Heimzug und Brutzeit 2017 in Süd-Niedersachsen – (fast) alles schon mal da gewesen?

Wiedehopf - M.Siebner
Abb. 1: Wiedehopf im Göttinger Westen. Foto: M. Siebner

Unter dem knapp 2000 Jahre alten, hier leicht veränderten Sinnspruch des weisen Rabbi Ben Akiba wird im Folgenden ein kleiner Einblick in das süd-niedersächsische Vogelleben gegeben. Wie immer gibt es neben vielen Schattenseiten auch ein paar Lichtblicke. Sie alle zu dokumentieren ist das nüchterne Metier seriöser Avifaunistik. Wohl dem, der sich heute noch, animiert von der beschaulichen Devise “Mach’ es wie die Sonnenuhr, zähl’ die heit’ren Stunden nur“, in die Natur begibt. Sich darüber zu erheben oder gar lustig zu machen, ist völlig verfehlt: Bisweilen muss auch der abgeklärteste Vogelkundler - etwa nach der Durchquerung einer mit monströsen Windrädern zugestellten, güllegesättigten Glyphosat-Wüstenei - zu Stimmungsaufhellern greifen, wenn er seinen Seelenfrieden bewahren will. Trost spendende Kalendersprüche zählen dabei sicher zu den harmloseren Substanzen (more…)

July 16th, 2017

Das Birdrace 2017 in Süd-Niedersachsen

FxSchnabel - MSiebner
Abb. 1: Nur eine Art auf der langen Birdrace-Liste:
ein Fichtenkreuzschnabel bei Ellershausen. Foto: M. Siebner

Die Regeln sind denkbar einfach: Ein Team, bestehend aus zwei bis fünf Personen, beobachtet und zählt auf dem Gebiet eines Landkreises an einem Kalendertag Vögel, oder genauer gesagt: Vogelarten. Gewertet werden darf jede Art, die von der Mehrzahl der Teammitglieder gesehen oder gehört und bestimmt wird. Seit 2004 organisiert der Dachverband deutscher Avifaunisten (DDA) dieses bundesweite Birdrace. Das Interesse daran nimmt seitdem beständig zu. Seit dem zweiten Jahr seines Bestehens findet das Spektakel unter süd-niedersächsischer Beteiligung statt. Mit den Spitzenplätzen in der Gesamtwertung haben die hiesigen Mannschaften aufgrund der geographischen Voraussetzungen nichts zu tun, das schmälert allerdings nicht den Enthusiasmus. (more…)

June 2nd, 2017

Der Vogelwinter 2016/17 in Süd-Niedersachsen: zeitweise kalt und meistens ruhig

Seidenschwanz - MSiebner
Abb. 1: Seidenschwanz am Göttinger Kiessee. Foto: M. Siebner

Das Winterwetter war geprägt von einem eisigen Januar, der ca. 2°C kälter ausfiel als im Mittel. In den Niederungen fiel jedoch nur wenig Schnee. Die Stillgewässer waren über Wochen zugefroren. Nur der Northeimer Freizeitsee wies einen eisfreien Bereich von nennenswerter Größe auf, an dem sich im Hochwinter mehr als 1000 Wasservögel konzentrierten. In der letzten Februardekade tauten die Gewässer wieder auf, wobei das Orkantief „Thomas“ am 23. des Monats diesen Prozess mit ergiebigen Regenfällen beschleunigte. Um der Wassermassen Herr zu werden, wurde die Leine im Polder 1 bei Salzderhelden schnell angestaut.
Anders als im vorangegangenen milden Winter 2015/16 verharrten einige Kurzstreckenzieher dieses Mal in nennenswerter Zahl. Dazu später (more…)

March 11th, 2017

Das Ascherberg-Wäldchen –
von der Motorsäge wach geküsst

Ascherberg - SBöhner
Abb. 1: Ohne Worte. Foto: S. Böhner

Urwaldähnliche Vegetation aus einem vielfältigen, durch einen enorm hohen Alt- und Totholzanteil gekennzeichneten Baumbestand, dichte Gebüsche und Efeudschungel, Heimat von bis zu 35 Brutvogelarten (darunter auch von in Göttingen seltenen wie der Waldohreule) mit knapp 100 Paaren auf ganzen dreieinhalb Hektar: Der Ascherberg, genauer seine östliche Hälfte nahe dem Kiessee, war ein wilder, verwunschener Ort, an dem sich die Natur in den letzten 50 Jahren ungestört entwickeln konnte. (more…)

February 15th, 2017

Späte Brutzeit und Wegzug 2016 in Süd-Niedersachsen: mal warm, mal kalt - Wetter halt

Rauchschwalbe - Siebner
Abb. 1: Flügge Rauchschwalben am Göttinger Flüthewehr. Foto: M. Siebner

Das Wetter wies im Berichtszeitraum Juli - November einige Besonderheiten auf. Am 28. August fegte ein Sturm über den Göttinger Süden und sorgte am Kiessee für zahlreiche umgestürzte Bäume, vor allem alte Weiden. Der sehr warme September (fünf Grad wärmer als im Durchschnitt) glich mehr einem Sommermonat. Der Oktober war dagegen alles andere als golden und eher kühl. Der ungewöhnlich frühe Wintereinbruch in der ersten Novemberhälfte mit gebietsweise starken Schneefällen im Norden der Republik machte sich bei uns nur in abgeschwächter Form mit ein paar Frostnächten bemerkbar, in denen einige Kleingewässer, darunter auch Teile des Seeangers, schnell zufroren. Gleichwohl erreichten uns in diesem Zeitraum gefiederte Gäste auf der Winterflucht (more…)

Add comment December 8th, 2016

Der Waldkauz - Vogel des Jahres 2017 -
in Süd-Niedersachsen

Waldkauz - V.Hesse
Abb. 1: Waldkauz im Göttinger Stadtwald. Foto: V. Hesse

Die Wahl unserer häufigsten Eule durch den NABU soll die Familie der gefiederten Nachtgeister und den bevorzugten Lebensraum ihres Protagonisten Waldkauz (Strix aluco), altholzreiche Laub- und Laubmischwälder, in den Blick der Öffentlichkeit rücken. Über den Erfolg der Aktion wird man Ende kommenden Jahres vielleicht mehr erfahren. So viel lässt sich aber jetzt schon sagen: Zur weltweit gerühmten Lebensqualität unserer Geistesmetropole („extra Gottingam non est vita - si est vita, non est ita“) zählt sicher auch, dass Waldkäuze in der Peripherie ohne größeren Aufwand angetroffen werden können - in Revieren, die seit Jahrzehnten besetzt sind. Dazu später mehr. (more…)

October 19th, 2016

Heimzug und Brutzeit 2016 in Süd-Niedersachsen

Schwarzspecht - S.Paul
Abb. 1: Junges Schwarzspecht-Männchen auf dem Kerstlingeröder Feld.
Foto: S. Paul

Das Wetter im Berichtszeitraum von März bis Juni hielt wenige Überraschungen bereit. Nur der März fiel, relativ gesehen, aus dem Rahmen: Er war nicht nur sehr trocken, sondern auf weiten Strecken kälter als der Vormonat und der (allerdings sehr milde) Dezember 2015. Der April verlief durchschnittlich. In der letzten Dekade gab es einen Kälteeinbruch. Der Mai war insgesamt passabel. Über Pfingsten sorgten die Eisheiligen in der Monatsmitte für ein kühl-windiges Intermezzo. Der Juni gestaltete sich durchwachsen, mit starken Niederschlägen von bis zu 34 l/m² zum Monatsbeginn, immer wieder Regen und Gewittern sowie einer kleinen, unwetterträchtigen Hitzewelle (bis zu 34°C) in der letzen Dekade. Am 24. ließ ein schweres Gewitter mit Orkanböen im Eichsfeld zahlreiche Bäume umstürzen.

Als zugphänologische Besonderheit ist ein männliches Braunkehlchen hervorzuheben, das, fotografisch belegt, bereits am 3. April im Leinepolder Salzderhelden rastete. Der nächste Artgenosse zeigte sich zehn Tage später am 14. April (typisches Erstbeobachtungsdatum) im Seeanger. Die erste Nachtigall sang am 10. April am Nachtclub „Chateau“ (more…)

July 9th, 2016

Das Landesturnfest 2016 - ein Erlebnis der besonderen Art am Göttinger Kiessee

Absperrungen - Erlebnisturnfest
Abb. 1: Absperrungen am Kiessee

Massenevents sind heutzutage durchaus populär und auch legitim, um viele Menschen zu unterhalten und dies mit einem Hobby wie dem Ausüben einer Sportart zu verbinden. Leider wird hierbei nicht immer Rücksicht auf die Natur und ihre Bewohner genommen. Dies war auch beim so genannten „Erlebnis Turnfest“ der Fall, das vom 23. bis 26. Juni mit ca. 20.000 Aktiven und (angeblich) 250.000 Besuchern in Göttingen stattgefunden hat. Der Schwerpunkt der Aktivitäten lag dabei am Kiessee und seiner Umgebung in einem Landschaftsschutzgebiet.

Ursprünglich war die Veranstaltung für den Mai 2016 geplant. An der West- und Ostseite des Kiessees sollten zwei Bühnen errichtet werden, von denen man über einen Ponton übers Wasser hätte wechseln können. In der Dunkelheit sollten illuminierte “Wellness-Inseln” aus Plastik auf dem Wasser zum Verweilen einladen. Diese Planungen konnten von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt in Kooperation mit Natur- und Vogelschützern modifiziert werden (more…)

July 4th, 2016

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