northeimer Freizeitsee kam es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer erfolgreichen Überwinterung. Am Göttinger Levin-Park und in der angrenzenden Kleingartenkolonie „Edelweiß“ trat im Januar und Februar ein kleiner Trupp von drei Vögeln in Erscheinung, der ebenfalls eine durchgehende Überwinterung angezeigt haben könnte.

Endlich: Am 27. Januar tauchte am Northeimer Freizeitsee der erste Seidenschwanz auf. Ihm folgten vom 5. bis 7. Februar drei Artgenossen auf dem Kerstlingeröder Feld. Ein Trupp von neun Ind. fraß sich vom 8. bis 10. Februar durch die Kleingartenanlage „Am Kiessee“. Zum Monatsende ließ sich ein größerer Schwarm von mindestens 40 Vögeln auf Mistel-Pappeln am Kiessee nieder und sorgte für einen mittleren Auflauf von Vogelbeobachtern und Fotografen.

Am 26. Januar wurden im Neuen Botanischen Garten zwei Singdrosseln bestimmt. Ansonsten: Fehlanzeige bei Hochwinterbeobachtungen, wie üblich.
Am 8. und 12. Januar hielt sich ein, aus regionaler Sicht, jahreszeitlich ungewöhnliches Schwarzkehlchen in der Feldmark Gö.-Geismar auf.
43 Beobachtungen des Hausrotschwanzes sind recht bemerkenswert, bezogen sich aber zu einem Gutteil auf drei bis vier mittlerweile traditionelle Winterreviere an der Norduni, im Göttinger Industriegebiet (mit einem von unten erwärmten Flachdach als Wellness-Oase) und auf dem JVA-Gelände in Rosdorf. Wie im letzten Winter kam ihnen die Schneearmut zupass.

Hausrotschwanz - MSiebner
Abb. 10: Hausrotschwanz auf immergrünem Flachdach. Foto: M. Siebner

Von der Heckenbraunelle liegen beachtliche 40 Januar-Beobachtungen vor, darunter etliche an Futterstellen. Eine durchgehende Überwinterung von ein bis zwei Vögeln konnte wiederum am Northeimer Freizeitsee belegt werden, desgleichen von einem Einzelvogel in Gö.-Geismar.

Auch Wiesenpieper traten deutlich zahlreicher auf als im milden Winter 2015/16. Davon zeugten unter anderem 25 Ind. am 9. Januar in der Feldmark Rosdorf sowie die gleiche Anzahl am 21. Januar im Seeanger. Natürlich sind Vergleiche von Beständen überwinternder Kurzstreckenzieher auf regionaler Basis wenig aussagekräftig. Gleichwohl können sie Hinweise darauf liefern, wie differenziert und komplex das Zuggeschehen abläuft und welche Faktoren es bestimmen (wobei die Temperaturen vor Ort nur ein Faktor von vielen sind).
Vom Bergpieper liegen klägliche sechs Beobachtungen vor. Das Maximum am Hotspot Geschiebesperre betrug ganze drei Vögel…
Der Göttinger Winterbestand der Gebirgsstelze kann, wie in den Vorwintern, auf fünf bis sechs Vögel beziffert werden. An der Geschiebesperre erfolgte die übliche Überwinterung eines Vogels.

Gebirgsstelze - MSiebner
Abb. 11: Gebirgsstelze an der Leine in Göttingen. Foto: M. Siebner

Im kalten Januar wurden in verschiedenen Gebieten insgesamt etwas mehr als 30 Bachstelzen beobachtet (im milderen Januar 2016 24 Ind.), zumeist Einzelvögel.

Bergfinken traten in der Leineniederung nur in geringer Zahl auf. Ganz anders sah es in den Hochlagen des Sollings aus: Hier haben vermutlich Tausende überwintert. Leider konnte der Schlafplatz, den sie, schwer zu zählen, in der Dämmerung ansteuerten, nicht gefunden werden.
Vom nordischen „Trompetergimpel“ liegen seit dem 26. Oktober 2016 37 Beobachtungen (zumeist Einzelvögel) vor, erheblich weniger als im letzten Winter (80 Beobachtungen von mehr als 100 Ind.).
Aus regionaler Sicht sehr bemerkenswert, aber für kalte Winter nicht untypisch, waren ab Anfang Februar bis zu 15 Girlitze auf Ruderalflächen an der Norduni in Gö.-Weende.

Es ist allein der Systematik dieses Berichts geschuldet, dass ein Glanzlicht erst an dieser Stelle seine Strahlkraft entfalten kann: Am 24. und 25. Januar hielten sich in der Feldmark Reinshof drei Grauammern auf. Ihnen folgte am 27. ein Ind. am Freizeitsee. Seit dem Verschwinden als Brutvogel nach 1995 - das im Atlas deutscher Brutvogelarten aufgeführte Vorkommen im Leinepolder 2005 beruht auf der Wertung singender Männchen, die später wieder verschwunden waren, als „wahrscheinliche Brüter“ - traten Grauammern nur noch sehr vereinzelt auf dem Heim- und Wegzug auf. Die letzte Winterbeobachtung liegt mehr als 30 Jahre zurück.

Grauammer - MGeorg
Abb. 12: Grauammer in der Feldmark Reinshof. Foto: M. Georg

Dreistellige Maximalzahlen der Goldammer, die immer mehr aus der chemisierten Normallandschaft zu verschwinden scheint, gab es am Freizeitsee (120 Ind. am 10.1.), in der Feldmark Immensen (100 Ind. am 25.1.) und an der Otto-Hahn-Straße in Gö.-Weende (150 Ind. am 26.1.).
Der regionale Januarbestand der Rohrammer bestand aus drei Vögeln an den ehemaligen Tongruben Siekgraben, die den ganzen Monat über der Kälte trotzten.

Damit endet der Bericht, der nahezu ausschließlich auf Daten in ornitho.de beruht.

Hans H. Dörrie

Der Verfasser dankt folgenden Melderinnen und Meldern:

P.H. Barthel, B. Bartsch, R. Bayoh, S. Beisler, S. Böhner, L. Bolte, J. Bondick,
M. Borchardt, S. Brockmeyer, G. Brunken, S. Bust, J. Bryant, A. Delius, K. Dornieden, M. Drüner, M. Fichtler, T. Frischgesell, K. Gehring, M. Georg, K. Gimpel, M. Göpfert, A. Görlich, S. Grassmann, D. Gruber, C. Grüneberg, W. Haase, O. Henning,
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K. Wagner, C. Weinrich, J. Weiss, D. Wucherpfennig und vielen anderen.

Krickente - MSiebner
Abb. 13: Überwinterndes Krickentenmännchen am Flüthewehr. Foto: M. Siebner

March 11th, 2017

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